Sonne, Wäsche und die Deutsche Bahn von 1938 – Teil IV

HIER GEHT ES ZU TEIL 3!

Am nächsten Tag musste ich wieder mit der Bahn fahren. Und zwar diesmal zu einem Auftritt nach Duisburg. Am Kölner Bahnhof stellte ich fest, dass der Zug Verspätung hatte. Aber ich hatte ja – neue Werbeaktion der Bahn – eine kostenlose Reservierung für einen Sitz, also wartete ich geduldig. Ich ging sogar zum so genannten Wagenstandsanzeiger und schaute nach auf welchem Gleisabschnitt mein Wagen halten würde. Wagen 255. Was für eine hemmungslose Übertreibung. Die blöffen. Die wollen doch nur toll erscheinen! Das ist, wie wenn man von einem Hochhaus das Erdgeschoss schon 123. Stock nennt. Der Zug hat niemals 255 Wagen, nein, nein!Der Zug war ziemlich leer, nur im Wagen 255 saß eine ganze Grundschulklasse. Im Grunde genommen habe ich ja nichts gegen Kinder, aber eine lärmende Grundschulklasse ist in einem geschlossenen Abteil akustisch nicht zu ertragen. Da platzt das Trommelfell. Also verzichtete ich auf meinen reservierten Platz, der restliche Zug war ja so gut wie leer, und ich ging ein Abteil weiter und fand einen freien Platz. Natürlich etwas gestresst, weil der Zug Verspätung hatte, ich zum Theater musste, die Nacht vorher nicht gut geschlafen habe, usw. usf.

Kaum saß ich, setzte sich mir gegenüber ein Kleinkind hin. Ohne Eltern weit und breit. „Hallo!“ rief es und grinste mich treudoof an. „Hi.“ sagte ich, lächelte kurz und verstummte. In solchen Situationen wird klar, dass spätestens nach 10 Sekunden des Sich-Anschweigens die peinlichen Momente der Stille für den Erwachsenen viel schlimmer sind, und für das Kind gar nicht existent. Es grinste mich einfach weiter treudoof an. Also schloss ich die Augen und versuchte mich schlafend zu stellen. Als ob das Kind so etwas auch nur im Entferntesten interessieren würde. Trotz meiner geschlossen Augen, fing es an lauthals zu erzählen:

„Kuck mal! Kuck mal, kuck mal!!! Da! Ne Kirche! Kuck mal, Kuck mal! Wasser mit ’nem Boot drauf! Hallo!!!“

Kurz bevor ich dachte, dass das Kind gleich aufspringen und an mir rütteln würde, machte ich die Augen auf. Der Vater des Kindes kam vorbei. „Endlich“ dachte ich. Doch er sagte nur amüsiert zu seinem Kind: „Nanu, wo hast Du Dich denn hingesetzt?“ und ging weiter…

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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6 Gedanken zu „Sonne, Wäsche und die Deutsche Bahn von 1938 – Teil IV

  1. Das liegt nur daran, dass Umaute (in dem Fall das ae) hier irgendwie automatisch aus der Domain gelöscht werden. Vielleicht gehts ja jetzt mit Purycode (Ja, das Wort ist gegoogelt).
    Wobei es ja hier ja sowieso nicht um mich gehen sollte.

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