Hallo, ich bin die Liebe


Diese Anzeige hing in einem Waschsalon bei mir um die Ecke. Eklig, oder?

Hallo, ich bin die Liebe!

Mit weniger Rechtschreibfehlern und ohne Punkt hinter jedem einzelnen Wort – das verstehe einer – lautet der Text ungefähr so:

Hallo, ich bin die Liebe!

Ich bin Uwe, bin 1m72. Habe blaue Augenfarbe und bin 47 Jahre und suche eine Partnerin, die 40 bis 65 ist. Größe unwichtig. Die mollig ist oder vollschlank ist, für eine feste Freundschaftsbeziehung. Und die es ernst meint und die Röcke tragen tut und sich gern oral bedienen lässt und einen kräftigen Ausfluss hat. Sollte im Raum Köln sein, 50677.

Puh, also das ist heftig. Die Telefonnummer habe ich unkenntlich gemacht, aber falls sich jetzt eine angesprochen fühlt, rücke ich damit natürlich raus.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

17 Gedanken zu „Hallo, ich bin die Liebe

  1. Gibs zu, das ist dein Aufruf und du nutzt jetzt deinen Blog um etwas mehr Aufmerksamkeit für dein Gesuch zu bekommen, da sich offensichtlich noch keine „Dame“ mit kräftigem Ausfluss gemeldet hat… 😉

  2. ich habe eine Vermutung, was die extra-Punkte betrifft: „behinderte“ Menschen lernen schreiben oft mit derartigen Trennzeichen – verglichenmiteinemsolchenKettenwort,erhöhen,Trennzeichen,die,Lesbarkeit,enorm. Und ich kenne „nicht behinderte“, die’s auch nach guter abgeschlossener (Berufs)ausbildung mit der Ortografie schwer haben.
    Vielleicht ist der Schreiber eigentlich ganz nett – aber eben anders. Ich wünsche ihm jedenfalls, dass er eine passende „Dame“ findet! Und ein Urteil über „eklig oder nicht“ solltet auch Ihr auf nach-dem-kennenlernen verschieben!

  3. Hm, Nelly, das mag sein. Wobei es mir vorkommt, als seien die Punkte hinterher hinzugefügt worden. Eklig ist ja die Sache mit dem Ausfluss und wie direkt die Anfrage ist.

  4. ja, wenn ich aufgrund der Handschrift davon ausgehen könnte, dass es sich um einen Mitmenschen mit höherem Bildungsabschluss handelt, fände ich diese Direktheit unangebracht bis abstoßend.
    Hier sehe ich auf den ersten Blick: kommt nicht in Frage, ich habe noch einen Be-/Ruf (in einer Behinderteneinrichtung) zu verlieren. Und zugleich sehe ich: die Frau, die zu ihm passt, _muss_ genau so direkt angesprochen werden. Weil sie höfliche Andeutungen vielleicht nur schwer versteht. Vermutlich ist es für ihn (und für sie) selbstverständlich, auch intimere Dinge sehr direkt anzusprechen. Im Sonderschul- und Heimalltag ist das tatsächlich so.

  5. „Im Sonderschul- und Heimalltag ist das tatsächlich so.“
    Das Ding hängt aber nicht in einer Sonderschule sondern in einem Waschsalon.

    Sorry, aber um sowas zu verteidigen muss man doch echt schmerzfrei sein.

  6. es soll schließlich irgendwo hängen, wo’s auch gesehen wird 😉
    Ich weiß ja nicht, wie die näheren Lebensumstände des Herren sind. Vielleicht lebt er im betreuten Wohnen und arbeitet in einer Behindertenwerkstatt, vielleicht lebt er auch (gänzlich unbetreut?) von Sozialhilfe und arbeitet nirgends – womit er auch weniger Gelegenheit hat, die Richtige in der Mittagspause kennenzulernen …

  7. @Asmodeus: es geht mir hier weniger um Schmerzfreiheit. Vielmehr erschüttert es mich immer wieder, wie schnell Menschen auf Andere mit dem Finger zeigen und sie be- und verurteilen, ohne sich die Zeit zu nehmen, das Individuum hinter der Andersartigkeit zu sehen.
    Wenn etwas anders ist, als man es erwartet oder wünscht, erzeugt das Angst und Abwehr. Auch bei mir. Aber als Christenmensch muss ich mich doch darum bemühen, Verständnis für meinen Mitmenschen aufzubringen, oder nicht? Ein Selbstversuch, zu dem leider viele „richtige“ Christen sich nicht in der Lage sehen. „Offiziell“ bin ich ein Heidenkind und will hier auch niemanden missionieren.

  8. „doch darum bemühen, Verständnis für meinen Mitmenschen aufzubringen“

    Das hat nicht explizit etwas mit „Christ“ sein zu tun.

    Es gibt aber auch Konventionen, und die sagt nunmal „Frage nicht in aller Öffentlichkeit nach einer Frau mit kräftigem Ausfluss.“

    Individualität hin oder her, wir leben in einer Gesellschaft, und da wird halt ein gemeinsamer Nenner gesucht.
    Und dieser Nenner gilt für alle.

  9. offenbar wurde versäumt, diesem Menschen zu erklären, was „man nicht macht“ – das ist sehr schade! Und offenbar ist zur Zeit auch kein Helfer bei ihm, der ihn hätte darauf hinweisen können. Weil der vorgesehene Stellenschlüssel für so etwas kaum Zeit vorsieht.
    Womit der Schuldige gefunden wäre – fehlt nur noch eine geeignete Lösung.
    In diesem speziellen Fall wäre ein Fortschritt, die Anzeige so umzuformulieren, dass sie nicht Anstoß erregt und die gesuchte Dame trotzdem eine Chance hat, sich darin wiederzufinden. Wer fühlt sich berufen?

  10. Du meinst eine Anzeige schreiben, mit der man Frauen mit starkem AUsfluß findet, ohne zu sagen, dass sie einen starken AUsfluß haben sollten?

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