Sonne, Wäsche und die Deutsche Bahn von 1938 – Teil II

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Nach dem Auftritt machte ich mich auf den Heimweg. Am Bahnhof Krefeld erwarb ich ein Regional-Express (früher: Bummelzug) – Ticket für die Bahn um 23:35 nach Köln. Als ich dann, kurz vor der eigentlichen Abfahrt, am Gleis ankam, kam eine Durchsage, dass der Zug heute ausfalle, und dass man stattdessen die an einem anderen Gleis stehende Regionalbahn nach Düsseldorf nehmen solle, und von da aus käme man dann schon irgendwie nach Köln.

Den Schaffner von der Regionalbahn nach Düsseldorf habe ich dann gefragt, warum denn der andere Zug heute nicht fahre und er meinte „Das kann ich Ihnen nicht sagen, dass ist nicht von Belang.“ In diesem Moment fuhr der Regionalexpress nach Köln auf dem anderen Gleis ein. Der Schaffner versicherte mir aber, dass er nicht weiterfahren würde. Ich fragte ihn abermals, warum denn der Zug nicht weiterfahre, er sei doch pünktlich und man habe ja gerade eben gesehen, dass er fahren könne, aber er meinte, das habe die Leitstelle so entschieden und dann frage er nicht nach und mich würde das nichts angehen.

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Ein weiterer erzürnter Fahrgast fragte dann nach, wie er denn dann in Düsseldorf weiterfahren solle. Der Schaffner sagte ihm, dass er entweder um 0:30 die S-Bahn nehmen könne, oder um 0:40 ein Regionalbahn, man würde dann 1 Uhr soundso in Köln ankommen. Der erzürnte Fahrgast meinte dann, dass das dann ja eine Verspätung von über einer Stunde sei, da könne man doch wenigstens erwarten, dass die Bahn das Geld der Fahrkarte zurückerstattet, wenn sie nach Lust und Laune einfach Züge aussetze. Der Schaffner korrigierte allerdings: „Nein, dem ist nicht so. Bei Regionalzügen haben wir keine Pflicht, Karten zurückzuerstatten.“ Übersetzt: Wir geben dem Kunden nur das, wozu wir gesetzlich verpflichtet sind, mehr nicht und auf gar keinen Fall, sonst könnte er uns ja noch für nett und sympathisch halten. Der Schaffner wies darauf hin, dass dies auf eine gesetzliche Verordnung aus dem Jahre 1938 zurückging. „Aus der Zeit des Nationalsozialismus!“ wie der erzürnte Fahrgast zynisch bemerkte, „Richtig!“, wie der Schaffner freudig verkündete, als könne die Bahn darauf stolz sein. „Na das müsste man ja mal dem Kölner Express melden, das fände die Bahn bestimmt nicht so toll, wenn der so was veröffentlicht“, hoffte der erzürnte Fahrgast, fast schon sehend, dass der kleine miese Schaffner doch wieder als Gewinner hervorging. Und er hatte Recht, der Schaffner meinte: „Da stand das schon drin, daher weiß ich es ja.“

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

4 Gedanken zu „Sonne, Wäsche und die Deutsche Bahn von 1938 – Teil II

  1. Meine Erfahrung: Geld zurück gibt es übrigens (per Kulanz), wenn mf lieb und nett und zutiefst betroffen (am besten den Tränen nahe) einen Brief an die regionale Kundenbetreuung der Bahn schickt und am besten noch anschaulich darstellt, welch schreckliche Folgen die Verspätung hatte.

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