4 Tage in Ostdeutschland

Manuel Wolff in Ostdeutschland

Letzte Woche hatte ich 4 Auftritte in Ostdeutschland: Leipzig, Magdeburg, Dresden und Erfurt im Rahmen der Comedy-Lounge Tour, die im Osten Vicki Vomit moderiert und organisiert. Zu Gast 3 Künstler: Ruhrpott-Schnauze Markus Krebs, Mentalmagier Jarod McMurran und Manuel Wolff mit Stand-Up ohne Klavier. Ach das bin ja ich. Hier der Erfahrungsbericht:

1. Abend: Leipzig:
Hier lief irgendwas mit der Werbung schief, das Lokal hatte keine Infos an die Zeitungen gegeben oder Werbung gedruckt und der Newsletter wurde vergessen zu schicken. So saßen dann 10 verrückte Zuschauer im Publikum und battelten mit uns, wer denn nun lustiger sei. Wenigstens kam einer davon danach auf mich zu und sagte mir, wie gut es ihm gefallen habe. Also dass es ihm gut gefiel.

2. Abend: Magdeburg
Hier war es schon besser, der Saal war gut gefüllt und das Publikum war anständig und brav. Sehr brav. Sehr ruhig. Also sie haben ordentlich geklatscht und gelacht, aber wir haben sie nicht mal in den Saal rein- und rausgehen gehört. Vor der Show saßen wir neben der Bühne hinter einem Paraffin, so dass wir eigentlich hören müssten, wie sie reinkommen, sich ihre Plätze suchen, vielleicht noch was zu Trinken bestellen und Gespräche führen – aber nichts. Irgendwann ging die Show Musik los, wir dachten, keiner säße da, gingen auf die Bühne und stellten fest, dass der Saal voll war.

Auch in der Pause war kaum ein Geräusch zu vernehmen und als die Ansage kam „in 3 Minuten geht die Show weiter“, da saßen alle schon still auf ihrem Platz.

3. Abend: Dresden
Da hatte ich schon ein wenig Angst, als wir vor der Location ankamen, denn vor der Tür saßen ein Haufen glatzköpfiger Motorradrocker, die bei näherem hinsehen alle eine „White power“-Faust und so ein Reichskreuz trugen. Die gehörten aber alle zu einer Kneipe im Keller, wobei es natürlich nicht beruhigend ist, über so eine Versammlung zu spielen. Es wurden auch immer mehr und aus dem Keller klangen indizierte Nazi-Lieder oder gar Neonazi-Comedy, z.B. eine Variation des Jürgen von der Lippe-Lieder „Guten Morgen, liebe Sorgen“ und die Sorgen der Nazis waren Asylanten. Mir wurde ganz mulmig, als mir gesagt wurde, dass die Toiletten im Keller seien, die teilten sich tatsächlich die beiden Kneipen.

Ich war dann allerdings doch ein wenig beruhigt, als ich sah, dass im Prospekteständer vor den Toiletten keine Wehrmacht-Magazine lagen, aber Schwulenzeitschriften und CSD-Magazine mit einem nackten schwarzen Mann vorne drauf.

Ich nahm mir vor, die Nazis in Überzahl in Ruhe zu lassen, aber nur so lange sie mich in Ruhe lassen würden.

4. Abend: Erfurt
Ausverkauft, das ist doch mal was. Erfurt ist eine sehr schöne Stadt. Von unserem Hotel aus in die Stadt kommt man an einem Haus vorbei auf dem groß „Haus des Wohnens“ geschrieben stand. Ähm – sind nicht die meisten Häuser Häuser des Wohnens? Zwei Häuser weiter war ein komplett quadratisches Haus. Seltsamerweise hieß das Haus „Kreis-Haus“. Verrückt.

Das Haus stand auf dem Karl-Marx-Platz. Aber der wird wohl bald umbenannt. In Chemnitz-Platz.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von www.rattenscharfe-photos.de

Und hier noch ein Grußvideo nach unserem letzten Auftritt:

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

5 Gedanken zu „4 Tage in Ostdeutschland

  1. Wieder mal schön das Klischee Dresden-Nazis bedient… Diese Rocker sind Mitglieder eines deutschen Motorradclubs, der vor Jahrzehnten im Westen der Bundesrepublik gegründet wurde und in jedem Bundesländ vertreten ist.

  2. Wie jetzt Klischee bedient? Ist doch egal, wo die gegründet wurden, ich kann ja nichts dafür, dassder Auftritt in Dresden war oder hätte ich eine andere Stadt schreiben sollen, um kein Klischee zu bedienen?

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