Wenn man beim roten Pesto zuviel Olivenöl dazu tut, sollte man nicht versuchen, es mit Paprikapulver zu kompensieren, obwohl die gleiche Farbe einen dazu verleitet.
Wenn man beim roten Pesto zuviel Olivenöl dazu tut, sollte man nicht versuchen, es mit Paprikapulver zu kompensieren, obwohl die gleiche Farbe einen dazu verleitet.
Ich wollte eigentlich den ICE um 17:12 nach Dortmund nehmen, aber als ich am Bahnhof ankam, sah ich, dass dieser 20-30 Minuten Verspätung haben würde. Ich schaltete schnell und sprang gerade noch rechtzeitig in den 20 Minuten früher abfahrenden Regionalexpress mit gleichem Ziel. Mal schauen, ob ich da wieder Geld von der Bahn zurückverlangen kann.
Jedenfalls kämpfte ich mich dann durch den nahezu vollen Regionalexpress (früher: Bummelzug) in Richtung Pott. Irgendwann wird mal auf dieser Strecke ein Film gedreht a la „Ein Käfig voller Narren“, der heißt dann „Ein Zug voller Prolls“. So viele Assis, bestätigte Vorurteile, Wolfgang-Petry-Frisuren und Handyschlampen auf einen Fleck habe ich selten gesehen.
Ich hatte unglücklicherweise noch zwei Pizzastücke in der Hand, die ich schnell noch gekauft hatte, denn sonst wäre ich beim Auftritt später am Abend umgekippt. Und beim Balancieren durch die Gänge sagt so ein ca. 40-jähriger Intellektueller – na gut, er trug eine Brille, das war alles – zu mir: „Oh, danke, das ist aber nett.“ So als ob die Pizza für ihn wäre. Okay, das war schon damals nicht lustig, als 13-jährige untergewichtige Gymnasiasten mit Pickeln in der Fresse diesen Spruch brachten, wann immer einer irgendwas zu essen hatte, um irgendwem beweisen zu wollen dass sie witzig sind, und dabei jedem beweisen dass sie überhaupt nicht witzig sind. Meist gefolgt von einem Lachen über den eigenen Scherz, aber nicht ein „hahaha“, sondern mehr so ein Hyperventilieren durch schnelles Ein- und Ausatmen durch die Nase, während die Zähne grinsend zusammenpresst werden. Ich weiß das noch gut, ich war so einer von der Sorte.
Jedenfalls sagte ich zu dem Dummspruch-Typen: „Du bist so lustig, Du solltest zum Privatfernsehen.“ Und er verstand das als Kompliment. Da schlug ich ihm ins Gesicht. Allerdings nur in Gedanken, ich hatte ja keine Hand frei, da war ja noch die Pizza.
Ich ergatterte tatsächlich noch einen Zweiersitz ganz für mich alleine. In der akustischen Nähe der neuen 5 Freunde: Ein dicklicher Haufen von Pottwalen, äh, Pott-Männern, ein Männergesangsverein oder so, vom tollen Köln-Ausflug zurück. Sie saßen zusammen auf einem Viergruppen-Sitz. Einer von ihnen musste alleine woanders sitzen. Die lustigen Weiber der fünf Freunde waren auch dabei. Sie mussten Sicherheitsabstand halten und waren auf einer anderen Vierergruppe platziert. Hysterisches Lachen tönte oft aus der Ecke durch den Zug. Nicht, dass es irgendeinen Grund gäbe, 5 Hausfrauen auf einen Fleck lachen eben oft hysterisch. Wahrscheinlich wenn sie realisieren, wie kacke ihr leben doch bisher gelaufen ist.
Kurz nach Abfahrt kramte einer der Herren, und zwar der, der zwei Gürtel aneinander kleben muss, um um seinen Bauch herum zu kommen, ein Plastiktüte aus und verteilte Bierdosen an die anderen Vier. „Kein Kölsch? Das ist ja stillos“, tönte es aus der Waschweiber Ecke, dabei verkennend, das wahrscheinlich ihr ganzer Kleiderschrank, ja ihre ganze Wohnung und fast alles an ihnen stillos ist.
Die Männer klopften auf das Bier als ob es eine geschüttelte Cola-Dose sei und machten dabei „Mi mi mi mii“, als ob sie ihre Stimme oder ein Instrument stimmen würden. Schade nur, dass man beim Stimmen nicht wirklich solche Geräusche von sich gibt. Also doch kein Männergesangsverein. Die Hausfrauenbande schrie nun: „Wir wollen auch was zu trinken!“, aber die fette Spokesperson der Männergruppe sagte nur: „Ich geb‘ euch gleich Hustensaft!“ Damit war das Thema erledigt und die Hausfrauen legten die weitere Fahrt hysterisch kichernd ohne Alkohol zurück.
In Düsseldorf merkte ich leider zu spät, dass nun mehr Leute einstiegen als es Sitzplätze im Zug gab. Eine gut aussehende Frau ging an dem mit meiner Jacke und Rucksack belegten Platz vorbei und schaute mich hoffnungsfroh an. Natürlich war ich verwirrt, schockiert und gehemmt und natürlich auch mal wieder zu langsam. Aber sie fragte mich ja auch nicht nach dem Platz, und wenn ich schon mit dem Studium ihrer Figur vollkommen beschäftigt bin, wie soll ich mich dann noch auf Höflichkeitsfloskeln wie „willst Du Dich hier hinsetzen?“ konzentrieren? Die Frau ging weiter. Kurz darauf kam das genaue Gegenteil von ihr an und fragte mich ob sie sich da hinsetzen könne. Mir blieb gerade noch kurz Zeit irgendwie meine Sachen zu greifen, bevor sie sich auf den Sitz schmiss. Eine stinkende, rundliche Person saß nun neben mir, mit riesigen Hängetitten, die bei jedem Ruckeln des Zugs derbe zu mir rüberschwappten. Zum Glück stieg sie nach zwei Stationen aus, und eine etwas kleinere Frau setzte sich neben mich, klappte ihre Handtasche auf ihrem Schoß auf und begann sich ihre etwa fünf Zentimeter langen Fingernägel zu feilen. Den Fingernagelstaub einfach in die Handtasche.
Später durfte ich dann noch mitbekommen, wie sich zwei ehemalige Recklinghausener Freundinnen nach Jahren zufällig im Zug begegneten und sich über die ganzen In-Kneipen in Recklinghausen und Umgebung und wer jetzt wen geheiratet hat unterhielten, bevor ich schließlich total erschöpft am Dortmunder Hauptbahnhof ankam, der an Hässlichkeit auch kaum zu überbieten ist. Dann fing es an zu regnen.
Jessica Biel hat den Titel „sexiest woman alive“ gewonnen. Komischer Titel. Als ob es in Konkurrenz zu „sexiest woman deceased“ steht. Dead women aren’t sexy.
Die deutschen Weinköniginnen werden auch immer dicker.
Vor ein paar Tagen bin ich mit der Bahn nach Paderborn gereist. In Hamm sollte ich in den IC umsteigen, aber da der Regional-Express (ehemals Bummelbahn) in Hagen eine Verschnaufpause einlegen wollte, verpasste ich meinen Hammer-Zug und hatte unversehens eine Stunde Aufenthalt in Hamm. Der Bahnhof in Hamm ist der langweiligste Bahnhof der Welt. Nicht der hässlichste, das ist der in Mönchengladbach.
Ich informierte mich über das Kulturprogramm in Hamm und sammelte alle Flyer die ich finden konnte, drei Stück. Die waren auch nicht viel besser:
Neben Nikolausfahrten mit der Dampflok der Hammer Eisenbahnfreunde und den Zentralhallen Hamm, wo es spannende Veranstaltung wie Deutschlands größten Pferdemarkt, die „vorweihnachtliche Publikumsausstellung“ (was auch immer das ist) und ein Konzert der „Paldauer“ unter dem Motto „Weihnachten wie im Märchen“ (ja, Märchen waren oft grausam), gibt es eine spannende Show, die sich den herrlich doofen Titel „Stars and Horses“ ausgesucht hat. 40 Pferde, 50 Künstler – so wird damit geworben. Das sind ja 10 Künstler ohne Pferde! Der Parkplatz davor heißt komischerweise „Ökonomierat-Peitzmeier-Platz“.
Letztendlich ging es dann doch endlich weiter nach Paderborn. Die Stadt ist schon 1200 Jahre alt. Und die temporeichen Paderborner haben ihren Bahnhof immer noch nicht fertig gebaut!
Ich saß im ICE und beantwortete gerade einen eingehenden Anruf am Handy, als die Fahrkartenkontrolleurin kam und nach meiner Fahrkarte fragte. Als Mann war ich mit zwei Dingen gleichzeitig natürlich hoffnungslos überfordert, und mir entfuhr nur ein: „Ich geb’s Ihnen gleich!“ Gut, ich meinte zwar das Ticket, aber die Fahrkartenkontrolleurin verstand das wohl als Angriff. Na ja, egal, verdient hat die Bahn es ja.
Es gibt eine Webseite, die sich den exklusivsten Club der Welt nennt: www.beautifulpeople.net
In Wirklichkeit handelt es sich einfach um eine Single-Seite, zu der allerdings nicht jeder Zutritt hat. Auf der Homepage erfährt man, dass nur einer von 15 Bewerbern zugelassen wird, dass beautifulpeople.net in Bezug auf Schönheit das Äquivalent dazu sei, in MENSA, dem Club der Leute mit einem IQ über 140, aufgenommen zu werden, und dass die Betreiber der Seite wahrscheinlich schön sind, aber von Rechtschreibung relativ wenig Ahnung haben – sie ist mit Schreibfehlern gespickt.
Das Prinzip der Seite ist einfach. Die Betreiber gehen davon aus, dass schöne Menschen, die einen Partner suchen, es satt haben, auf Dating-Seiten über einen Haufen Profile von einsamen hässlichen Frustrierten zu stolpern und daher eine Seite brauchen, die nur schöne Menschen zeigt. Wenn man sich auf der Seite mit einem Foto bewirbt, durchläuft man einen Bewertungsprozess. Erst wenn die bereits existierenden Mitglieder des anderen Geschlechts einen für würdig erachten, darf man die heiligen Hallen der Seite betreten. Allerdings nur, wenn man amerikanisch, britisch oder norwegisch ist. Für die anderen Länder sei die Seite erst in Planung. Und für Leute, die einen anderen Browser als Microsofts Internet Explorer benutzen, geht die Seite auch nicht. Also wird „beautifulpeople“ trotz meiner Schönheit ohne mich auskommen müssen.
Das grundlegende Paradoxon allerdings ist folgendes: Hätten die schönsten Menschen der Welt ohne diese Internetseite wirklich Schwierigkeiten, andere kennen zu lernen? Die Antwort ist „ja!“ – aber nur, wenn sie Arschlöcher sind. Andererseits ist es natürlich beängstigend, wenn Menschen einen exklusiven Club brauchen, um sich schön zu fühlen. Brauchen solche Leute nicht einfach ein wenig mehr Selbstbewusstsein? Moment – ich bin Single, ich date gerne schöne Menschen und ich brauche mehr Selbstbewusstsein! Also ist die Seite doch genau das richtige für mich!
Eine Freundin von mir, eine afroamerikanische, etwas beleibtere Schauspielerin aus San Francisco, wollte mal ihr Glück versuchen, nur um zu schauen, was hinter der Seite steckt. Ihr Ziel war es, sich mit dem schönsten Bild, das sie von sich hatte zu bewerben, um es dann mit dem schrecklichsten von sich auszutauschen, sobald sie akzeptiert wird. Später, wenn sie die Bewerber mitbewerten dürfe, würde sie alle schönen Menschen ablehnen. Sie wurde allerdings nicht akzeptiert, sie hatte wohl die falsche Hautfarbe. Die Männer auf der Seite wollen anscheinend nur weiße Blondinen unter sich haben. Schön ist das nicht.
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