Perfektion der Preisverwirrung der Deutschen Bahn

Wenn ihr Euch fragt, was ich „zwischen den Jahren“ gemacht habe, dann kann ich Euch sagen, die meiste Zeit davon habe ich mit dem Fahrkartenkauf eines Tickets für die simple Strecke Köln – Düsseldorf verbracht. Die Fahrt dahin dauert selbst mit dem langsamsten Zug nur 30 Minuten, der Fahrkartenkauf bedeutend länger.

Folgende Ausgangssituation: Für den 27.12.2008 hatte ich ein Ticket von Neustadt an der Weinstraße nach Köln. Ich wollte aber nach kurzem Aufenthalt in Köln am Abend weiter nach Düsseldorf. Also versuchte ich am 26.12.2008 auf bahn.de ein Ticket Köln-Düsseldorf zu finden und zu buchen:

Mir wird eine Verbindung mit dem IC angezeigt, für € 5,50 mit Bahncard 50. Klingt gut, ich will buchen und komme auf eine Seite, die mir die Wahl stellt zwischen „Fahrkarte mit Sitzplatzreservierung“, „Fahrkarte ohne Sitzplatzreservierung“ und „Sitzplatzreservierung ohne Fahrkarte“. Anklickbar ist allerdings nur das Letztere. Da ich alles will, außer einer Sitzplatzreservierung bringt mich das nicht weiter.

Interessehalber versuche ich Streckenkombinationen, die weiter als Stuttgart gehen, oder direkt die Strecke Neustadt – Düsseldorf. Das würde alles gehen. Nur Köln-Düsseldorf scheint die Bahn verbieten zu wollen. Die meisten Düsseldorfer übrigens auch.

Am 27.12.2008 fahre ich also erstmal ohne weiteres Ticket nach Köln. Dem Schaffner (ich weiß, „Zugbegleiter“) im ICE schildere ich mein Problem und er versteht mich nicht ganz, aber ich ihn auch nicht, denn er murmelt irgendwas von wegen „Verkehrsverbund“. Netterweise zückt er sein Teil, um mir ein Köln-Düsseldorf-Ticket zu verkaufen, als er aber erfährt, dass ich erst am Abend nach Düsseldorf weiterfahren will, steckt er es unverschämterweise wieder weg und sagt, ich solle mir das Ticket am Automaten kaufen. Na toll.

Am Abend kaufe ich das Ticket am Automaten, sehe aber das der nächste Zug ein Regional-Express ist, also etwas langsamer, aber dafür bestimmt billiger, als der darauffolgende IC. Auf der Verbindungsanzeige des Automaten steht etwas von wegen „Verbundtarif“. Ich drücke drauf und der Schlawiner verlangt von mir € 9,30. Nö, will ich nicht.

Ich breche ab und wähle den späteren Zug, einen IC. Ich habe ja keine „Zugbindung“ und kann dann doch einsteigen wo ich will, oder? Und tatsächlich, dieser wird mir wie bei bahn.de für € 5,50 angezeigt. Und haltet Euch fest: Es gibt überhaupt keine Probleme beim buchen und ich erhalte das Ticket. Und steige natürlich in den Zug, der mir für € 9,30 verkauft werden sollte, schon eine heftige Konfrontation mit dem Schaffner erwartend. Der Schaffner kam aber gar nicht.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein, doch am 31.12.2008 fuhr ich noch einmal nach Düsseldorf. Allerdings noch ein Stückchen weiter, nämlich nach „Ratingen Ost“. Gebe also diese Orte bei bahn.de ein und ratet mal, was bahn.de haben möchte? Nur € 5,70. Wie kann das denn plötzlich sein?

Interessehalber gebe ich einfach noch einmal die gleiche Verbindung ein, allerdings nur bis Düsseldorf Hauptbahnhof, um zu sehen, ob das jetzt auch  € 5,70 oder gar nur € 5,50 oder sogar € 9,30 kostet, aber nein: Das Portal offeriert mir: „Preisauskunft nicht möglich“. Das heißt also, ich kann online kein Ticket von Köln nach Düsseldorf buchen, allerdings ein paar Stationen weiter schon. Wer darin einen Sinn erkennen kann, erklärt es mir bitte in den Kommentaren.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

24 Gedanken zu „Perfektion der Preisverwirrung der Deutschen Bahn

  1. Die Bahn hat ja ihrerzeit ordentlich mitgewirkt beim Transport einiger millionen Juden in deren Unglück. Und nun wollen die sich davon distanzieren. Daher haben die in ihrer Software so einen Filter eingebaut, der das Anzeigen von irgendwelchen Nazistischen Begriffen verhindern soll, und das Doppel-S in Düsseldorf, naja, da kommt’s dann eben häufig zu Problemen, wenn man Düsseldorf ansteuert. Ist ja auch zu düsselig, das ganze.

  2. Ja, Du hast ja recht. Komik ist nicht gerade meine Stärke; ich sollte es lieber sein lassen. Bei der Bahn muss ich eben immer an diese Viehtransporter denken und dann fielen mir halt diese Amerikanischen Smut-Filter ein…
    Aber vielen Dank für die Restwürde, die Du mir noch wiedergegeben hast.

    Mir hat an Deinem Text übrigens die Stelle mit dem Schaffner am besten gefallen, insbesondere das Murmeln und das ‚Teil‘.

  3. Habs auch gerade mal ausprobiert und bin auch bei der Platzkarte gelandet, obwohl sie bis zu einem gewissen Punkt auch den Ticketpreis noch drin haben.

    Bin morgen wieder im Dienst und werd mal Ursachenforschung betreiben, hab so ein/zwei Stellen die ich dazu direkt befragen kann und Zugriff auf den VKL Online, die Bibel für alle Ticketverkäufer.

    Ich vermute allerdings jetzt auch schon mal, dass es was mit dem Verbund zu tun hat. Dabei muss die Bahn die Ticketeinnahmen anteilig dem VRS zur Verfügung stellen. Das könnte möglicherweise technisch im Internet nicht funktionieren, am Automat dagegen schon.

    Ich kriegs raus 😉

    Gruß Harald (Wishbringer)

    1. Aber wenn es einen Grund gäbe, wäre es doch nicht das Dümmste, die Seite so zu bauen, dass der Grund ersichtlich ist und nicht einfach, dass der Button nicht klickbar ist? Und wie gesagt, nur eine Sation weiter als Düsseldorf und ich hätte das Ticket kaufen können.

  4. Dann wärste vermutlich aus der Verbundfalle rausgewesen. Dieses leidige Thema Verbundtickets gibt es schon so lange ich bei der Bahn was mit Internet zu tun habe, also seit ’99 😉

    Den ICE kann man ja auch buchen, der ist reiner DB AG Verkehr und der Verbund damit aussen vor. In deinem anderen Bericht zu HH – KI isses ja genau. Je größer die Verbünde sind, desto schwieriger das Ticketing. Vor dem Relaunch war das auch mal irgendwo erklärt auf bahn.de.

    Wenn es nur noch Verbünde im Nahverkehr gibt (kann ja sein) geht Regio-Verkehr gar nicht mehr zu buchen. Wenn dann noch jeder Zug von einem anderen Betreiber gefahren wird, ist es eh vorbei mit der „herrlichen“ Onlinewelt. Dann gibts Tickets wieder nur im Zug. Muss ja auch nicht schlecht sein 😉

    Gruß aus Berlin

  5. Ich weis garnicht was ihr alle habt…
    Die ganzen Spar-Kombi-Extra-Bonus-Sonder-Spezial-Tarife gibt es doch erst seit der „Geiz-Ist-Geil“-Generation…
    Die Bahn möchte günstig wirken, was in der Tat nicht optimal funktioniert.
    Das liegt aber wohl eher daran das die deutsche Bahn wie wir Sie jetzt haben nicht mehr ganz Zeitgemäß ist – leider.
    Leider wird nicht in neue technologien und Inovationen investiertsondern nur repariert und instand gehalten 🙁

  6. Bei Fahrkarten innerhalb von gewissen Verkehrsverbünden, die nicht mit der Bahn „kooperieren“, gilt die Bahncard nicht. Daher 9,70 €. Und wenn diese nicht koopieren, dann kann die Bahnseite auch keinen Preis anzeigen. Dafür muss man dann direkt auf die Seite des Verkehrsverbundes gehen.
    Wenn man einige Stationen weiterfahren möchte, dann geht das auf der Bahnseite natürlich wieder, da es über den Verkehrsverbund hinaus geht. So, war das jetzt verständlich? ^^‘

  7. Nein. Komplett verkehrt.

    1. hat es ja einen Preis angezeigt. Aber kein Ticket verkauft. Nämlich 5,50
    2. hat der Automat 9,70 angezeigt und den schnelleren Zug 5,50. Und da hat auch meine Bahncard gegolten
    3. Wieso sollte die Bahnseite keinen Preis anzeigen können? Der Fahrkartenautomat kann das ja auch.
    4. Wie soll ich dnn ein Ticket kaufen, wenn der Preis nicht angezeigt wird?
    5. Es ging ja nicht über den Verkehrsverbund hinaus, Ratingen Ost ist auch im VRN.

  8. In manchen Verkehrsverbünden gilt die BahnCard, in anderen nicht. Wenn sie gilt kann es aber trotzdem sein das man mit einer 50% BahnCard trotzdem nur 25% bekommt, (wie z.B. im VLP [Busverkehr in Passau Land], aber egal denn darum geht es hier nicht).

    Normalerweise gilt die BahnCard also innerhalb von Verkehrsverbünden nicht. (Faustregel, zu Ausnahmen kommen wir später)

    Innerhalb von Verkehrsverbünden basiert der Preis in der Regel auf Ringen (Großstädte, Bsp. Müchen) oder Waben (auf dem Land, Bsp Passau Land).

    Außerhalb von Verkehrsverbünden basiert der Preis normalerweise auf den gefahrenen Kilometern. Der Tarif ist aber nicht mehr komplett linear (früher beispielsweise 28 Pfennig pro Kilometer) sondern degressiv, damit der Preis auf längeren Strecken attraktiv gegenüber den Billigfliegern ist. (D.h. jeder zusätzliche Kilometer kostet weniger als der vorherige).

    (Für ICEs ist ein Preis für jede mögliche Verbindung definiert der auch die Reisezeit und den Komfort einberechnet, deshalb kostet der ICE Frankfurt-Köln über die Neubaustrecke mehr als der IC das Rheintal entlang obwohl letzerer mehr Kilometer zurücklegt)

    Außerdem gibt es einen Maximalpreis, im Moment glaube ich ca 220 Euro, d.h. irgendwo flacht der Tarifverlauf ab. D.h. wenn Du in München wohnst kosten alle Orte zwischen irgendwo hinter Berlin und der Ostsee für Dich zum Normalpreis das gleiche, die Fahrkarte München-Stralsund also auch nicht mehr als die von München nach Sassnitz auf Rügen.

    Noch einmal zum rekapitulieren: Innerhalb von Verkehrsverbünden berechnet sich der Preis nach Zonen, Ringen oder Waben, also eine Funktion mit Sprüngen (sieht aus wie Treppenstufen). Außerhalb von Verkehrsverbünden berechnet er sich nach Kilometern (also eine lineare Kurve, äh Linie, außer dass sie degressiv ist, also flacher wird)

    Kauft man allerdings eine Fahrkarte aus einem Verkehrsverbund hinaus bis zur ersten Station außerhalb dieses Verkehrsverbunds ist das ein reiner Bahntarif der im Grunde auf der Entfernung (und nicht auf Zonen, Ringen oder Waben) basiert. Hier gilt die BahnCard auch. D.h. es kann als Besitzer einer BahnCard 50 billiger sein eine Fahrkarte bis zur ersten Station außerhalb des Verkehrsverbundes zu lösen und trotzdem innerhalb des Verkehrsverbundes auszusteigen und den Rest der Fahrkarte einfach unbenutzt wegzuwerfen.

    Dies ist in Deutschland sogar explizit legal, im Gegensatz zu Großbritannien wo dies streng verboten ist und man schwarz fährt wenn man vorher aussteigt.

    Ich sagte: „Normalerweise gilt die BahnCard also innerhalb von Verkehrsverbünden nicht. (Faustregel, zu Ausnahmen kommen wir später)“

    Normalerweise verkehren innerhalb von Verkehrsverbünden ausschließlich Regionalzüge. Innerhalb mancher Verkehrsverbünde verkehren allerdings auch Fernzüge (VRN um Frankfurt rum, VRS um Köln rum und Leipzig-Leipzig Flughafen, Hamburg Hbf, Hamburg Harburg, Berlin und vielleicht München-München Pasing). Dort kann man in der Regel dann ein Ticket MIT BahnCard Rabatt innerhalb eines Verkehrsverbundes kaufen, weil der Fernverkehr nichts mit dem Regionalverkehr zu tun hat (deshalb darf man mit seiner Monatskarte des Verkehrsverbundes auch nicht ohne weiteres in den Fernzug steigen).

    Selbstverständlich kann man mit seiner BahnCard rabattierten IC/ICE Fahrkarte auch in den Regionalexpress steigen denn dies ist eine niedrigere Produktgruppe und downgraden darf man immer.

    WARUM man diese Fahrkarte dann aber nicht online kaufen kann (wohl aber am roten Bahn-Touch-Screen Automaten bleibt natürlich weiterhin ein Rätsel. Übrigens: Leipzig-Leipzig Flughafen und Köln-Bonn im Fernzug kann man online auch nur reservieren aber nicht fahren.

  9. Online fahren wäre ja auch.

    Also Deine lange Erklärung zeigt ja nur „warum einfach, wenn es auch kompliziert geht“?

    Mal ehrlich, macht das ganze tatsächlich Sinn für Dich, wenn die Erklärung länger dauert, als die Fahrt selbst? Das Preissystem bedarf eindeutig einer Simplifizierung und Überarbeitung.

    Egal, ob man es erklären kann oder nicht, es macht einfach keinen Sinn, wenn ich am Schalter sage: „Das günstigste Ticket nach Düsseldorf“ und die mir eins verkaufen, dass teurer ist, als ein Ticket über Düsseldorf nach weiter weg.

    Da kann man mit Erklärungen ankommen, aber egal wie viel man drüber labert es ist und bleibt dumme Oberscheiße.

    Wenn in einem Restaurant die 0,2l Cola 2 Euro kosten würde, die 0,5 aber nur 1 würde den Besitzern auch jeder sagen, dass sie einen Dachschaden haben.

    Ich fürchte allerdings, dass es nach Mehdorn auch nicht besser wird.

  10. Typische deutsche Kritik auf die Deutsche Bahn.

    Sich nicht für 10 Pfennig im Vorfeld informiert und vor möglichst grossem Publikum den misshandelten Verbraucher schieben. Onlinetickets zum selbstausdrucken sind erst ab 50 km Strecke buchbar. Auf der Website mehrfach nachlesbar..

    Aber wer verwirrt werden möchte um unqualifizierte Klugscheissereien ins Netz zu stellen, bitte…

    Sprecht mal mit jemandem, der nicht der typische Beamte, aber trotzdem bei der Bahn tätig ist. Es ist ein stranger Haufen, keine Frage, aber konstruktive Kritik ist ganz woanders angebracht… Das nächste mal den Strom anmachen, dann spart man sich auch den an sich ebenso dreisten Kommentar wie diesen hier und brauch seinen projezierten Ärger nicht an Unternehmen abschmieren. Sowas wirkt immer ziemlich schwach, abgesehen davon, dass dich das Verfassen der Zeilen bestimmt die gleiche Zeit gekostet hat wie der Kauf ( ? ) einer Fahrkarte. Wenn man bereits ist, freiwillig weitere Zeit in solche Angelegenheiten zu investieren, wird erstgenannte so wichtig nicht sein können…. Aber viel Spass weiterhin…

    Ohne die Bahn in Schutz nehmen zu wollen, ganz anbei… Grüße

  11. Uuuh, jetzt hast Du es mir aber gegeben. Dein Scheiß-Link zu Deiner Homepage geht übrigens nicht. Und dann sind sie eben erst ab 50km buchbar, aber der Scheißdreck ist dioch, warum? Warum gerade ab 50km? Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Leck mich doch am Arsch, Du Bahn-in-Schutz-Nehmer!

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