Stand der Sieger von „Das Supertalent“ auf RTL, Michael Hirte, schon vorher fest?

Samstag 14 Uhr 55: Promipranger-Blogger „Pottschalk“ veröffentlicht auf seinem Blog einen Eintrag mit der Überschrift: „Michael Hirte ist der Gewinner vom Supertalent Finale!

Woher weiß er das schon? Das Finale startet zu diesem Zeitpunkt erst in 5 Stunden, der Gewinner würde erst in 9 Stunden feststehen und zwar nicht durch eine vorher beschlossene Jury-Entscheidung, sondern aufgrund eines Televotings, also angeblich aufgrund von Anrufen der Zuschauer – oder?

Pottschalk jedoch schreibt: „So wird es heute Abend ausgehen! Der Pottschalk ist sich zu 100% sicher, dass Michael Hirte der Mann der unsere Herzen berührte das Finale vom Supertalent gewinnen wird!“.

Und so geschah es auch. Läuft da etwas hinter den Kulissen, was ein wenig faul ist? Oder hat der Promiblogger nur gut geraten und eine Spürnase für den Geschmack der Mehrheit?

Immerhin hat Dieter Bohlen im Halbfinale sinngemäß noch gesagt, dass wenn Michael im Finale „Stille Nacht, heilige Nacht“ spielen würde, er Pippi in die Augen bekäme und dann – oh wunder – spielte Michael doch „Ave Maria“, hatte dann aber zum Abschluss der Show „Stille Nacht, Heilige Nacht“ samt Playback parat. Das wirkte ja recht geplant – wusste man vorher wer gewinnt? Heißt er überhaupt „Hirte“ oer ist das ein Künstlername? Aber wenn alles perfekt hätte sein sollen, warum spielt er dann Mundharmonika und nicht Panflöte?

Wie dem auch sei, jetzt hat Deutschland ein „Supertalent“, ein mittelmäßiger Mundharmonika-Spieler mit einer rührenden Geschichte. Da kann ich wirklich nichts mit anfangen, aber nur mal zum Vergleich, hier ein paar richtig gute Mundharmonika-Spieler, ohne rührende Geschichte:

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

20 Gedanken zu „Stand der Sieger von „Das Supertalent“ auf RTL, Michael Hirte, schon vorher fest?

  1. Hi,

    habe mir mal gerade das Looser-Talent angehört und dann Deine Vorschläge – unglaublich das so ein verlorener Hirte gewinnt. Für ihn sicherlich super, aber bestimmt kein Supertalent!!!

    Armes Deutschland…

  2. Sehr treffend geschrieben. Ich hatte nur beim durchzappen mal reingeschaut und bin der Meinung, dass die Sendung den falschen Titel hat. Nicht der gewinnt, der tatsächlich Talent hat sondern entweder eine rührselige Geschichte oder den „Cute-Factor“ hat.

    Wenn ich mir das antue, schaue ich den X-Factor. Da hat es wenigstens einige echte Ausnahmetalente drunter.

  3. Nun ja, da gehen unsere Meinungen dann doch ein wenig auseinander.
    Du hast natürlich vollkommen Recht damit, dass Michael Hirte nicht gerade zu den Top Mundharmonika Spielern gehört. Er gehört eher zu der Mittelklasse und wird noch einiges zu tun haben um aufzusteigen.
    Der Unterschied liegt aber eben beim Glück. Man muß zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, dann kann man auch mit einem mittelmäßigen Talent zum Supertalent werden. Der Mitleidsfaktor spielt dabei sicherlich auch keine kleine Rolle, zumindest bei denen die ihrem Gegenüber etwas Glück gönnen.
    Ich glaube ja eben auch, dass das talent von Michael Hirte im Erzählen seiner Geschichte ist, die man beim Spielen seiner Harp mit jedem Ton hört und sieht.

  4. Das dir als Musiker das etwas stinkt ist doch klar. Aber hier wird vor Weihnachten eine Lebensgeschichte vermarktet die nur eins muss, Einschaltquoten. Dem Menschen Michael Hirte sei es gegönnt, den in 2 Monaten kennt Ihn keiner mehr. Fröhlichen Weihnachten.

  5. Bei RTL-Castingsoaps gewinnt üblicherweise NIE der Beste, sondern immer nur der Massentauglichste. Zu den Ingredienzen des Titelgewinns gehört zweierlei:

    1. das Bedienen einer „antikapitalistischen Sehnsucht“ (deswegen der unaufhaltsame Durchmarsch der Hartz IV-Heroes Thomas Godoj bei DSDS und Michael Hirte bei Supertalent; die Leute glauben anscheinend wirklich, sie könnten über Schröders Reformagenda ein Plebiszit abhalten, wenn sie bei RTL anrufen) und

    2.) die Empfehlung des massensugestiv äußerst wirksamen (und diese Rolle schamlos ausnutzenden) „Jurors“ Dieter Bohlen. Dessen Steuerung des Publikums war mal wieder ein Meisterstück in dem, was die Kommunikationswissenschaftler „framing“ nennen.

    In meiner ersten Verärgerung habe ich gestern per SMS geschrieben „Ein Volk. Ein Reich. Ein Dieter – die Volksgemeinschaft übt sich beim Voting in Palavergehorsam gegenüber ihrem Führer“. Denn was er da abgezogen hat mit der vorgehaltenen Moralpistole – wer nicht für Hirte anrufe habe kein Herz – das war einfach nur noch pure Nötigung, hatte für mich was Degoutantes! Andere mögen das anders empfunden haben, aber mehrheitsfähig war ich noch nie.

  6. …hehe. Wem man weis machen kann, dass Telefonabstimmungen Wahlen bei einem privaten TV-Giganten beeinflussen, dem kann man bestimmt auch klarmachen, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt. RTL wird nicht umsonst Millionen Euronen monatlich in die GfK investieren. Um im Gegenzug unter anderem die minutengenaue Erfassung der Einschaltquoten des Vortages zu bekommen. Was meint ihr, wie es bei der der nächsten Aktionärsversammlung in Luxemburg im Karton rappeln würde (also hinter verschlossenen Türen), wenn die Produzenten der Sendung den Bertelsmännern erklären müssten, dass sie statt dem Produkt mit der grössten Verweildauer und Emotionalität, einem „Supertalent“ Vorrang gegeben haben, welches laut Telefonvoting Gewinner sein müsste. …und so etwas, nach den ganzen Mühen, den „Paul Potts“-Charakter zu schaffen.

    Ihr könnt ja mal raten, bei welcher Plattenfirma die CD von Michael Hirte erscheinen wird. Ach, die Scheibe mit den herrlich schnulzig triefenden Melodien wird auch zufällig so gut in die Weihnachtszeit (und auf den Gabentisch) passen und crossmedial verwurstbar wäre sie auch so prima. Schade, eigentlich hätte mich ja mehr interessiert, wie Bertelsmann wohl eine Akrobaten-Nummer weiter vermarktet hätte… Naja, aber vielleicht habe ich auch unrecht, und das Telefonvoting ist nicht nur zum Refinanzieren des Studios und der Gehälter oder eine 1a Zusatzgeldquelle, um die „Michael Hirte“-Vermarktungskampagne optimal im Weihnachtsgeschäft zu positionieren. Und bestimmt stand auch nicht schon seit ein paar Tagen fest, dass dieser rührselige Hirte das Rennen machen wird. Ich irre mich bestimmt. In Wirklichkeit läuft wahrscheinlich alles – wie in jedem anderen Sender oder Medium – ganz ganz ehrlich ohne Schummelei ab.

  7. SonyBMG bzw. Columbia vermeldet heute, dass das Debütalbum von Michael Hirte am Freitag erscheint. Diesen Freitag. 5. Dezember.

    Tracklisting:
    1. „Ave Maria”
    2. „You Raise Me Up”
    3. „Aber Haidschi Bumbaidschi”
    4. „Morning Has Broken”
    5. „Amazing Grace”
    6. „We Have A Dream”
    7. „Time To Say Goodbye”
    8. „Guten Abend, Gute Nacht”
    9. „Mull Of Kintyre”
    10. „Bright Eyes”
    11. „Bridge Over Troubled Water”
    12. „Stille Nacht“

    Das Kann nur schon vor dem Finale feritg aufgenommen worden sein…

  8. Wäre es wirklich nach Talent gegangen, dann wäre Christoph Haese auf Platz eins und Kelvin Kalvus auf Platz zwei gekommen! Und Michael Hirte? Dank Duri immer noch souverän auf Platz 9!

  9. Zu erraten, dass Hirte gewinnt war nun wirklich kein Zauberstück mehr. „Zu sehr geplant“ kam das Ganze schon daher, doch die RTL-Leute wussten natürlich auch um die hohen Stimmenzahlen aus dem Halbfinale. 1 und 1 zusammenzuzählen ist nun mal der Job von RTL.

    Dumm ist eben, dass man die Qualitäten der Talente kaum miteinander vergleichen kann. Es muss also eine der Komponenten „sympatischer Typ“, „persönliches Schicksal“ oder „gnadenloses Vermarktungspotential“ gewesen sein, die dem Resultat zuträglich waren.

    Ich frage mich aber auch, woran sich die Kritiker in Wirklichkeit stören, wenn sie die ganze Show Scheisse finden und abwechslungsweise an Sieger, Juroren und Wahlverfahren etwas auszusetzen hatten.

    Etwas zum Rumnörgeln findet man immer.

  10. Lieber Gogi, Deine Frage lässt sich ganz einfach beantworten, auch wenn „Dumm ist eben, dass man die Qualitäten der Talente kaum miteinander vergleichen kann“ eine aussage ist, die sich nicht bestätigen lässt.

    Auf jeden Fall kann man die Talente miteinander vergleichen. Wieso denn nicht?

    Zu Deiner Frage:

    „Ich frage mich aber auch, woran sich die Kritiker in Wirklichkeit stören, wenn sie die ganze Show Scheisse finden und abwechslungsweise an Sieger, Juroren und Wahlverfahren etwas auszusetzen hatten.“

    Ich vermute mal, dass sie sich z.B. an Sieger, Juroren und Wahlverfahren stören. Was meinst du?

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