Hallo, ich bin die Liebe
Diese Anzeige hing in einem Waschsalon bei mir um die Ecke. Eklig, oder?

Mit weniger Rechtschreibfehlern und ohne Punkt hinter jedem einzelnen Wort – das verstehe einer – lautet der Text ungefähr so:
Hallo, ich bin die Liebe!
Ich bin Uwe, bin 1m72. Habe blaue Augenfarbe und bin 47 Jahre und suche eine Partnerin, die 40 bis 65 ist. Größe unwichtig. Die mollig ist oder vollschlank ist, für eine feste Freundschaftsbeziehung. Und die es ernst meint und die Röcke tragen tut und sich gern oral bedienen lässt und einen kräftigen Ausfluss hat. Sollte im Raum Köln sein, 50677.
Puh, also das ist heftig. Die Telefonnummer habe ich unkenntlich gemacht, aber falls sich jetzt eine angesprochen fühlt, rücke ich damit natürlich raus.
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April 15th, 2010 at 12:56
Da fällt mir spontan diese Dame hier ein.
April 15th, 2010 at 13:16
Gibs zu, das ist dein Aufruf und du nutzt jetzt deinen Blog um etwas mehr Aufmerksamkeit für dein Gesuch zu bekommen, da sich offensichtlich noch keine “Dame” mit kräftigem Ausfluss gemeldet hat…
April 15th, 2010 at 13:40
Komischerweise hast Du Dich gemeldet, als ich die Telefonnummer getestet habe. Und jetzt versuchst Du abzulenken, ist klar.
April 15th, 2010 at 14:35
Och Mensch, da dachte ich wenn ich hier versuche ohne Fehler zu schreiben würde es nicht auffallen das ich es war…
Erwischt
April 15th, 2010 at 16:57
ich habe eine Vermutung, was die extra-Punkte betrifft: “behinderte” Menschen lernen schreiben oft mit derartigen Trennzeichen – verglichenmiteinemsolchenKettenwort,erhöhen,Trennzeichen,die,Lesbarkeit,enorm. Und ich kenne “nicht behinderte”, die’s auch nach guter abgeschlossener (Berufs)ausbildung mit der Ortografie schwer haben.
Vielleicht ist der Schreiber eigentlich ganz nett – aber eben anders. Ich wünsche ihm jedenfalls, dass er eine passende “Dame” findet! Und ein Urteil über “eklig oder nicht” solltet auch Ihr auf nach-dem-kennenlernen verschieben!
April 15th, 2010 at 19:44
Hm, Nelly, das mag sein. Wobei es mir vorkommt, als seien die Punkte hinterher hinzugefügt worden. Eklig ist ja die Sache mit dem Ausfluss und wie direkt die Anfrage ist.
April 15th, 2010 at 21:18
ja, wenn ich aufgrund der Handschrift davon ausgehen könnte, dass es sich um einen Mitmenschen mit höherem Bildungsabschluss handelt, fände ich diese Direktheit unangebracht bis abstoßend.
Hier sehe ich auf den ersten Blick: kommt nicht in Frage, ich habe noch einen Be-/Ruf (in einer Behinderteneinrichtung) zu verlieren. Und zugleich sehe ich: die Frau, die zu ihm passt, _muss_ genau so direkt angesprochen werden. Weil sie höfliche Andeutungen vielleicht nur schwer versteht. Vermutlich ist es für ihn (und für sie) selbstverständlich, auch intimere Dinge sehr direkt anzusprechen. Im Sonderschul- und Heimalltag ist das tatsächlich so.
April 15th, 2010 at 22:46
Hm, interessant. Und auch nicht ungewöhnlich, so etwas in einen Waschsalon zu hängen?
April 16th, 2010 at 9:04
“Im Sonderschul- und Heimalltag ist das tatsächlich so.”
Das Ding hängt aber nicht in einer Sonderschule sondern in einem Waschsalon.
Sorry, aber um sowas zu verteidigen muss man doch echt schmerzfrei sein.
April 16th, 2010 at 9:11
es soll schließlich irgendwo hängen, wo’s auch gesehen wird
Ich weiß ja nicht, wie die näheren Lebensumstände des Herren sind. Vielleicht lebt er im betreuten Wohnen und arbeitet in einer Behindertenwerkstatt, vielleicht lebt er auch (gänzlich unbetreut?) von Sozialhilfe und arbeitet nirgends – womit er auch weniger Gelegenheit hat, die Richtige in der Mittagspause kennenzulernen …
April 16th, 2010 at 9:56
Die Richtige mit kräftigem Ausfluss wohlgemerkt.
April 16th, 2010 at 10:10
@Asmodeus: es geht mir hier weniger um Schmerzfreiheit. Vielmehr erschüttert es mich immer wieder, wie schnell Menschen auf Andere mit dem Finger zeigen und sie be- und verurteilen, ohne sich die Zeit zu nehmen, das Individuum hinter der Andersartigkeit zu sehen.
Wenn etwas anders ist, als man es erwartet oder wünscht, erzeugt das Angst und Abwehr. Auch bei mir. Aber als Christenmensch muss ich mich doch darum bemühen, Verständnis für meinen Mitmenschen aufzubringen, oder nicht? Ein Selbstversuch, zu dem leider viele “richtige” Christen sich nicht in der Lage sehen. “Offiziell” bin ich ein Heidenkind und will hier auch niemanden missionieren.
April 16th, 2010 at 10:13
Christenkinder? Heidenkinder? Wo kommt das denn jetzt her?
April 16th, 2010 at 12:02
“doch darum bemühen, Verständnis für meinen Mitmenschen aufzubringen”
Das hat nicht explizit etwas mit “Christ” sein zu tun.
Es gibt aber auch Konventionen, und die sagt nunmal “Frage nicht in aller Öffentlichkeit nach einer Frau mit kräftigem Ausfluss.”
Individualität hin oder her, wir leben in einer Gesellschaft, und da wird halt ein gemeinsamer Nenner gesucht.
Und dieser Nenner gilt für alle.
April 16th, 2010 at 13:31
offenbar wurde versäumt, diesem Menschen zu erklären, was “man nicht macht” – das ist sehr schade! Und offenbar ist zur Zeit auch kein Helfer bei ihm, der ihn hätte darauf hinweisen können. Weil der vorgesehene Stellenschlüssel für so etwas kaum Zeit vorsieht.
Womit der Schuldige gefunden wäre – fehlt nur noch eine geeignete Lösung.
In diesem speziellen Fall wäre ein Fortschritt, die Anzeige so umzuformulieren, dass sie nicht Anstoß erregt und die gesuchte Dame trotzdem eine Chance hat, sich darin wiederzufinden. Wer fühlt sich berufen?
April 16th, 2010 at 13:34
Du meinst eine Anzeige schreiben, mit der man Frauen mit starkem AUsfluß findet, ohne zu sagen, dass sie einen starken AUsfluß haben sollten?
April 16th, 2010 at 13:42
zum Beispiel