I am beautiful, no matter what THEY say

Es gibt eine Webseite, die sich den exklusivsten Club der Welt nennt: www.beautifulpeople.net

In Wirklichkeit handelt es sich einfach um eine Single-Seite, zu der allerdings nicht jeder Zutritt hat. Auf der Homepage erfährt man, dass nur einer von 15 Bewerbern zugelassen wird, dass beautifulpeople.net in Bezug auf Schönheit das Äquivalent dazu sei, in MENSA, dem Club der Leute mit einem IQ über 140, aufgenommen zu werden, und dass die Betreiber der Seite wahrscheinlich schön sind, aber von Rechtschreibung relativ wenig Ahnung haben – sie ist mit Schreibfehlern gespickt.

Das Prinzip der Seite ist einfach. Die Betreiber gehen davon aus, dass schöne Menschen, die einen Partner suchen, es satt haben, auf Dating-Seiten über einen Haufen Profile von einsamen hässlichen Frustrierten zu stolpern und daher eine Seite brauchen, die nur schöne Menschen zeigt. Wenn man sich auf der Seite mit einem Foto bewirbt, durchläuft man einen Bewertungsprozess. Erst wenn die bereits existierenden Mitglieder des anderen Geschlechts einen für würdig erachten, darf man die heiligen Hallen der Seite betreten. Allerdings nur, wenn man amerikanisch, britisch oder norwegisch ist. Für die anderen Länder sei die Seite erst in Planung. Und für Leute, die einen anderen Browser als Microsofts Internet Explorer benutzen, geht die Seite auch nicht. Also wird „beautifulpeople“ trotz meiner Schönheit ohne mich auskommen müssen.

Das grundlegende Paradoxon allerdings ist folgendes: Hätten die schönsten Menschen der Welt ohne diese Internetseite wirklich Schwierigkeiten, andere kennen zu lernen? Die Antwort ist „ja!“ – aber nur, wenn sie Arschlöcher sind. Andererseits ist es natürlich beängstigend, wenn Menschen einen exklusiven Club brauchen, um sich schön zu fühlen. Brauchen solche Leute nicht einfach ein wenig mehr Selbstbewusstsein? Moment – ich bin Single, ich date gerne schöne Menschen und ich brauche mehr Selbstbewusstsein! Also ist die Seite doch genau das richtige für mich!

Eine Freundin von mir, eine afroamerikanische, etwas beleibtere Schauspielerin aus San Francisco, wollte mal ihr Glück versuchen, nur um zu schauen, was hinter der Seite steckt. Ihr Ziel war es, sich mit dem schönsten Bild, das sie von sich hatte zu bewerben, um es dann mit dem schrecklichsten von sich auszutauschen, sobald sie akzeptiert wird. Später, wenn sie die Bewerber mitbewerten dürfe, würde sie alle schönen Menschen ablehnen. Sie wurde allerdings nicht akzeptiert, sie hatte wohl die falsche Hautfarbe. Die Männer auf der Seite wollen anscheinend nur weiße Blondinen unter sich haben. Schön ist das nicht.

Flattr this!

Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

G+

Kommentar verfassen