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Die ui. Show

Archive for the ‘Gedanken vom Pferd’


Published Juli 26th, 2010

Aller guten Dinge sind drei – Gedanken vom Pferd 59

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Es gibt ja viele Dinge – ich nenne sie mal in Ermangelung eines besseren Begriffs Lebensmittel – zu denen Mythen, Kenner, Experten, Vereine und Fachjargons entstehen.
Champagner, Kaffee, Wein, Bier, Grappa, Schimmelkäse, Schokolade mit 99%igem Kakaoanteil, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ist es eigentlich Zufall, dass man bei all diesen Sachen im Kindesalter beim ersten Genuss ganz deutlich merkt, dass sie unglaublich scheiße schmecken?
Und man sich Mühsam den Glauben ankonditionieren muss, dass es sich dabei um etwas besonders Gutes dreht?

Bürokollege: “Hi Sebastian, Chris hier.”
Telefon: “…”
Bürokollege: “Was is’n los, du hörst dich überhaupt nicht gut an?”
Telefon: “…”
Bürokollege: “Ähh ah hallo Heike, ist Sebastian da?”

Die Kollegin, die von ihrem Büro die Toilettentür im Auge hat, schaut jedes Mal auf, wenn man selbige benutzt.
Ich wette, die führt Buch über Klogewohnheiten aller Mitarbeiter.
Wie krank ist denn das?
Ich werde sie beseitigen müssen. Es wird wie ein Unfall aussehen.

Leute mit Lachfältchen sind wie Eisbären.
Es ist fast unmöglich, an ihrer Mimik ihren Gemütszustand festzumachen.

Und man weiß nie, ob sie grad witzig sind oder sauer.

Pinguine sind da viel besser. Die sind immer witzig, auch, wenn sie sauer sind.

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Published Juli 25th, 2010

Poffelchen und Brummpoffelchen – Gedanken vom Pferd 58

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Wespen und Hornissen sind vermutlich die meistgehassten und -gefürchteten Insekten, die natürlicherweise in unseren Breitengraden die Kaffeeklatschrunde im Garten verunsichern können.

Nun, woran liegt das?
Sicherlich nicht wirklich an der von ihnen ausgehenden Gefahr: In aller Regel kann ein erwachsener Mensch in meinem Alter gerade mal zwei bis drei schmerzhafte Kontakte mit Wespen und keinen einzigen mit Hornissen nachweisen. Und er wird sich erinnern, dass diese Kontakte halb so wild waren (Solang es kein Allergiker ist). Außerdem meist durch Drauftreten oder ähnliches provoziert.

Der wahre Grund, warum der Ausruf “Wespen!” jedoch fast ebenso viel Panik wie “Haie!”, “eine Bombe!” oder “Gasbrand!” auslösen kann, ist der Name an sich.
Niemand denkt etwas böses über so knuffige Tiere wie Hummeln und Bienen. Weil ihre Namen hübsch und putzig sind.
Wespen und Hornissen klingen jedoch schon, als wären sie der Unterwelt der griechischen Mythologie entsprungen.
Hauptsache harte Zischlaute – und Hornissen haben auch noch ein Horn! Teuflisch geradezu. Wer soll da nicht in Graus und Furcht erstarren?

Deshalb gründe ich hiermit eine Initiative: Ich bin dafür, Wespen in “Poffelchen” und Hornissen in “Brummpoffeln” umzunennen.
Niemand könnte aus der Haut fahren, nur weil ein paar Poffelchen sich am Kuchen vergnügen, oder eine Brummpoffel den Garten nach essbarem Ungeziefer absucht.

Der Welt wäre wieder ein Schrecken genommen. Dank Gedanken vom Pferd.

Mein Rechner klingt wie ein Samstag-Morgen im Frühsommer, wenn man noch im Bett liegt, und der Nachbar mit dem Benzinrasenmäher werkelt.

Bei fast allen Warnsprüchen auf den Zigarretten-Packungen kann man “Rauchen” durch “Zeit” ersetzen.

Reichtum habe ich mir gewünscht, und nichts als Reichtum sollte ich bekommen. Naja, äh, zumindest ein klein bißchen.
Wie dem auch sei, hab ich von meinem Vater einen kreativ verpackten Verrechnungsscheck erhalten. Den hab ich dann eingesteckt, nicht weiter beachtet, und heute an der Bank abgegeben.

Die Schalterfrau schaute mich entgeistert an und meinte, das könne sie nicht annehmen.

Daraufhin betrachtete ich den Verrechnungsscheck erstmalig genauer.
Es war eine Schwarzweiß-Kopie.
Bei “Ort und Datum” stand “Fernsehzimmer, Heilig-Abend”.
Unterschrieben war mit “Der Weihnachtsmann”.

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Published Juli 24th, 2010

Sparta im Kühlregal – Gedanken vom Pferd 57

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Ein kleines lautes ADHS-Mädchen turnte im Edeka um seine Mutter herum. Irgendwann hielt es am Kühlregal, zeigte auf den geriebenen Mozarella und rief:
“Das ist Käääse!
Das ist Käääse!
Das ist Kääääse….”

Nach kurzer Zeit trat ich das Kind so fest ich konnte, so dass es ins Kühlregal flog und ich schrie:

“DAS – IST – SPARTA!!!”

Irgendwo – in einem besseren Paralleluniversum.

Cinestar verlangt bei Online Ticketkauf nicht nur den vollen Preis statt dem Kino-Tag-Preis, sondern schlägt auch noch eine Gebühr für den Online-Kauf von 55 Cent dazu.
Eine Gebühr dafür, dass der dumme Kunde sich selbst seine Karte ausdruckt und kein Kassenfräulein mehr bezahlt werden muss. Klingt vernünftig.

Ich schlage keinen Boykott vor, denn dazu erreiche ich zu wenige Menschen.
Ich schlage statt dessen vor, dass jeder, der einen Mitarbeiter eines Cinestar-Kinos kennt, ihm beim nächsten Treffen eins auf die Nase gibt. Gern auch mit Hilfsmitteln.

Ich kenn einen. Ein Hänfling. Sollte kein Problem sein.

Heute morgen stand ich im Stau. Nach einer Weile wollten zwei Polizei-Einsatzfahrzeuge mit Tatütata und Blaulicht über den Mittelstreifen durch, wurden aber von einem Reisebus vor mir aufgehalten, der auf der Überholspur stand und nicht zur Seite fahren konnte.
Der Werbeslogen auf dem Heck des Busses lautete “An uns kommt keiner vorbei”.

Im Vorbeifahren sah ich am Parkplatz vor einem Waldweg einen Versorgungs-Stand. Mit Früchten, Wasser, Tee und einigen Rentnern zur Überwachung. Wie man das so kennt von Sportveranstaltungen.
Als ich um die nächste Kurve fuhr, sah ich, dass hunderte von Nordic Walkern einen Waldweg früher von der Straße in den Wald liefen.

Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, irgendjemandem darüber Bescheid zu geben.

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Published Juni 30th, 2010

Haie aus dem All: Gedanken vom Pferd – Folge 56

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Im Promarkt schrie ein kleiner Junge mit der typischen “kleiner blöder Junge findet etwas cool”-Stimme seinem Kollegen folgendes zu:

“Boah! Guck mal da hinten, der Crazy Frog!!!”

Wobei er “Crazy Frog” so aussprach, als hätte er a) eine heiße Kartoffel im Mund und würde b) versuchen, einen Bluessänger mit Bronchitis zu imitieren.

Klar ist einem bewusst, dass die Jamba-Zielgruppe schon irgendwie existieren muss, sonst würden die nicht so furchtbar viel Schotter machen.
Trotzdem ist man maßlos erschrocken, wenn man ihr begegnet.

Zu Weihnachten bekam ich außer der besagten Stoffwechselstörung auch noch einen großen Werkzeugkoffer. Schön, aber leer. Ich vermute, es ist eine Anspielung meines Vaters darauf, mir endlich ein eigenes Werkzeugset zu besorgen – und mir damit am besten auch ein eigenes Haus zu bauen.

Das kann er vergessen.

Jedenfalls habe ich tatsächlich brav Werkzeug erworben. Schlüssel, Dreher, nen Meter, Bits, Torx, Zangen, eine Schieblehre. Sogar eine Mini-Wasserwaage.
Und einen Phasenprüfer aus dem Hela-Schundregal für 55 Cent.
Der bringt mir allerdings nichts: Ich trau mich nicht, ihn zu benutzen.

Nachtrag:
Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Leser aus dem Reich mit dem Begriff “Meter” in dem Kontext nichts anfangen können.
Es handelt sich hierbei im lokalen Sprachgebrauch nicht nur um die allseits bekannt wie beliebte Maßeinheit, sondern auch um einen Zollstock. Ohne dieses Hintergrundwissen kann man die Pointe natürlich nicht verstehen.

Was mich an der Welt wirklich kirre macht, ist, dass es für ALLES sowohl Für- als auch Gegenexperten gibt. Von der kleinsten Bedeutungslosigkeit bis zu den wichtigsten Themen unserer Zeit: Immer kommt irgendein Prof. Dr. Soundso, der das Gegenteil der landläufigen Meinung propagiert. Oder umgekehrt. Zu jedem Artikel jedes Online-Magazins findet man anschließende Kommentare, die ihn falsifizieren wollen. Es mangelt schlicht an Sachen, die man einfach mal als wahr hinnehmen kann. Die man einfach glauben kann. Ich will mehr Klarheit.

Ein weiterer Grund, warum ein allwissender völlig logischer und objektiver Supercomputer die Weltherrschaft übernehmen sollte.

Titel bei spiegel-online:
Angriffe auf Menschen: Behörden wollen Haie aus dem All überwachen

Das wird auch Zeit. Haie aus dem All sollten rund um die Uhr observiert werden.

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Published Juni 23rd, 2010

Gedanken vom Pferd – Folge 55

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Wenn die Technik irgendwann so weit ist, dass man Schauspieler in Filmen beliebig tauschen kann, will ich “Fear And Loathing in Las Vegas” mit Louis De Funes als Hunter S. Thompson sehen.

Was die Evolution in Milliarden von Jahren vollbrachte, wurde vom Internet in knapp einem Jahrzehnt zerstört:
Rot, die Farbe der Warnung, die Farbe der Gefahr, die Farbe, der man seine maximale Aufmerksamkeit widmen sollte, weil man sonst von Feuer, Giftkröten oder Pavianärschen umgebracht wird.
Dieses Rot wird nun aufgrund tausender und abertausender Werbebanner, Spammails und unnötiger Warnhinweise vom Hirn vollkommen ignoriert.

Ich habe in einem Schreiben gerade 5 Minuten nach dem Rechnungsbetrag gesucht und schlicht nicht gefunden. Als ich schon die Kontakt-Nummer wählte, fand ich ihn.
Er war das einzige, was fett und in rot geschrieben war.

Heute Nacht wurde in einen katholischen Kindergarten in der Nähe eingebrochen. Einige Schränke waren durchstöbert, gestohlen wurde jedoch nichts.

Ich frage mich, was der Einbrecher dort gedachte zu entwenden. Katholische Kinder?

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Published Juni 17th, 2010

Ich bin der Meinung anderer so überdrüssig

Gastartikel von Weidler


Überall steht sie, prangt sie, biedert sich von allen Seiten an, vergiftet und lähmt meine Urteilsfähigkeit. Was ich mir kaufe, welchen Online-Shop ich durchstöbere, welches noch so uninteressante Produkt ich erwerbe. Alles ist mit einer Skala versehen, wurde bewertet, von der Masse analysiert. 3 von 5 Punkten hat das Buch, das ich gerade kaufen wollte. Die Verteilung der Meinungen hat die klassische nichtssagende Badewannen-Form: Viele naiv-begeisterte Fans, die das Werk wütend verteidigen. Viele Miesmacher, die mit ihren Verrissen ihr Selbstwertgefühl verbessern wollen. Und ein paar wenige von den sachlichen nichtssagenden neutralen Langweilern, die ihr belangloses Leben mit belanglosen Ansichten ausleben. Fortan kann ich das Buch, den Film, den Mp3-Player, den VERDAMMTEN SCHEISS JOGHURT nicht mehr genießen, ohne mich in der Defensive wieder zu finden. Ich will mir schließlich keine Blöße geben. Nichts für gut befinden, was jemand anderes schon für schlecht befand.

Der Kinofilm wurde schon bei spiegel online rezensiert, der ist eher nichts. Filmstarts.de gab ihm auch nur 6/10 – Im Pressespiegel sogar nur 5.4/10. Der Regisseur ist alt geworden, von der Maschinerie geglättet, kommt an seine früheren Leistungen nicht mehr heran. Ich hab den Namen des Regisseurs noch nie gehört. Aber es muss wohl so sein. Den guck ich vielleicht auf DVD oder wenn er mal im Fernsehn läuft.

Ich bin ja selbst so ein profilierungsgeiler anonymer Hampel. 12 mal habe ich schon bei Ciao, 23 (In Worten: Dreiundzwanzig) mal bei Amazon meine anonyme Ansicht ins Netz gepustet. Verärgert über jeden, der sie nicht für “hilfreich” befindet. Jeder geguckte Film wird durch mich in meinem Stammforum analysiert und mit meiner höchstpersönlichen und völlig unnötigen Wertung versehen.
Auf dass auch ja kein anderer auf der Welt unschuldig auf etwas zugehen kann. Ohne gegen die Vorab-Meinung der Gesellschaft bestehen zu müssen.

Ich bin es Leid, ich will es nicht mehr. Ich mag’s nicht mehr sehen. Ich will Browser, die diese widerwärtigen nutzlosen dummen kleinen Skalen ausblenden. Ich will mein Recht zurück haben, Scheiße zu kaufen, und völlig unvorbereitet aus eigener Kraft erkennen zu können, dass es Scheiße ist.

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Published Juni 16th, 2010

“Hinterfragen” ist ja auch so ein Wort, bei dem man sich sofort schlauer vorkommt, wenn man es benutzt.

Gedanken vom Pferd 54 – Gastkolumne von Weidler

Wenn die Welt über Artensterben und Umweltzerstörung dermaßen aus dem Häuschen sein könnte wie über ein paar idiotische Comics, wäre der Planet so gut wie gerettet.

“Ein einflussreicher sunnitischer Scheich hat den Freitag zum “internationalen Tag des Zorns” aufgerufen.”

Tag des Zorns.
Klingt wie ein Metal-Open-Air. Oder ein Film mit Chuck Norris.

“Stimmt, in der Föderation ist doch dann irgendwann allgemeines Tempolimit Warp 5 eingeführt worden, oder?
Der Picard hat sich da natürlich für eingesetzt – als Franzose.”

“Multitasking”

Ich kanns nicht mehr hören.

Da haben sie dem Feminismus wieder ein Wort beigebracht.

Nachtrag
Windows kann übrigens seit Win95 Multitasking.
Während, soweit ich weiß, auch die neusten G5s mit OSX noch immer seriell arbeiten.
Was sagt uns das?

Multitasking macht nicht schneller. Nur zickig und instabil.
Dafür gibt’s mehr Hardware dafür zu kaufen.

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