Gedanken vom Pferd – 44

Gastkolumne von Weidler

Ich glaube, „An Den Nasenhaaren Ziehen“ wäre eine der schmerzvollsten und effektivsten Foltermethoden überhaupt.
Vermutlich wurde es sogar häufig eingesetzt. Später behauptete man dann einfach, man habe raffinierte Dinge angestellt. Wie z.B. den zu Folternden durch ein Rad geflochten. Oder man habe Bambus durch ihn hindurch wachsen lassen, während man ihm Fernsehshows mit Deutschlands beliebtesten Comedians vorspielte.

Das klingt einfach kreativer und grausamer.

Bei diesem neuen Pro7-Sex-And-The-City-Abklatsch (Nicht, dass es noch schlechter als das Original ginge) wurde neulich wild durch die Gegend gevögelt. Sendezeit war irgendwann kurz nach dem Sandmännchen, hätte ich geschätzt. Mit – um mal in der Sprache der Zeit zu bleiben – Titten, Mumu, Gestöhne, sogar einigen extravaganten Stellungen und allem, was so dazugehört.

Um sowas zu sehn, musste ich in meiner frühen Jugend noch bis 23 Uhr aufbleiben. Und selbst dann behielten die Beteiligten ihre Unterbuxn an und Poppgeräusche wurden mit 80er-Jahre-Pornomusik überspielt.

Die Kids heute haben’s ja schon viel einfacher als wir früher.

Gestern in ARD „Kontraste“ regte man sich darüber auf, dass ein Pornoheft nur mit 7% Umsatzsteuer belastet wäre, Babywindeln dagegen mit unfairen 16%.
Hätte man das selbe Beispiel mit einem Schulbuch und einem Mercedes Benz gemacht, wäre vermutlich keiner so richtig empört gewesen.

Aber ich sehe es schon ein. Ein brandwichtiges Problem. Die Ungerechtigkeit schreit einem aus dem Supermarktregal entgegen.

Ich bin deshalb für eine Grundgesetzregelung, die die Pornoheft- und Babywindel-Umsatzsteuerfrage klärt. Anschließend sollten alle Richter und Staatsanwälte Porno- und Babywindel-Seminare besuchen, um sich mit der neuen Gesetzeslage vertraut zu machen. Desweiteren bin ich für einen Porno- und Babywindel-Minister pro Bundesland und je eine nationale, europäische und internationale Kontrollbehörde zur Überwachung der Porno- und Babywindelsteuer.

Sollen Pampers doch Nachrichten auf ihre Windeln drucken, wenn sie die 7% haben wollen.
Oder Pornos.

Überläufer, Deserteur, Kollaborateur, Lockvogel, Fahnenflüchtiger, V-Mann, Kontaktmann, Informant, Wendehals, Denunziant, Petze, eine undichte Stelle, Opportunist usw. usf.

Ich kann mir regelrecht die Eskimos in ihren Stammkneipen vorstellen: „Du, die Deutschen haben über 120 Wörter für Verräter“
„Echt? Fantastisch. Trinkst du noch einen?“
„Gern“
„Zweimal Transchnapps, Mukluk“
„Wird gemacht, Nimuk“
„Kommt Pumuk noch?“
„Nein, hat wieder diesen Ausschlag vom Robbensalat.“
„Sachen gibt’s“

Das könnte man noch weiter ausbauen.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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2 Gedanken zu „Gedanken vom Pferd – 44

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