Der Friseur im Jeansanzug – der Schnitt an sich

Teil 1 der Geschichte gibt es hier, Teil 2 hier

Er schnitt einfach los.

Also normalerweise ist es beim Friseur ja so, dass man vor dem Spiegel platziert wird und dann die Frage kommt „Wie hätten Sie es dann gern?“

Es ist bei mir immer derselbe Ablauf. Ich antworte mit: „Keine Ahnung, Sie sind ja der Experte.“ und muss eine längere Diskussion über mich ergehen lassen: „Ja, aber wie wollen Sie die Haare geschnitten haben?“ – „Mit der Schere.“, „Ja, aber wie kurz möchten Sie?“ – „Ich weiß es nicht. So, dass es gut aussieht. Sie sind der Experte.“, „Ja, aber…“ – „Nun fangen Sie endlich an!“.

Dann wird man noch einmal auf einen anderen Stuhl gebeten und die Haare werden gewaschen. Das Wasser wird grundsätzlich zu heiß angestellt und nachdem man „au“ sagt, grundsätzlich zu kalt. Zwischendurch wird ungefähr 30 mal das auf der Friseurschule gelernte „Ist es ihnen so angenehm?“ angebracht und während der Kopfmassage hat man einige Minuten Freude, so lange, bis das Shampoo in die Augen läuft.

Dann darf man sich mit Handtuch um den Kopf wieder auf den alten Stuhl setzen, bekommt evtl. noch einen Kaffee angeboten, den man unmöglich beim Haareschneiden trinken kann und dann geht es los. Wenn der Schnitt so lange dauert, dass die Haare in der Zwischenzeit trocknen, wird man mit einem Blumen-Zerstäuber (diese genialen Sprühflaschen) nass gemacht, evtl. auch mit einem Supersoaker.

Da bin ich ja eigentlich ganz froh, wenn dieser Prozess verkürzt wird, aber mein Friseur-Cowboy schnitt einfach los, das war dann doch ein wenig geschwind. Ein Trockenschnitt also, ohne nachfragen. Dabei hatte ich noch Gel im Haar.

Und was der Cowboy mit der Schere anstellte, sah eher aus, wie eine einhändige ballettartige Fechtübung, Zorro eben. Aber wenn ein älterer untersetzter Countryband-Imitator im ausgewaschenen Retro-Jeansanzug Ballett tanzt, sieht das nicht nur komisch aus, denn wenn er eine Schere in der Hand hält, hat man auch Angst um sein Leben. Ich hielt also ganz still. Er fuhr mir über den Kopf. Und fragte: „Mit was, waschen Sie sich eigentlich die Haare?“

„Äh – mit Shampoo?“ antwortete ich? Dann wollte er mir sagen, dass meine Kopfhaut ganz gereizt sei und ich nicht die kommerziellen Produkte verwenden sollte und dass ich außerdem Schuppen würde und Pickel hätte. Er meinte das nicht als Beleidigung, sondern wollte mir sein selbst hergestelltes Shampoo andrehen. Da er mir aber weder sagte, was da drin ist, noch wie er es herstellt und ich auch keine Pickel und Schuppen auf dem Kopf habe, verzichtete ich. Ich kann mit dieser Eigenurin-Therapie-Esoterik-Schiene sowieso nichts anfangen.

Disclaimer: Die Geschichte ist vollkommen frei erfunden. Gerhard Schröder färbt sich nicht die Haare.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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3 Gedanken zu „Der Friseur im Jeansanzug – der Schnitt an sich

  1. Ich find Friseurbesuche immer so schrecklich langweilig -.-“
    Und bei der Kopfmassage fang ich immer fast laut an zulachen, weil ich das so lächerlich finde. Als wenn ich mich entspannen könnte, wenn mir da wer auf dem Kopf rumgrabbelt und das Massage nennen könnte…außerdem tut der Nacken dabei weh, da man seinen Kopf ja in dieses olle Porzellan-Nackenhörnchen legen muss.

  2. Also das Shampoo hätte ich auch nicht genommen. Davon kriegt man vielleicht erst Schuppen und Pickel. Aber war der Haarschnitt wenigstens in Ordnung? Sonst musst du die ganze Frisördyssee noch mal starten. 😉

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