Der Selbstmord von Robert Enke
Robert Enke tot. Die Fußball Welt trauert.
UPDATE: Absolut lesenswerter Artikel einer Suizidalen, der aus den Diskussionen um diesen Beitrag entstand.
UPDATE, Mittwoch 11.11.09, 17:34: Es wurde ein Abschiedsbrief hinterlassen, in dem Robert Enke sich bei seinen Kollegen und Ärzten entschuldigte, sie in die Irre geführt zu haben. Seine Frau berichtete auf der Pressekonferenz mutig über die schweren Depressionen von Enke.
Hinweis vor dem Lesen des Artikels: Seit ich diesen Artikel eingestellt habe wird dieser Blog torpediert von Kommentarschreibern, die teilweise berechtigte Kritik äußern, teilweise aber auch einfach übelste Beleidigungen vom Stapel lassen. Allerdings gibt es auch einige sehr fruchtbare Diskussionsansätze. Mir geht es auf keinen Fall darum mir ein Urteil über irgend jemand zu erlauben und irgend jemand zu verurteilen und ich mache mich nicht über Depressionen lustig noch mokiere ich mich über irgendwas. Ich dachte eigentlich, der Inhalt des Artikels sei nicht wirklich missverständlich und die aufgestellten Gedanken müssen doch erlaubt sein, aber anscheinend fordern einige eine Thought-Polizei, die mir bestimmte Dinge untersagt, aber im gleichen Atemzug fordert, dass ich auf meiner eigenen Seite Kommentare, die mich und andere beschimpfen und voller Wut und ohne Verstand geschrieben sind, stehen lasse, weil das sonst Zensur wäre und gegen die Meinungsfreiheit.
Solche Diskussionen sind wirklich sehr unangemessen, es ist ganz einfach: Es ist meine Seite, ich entscheide, was ich stehen lasse und was nicht. Es gibt kein Recht auf der Welt, dass irgendjemand gestattet auf meine Seite alles zu schreiben, was er mag, sondern nur ich selbst entscheide das. Das klingt vielleicht eingebildet, aber genauso habt ihr das Recht auf Eurer Seite zu schreiben, was ihr wollt. Und diese Diskussion ist so alt wie das Internet selbst und ich habe darauf einfach keinen Bock mehr, wie ungefähr 99% der Internetnutzer auch nicht.
Hier der nochmals überarbeitete Artikel, ich hoffe wirklich, dass sich jetzt jemand auf den Schlips getreten fühlt:
Der Nationaltorwart und Hannover 96 -Spieler Robert Enke ist gestorben. Er war erst 32 Jahre alt, als er Selbstmord beging und sich das Leben an Bahngleisen nahm, in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese. Gerüchte, die einen Todesursache wegen seiner – eigentlich überstandenen – rätselhaften bakteriellen Viruserkrankung sprachen, bestätigten sich nicht.
Robert Enke hat sich also auf die Bahngleise geschmissen. Ich persönlich finde das ja eine etwas feige Art sich das Leben zu nehmen, weil dabei andere Menschen zu Schaden kommen. Aber so gesehen kommen immer andere Menschen zu schaden, Familie, Freunde, insofern ist Selbstmord immer etwas egoistisch und feige. Doch Depressionen machen Entscheidungen irrational, schwer Depressive sehen einfach keine andere Möglichkeit. Man weiß nicht und kann nicht nachvollziehen, was in einem Menschen vorgeht, warum er zu solchen Entschlüssen kommt, welche Probleme er hatte und wo wir als Gesellschaft mit Hilfe versagt haben oder nicht helfen konnten.
Wenn sich jemand auf die Gleise vor den Zug schmeißt, nennt die Bahn das einen Personenschaden und die meisten Reisegäste reagieren dann unmenschlicherweise damit , dass sie entnervt auf ihre Uhr schauen und sich fragen, wie lange das für eine Verspätung geben würde. Tja, denkt nächstes Mal zwei mal drüber nach, es könnte Euer Nationaltorwart sein, der sich gerade verabschiedet hat.
Dennoch, Robert Enkes Selbstmord ist sehr tragisch, aber auch nicht tragischer als jeder andere Selbstmord. 800 Menschen werfen sich in Deutschland jährlich vor den Zug. Und ca. 1 Million Menschen weltweit bringt sich jährlich um, 10 bis 20mal mehr, versuhen es. Schicksale von denen wir nie etwas hören und die sich wenigstens nicht vor einen Zug geschmissen haben und dem Lokführer ein nicht nettes Erlebnis bescheren, an dem sie trotz psychischer Betreuung oft kaputt gehen. Nett ist das nicht. Durchdacht auch nicht. Und er hinterlässt eine Ehefrau, die jetzt völlig am Boden ist und eine kleine Tochter.
Es gibt vieles, was noch unklar ist und vielleicht sollte man besser nicht all zu viel spekulieren. Doch diese Gedanken müssen erlaubt sein.
Und morgen in BILD:

November 16th, 2009 at 23:42
@ronald: Wieso ist das denn so wichtig, was Robert Enke gewollt hätte?
November 16th, 2009 at 23:45
@Freiherr: Verpiss Dich. Wer noch nicht mal “Bibel” richtig schreiben kann, sollte nicht versuchen, aus der Sicht der Bibel zu argumentieren.
November 17th, 2009 at 0:42
Deutschland und ihr geheiligtes Fußball. Ich werde es nie verstehen. Da wirft sich irgendwer von nen Zug, dessen Namen ich vorher noch nie gehört habe und alle rasten aus, noch schlimmer als beim Tod von Michael Jackson (da war die Hysterie wenigstens irgendwie begründet und es war kein Selbstmord). Leute: Das war nur irgendein Typ, der gut Bälle fangen konnte. Ballaballa. Bälle. Jeden Tag bringen sich X Leute um, die irgendwas anderes gut können. Arme Narren, gute Nacht.
November 17th, 2009 at 1:30
Wie war denn bei Michael Jackson die Hysterie begründet?
November 17th, 2009 at 2:04
[...] Beispiel? Ich zitiere gerne aus den Kommentaren zu ui.’s Blogeintrag zu diesem Thema: hör mal zu du spinner.man schreibt nicht schlecht über tote menschen und [...]
November 17th, 2009 at 12:12
Ich lese, glaube ich, bei Raventhird zwischen den Zeilen heraus, dass bei Michael Jackson die Hysterie wohl aufgrund dessen berechtigt war, weil bei ihm kein Suizid zugrunde lag. Verstehen kann ich das ehrlich gesagt nicht. Aber genau solche Aussagen, Menschen, die man nicht kennt und genauso wenig deren Gedanken und Probleme, als Narren zu bezeichnen, treiben Suizidale noch mehr voran in ihrem Vorhaben. Aber es sind ja laut des Kommentators sowieso nur Narren. Ich selbst denke, kein Mensch ist nur irgendein Typ, und ich wage zu bezweifeln, dass Raventhird sich geschmeichelt fühlen würde, wenn er als das bezeichnet und so betrachtet würde, wie er selbst über andere schreibt.
Wie Manuel schreibt, die Zahlen sind korrekt, und die Worte “Schicksale von denen wir nie etwas hören”. So lange dieses Thema nicht enttabuisiert wird, wird man auch entweder nichts oder nur wenig davon hören, von diesen Einzelschicksalen, von denen nicht nur der Suizidant selbst betroffen ist, und auf diese Art kann auch die Gesellschaft nicht sensibilisiert werden.
November 17th, 2009 at 18:32
@UI: zu deiner Anmerkung 252: Du kannst doch diesen unsäglichen Beitrag 249 von Freiherr auch löschen. Ich halte den Beitrag für weit über die Grenze des Vertretbaren.
November 17th, 2009 at 18:35
Schon, aber das sollte jedem klar sein. Ich möcht ihn stehen lassen, um zu zeigen, was für Spinner es gibt. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob der das nicht nur geschrieben hat, um zu provozieren.
November 17th, 2009 at 18:45
Finde ich auch richtig, dass dieser “Kommentar” stehen bleibt, denn in der Tat, entweder einfach gesponnen oder zur Provokation.
Und da Freiherr sich ja auf die Bibel beruft:
“Hat man ja schon mal versucht, nur leider nicht geschafft.”
kann ich nur sagen: GOTT sei Dank!
Es ist, gelinde ausgedrückt, mehr als anmaßend und zudem, da du Bibelfreak zu sein scheinst, pfeif dir einmal öfter rein “richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet”.
Weißt du, meine Eltern gehörten der Kriegsgeneration an, wären, würden sie noch leben, einige Jahrzehntchen älter, aber – und darauf bin ich stolz – sowohl sie als auch schon meine Großeltern waren weitaus toleranter und meine Mutter, obwohl aus einem erzkatholischen Elternhaus stammend, hatte nicht eine solche Einstellung.
November 17th, 2009 at 19:18
Dennoch fände ich es zum Thema angemessener, wenn die “Nina’s” in so einem Blog nicht so untergingen, nur weil solche Personen – gleich welche Motivlage – überhaupt eine Plattform bekommen. Aber deine Argumentation ist verstanden.
November 17th, 2009 at 20:37
Hallo, sicher ist der Tod von Robert Enke tragisch. Auch wenn andere Menschen in seinem Ater gehen oder gehen müssen, ist das schlimm.
Aber hat er es nicht gewollt? Für ihn war seine Karriere wichtig, deshalb sollte keiner von seiner Krankheit erfahren. Seine Frau, seine Tochter, der Lokführer,
das war für ihn zweitrangig. Gibt mir alles sehr zu denken……..
November 17th, 2009 at 20:40
@Nico
Diese Personen bekommen kaum eine Plattform, gerade hierbei sehe ich ja die Probleme und wundere mich nicht mehr über Entwicklungen, welche irgendwie vorprogrammiert sind. Ich oute mich nun als Borderlinerin, mag man nun von mir denken, was man will. Aber wenn dieser Kreis bereits von Fachleuten als “Therapeutenkiller” bezeichnet wird, dann sehe ich persönlich nirgendwo eine Plattform. Mag sein, “wir” sind nun eben nicht der pflegeleichte und bequeme Anteil von PatientInnen. Mir wurde beispielsweise ernsthaft von meinem Ex-Therapeuten als negativ und falsch ausgelegt, dass ich mich in aller Konsequenz vor Schwächere stelle. Und es war fatal, dass ich Widerspruch geleistet habe. Auf meinem Entlassungsbericht stand damals, ich hätte Konflikte mit dem Behandlungspersonal gehabt. Sehe ich anders, denn ich denke, es ist mein Recht, Psychopharmaka, welche aus meiner Sicht der reinen Sedierung und Fernsteuerung dienen, zu verweigern und wenn selbst auf einer Station einer psychiatrischen Klinik ein halbseitig gelähmter Mitpatient im Speisesaal von den anderen abgesondert und an den so genannten “Katzentisch” gesetzt wird, ist dieses für mich eine Diskriminierung hoch drei. Ich weigerte mich damals lediglich, irgendwelche Nahrung zu mir zu nehmen, so lange dieser Mensch ausgegrenzt wird, und dazu noch von so genannten Fachleuten.
Es ist m.E. längst überfällig, dass Menschen wie Nina eine Plattform erhalten, wo sie vorurteilsfrei behandelt werden, darüber reden oder schreiben können. Aber wage dir einmal gegenüber einem Fachmann Suizidalität von einer Skala von eins bis zehn in der Mitte einzuordnen, dann bekommst du kaum ein Gespräch, sondern ad hoc eine Zwangseinweisung. Das ist die Realität.
Von daher – ich bin angenehm überrascht, dass hier viele versuchen, Verständnis aufzubringen und nicht gleich mit Vorurteilen über einen herfallen.
November 17th, 2009 at 20:54
@supergau:
du, dann war das jetzt wohl ein Missverständnis.
Ich wünsche mir mehr “Nina’s” – und gerne auch mehr supergau’s. Mit meinem Post hatte ich UI gebeten, doch Freiherrs Kommentar zu entfernen und sagen wollen: Wenn der provozierende oder auch idiotische Mist überhand nimmt, gehen die unter, die sich um eine ernsthafte Auseinandersetzung bemühen oder sehr persönliche Dinge teilen möchten.
Und übrigens: Mein persönlicher Post aus meinem Leben ist auf Seite 5 – dann müsste eigentlich klar sein, auf wessen Seite ich stehe.
Aber Danke für deinen Hinweis. Habe mich wohl missverständlich ausgedrückt.
November 17th, 2009 at 20:56
Ich wünsche mir weniger Deppenapostrophen. Ehrlich jetzt.
November 17th, 2009 at 21:14
@Nico
das hatte ich schon richtig verstanden, aber habe mich selbst wohl blöd ausgedrückt, sorry. Und bin auch wieder abgeschweift. Mein post, meine Antwort an dich war auch auf deine Person keinesfalls negativ gemeint, ganz im Gegenteil, siehe auch der letzte Satz meines Kommentars. Ich habe deinen Kommentar auf Seite 5 gelesen und muss nochmals betonen, dass ich vor deiner Einstellung, zumal du selbst diese schlimme Erfahrung machen musstest, allerhöchsten Respekt habe.
November 17th, 2009 at 21:57
Danke.
Und ich dachte, ich wäre jetzt sowohl inhaltlich als auch orthographisch – oder neuer: “orthografisch” – der “Doppel-Depp”
Aber zurück zum eigentlichen, mir durchaus wichtigerem Thema: lieber einmal zu oft achtsam als einmal zu wenig. Das macht zwar niemanden wieder lebendig, aber zu Lebzeiten ist es deutlich angenehmer miteinander.
Wie man jetzt hört, hat Robert Enke offenbar Vertrauenspersonen in seiner Nähe gehabt, zu denen er anscheinend zuletzt den Kontakt auch abgebrochen hat bzw. denen gegenüber er “dicht” gemacht hat. Genau so nehmen die Dinge ihren Lauf.
Als ich im Nachhinein die Puzzlestücke zusammengesetzt habe, habe ich bei meinem Bruder eine unvorstellbare Zweigleisigkeit rekonstruieren können. Einerseits hat er das über einen recht langen Zeitraum geplant, andererseits hätte er es selber gerne verhindert. Dafür hätte er aber jemand Drittes gebraucht; er selber saß wohl bildlich gesprochen wie in einer Achterbahn, deren höchster Punkt ab einem gewissen Zeiptukt einfach überschritten war. Das bekommt dann eine innere Logik, die mit “es war doch sein freier Wille” oder Kategorien wie “feig” oder “egoistisch” einfach nicht zu bedienen ist.
November 18th, 2009 at 6:48
Nein, bist du ganz und gar nicht
Den Titel Depp und weitere habe ich sowieso im Abo, und lasse mir die auch von niemandem nehmen
Nun aber ernsthaft, dein Bruder und du seid mir wichtiger als ich. Du hast völlig Recht damit, es macht niemanden wieder lebendig, aber wer daraus lernt und lernen will, kann vielleicht irgendwann tatsächlich einen Menschen von diesem Schritt abhalten. Mit der Achtsamkeit ist so eine Sache, denn schau doch mal, wie viele über das Leid anderer hinwegsehen. Es interessiert sie nicht. Es ist immer weit weg, scheinbar. Ich beziehe dieses nun auf alles mögliche an Leid und Schicksalen, wovon Menschen weltweit be- und getroffen werden.
Das Dichtmachen ist, wenn man auf dieser Schiene fährt, eine ganz “normale” Phase. Man will nur noch in Ruhe gelassen werden, ich habe auch einfach sämtliche Kontakte gekappt, mich ausgeklinkt. Zudem muss ich eingestehen, dass man dieses vielleicht auch tut zum einen, damit andere nichts merken und man sein Vorhaben umsetzen kann und zum anderen hegt man innerlich geheime Ängste, dass da einer sein könnte, der versuchen könnte, dich davon abzuhalten. Du willst in diesen letzten Momenten, wenn du abgeschlossen hast, gar keine Alternativen und Argumente dagegen mehr hören. Ich könnte mir vorstellen, dass dein Bruder eventuell auch so festgefahren war, dass ihn gar keiner mehr erreicht hätte. Vielleicht ist dir dieses im Nachhinein auch etwas hilfreich, ich würde es mir für dich wünschen.
Das mit der Achterbahn beschreibst du sehr gut. Und ich sehe es genau so, dass dieses mit Schlagworten und Vorurteilen abzutun nicht gerechtfertigt und nicht darauf zu reduzieren ist. Diese Meinung vertrete ich nicht, weil ich selbst betroffen bin, ich hätte sie auch anderweitig, genau so, wie ich mich von Leute wie Freiherr distanziere, obwohl ich nicht zu dem von ihm erwähnten Personenkreis zähle.
Mehrmals wurde sowohl hier als auch in anderen Medien geäußert, dass eine kleine Tablette Robert Enke vielleicht geholfen hätte. Vielleicht. Nur auch dieses ist nicht so einfach, aber ich hatte selbst mit Fachleuten hierüber schon Diskussionen. Wie willst du, vor allem wenn noch eine komplexere Problematik zugrunde liegt, Suizidgedanken so einfach medikamentös wegtherapieren? Es ist nicht wie bei einem grippalen Infekt, dass du für ein paar Tage das Bett hütest, Antibiiotika schluckst und die Symptome klingen langsam ab. Zudem: sehr viele Antidepressiva und Psychopharmaka können als Nebenwirkung Suizidalität verursachen oder, wo diese bereits vorhanden ist, noch verstärken, und nicht wenige Menschen nehmen sich dann erst recht das Leben.
Damals fragte man mich, als ich im Anschluss an meinen “Zwangsurlaub” noch für Monate die Tagesklinik besuchen sollte, welche ich nach einem Tag geschmissen habe, da es ab diesem Zeitpunkt “freiwillig” war, wie man mir helfen könne, und ich sagte daraufhin: “Indem Sie mich einfach in Ruhe lassen.” Weißt du, Suizidalität ist mehr, als einfach nur nicht mehr leben wollen. Es entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Art Todessehnsucht. Das verstehen viele nicht. Ich vergleiche es immer mit Fernweh oder Heimweh. Für mich ist es auch nichts anderes. Ich lenke mich ab, und da ich keine Familie habe, zum Glück auch keine Kinder, denn ich würde mich selbst nicht als Mutter gewünscht haben, halten mich hier in der Hauptsache noch meine Tiere, denn sie würde ich nicht einfach im Stich lassen, und sie mitnehmen, käme nicht in Frage, ich vergreife mich nicht am Leben anderer Lebewesen, dazu habe ich kein Recht. Was durch extreme Lebenserfahrungen im Laufe der Zeit entsteht, Erlebnisse, ein gewisses Umfeld, welches dazu massiv seinen Beitrag leistet, kann später m.E. nicht so einfach wegtherapiert werden.
Ich habe meine eigene Strategie entwickelt, einen Kompromiss dahingehend geschlossen, dass ich versuche, mein Leben anzunehmen und es zu Ende zu führen. Ob mir dieses bis zum Schluss gelingen wird, weiß ich nicht, denn es treten immer wieder Situationen auf, es kommen immer wieder depressive Phasen, Panik oder diesen inneren Druck auslösende Momente, bei denen eine Kurzschlussreaktion nie ausgeschlossen werden kann.
Weißt du eigentlich den Grund für die Entscheidung deines Bruders, und darf ich fragen, wie lange es her ist und wie du heute damit umgehst, so du das kannst? Wenn ich dir mit diesen Fragen zu nahe treten sollte, kannst du mir das ruhig schreiben, dafür hätte ich absolutes Verständnis.
November 18th, 2009 at 15:43
Hier übrigens mal ein interessanter Artikel über die Folgen dieses exzessiven Medienrummels um Suizide Prominenter:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ueber-enke-und-werther/
November 18th, 2009 at 16:01
[...] der selbstmord von robert enke [...]
November 18th, 2009 at 18:27
@ supergau:
Das mit dem Depp ist für mich etwas, dass ich mit einem Augenzwinkern sehe. Das ist für mich ein Spiel.
Ich würde mich nicht mehr der Illusion hingeben, durch meine Achtsamkeit könne ich vielleicht den einsamen Gang eines Menschen in den Tod verhindern. Ich kann allenfalls die Chancen erhöhen, dass er “da bleibt” – kommt wohl wirklich, so wie du bestätigst, auf die Phase an, ob dieser Mensch für sowas überhaupt noch “offen” ist.
Wenn du sagst, das mit der Achterbahn würde ich sehr gut beschreiben, so muss ich doch sagen, ich werde immer als AUßENstehender meine Hypothesen bilden. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass ich sehr genau beobachten kann und Antennen für zwischenmenschliche Details entwickelt habe… wenn man nicht in bestimmten Situationen selber gewesen ist, kann man auch sich nur begrenzt weit in so eine komplexe Situation einfühlen.
Und ich stimme dir zu: Es ist keine Grippe, bei der man mit hoher Verlässlichkeit ein Medikament geben kann. Wie du schreibst, der persönliche Hintergrund bietet in der Regel einen bunten Teller an Traumata, die dann die Gesamtgemengelage weder vergleichbar noch kontrollierbar macht im Sinne “ah, ein bestimmtes Virus, dafür gibt es einen spezifischen Impfstoff”. Die Medikamente in dem Umfeld haben anscheinend sehr komplexe (Neben-)Wirkungen – auch nicht “easy”. Wie du sagst: nicht einfach wegtherapierbar.
Das “einfach in Ruhe gelassen werden möchten” kann auch noch andere Ursachen haben. Man kann auch gelernt haben, dass es für die Bewältigung der eigenen Probleme ohnehin keine Unterstützung von außen gibt (ich meine wirklich “Unterstützung” nicht “Lösung”).
Was das Abschotten zum letzten Schritt hin angeht, darin stimme ich dir teilweise zu. Bei meinem Bruder war es jedoch so, dass er bis kurz davor gleichzeitig Signale gesendet hat “ich will es eigentlich nicht tun müssen”. Die Signale hat er jedoch gegenüber Menschen geäußert, die meiner Meinung nach nicht die Gesamtsituation sahen, so wie ich. Und deshalb haben die sich lediglich über sein Verhalten gewundert, konnten aber daraus keine Schlüsse ziehen. Das macht es ja so tragisch.
Deine restlichen Fragen, die die Situation spezfischer erklären, würde ich dann eher über ein 1-zu-1-Kommunikationsmittel beantworten, um die Privatsphäre seiner Witwe zu schützen.
Ich kann meinen persönlichen Umgang mit der Erfahrung noch schildern. Ich setze mich mit dem Thema immer wieder auseinander – Enke war jetzt so ein Anlassfall. Ein bisschen Raum hat das auch in einer Therapie eingenommen. Einmal habe ich auch in einem Zug gesessen, als wir auf offener Strecke abrupt anhalten mussten – das ist ein richtig weiter Bremsweg. Jedesmal am Bahnsteig, wenn ein Zug einfährt. Unter Eisenbahnbrücken, wenn gerade ein Zug darüber fährt. Ich kenne eine kleine Brücke, da fährt der Zug 1,5 m in Gehrichtung über dem eigenen Kopf. Das prickelt, kann ich dir sagen.
Also, es gibt genug Anstöße bzw. ich setze mich innerlich damit immer wieder auseinander. Insgesamt will ich für mich ja genau diese Fragen klären, die ich in meinem ersten Kommentar zum Thema genannt habe. Ich möchte meine Situation nicht in Relation zu anderen Menschen stellen, aber das eine oder andere schwer Verdauliche gab es auch in meinem Leben und so stelle ich mir immer wieder die Frage, in welche Richtung das Pendel für mich letztendlich schwingt. Ich habe die Zuversicht, dass ich immer wieder einen “zweiten Weg” finde, Scheitern nicht ausgeschlossen. Echt exakt so, wie ich bereits geschrieben habe.
Ich habe schon so einige Situationen im Leben gehabt, die ich beim besten Willen nicht für möglich gehalten hätte. Von daher ist “sag niemals nie” für mich kein dummer Spruch. Es gibt immer noch eine Unbekannte, die das zurecht gelegte Weltbild von jetzt auf gleich erschüttern kann. Das ist wohl ein Teil dessen, was bei vielen Menschen durch den Tod Enkes passiert ist.
Und so beschränke ich mich als Grundhaltung darauf, die Dinge so gut wie ich kann zu beschreiben und zu erklären, aber nicht darüber zu urteilen.
November 18th, 2009 at 19:58
Vielen Dank an Nico und Supergau für den “Support”! Eigentlich wollte ich gar nichts mehr schreiben aber ich hatte ehrlich gesagt auch das Gefühl, dass mein Eintrag etwas überlesen wurde, was ich sehr schade finde. Ich hoffe das klingt jetzt nicht arrogant oder so, das ist es nämlich absolut nicht. Es ist nur so, dass mich das Thema natürlich sehr emotional berührt und ich sehr persönliche Dinge geschrieben habe um (wie schon in dem Eintrag erwähnt) einen anderen Blickwinkel zu eröffnen. Leider hatte ich das Gefühl, dass die meisten trotzdem einfach weiter drauf los gemeckert haben und sich gar nicht auf meine Worte eingelassen haben. Natürlich kann man niemanden dazu zwingen und das möchte ich auch gar nicht. Trotzdem: Ich hab mir die Zeit genommen, wäre schön wenn das einige andere auch machen würden und mit etwas offeneren Augen durch die Welt gehen würden.
November 18th, 2009 at 20:15
Nina is back!
Ich würde im positiven Sinne allen unterstellen, dass jede(r) der Auffassung ist, er/sie gehe “mit offenen Augen” durch die Welt. Die Blickrichtung ist nur eine andere
So ist zum Beispiel Gulliver (aus Gulliver’s Travels – da ist es wieder das böse Apostroph….) in dem einen Land ein Riese und in dem anderen ein Zwerg.
November 18th, 2009 at 20:24
Endlich, gut, daß es jemand ausspricht: WER DENKT EIGENTLICH an den Lokführer und die vielen Anderen, die wegen durchgeknallten egoistischen Menschen ihr Leben ebenfalls an den Nagel hängen??
Schrecklich, wie durch die Presse diese Sache so hochgespielt wurde. Schade, daß sich die Menschen immer wieder so einlullen lassen. Enke WOLLTE doch sterben und hat es bewußt hingenommen, daß andere Menschen leiden müssen. Also… weshalb dieser Aufstand??
November 18th, 2009 at 20:28
du sprichst mir aus der Seele.
Traurig ist es immer, wenn jemand stirbt, aber weniger traurig, wenn jemand sich selbst zuviel ist und sein Leben beendet. Ohne darüber nachzudenken, wie es denen gehen wird, die unschuldig daran beteiligt sein werden (Lokführer, Familie) – welch ein Hohn, dieser Mann war doch vollkommen unbekannt, aber Fußball sei Dank, wurde daraus gleich mal eine Riesenwerbeveranstaltung gezaubert. Schrecklich.
November 18th, 2009 at 20:59
@Nico: Mit der Blickrichtung hast du absolut Recht. Das wollte ich auch damit ausdrücken, mit den “offenen Augen” war das wohl etwas unglücklich formuliert. Natürlich würde niemand von sich behaupten mit geschlossenen Augen durchs Leben zu gehen und das möchte ich auch niemandem unterstellen!
Ich finde es weiterhin schade, dass sich viele Menschen (auch in meinem privaten Umfeld) ein Urteil über Enke oder Depressionen im Allgemeinen bilden welches mir zeigt, dass sie es eben nur aus einem Blickwinkel betrachten.
November 19th, 2009 at 5:47
Das mit diesem mittelprächtig talentierten Keeper, der sich widerwärtiger Weise auf die Gleise schmeisst, ist doch nur wieder so eine Bild-Zeitungsscheisse wie die angeblich so wahnsinniig gefährliche Schweinegrippe oder die jährlichen Hiobsbotschaften, dass die Welt demnächst untergeht wegen Klimakatastrohe/Erdmagnetismus/Hitzewelle/neuer Eiszeit/Waldsterben oder was weiss ich nicht alles. Michael ist schon fast ausgelutscht, da musste einfach ein neuer her. Hält so lange, bis mal wieder ein ausgetickter Promi Hitler ganz toll findet oder ein Krieg gegen den “neuen Hitler” stattfindet oder was weiss ich, vergammeltes Schweinefleisch. Herzliches Beileid!
November 19th, 2009 at 9:06
wenn ich das hier so lese,…bekomme ich das gefühl,…DIE MEISTEN SIND HIRNLOS.
November 19th, 2009 at 13:33
Ich hätte es jetzt vielleicht nicht so hart ausgedrückt, aber im Grunde hast du wahrscheinlich recht. Ich werde ab sofort auch nicht mehr meine Zeit hier verschwenden, da die meisten Leute hier sowieso nicht fähig sind zu diskutieren! Die Betonung liegt auf “die meisten”, aber leider überwiegen hier die Spinner, sorry!
Vielen Dank an die, mit denen ein normales Gespräch möglich war.
November 19th, 2009 at 14:12
Also ich weiß nicht, wie oft ich nun gelesen habe, dass nicht an die Betroffenen und Hinterbliebenen gedacht wurde und wird. Nochmals: ich selbst distanziere mich selbst von diesen Suizidmethoden, will und werde andererseits jedoch mir nicht anmaßen, andere zu verurteilen.
Und selbstverständlich belasse ich jedem seine Ansicht über Suizid und die Menschen, welche diesen Weg gehen.
Aber eines mal: habt ihr denn wirklich keine anderen Argumente als die – nun einmal explizit auf Robert Enke bezogen, denn letztlich ging und geht der Hauptartikel um ihn -, dass Suizidanten egoistisch sind und feige, dass sie nicht an andere denken, dass sie andere zum Opfer machen und dergleichen?
Solche Argumente werden bei potentzellen Selbst”mördern” nicht (mehr) ziehen, denn dazu hört und liest man sie zu oft. Sie lösen, insbesondere wenn, wie durch Aussagen, wenngleich auch indirekt, Trauer um solche Menschen sowieso nicht lohnt, gar Fehl am Platz ist, eher genau das Gegenteil aus. Je häufiger und intensiver ihnen, ohne jeden Einzelnen und somit auch ihre Gedanken und vor allem Hintergründe und Schicksale zu kennen, ihr vermeintlich übermäßiger Egoismus, Feigheit und Rücksichtslosigkeit vermittelt werden, um so eher werden sie dennoch, teilweise gar erst recht, diesen Weg wählen.
Vielleicht ein nicht geglückter Vergleich, aber trotzdem bringe ich ihn hier mit ein: wenn ein Tierschützer gegen Massentierhaltung ist oder ein Vegetarier Fleich aus Tierschutzgründen ablehnt (ich bin kein Vegetarier), kommt immer wieder dasselbe Argument: “Ja, aber Sie tragen ja auch Lederschuhe.” Dieses Argument ist so abgelutscht wie die eines vor Jahrzehnten die Fernsehsender Lollylutschenden Supercops.
Und jetzt möchte ich den Spieß einmal herumdrehen und eine Frage stellen:
Wenn nun der aktuell betroffene Lokführer oder einer seiner Kollegen, oder auch einer der Fahrgäste – und sie alle haben unumstritten ein Trauma erlitten – damit nicht, auch nicht bei psychologischer Betreuung (denn Psychologen/Psychiater sind keine Wunderheiler <- meine ich weder negativ noch ironisch), fertig werden und wenn nun einer von ihnen sich selbst das Leben nehmen würde und dazu noch auf die gleiche Art und Weise, wie würdet ihr dann über ihn denken und urteilen? Wie würdet ihr über Soldaten urteilen (aktuell im Afghanistan-Einsatz), die Erlebtes nicht verkraften und ihrem Leben ein Ende setzen? Was ist mit denen, die in ihrer Kindheit Gewalt, Missbrauch, Demütigungen erleben mussten, denen immer vermittelt wurde, sie seien der letzte Dreck und die dieses irgendwann genau so annehmen, aufgrund ihrer Erlebnisse nicht im Stande sind, jemals ein so genanntes normales Leben führen und anstatt anderen die selbst erfahrene Gewalt weiterzugeben sich lieber aus diesem Leben verabschieden? Sind sie auch egoistisch und feige? Ich frage mich nun gerade, warum immer wieder diejenigen außer Acht und außen vor gelassen werden, welche Menschen auf Dauer erst einmal zu dem machen, was sie später sind: seelische Wracks und zum Kreis der so genannten Suizidalen Gehörende.
Ab zur Therapie, eine kleine Tablette schlucken und alles wird gut?
Mit Vorverurteilen, ohne das einzelne Schicksal, die Hintergründe zu kennen, ist es ja auch einfacher, dieses "Thema" zu behandeln oder abzutun. Einer, der mir sehr nahe stand, nahm sich das Leben mit einem Sprung aus dem elften Stock seiner Wohnung (und nochmals: solche Suizidmethoden würde ich niemals wählen, aus Rücksicht auf andere). Ich erzähle bewusst nichts über seinen Hintergrund, sein Schicksal. Ist bzw. war er das Letzte aufgrund seiner Tat? Oder möchte jemand mehr genau über ihn als Menschen wissen, wie er war, wie das aus ihm werden konnte, was er wurde?
Ob Enke ein mittelprächtig talentierter Keeper war oder nicht: macht der Beruf die "Qualität" eines Menschen aus? Wäre er der weltbeste Keeper gewesen, wäre sein Verlust also etwas schlimmer?
Worin liegt der Hohn, über einen zu berichten, der gänzlich unbekannt war? Uns allen sind tausende, die sich selbst in Deutschland jedes Jahr umbringen, unbekannt.
Ich durfte einmal einen Kommentar, anderswo und vor längerer Zeit lesen, wo einer schrieb, der ironischerweis von Beruf auch noch Rettungssanitäter war, dass er, würde er einen auf einer Brücke in suizidaler Absicht stehen sehen, applaudieren und diesen noch nachdrücklich animieren würde, endlich zu springen. Ich habe ihm darauf nur geantwortet, dass ich, wäre ich eines seiner Kinder, und er würde mir, würde dieser fiktive Fall eines Tages eintreten, davon erzählen, sehr "stolz" auf einen solchen Vater mit Vorbildfunktion wäre… Und eben genau das fragte ich ihn, was hier nun schon zigmal gefragt wurde: ob er eigentlich auch an die denken würde, die dieses mitbekommen müssten.
Suizidanten erheben kaum den Anspruch auf Verständnis, zumindest die meisten nicht (mehr). Niemand muss sie verstehen, aber sind Vorabverurteilungen, ohne diese Menschen und ihre Schicksale zu kennen, oder gar Beleidigungen und Diffarmierungen wirklich gerechtfertigt?
Und gleich noch einen Denkanstoß nachgeschoben: Viele verurteilen die, die nicht an diesem Leben hängen, es beenden wollen. Aber wisst ihr, wie viele Suizidanten ernsthaft diejenigen verurteilen, welche ihr Leben bejahen und Lebensfreude empfinden? Ich kenne sehr viele, aber nicht ein einziger ist darunter, welche lebenswillige und lebensfreudige Menschen verurteilt. Das tue ich auch nicht, im Gegenteil, ich gönne es jedem von Herzen. Und auch diese letzten Worte meine ich in keinster Weise ironisch, sondern aufrichtig.
November 19th, 2009 at 14:22
Was mir so auf die Nerven geht, ist diese völlig überzogene Berichterstattung und das danach mit Sicherheit folgende konsequenzlose Schweigen und weitermachen wie bisher. Ich hatte nicht die Absicht, mich über Enkes Leben auszulassen. Davon hab ich auch ehrlich gesagt keine Ahnung. Was mir nur so unglaublich auf den Sender geht, ist die Medienmache. Und ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass es nicht gerade besonders rücksichtsvoll ist, sich vor einen Zug zu werfen.
November 19th, 2009 at 14:32
Nur mal so als kleiner Vorschlag, wir sind hier bei Kommentar 280 auf Seite 6. Mittlerweile wurden eine Menge Sachen gesagt, die meisten 5 bis 10 mal und kaum ein Leser wird so weit noch mitlesen.
In der Zwischenzeit ist allerdings dieser phantastische Artikel erschienen:
http://www.uiuiuiuiuiuiui.de/suizid-ist-wenn-einer-sich-umbringt
Wie wäre es, ihr diskutiert da weiter?
November 19th, 2009 at 18:21
@supergau:
verkehrte Welt: ich habe den Eindruck, wir “Normalen” können von den Suizidalen, “Verrückten” und “psychisch Fertigen” am meisten lernen.
Sich gegenseitig in der Welt zu bestärken, die man eh schon kennt, bringt einen doch nicht weiter! Erst wenn man sich die Mühe macht auf die andere Seite zu schauen (gilt für beide Personengruppen) beginnt doch erst gegenseitiges Verstehen.
So wie das hier läuft, stehen sich zwei Seiten unvereinbar gegenüber. Das wird auch noch in 100 Jahren so sein. Es reicht nicht, dass eine Seite sich versucht zu erklären und die andere behauptet, sie wisse eh schon wie der Hase läuft.
@Glamypunk:
Das ist die Reaktion der vermeintlich gesunden Welt. Und je mehr ich von der Welt der Suizidalen verstehe, desto mehr habe ich den Eindruck, dass sie sich mit unserer Welt um ein Vielfaches mehr auseinander gesetzt haben als wir mir ihrer.
Die Berichterstattung hat Robert nicht bestellt.
Der Vorschlag von ui ist gar nicht so schlecht. (Ich halte den Artikel auch für sehr lesenswert) Wo unterhalten wir uns weiter?
November 19th, 2009 at 18:27
Dort. Bitte.
http://www.uiuiuiuiuiuiui.de/suizid-ist-wenn-einer-sich-umbringt
November 20th, 2009 at 14:55
Mir tut Enke leid, dass es so weit kommen musste ist mehr als traurig.
Ich habe viel mit Freunden über diesen Selbstmord geredet und wir waren uns einig, dass es ein typischer Männerselbstmord war.
Frauen wählen da oft andere Varianten. Leider werden bei solchen Selbstmorden auch andere Leute mit hineingezogen
November 25th, 2009 at 10:59
“Wie Manuel schreibt, die Zahlen sind korrekt, und die Worte “Schicksale von denen wir nie etwas hören”. So lange dieses Thema nicht enttabuisiert wird, wird man auch entweder nichts oder nur wenig davon hören, von diesen Einzelschicksalen, von denen nicht nur der Suizidant selbst betroffen ist, und auf diese Art kann auch die Gesellschaft nicht sensibilisiert werden.”
Warum enttabuisieren?
Jährlich nehmen sich in Deutschland ca 0,0119 (Stand 2008) der Einwohner selbst das Leben, das entspricht, auf Deutschland hochgerechnet, knapp 9520 Personen.
Das mag jetzt extrem zynisch klingen aber….für mich ist diese Zahl zu klein, als dass sich Deutschland mit diesem Thema beschäftigen sollte.
Wenn nichtmal 10.000 Personen jährlich einer Krankheit zum Opfer fallen, von Bergwänden stürzen, bei Autounfällen umkommen oder eben Selbstmord begehen, dann ist das einfach so.
Die Gesellschaft muss sich nicht um alles kümmern.
“Erst wenn man sich die Mühe macht auf die andere Seite zu schauen”
Sorry, aber ich WILL das garnicht verstehen. Ich WILL diese Welt nicht kennen lernen.
Nenn es von mir aus Zynismus oder Ignoranz.
November 25th, 2009 at 12:01
GAnz klar. Ignoranz. Ignoranz und Dummheit. Trägheit der Masse. Wenn Dir das zu wenig Menschen sind, die sich umbringen, damit sich damit beschäftigt wird, dann … ach komm, das sagst Du dch nur um zu provotzieren, Du weißt doch gar nix. Es würde nämlich ganz anders aussehen, wenn einer von den 9520 ein Freund oder Verwandter von Dir gewesen wäre. Also Ignoranz. Selbst wenn es nur 1 pro Jahr wäre, sollte man sich damit beschäftigen.
Und wende Deine eigenen Worte mal auf was anderes an, dann siehst Du, wie doof das ist:
“Warum enttabusisieren?
Jährliche werden in Deutschland ca 0,00040 (Stand der Einwohner) ermordet, das entspricht, auf Deutschland hochgerechnet, knapp 9520 Personen.
Das mag jetzt extrem zynisch klingen aber….für mich ist diese Zahl zu klein, als dass sich Deutschland mit diesem Thema beschäftigen sollte.
Wenn nichtmal 400 Personen jährlich ermordet werden, dann ist das einfach so.
Die Gesellschaft muss sich nicht um alles kümmern.”
November 25th, 2009 at 12:13
“Es würde nämlich ganz anders aussehen, wenn einer von den 9520 ein Freund oder Verwandter von Dir gewesen wäre. ”
Da hast du sehr wahrscheinlich vollkommen Recht. Ich sagte auch nicht, dass es nicht so ist.
Wenn einen etwas nicht betrifft, kann man es leicht ignorieren.
Ich habe auch kein Problem damit ignorant zu sein, aber so wie ich sage “Wenn sich jemand um suizidale Personen (richtig geschrieben?) kümmern möchte, dann soll er das machen.”
So erwarte ich auch von Anderen, dass sie denken “Wenn sich jemand nicht drum kümmern will, soll er es halt nicht machen.”
Warum soll ich auch alles verstehen und mich überall einfühlen müssen?
Ich lebe mein Leben, mache meinen Job, habe eine Frau die ich liebe und irgendwann Kinder.
Das ist MEIN Leben und es geht mir gut.
Warum soll ich mir Gedanken machen und mich in Personen reinversetzen die ich nichtmal kenne?
Natürlich ist es tragisch, dass so etwas vorkommt. aber ich muss es nicht verstehen oder ändern wollen.
November 25th, 2009 at 13:12
Weil man das halt macht, wenn man kein egoistisches Arschloch ist.
Ich hab ja gar nichts gegen Deine Ignoranz, aber musst Du sie hier verbreiten? Deine Einstellung interessiert hier nämlich keine Sau.
November 25th, 2009 at 17:05
sorry, wenn ich mich hier noch ein letztes Mal kurz einklinke, aber mein Postfach spielt verrückt, weil ich die Meldungen nicht abgestellt habe.
Was Asmodeus betrifft: Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wenn dir diese Leute und andere sowieso gänzlich sonstwo vorbeigehen, was dein gutes Recht ist, warum du dich dann so aufregst. Und ich würde mich mal nicht so weit wegwerfen, ein mancher muss ich dann verdammt weit wiederholen. Wenn du eines Tages Kinder hast und eines von ihnen würde plötzlich zu dem von dir, wie mir scheint, so verachteten “Personen”kreis zählen, würdest du dann genau solche Phrasen von dir geben? Ich wünsche dir dieses keinesfalls, nur du kannst genau so wenig wie alle anderen dein Leben gänzlich im voraus selbst bestimmen und planen.
“Die Gesellschaft muss sich nicht um alles kümmern”. Da hast du Recht. Aber dann vertrete ich einmal mehr die Meinung, dass “die Gesellschaft” sich merkwürdigerweise dann kümmert, wenn sie auf Randgruppen einprügeln kann, ob verbal oder auf welche Art auch immer. Und noch eines hinterher: Wenn du dich zu dieser Gesellschaft zählst, dann bin ich froh, dass es mir gelungen ist, mich von dieser weitgehend abzusondern, denn ob du es glaubst oder nicht, ich muss nicht gelähmt sein, um einem Rollstuhlfahrer zu helfen, muss nicht wissen, wie es ist, nicht laufen zu können. Dieses nicht zu ignorieren nennt man, glaube ich, unter anderem schlichtweg Menschlichkeit.
Heute freue ich mich nach deinen postings tierisch und ein wenig hämisch über mein Tattoo – denn es hat sich hierdurch wieder bestätigt.
Viele Grüße
November 27th, 2009 at 19:35
Robert du filst mir sehr,wieso bist du tot.96 ich bin großer fan von euch.
November 27th, 2009 at 19:51
Kann ich Dir sagen, er ist tot, weil er sich vor einen Zug geworfen hat.
November 27th, 2009 at 20:14
@Jenne
eigentlich wollte ich hier nichts mehr schreiben, aber ich habe Deine Zeilen gelesen und möchte Dir etwas sagen, da ich denke, Du bist ein noch junger Fan v, Hann 96 und Robert Enke.
Robert Enke war krank. Er war krank und hatte Angst, dies zu sagen. Wenn Du hier so einige Beiträge gelesen haben solltest, wirst Du vielleicht verstehen, warum er Angst hatte. Ja, es gibt Menschen, die nicht wissen, was Depressionen für die Kranken bedeutet. Mach Dich kundig und dann wirst Du vielleicht einiges verstehen. Und Du darfst auch traurig sein, aber……akzeptiere die Entscheidung von Robert Enke. Denn ich glaube nicht, dass er wollte, dass es viele Menschen gibt, die ihn soooo sehr vermissen und um ihn weinen.
Und….bleibe Deinem 96 treu, denn darüber würde sich Enke sicher freuen!
Wenn Du dies lesen solltest, dann antworte bitte nochmals und schreibe auch Dein Alter!!!!
November 27th, 2009 at 20:20
Und nach 292 Kommentare sage ich jetzt zum letzten Mal, dass Beiträge in denen mehrere Ausrufezeichen hintereinander stehen in die Moderationsschleife zum Freischalten gelangen. Ab jetzt schalte ich die einfach nicht mehr frei. Ein Ausrufezeichen alleine reicht schon, bei “bitte schreibe auch Dein Alter” ist sogar eins zu viel. Wir müssen hier ja nicht herumschreien.
November 28th, 2009 at 10:43
Also da sieht man doch, wie HIER so manche ticken…sorry!
Wenn Du aufmerksam lesen würdest, hättest Du bemerkt, dass meine Zeilen an den User gerichtet sind, der ziemlich konfus geschrieben hatte!
Und stell Dir vor, ich habe mir ein paar Gedanken darüber gemacht!
(ich achte auf die Zeichen)
Denn, es könnte ja auch ein “kranker” Mensch sein! Und meine Frage nach dem Alter war beabsichtigt, denn es könnte sich auch um ein Kind/Jugendlicher handeln, der Deine Antwort auch missverstehen könnte!
Aber wie ich leider feststelle, ist hier das Sensiblität anscheinend ein Fremdwort!
Nun entschuldige ich mich für meine 3 zuviel gesetzten Zeichen und danke Dir recht herzlich, dass Du den Beitrag trotzdem freigeschaltet hast!
November 28th, 2009 at 10:46
Ojeh,…es sollte wirklich kein Geschrei sein, denn ich stelle soeben fest, dass ich fast nach jedem Satz ein Ausrufezeichen gesetzt habe.
Sorry.
November 28th, 2009 at 12:43
Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung
Dezember 11th, 2009 at 22:58
Zwei Dinge sind im Fußball tabu: Homosexualität und Depressionen. Vielleicht trägt der Tod von Robert Enke dazu bei, offener damit umzugehen. Traurig nur, dass niemand an die denkt, die mit hineingerissen wurden, wie z. B. der Lokführer. Ich weiß nicht, ob ich den Beruf noch ausüben könnte.
Dezember 14th, 2009 at 7:51
Diese Dinge sind leider nicht nur im Fußball tabu. Es wäre wünschenswert, dass mit diesen Themen offener umgegangen wird, denn ich bin der Meinung, dass hierdurch einige Suizide verhindert werden könnten, aber ich befürchte, dass es wieder nur ein Raunen ist, welches nur allzu schnell verhallt. Ein wenig widersprechen muss ich: es ist definitiv nicht so, dass niemand an die Menschen denkt, die mit hineingerissen wurden. Auch nicht die, die keinen anderen Ausweg sehen, ich hatte es schon an anderer Stelle erwähnt, dass ich sehr viele suizidale Menschen kenne, und die Mehrheit sich explizit gegen Methoden ausspricht, womit andere tangiert oder gar geschädigt werden. Und es wurde auch hier, zu Recht, im Blog mehrmals auf das Schicksal derer verwiesen und eingegangen, die ungewollt zu Beteiligten wurden/werden.