Zum Hackerangriff auf Sony und zum Film „The Interview“

Gestern hab ich gelesen, dass die Premiere des Films „The Interview“ von Sony abgesagt wurde. Heute folgte die Info, dass keine Veröffentlichung des Films mehr geplant ist. Kein Kino, keine DVD, kein VoD, kein TV – nichts.

Nachdem ich das heute las, spürte ich plötzlich wie eine extreme Wut in mir hochstieg. So eine Wut wie sie bei mir glücklicherweise relativ selten hochkommt. Eine Wut, die nicht einfach so wieder verschwindet. Eine Wut mit der man sich auseinandersetzen muss. Warum war ich plötzlich so unglaublich wütend? Ist es weil ich jetzt diesen Film möglicherweise nie sehen kann? Nun, wahrscheinlich hätte ich den Film irgendwann mal gesehen, vielleicht wäre ich sogar ins Kino gegangen, obwohl ich nicht davon ausgehe. Ich bin auch kein extremer Seth Rogen oder James Franco Fan, wenngleich ich von beiden schon diverse Filme gesehen und zu Hause in meiner DVD Sammlung habe. Ich habe den Trailer zum Film vor einer guten Woche gesehen und gehe von einer eher durchschnittlichen kurzweiligen Hollywood Komödie / Satire aus. Nein, mit dem Film an sich hat es nichts zu tun.

Es ist einfach eine unfassbare Niederlage der freien Meinungsäußerung. Da wird ein künstlerisches Werk (und dabei ist total egal wie man es persönlich findet) aufgrund von terroristischen Drohungen nicht veröffentlicht. Und das als erstes in Amerika! Ein Land, das immer laut seine „Jetzt erst recht!“ Mentalität brüllt. Ein angeblich freies Land, das für seine Überzeugungen einsteht. Hm. Offenbar aber nur so lange bis ein paar Hacker einen lt. Experten ziemlich schlampig zusammengeschusterten Angriffscode zusammenbasteln und einem ziemlich großen Unternehmen seine Daten klauen. Natürlich ist es nicht so, dass Amerika als Kollektiv den Schwanz eingezogen hat. Viele Menschen regen sich auch über die Entscheidung den Film nicht zu zeigen auf und machen ihrem Ärger Luft. Zu Recht! Was hier passiert ist ein Präzedenzfall. Noch nie wurde ein Hollywood Film aufgrund von Terrordrohungen nicht veröffentlicht. Lt. US-Regierung hat Nordkorea bei dem Angriff auf Sony eine „zentrale Rolle“ gespielt. Nun, auf den ersten Blick logisch, schließlich geht es in der Komödie darum, dass Kim Jong Un getötet werden soll. Aber Nordkorea? Ist Nordkorea nicht das Land, das von den Medien schon fast inflationär als „Steinzeitdiktatur“ bezeichnet wird? Und diese Steinzeitnation schafft es jetzt sich mit Steinzeitrechnern in ein modernes Unternehmen zu hacken und bestimmt unser Kinoprogramm? Plötzlich hat man Angst vor dem immer wieder als Witzfigur dargestellten Fettsack? Vor dem Führer eines Landes, der ohne regelmäßige Hilfen aus dem Ausland (übrigens vor allem aus den USA) seine ohnehin schon hungernde Bevölkerung erst recht nicht ernähren könnte? Komisch… aber eigentlich auch egal.

Mich interessiert hier eigentlich gar nicht ob Nordkorea dahinter steckt oder eine unabhängige Gruppe von Hackern. Mich interessiert auch nicht, dass Sony offenbar nichts aus dem Hackerangriff von 2011 gelernt hat, bei dem die Server des Playstation Netzwerks gehackt und Unmengen an Zugangsdaten und Kreditkartendaten gestohlen wurden. Mich interessieren auch die in den letzten Wochen ans Licht gekommenen Sony Interna nur beiläufig, denn eigentlich ist es scheißegal egal ob Angelina Jolie eine Zicke ist oder ob irgendein Produzent neidisch auf den Penis von Michael Fassbender ist.

Mich interessiert hier nur die künstlerische Freiheit, die gerade mit Füßen getreten wird. Und ich wünsche mir, dass das Konsequenzen hat. Ich wünsche mir, dass Kunst etwas Unantastbares wird. Ich wünsche mir, dass Sony die kommenden Prozesse u. a. durch klagende ehemalige Mitarbeiter verliert und hunderte Millionen zahlen muss. Ich wünsche mir, dass Sony so viel Geld zahlen muss, dass das Unternehmen ausgeschlachtet wird und alle Rechte die von Sony gehalten werden versteigert werden müssen um Gläubiger zu bedienen. Ich wünsche mir, dass ein Unternehmen mit einer korrekten und kompromisslosen Einstellung zur Kunst die Rechte an „The Interview“ erwirbt und den Film veröffentlicht.

Wahrscheinlich werde ich den Film dann irgendwann mal sehen, vielleicht gehe ich sogar ins Kino, obwohl ich nicht davon ausgehe…

Dies ist ein Gastartikel von Michael Ulbts.

auch lesen: ui. rettet die Welt – Kapitel 18
auch schauen: Der beste TV Auftritt von James Brown!

Das Surfen durch die “ähnliche Videos” Vorschläge am Ende von Youtube-Videos, hat dazu geführt, dass ich mittlerweile nächtelang Videos schaue.

Bin gerade beim Thema “Kontroversen beim Snooker Spiel” angelangt, nachdem ich kürzlich noch beim Thema “Wasserrutschen” war.

Das nimmt kein Ende.

flattr this!

Habe gerade erfahren, dass die Farbe Magenta gar nicht existiert. Meine Welt bricht zusammen. Für die Telekom muss das noch schlimmer sein.

flattr this!