Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Hamburg nach Kiel

Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Hamburg nach Kiel

unter folgenden Voraussetzungen: Besitz einer Bahncard 50, eines € 20 – Scheins und einer EC-Karte.

1. Einige Tage vorher schaust Du im Internet bei bahn.de, welche Verbindungen es gibt und was ein Ticket kostet. Natürlich möchtest Du für diese kurze Strecke einen Regionalzug nehmen, das wird doch bedeutend billiger sein, als der teure ICE.

2. Das Internet spuckt Dir als Ergebnis „Preisauskunft nicht möglich“ aus. Warum denn?

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3. Am Tag der Reise fährst Du mit der Hamburger U-Bahn an den Hauptbahnhof. Du kaufst fast eine Karte zum falschen Preis, denn „Hauptbahnhof“ steht auf der Liste der Fahrtziele im Preisbereich 1 und 2 nicht drauf und Du schenkst dem Satz „Alle anderen Ziele liegen im Preisbereich 3“ Glauben. Bis Du einen anderen Zettel entdeckst, wo steht, dass Hauptbahnhof im Preisbereich 1 liegt. So will der HVV also extra Geld verdienen.

4. Am Hamburger Hauptbahnhof gehst Du aus dem U-Bahn-Bereich in den Bahn-Bereich und suchst einen Automaten. Etwas schwierig, denn die ersten 20 Automaten, die Dir begegnen sind nur Automaten für die U-Bahn. Schließlich findest Du einen und stellst Dich in die lange Schlange davor.

5. Du kannst auswählen: „Schleswig-Holstein Regionalverkehr ohne Zuginformation“ oder „DB Tickets mit Zuginformation“. Da Du wissen willst, wann Du fährst, wählst Du DB Tickets.

6. Du lässt Dir anzeigen, welcher Zug für Dich in Frage käme, kannst ihn da aber nicht buchen, da es ein Regionalzug ist. Du wirst also doch zum Schleswig-Holsteiner Verkehrsverbund umgeleitet.

7. Du gibst Dein Ziel „Kiel“ ein. Der blöde Automat fragt Dich, ob Du über Lübeck oder Elmshorn fahren willst. Du hast keine Ahnung.

8. Du rätst einfach mal, dass die billigere Strecke auch die kürzere ist und wählst diese. Der preis ist € 18,60. Du tippst „Bahncard 50“ und der neue Preis ist € 13,75. Das ist eine Ermäßigung von 25 Prozent. Du verfluchst die Bahn, weil sie den Kunden glaubhaft macht, wenn man die Bahncard 50 hätte, bekommt man 50% Ermäßigung auf die Tickets der Bahn.

9. Du denkst kurz nach, drückst noch mal auf „Abbrechen“ und fängst noch mal nach vorne an und suchst einfach mal so nach einem ICE. Siehe da, das würde nur € 13,- kosten. Du schimpfst laut auf die Idioten der Bahn, die Bummelzüge teurer als Schnellzüge machen. Klar, wer längere Zeit im Zug verbringt, soll auch mehr zahlen, oder was?

10. Ein Typ kommt auf Dich zu und fragt Dich, ob Du auch nach Kiel fährst und ob man zusammen fahren solle. Dann könne man ein Schleswig Holstein Ticket kaufen und würde Geld sparen.

11. Du drückst also noch mal auf „Abbrechen“ und wählst das Schleswig-Holstein Ticket. Da die Hälfte des Preises von € 29,- Euro nicht billiger als das ICE Ticket, noch nicht mal billiger als das teure Regionalzug-Ticket ist, schlägst Du die Hände über dem Kopf zusammen, drückst nochmal auf „Abbrechen“ und wählst noch einmal das ICE Ticket.

12. Der Automat fragt Dich, ob Du Bahnbonus-Punkte sammeln willst. Du steckst also die Bahncard in den Automaten und wartest. Dem Automaten scheint nicht bewusst zu sein, dass der Zug gleich abfährt.

13. Schließlich versuchst Du die 13 Euro zu zahlen und versuchst einen 20 Euro-Schein in den Schlitz zu stecken. Das ist dem Automaten aber zu viel, denn er will nur Schein bis 10 Euro.

14. Du verpasst den Zug.

Siehe auch meinen ähnlichen älteren Artikel: „Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Köln nach Berlin, von Berlin nach Hamburg und von Hamburg nach Köln

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

14 Gedanken zu „Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Hamburg nach Kiel

  1. Haha, das kenn ich zu gut.

    Ich hatte letzte Woche auch Probleme dieses Ring System vom HVV zu verstehen. Ein „Großbereich Hamburg“-Ticket tuts da aber meistens bei mir.
    Bin auch gerade im ICE auf dem Weg nach Hamburg. So wie jeden Montag… Mittwochs gehts dann immer zurück nach Duisburg. Montags ist der ICE total leer und Mittwochs kann man im IC kaum treten. Da bin ich immer ganz froh das ich meine Platzreservierung habe. Was mir auffällt ist, dass das Bahnpersonal immer schlechter Englisch spricht. Das wird echt von Mal zu Mal schlimmer was die für Sätze raushauen 🙂

  2. Und jetzt siehst du auch, warum es intelligent ist, dass am Frankfurter Hauptbahnhof tausende Buchungs- und Infoautomaten stehen, die dir lediglich Tickets für die wenigen Bezahlautomaten drucken, wo du dann nur noch zahlen brauchst:
    Die Auskunft über die zu wählende Route dauert ewig, die Auskunft, dass sie dein Geld nicht nehmen, nur Sekunden.

  3. Ein gültiges Ticket hätten Sie innerhalb einer Minute also erstehen können. Sie beschreiben da nicht das Problem, ein Ticket zu lösen.

    Sie beschreiben ihr Problem, als Schotte ein Ticket zu bekommen. Und das dauert IMMER so lang.

    Der Kartenautomat ist schließlich nicht dafür da, Ihnen das billigste Ticket anzuzeigen für Ihre Bahncard 50, noch ist er dafür da, Ihnen die schnellste Verbindung anzuzeigen.

    Im Endeffekt lese ich hier eine Beschreibung, wie jemand weil er 50 Cent sparen wollte seinen Zug verpasst und dafür den Kartenautomaten verantwortlich macht.

  4. Was bist Du denn für Einer?

    Hat natürlich Recht, man sollte möglichst immer das teuerste Ticket kaufen. Dank Deinem Rat schmeisse ich meine Bahncard weg.

  5. „7. Du gibst Dein Ziel “Kiel” ein. Der blöde Automat fragt Dich, ob Du über Lübeck oder Elmshorn fahren willst. Du hast keine Ahnung.“

    Großartig 😀
    Dieser Schleswig-Holstein-Tarif ist aber auch grober Scheiß. Keine Ahnung, was die lieben Nordmenschen sich dabei gedacht haben…

  6. Jaja, das kenne ich nur zu gut.
    Diese Strecke von HH nach KI habe ich immer ganz besonders gehasst.

    Mittlerweile musste ich aber feststellen dass es sowieso günstiger ist mit Auto zu fahren – jedenfalls für mich. 🙂

  7. Naja, dazu muss man wissen, dass der ICE eben ein überregionaler Zug der Bahn ist, eine BC50 der Bahn also 50% Ermäßigung bringt.
    Da in Schleswig-Holstein aber auch ein Haufen Konkurrenten unterwegs sind, die ergo nicht zur Bahn gehören, man also genau genommen keinen Anspruch auf eine Ermäßigung hätte, gibt es hierzulande den Verkehrsverbund mit einem eigenen Tarifgemenge für den Regionalverkehr, dass u.a. beinhaltet, dass eine „Buskarte“ auch für Zug und Fähre gilt.
    Die Bahn als einer unter Vielen hat innerhalb des Schleswig-Holstein-Tarifs (der für den ICE als überregionalem Zug nicht gilt) also eine 25%ige Ermäßigung für alle BC-Besitzer ausgehandelt, ähnlich der regionalen SH-Card…

    Das mag einem Fremden in Einzelfällen nicht sinnvoll erscheinen, ist aber durchaus durchdacht und komfortabel zudem.
    Auf jedenfall ist es einfacher als das sonstige Bahntarifwirrwarr oder 100 verschiedene Preise an 100 verschiedenen Tankstellen – DAS nenne ich Tarifwirrwarr! 😀

  8. Auch wenn ich mit meinem Kommentar relativ spät dran bin, sehe ich mich gezwungen, meinen Senf dazu zu geben.
    Zunächst sollte der Besitzer einer BC 50 auch ohne größere geografische Kenntnisse in der Lage sein, die richtige Reiseroute zu wählen und einen Fahrkartenautomat zu bedienen. Es ist immer einfach, auf die angeblich so unfähige Bahn zu schimpfen und hierfür Beifall von anderen Bahnhassern zu bekommen. Fakt ist jedoch, unsere Deutsche Bahn ist hinsichtlich Zuverlässigkeit, Komfort und Fahrgastservice im weltweiten Vergleich weit vorne. Und im Vergleich zur PKW-Nutzung ohnehin unschlagbar. Der Automat ist nicht Blöd, sondern nur Derjenige, der nicht fähig ist, diesen zu bedienen.

  9. Ach komm, hinsichtlich Fahrtgastservice ist die Bahn im eltweiten Vergleich nicht vorne. Die Mitarbeiter haben überhaupt keinen Schimmer, was Kundenservice ist, sondern denken, die Passagiere sollten der Bahn dankbar sein, dass sie überhaupt fährt.

    Ich wurde schon öfters von Bahnmitarbeitern angeschnauzt oder ruppig behandelt, einfach weil die schlechte Laune haben.

    Und wenn es in anderen Ländern noch schlechter sein soll, ist das ja kein Grund, sich auf diesem Mißstand auszuruhen, denn schließlich will mn sich doch immer verbessern – unabhängig om Ländervergleich. Oder nicht?

    Wenn Du übrigens denkst, ich sei zu blöd einen Automat zu bedienen, dann bist Du zu blöd, um den Artikel zu verstehen.

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