Die Badezimmer Meditation


Mein neuer Wecker kann alles. Nur finde ich nicht heraus, wie man den Alarm an- und ausschaltet. Jetzt klingelt er auch, wenn ich mal ausschlafen will. Ich kann zwar irgendeine Taste drücken, damit das Klingeln aufhört, aber dann klingelt er 10 Minuten später wieder. Also muss ich ihn solange Klingeln lassen, bis er von selbst aufhört. Aber bis dahin halte ich es nicht mehr im Bett aus und gehe ins Bad.

Im Bad gibt es für mich immer drei Philosophische Momente. Auf Toilette, in der Dusch und beim Zähneputzen wird man durch rituelle, bereits von selbst laufende Tätigkeiten nicht abgelenkt und ist voll eins mit seinen Gedanken. Da kommt einem allerhand Blödsinn in den Sinn. Dummerweise vergisst man den meist, wenn man fertig ist, denn ausgerechnet im Bad hat man keine Möglichkeit etwas zu notieren.

Man muss nur aufpassen, dass man bei den ganzen Gedanken unter der Dusche nicht vergisst, ob man sich schon die Haare gewaschen hat oder nicht. Ich glaube mir passiert das öfters und ich mache es zwei mal. Oder drei Mal. Und ich weiß nicht, wie oft ich mir meditativ das Gesicht wasche, ich weiß nur, dass ich mich wundere, warum es – wenn ich nach dem Duschen auf die Uhr schaue – schon eine Stunde später ist.

Auf Toilette passiert das nicht so sehr, ob man bereits geschissen hat oder nicht, kann man mit einem kleinen Blick feststellen. Und wenn man nicht mehr weiß, ob man sich gerade die Zähne geputzt hat, hilft ein Biss in einen Apfel. Wenn es die Zähne zusammenzieht, dann hat man bereits die Zähne geputzt. Sollte es dennoch noch einmal tun, denn schließlich hat man ja wieder was gegessen. Also vielleicht doch einfach zwei mal putzen.

Beim zweiten Zähneputzen fiel mir nach all den Jahren endlich die politische Dimension des Kinderliedes „Auf der Mauer, auf der Lauer“ auf. Also dachte ich über meine Jugend nach. Ja, „als ich jung war, hieß das Heavy Metal noch Juniortüte!“ – Heavy Metal? Happy Hippo? Nun ja, morgens ist man eben noch müde und man weiß, das irgendwas nicht stimmt, nur nicht mehr was.

Ich wurde abgelenkt von Schmerzen und zwar von Muskelkater in den Schultern. Von 7,5kg Schulterpresse! Beide Seiten kombiniert. Ich wußte, dass da etwas stimmt, und ich wußte auch was. Ich würde mein McFit-Mitgliedschaft kündigen.

Denn in der McFit-Umkleide riecht es immer nach dem schrecklichen billigen Bodyspray von Axe – macht den Mann zum Proll. Und außerdem, ich bin nicht prollig genug für McFit, denn McFit ist asozialer als Jeanette Biermann. Oder war das Wolfgang Biedermann?

Der Gedanke an Bier lässt mich vergessen, was ich eigentlich noch über McFit sagen wollte. Ich habe ja gehört, dass Bier ach ein gutes Shampoo sei. Oder Gel? Ich weiß es nicht mehr, mein Gehirn ist wie ein … ah, jetzt weiß ich wieder! Meine Haare sind zu lang für McFit. Sie sind zwar nur 2-3 cm lang, aber in meinem McFit zähle ich damit schon zu den Mädchen.

Apropos Mädchen. Ich kenne zwei Flugbegleiterinnen. Und die Flugbegleitergewerkschaft heißt „UFO“. Da muss es ja lustig zugehen.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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6 Gedanken zu „Die Badezimmer Meditation

  1. Dann aber schnell nachholen Jörn, obwohl das Wetter heute so bescheiden ist, dass man gar nicht in schwitzen kommen kann. Übrigens hat mich bis jetzt noch kein Axe Deo überzeugt – teuer ist das Zeugs aber mehr auch net!!

    Grüße und einen schönen Tag!
    Chris

  2. Schulterpresse 7,5 Kilo? Muskelkater? lol. Waren da die morgendlichen Gedanken beim Überlegen, welches Gewicht du aufgelegt hast, auch noch nicht ganz geordnet?

  3. hahahaha. nett.

    Die Sache mit dem Zeitverlust im Bad kann ich erklären. Zeitlöcher! Garantiert. Hatte ich bisher noch in jedem meiner Badezimmer.
    Ich geh da rein und mach eigentlich nix, außer ein bisschen vor mich hinschaun und eine halbe Stunde ist vorbei. Was soll das sonst sein? Ich putz mir doch nicht ne halbe Stunde lang die Zähne!

    Wobei, ich hab gerade Steven Spielbergs Taken gesehn. Es könnte sich auch um Entführungen durch Aliens handeln, die man dann vergisst. Aber warum immer gerade vom Bad aus? Nein, das macht keinen Sinn…

    Danke für den Hinweis zum politischen Aspekt des Wanzenliedes. Da findet man ja gleich einen ganz neuen Zugang.

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