Tanzverbot! Der Gottesstaat NRW


Sehr geehrte Damen und Herren,

fürchtet Euch nicht, wenn ihr katholisch seid. Wenn aber nicht, dann habt ihr in Nordrhein-Westfalen Pech gehabt. Denn dort herrscht heute tatsächlich Tanzverbot. Gut, dass Sonntags die Geschäfte zu haben, habe ich als Atheist schweren Herzens hinnehmen müssen, auch an den gesetzlichen Feiertagen, doch aus welchem Mittelalter die Regelung kommt, dass man tatsächlich heute nicht tanzen darf – mir verschlägt es die Sprache.

Und nicht nur die Discotheken haben heute geschlossen (und zwar schon seit Gründonnerstag 18 Uhr), auch der Theaterbetrieb darf nicht weiterlaufen. Was wie aus fundamentalistischen Kreisen klingt und man sich in Afghanistan, im Iran oder den USA vorstellen kann, ist bittere Realität in Köln.

Wer hier versucht heute am Karfreitag eine Theatervorstellung zu machen, wird hart bestraft. Nicht vom Gott, sondern von der Stadt. Mit bis zu 4000 Euro Strafe wird gedroht. Ich bin dafür, dass man einen dieser von mir ansonsten nur mit müder Langeweile bedachten Michael Jackson Flashmobs auf den Straßen Kölns starten sollte. Alle bitte tanzen bis zur Festnahme – egal wo.

Tatsächlich sind bis Karsamstag, 6 Uhr keine öffentlichen Veranstaltungen erlaubt, Märkte, Pferderennen, Zirkus, Volksfeste tänzerische und artistische Darbietungen, Unterhaltungsdarbietungen in Gaststätten und Discotheken – alles verboten, genauso wie Autowaschanlagen und Videotheken. Ach so, Wohnungsumzüge sind ebenfalls verboten.

Kinos dürfen allerdings offen haben und Filme zeigen. Ich habe da ein paar Vorschläge:

1. Footloose

Der Film mit Kevin Bacon als Rockliebhaber, der in eine Kleinstadt zieht, in der Rockmusik, Alkohol und Tanzen verboten sind. Laut Wikipedia basiert der Film sogar auf einer wahren Begebenheit:

„In Elmore City, einer Kleinstadt in Oklahoma, herrschte seit dem Jahr 1861 ein Tanzverbot. Erst 1980 wagten es die Teenager der Stadt, öffentlich gegen dieses Gesetz aufzubegehren. Es war ein Kampf zwischen der Jugend und der konservativen Kirchengemeinde. Als dort nach 120 Jahren eine erste Tanzveranstaltung organisiert wurde, berichtete ganz Amerika darüber.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Footloose)

2. Happy Feet

Ein tanzender Pinguin ist seltsamer weise ein Außenseiter. Tanzen eigentlich Nonnen? Wie dem auch sei, am Ende setzt er sich steppenderweise durch und die Menschen hören daraufhin mit der Überfischung der Meere auf. Ähm.

3. Swing Kids

Gemeiner Vergleich, ich weiß.

Und natürlich

4. Dirty Dancing

Wem fallen noch mehr passende Filme ein? Bitte in die Kommentare.

Allerdings ist das Fernsehprogramm – zwar nicht in tänzerischer Absicht, aber dennoch – beachtlich. Auf RTL II läuft „der Exorzist“ und „Hellraiser 8 – Hellworld“. Frohe Ostern.

flattr this!

66 Gedanken zu „Tanzverbot! Der Gottesstaat NRW

  1. Dora

    Also, ich will es mal so sagen. Du weißt 364 Tage vorher im Jahr, dass Du an diesem Tag nicht Theater spielen kannst. Dann organisiere Dich so, dass es keinen Einfluss auf Dich hat, soll heißen verdiene an den anderen Tagen genug. ich denke, dass es gar nicht um diesen Punkt geht. Es geht dir lediglich darum zu provozieren und zumindest zum Denken anzuregen, bestens: das ist schön. – Danke dafür.
    Ich genieße einen ruhigen, sonnigen Tag und ist dir aufgefallen, dass heute nirgends die Kirchenglocken läuten. Das ist nämlich auch ein Ritual: Der Karfreitag ist ein stiller Tag. Genieße ihn und erfreue Dich an ihm.

  2. ui.

    NupharLutea: Ich habe Dich schon verstanden. Du fühlst Dich nicht eingeschränkt, daher ist es Dir wurscht, wenn andere eingeschränkt sind.

  3. ui.

    @Dora: Ich wäre schon zufrieden, wenn an den anderen Tagen keine Kirchenglocken läuten würden. Aber anderen vorzuschreiben, dass sie genug Geld zu verdienen haben und vor allen Dingen wann, ist mehr als ein starkes Stück. Ich kann zur Zeit zwar nicht klagen, aber es ist nicht so, dass es allen in unserem Land so gut gehen würde, dass sie nicht versuchen, jede Gelegenheit zum Arbeiten anzunehmen. Abgesehen davon, sind gerade die freien Tage, die Tage an denen die Leute mal aus dem Hause gehen und sich vielleicht mal ins Kino oder Theater begeben.

    Abgesehen davon, ist es eine schreiende Ungerechtigkeit, dass Theater verboten wird, aber Kino und TV weiterlaufen dürfen. Als ob die Theater nicht schon genug zu kämpfen hätten.

  4. Hans Guck-in-die-Luft

    Lieber ui^7,
    leider bist Du genauso intolerant wie es Dein Bild der Kirchen und Religionen ist, das Du in Deinem Kopf konstruiert hast.

  5. ui.

    Ach so, das ist ja mal eine Aussage. Kannst Du das auch mal erläutern? Worin denn zum Beispiel?

  6. NupharLutea

    @ui: Da Du scheinbar nicht in der Lage bist, neue Argumente zu bringen, ist die Diskussion für mich an dieser Stelle beendet. Ich bin kein Rechtsanwalt und kein Politiker oder sonstwas in der Richtung und nicht für das (Seelen-)Heil der Deutschen verantwortlich. Wen etwas stört ist in diesem Land frei, etwas zur Änderung beizutragen.

  7. Anonymous

    Mir ist Gott scheiß egal und kirchliche Feiertage sowieso.Ich habe heute Hochzeitstag und mein Mann fliegt morgen für längere Zeit weg, ich bin einfach wütend denn ich bin Atheist und fühle mich schon sehr eingeschränkt , ich wäre sehr gerne heute tanzen gegangen obwohl ich morgen auch arbeiten muß. Der Vergleich mit Footlose ist absolut treffend… daß es sowas auch bei uns giebt ist mit Demokratie nicht zu vereinbaren und mehr als von Vorgestern !!!

  8. del_weidler

    “Sie können uns nicht das Tanzen verbieten!”
    “Wann hast du das letzte mal getanzt?”
    “Darum geht es doch gar nicht!”

    xD

  9. ui.

    @Nupharlutea: Ja, das hast Du ja bereits gesagt. Nur ist mir nicht ganz klar, was Du überhaupt willst. Mir scheint, hier manifestiert sich nur eine sehr egoistische Weltsicht. Wenn Dich etwas nicht stört, dann sagst Du “es ist halt so, und so ist es in Ordnung, weil es halt so ist.” – Warum hast Du denn dann überhaupt die Diskussion angefangen, wenn Du keine Aussage hast?

  10. NupharLutea

    Ach, ich habe also eine Diskussion angefangen? Das ist mir neu. Ich habe lediglich eine Meinung abgegeben und Du bist drauf angesprungen, weil es nicht Deine Meinung wiedergegeben hat. Wo habe ich denn dann eine Diskussion angefangen?

    Das hat nix mit egoistischer Weltsicht zu tun. Jeder wird irgendetwas haben, was ihn stört und wieder wird es andere geben, die das nicht als störend empfinden. Dann wäre jeder egoistisch. Komische Welt, in der Du lebst. Oder geht es Dir nur darum, dass Du eingeschränkt wirst und deswegen soll doch bitte alles so geändert werden, dass Dir es in den Kram passt? Und schön, dass Du mir unterstellst, ich hätte keine Aussage. Gut zu wissen, dass neben Deiner Meinung wohl keine andere gilt.

  11. Claudia

    Geht ja ganz schön hitzig zu hier in dieser Diskussion…
    Ich bin zwar katholisch, aber dennoch gegen das Tanzverbot, da es in der Tat diejenigen einschränkt, denen der Karfreitag herzlich egal ist – vielleicht abgesehen von der Freude über das längere Wochenende, die ich jedem Atheisten von Herzen gönne, schließlich ist so ein freier Tag etwas schönes.
    In Bezug auf die Supermärkte könnte man das ja fast als Kompromiss gelten lassen – alle bekommen unabhängig von ihrem Glauben oder Nichtglauben einen Tag frei, müssen dann aber eben schon vorher einkaufen, das dürfte nicht zu viel verlangt sein. Schließlich will auch die Verkäuferin vielleicht mal einen Tag mit der Familie verbringen, etc. … Dass Feiertage also ähnlich behandelt werden wie alle Sonntage im Jahr, finde ich legitim.
    Das für einzelne Feiertage (ich glaube neben Karfreitag gibts noch mal einen, bin mir aber nicht ganz sicher) Sonderausnahmen gemacht werden, finde ich nicht in Ordnung. Jeder kann am Sonntag ins Theater oder in die Disco, warum nicht auch am Karfreitag?
    Ich würde es nicht machen, weil es für mich nicht passen würde, aber wieso soll deswegen auch mein ganzer atheistischer Freundeskreis auch daheim bleiben? Das verstehe ich selbst nicht so ganz, denn es ist ja nicht so, dass man zum Feiern gezwungen würde, jeder kann für sich selbst entscheiden, ob ihm der Karfreitag etwas bedeutet und er sich daher einschränken will oder nicht.
    Auperdem dürfte es in den meisten Betrieben kein Problem sein, den Dienstplan so zu organisieren, dass die christlichen Mitarbeiter ihre freien Tage auf die Feiertage legen können – gut, in Theatern ist das vielleicht etwas schwierig, aber da kann man ja differenzieren – wieso sollten nicht die Künstler selbst entscheiden, ob sie auftreten möchten? Gut, bei größeren Ensembles könnte es vielleicht schwierig werden, wenn manche gerne spielen würden und andere nicht – aber jedes Theater hat doch mehrere Stücke im Repertoire, an denen teilweise auch unterschiedliche Schauspieler beteiligt sind, da dürfte sich der Spielplan doch dementsprechend gestalten lassen.

    Ich kann jedenfalls durchaus verstehen, dass man sich über die Einschränkungen ärgert. Ich finde, manchmal würde es gut tun, wenn beide Seiten versuchen, sich in die jeweils andere ein wenig hinein zu denken.

  12. ui.

    @NupharLutea : Och Nuphar, ja, Du hast die Diskussion angefangen. Du hast einen Kommentar unter einen Blogeintrag abgegeben. Was erwartest Du, dass man dazu schweigt?

    Und sicherlich ist es egoistisch. Wenn Du in etwas eingeschränkt wirst, ich aber nicht, dann zucke ich nicht mit den Schultern und sage “Also ich finde das okay”. Du anscheinend schon.

  13. timo

    Also zum Tanzverbot kann ich aus meiner Region nichts feststellen. Wenn es gilt dann wird es von rechtswegen nicht kontrolliert.

    Aber zwischendurch konnte ich lesen das es Dich auch stört das Du überhaupt Sonntags nicht einkaufen kannst. Da bin ich etwas hin und hergerissen, ich jobbe im Gaststättengewerbe und da wird gerade dann Geld verdient wenn die Leute mal Zeit haben auf die Reise zu gehen bzw. “Auswärts” zu essen. Aber sollte jedes Geschäft, jede Dienstleistung auch Sonntags verfügbar sein?

    Zum einen sei den Leuten die dort arbeiten auch wenigstens ein Tag der Woche wirklich frei gegönnt (Haben ja mittlerweile alle Samstags auch auf) und das duch die Abschaffung des freien Sonntags Jobs entstehen bezweifle ich. Das würde einfach mit bestehenden Personal gefüllt (War auch so als hier die Supermarktketten Ihre Öffnungszeiten bis 22:00 Uhr gestreckt haben). Sicher ist es nicht gerade prickelnd wenn man feststellt das einem gerade Sonntags die Milch oder so ausgeht und man nicht schnell in den Rewe rennen kann, um sich neu einzudecken, aber vielleicht ist ein Tag in der Woche eben ohne dieses Rennen gar nicht so verkehrt (Gut, wenn Du jetzt wirklich verzweifelt Milch brauchst holst Du es an der Tanke.).

    Für mich hat die Wichtigkeit des Sonntags mit geschlossenen Geschäften, Postfilialen (wegduck) etc. nichts mit Religion zu tun, ich habe persönlich so gut wie nichts mit Religion zu tun, aber schon etwas mit Besinnung und zur Ruhe kommen, Zeit für die Familie oder so haben. Wenn der Sonntag zu einem gewöhnlichen Wochentag würde hätte für mich die Woche auch keinen richtigen Abschluß: Ein durchatmen und Montags neu beginnen.
    Wie gesagt, ich arbeite oft am Wochenende, bis zu 3 Sonntage im Monat, habe auch die gesamten Osterfeiertage gearbeitet, aber ich betrachte das aus der Sicht des “Normalbürgers”. Das sind die Leute die unter der Woche keine Zeit haben bei meiner Jobstelle aufzuschlagen weil sie eben im Rewe an der Kasse, bei der Post am Schalter, auf dem Bau im Bagger oder im Büro sitzen.

    Und, wie Du erwähnt hast kommen die Leute Wochenends / Feiertags auch ins Theater. Denkst Du das wäre großflächig noch so wenn es keinen Sonntag mehr gäbe?

    Und Samstags wird ohne wenn und aber die Gass gekehrt.

  14. ui.

    Timo, ja ich sehe das ähnlich. Mein Gemecker über dass ich sonntags nicht einkaufen kann ist rein egoistisch (obwohl viele Bäckereien haben ja Sonntags auf, Tankstellen auch. Wer darf und wer nicht?).

    Prinzipiell stimme ich Dir zu, Wochenenden sind eine feine Sache und die von Dir genannten Gründe kann ich durchaus nachvollziehen. Aber der Grund, das Sonntags frei ist, ist eben nun mal die Religion. Was ist eigentlich Deine Region?

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