Krisenmanagement auf Kreuzfahrtschiffen

Bezüglich der sich überschlagenden sensationsgeilen Pressemitteilungen über das Unglück der Costa Concordia, möchte ich – als jemand der 5 Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff zur See gefahren ist – auf der einen Seite mein Beileid den Opfern gegenüber ausdrücken, au der anderen Seite aber die Dummheit und Sensationsgier der Presse verurteilen, die immer vorschnell Schuldige und Skandale sucht:

Liebe Presse,

wenn ein Kreuzfahrtschiff mit 4200 Passagieren kenntert, dann ist das zwar eine große Tragödie, aber wenn 4198 der Passagiere gerettet wurden, dann war das Krisenmanagement der Besatzung kein Desaster, wie überall zu lesen ist, sondern wahrscheinlich vorbildlich.

Bitte sagt das mal jemand denen.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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10 Gedanken zu „Krisenmanagement auf Kreuzfahrtschiffen

  1. Oder die Passagiere haben ihre Rettung selbst in die Hand genommen, wie es sich aus einigen Berichten auch rauslesen läßt.

    Die Anzahl der Überlebenden sagt schlichtweg nichts über das Krisenmanagement der Besatzung aus.

  2. Die Aussagen der Passagiere, die sich nach ihrer Rettung nicht zu schade sind, sofort zur Sensationspresse zu laufen und bereitwillig Interviews geben allerdings auch nicht.

    Ich weiß, wie Kreuzfahrtcrews ausgebildet werden, Costa ist der Mutterkonzern von AIDA, soll heißen AIDA gehört zu COSTA – was gerade möglichst verschwiegen wird, denn wer bucht denn jetzt noch da?

    Und es ist eine immens schwere Aufgabe koordiniert 4000 Menschen von einem Schiff runter zu bekommen und ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger der Passagiere bereits zwei mal in so einer Situation war und weiß, wie es richtig und falsch ist.

  3. Lieber Manuel,

    ich kann Deine Empörung über den medialen Katastrophentourismus verstehen, ich war das letzte Mal bei Katrina in New Orleans so empört, dass ich einige Tage brauchte, um zu erkennen, wie katastrophal das Management war. Dies ist nun eine ganz andere Kategorie, aber mittlerweile wird klar, dass wir es hier mit einer vollkommen unnötigen Katastrophe zu tun haben. Allein heute wurden wieder fünf Leichen gefunden. Das Personal konnte die Rettungsboote nicht herab lassen und bedienen, der Kapitän verließ das sinkende Schiff ohne eine Meldung an Land zu lassen, bis über eine halbe Stunde nach dem Zusammenprall gab es keine Ansagen, die Route des Schiffes war vollkommen inakzeptabel, ich denke, wir haben es hier mit einer vollkommen berechtigten Kritik zu tun. Mein Vater war Seemann, mein Onkel ist Seemann, ich komme aus einer Seefahrerfamilie und einem Schifferdorf, so einen Kapitän sperrt man bei uns in die Mohrmühle ein! Ich sag es nur!

  4. Den Kapitän, ja. Den Rest der Crew, nein.

    das Personal konnte die Reetungsboote nicht herablassen, wegen Schräglage.

    Abgesehen davon ist es eine schwierige Entscheidung zu treffen, ab wann man in die Rettungsboote evakuiert.

  5. Das stimmt. Obwohl auch für die Crew gilt: Die Ladung ist uns anvertraut. Wenn der Fracht was geschieht, ist immer die Crew verantwortlich. Alte Seemannsehre. Fracht ist im friesischen nicht nur die Fracht an Bord, sondern auch der Lebenspartner, wie u.a. der Name des Weges Frachtenstegelk beweißt. Ein süßer Weg in Keitum, wo sich die Liebenden küssen, um auf ewig zusammen zu bleiben.

  6. Deshalb sprach ich auch von Verantwortung nicht von Schuld. Schuld wird vorgeworfen, Verantwortung nicht. Aber so genaues lesen ist natürlich nicht zu erwarten, von jemandem der glaubt, Laber Rhabarber vor sich zu haben. 😉

  7. *gähn*

    Der nächste Bitte 😉

    Kuck mal, ist ja schön, dass Du versuchst in schlau klingenden Worten zu sagen, dass Du voll die Ahnung von Seefahrt hast und deie Crew Verantwortung für die Passagier hat. Das wurde aber nirgendwo bestritten und ist daher so off-topic wie bei einer Diskussion über Erdbeereis zu sagen, dass Du gerne Erdbeerkuchen isst.

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