Eine etwas ältere Geschichte…
Die Firma hat einen Kleinbus geordert, um mich mit den Kollegen von Hamburg aus nach Warnemünde ans Schiff zu bringen. Also gibt es keine Flüge, die man verpassen kann, keine Verspätungen, keine ausfallenden Anschlussflüge, alles easy. Denkste.
Da wir nämlich den ganzen Tag schon mit Proben verplanten, sollte uns der Bus um 6 Uhr morgens abholen, damit wir direkt ca. 8 Uhr – die Anlegezeit des Schiffes – an Bord gehen könnten, um alle Formalitäten zu erledigen. Die da wären: Anmeldung beim Crewpurser, Bezug der Kabine, Übergabe mit dem Vorgänger, Sicherheitseinweisung 1, musikalische Probe der Abendshow, musikalische Probe der Show für den nächsten Vormittag, Generalprobe beider Shows, Show am Abend, Besuch beim Taylor, um die Uniform abzuholen und einige weitere Dinge.
Aber von vorne: 4 Uhr morgens klingelt also mein Wecker. Schließlich muss ich noch irgendwie alles in die Tasche schmeißen, packen eben. Mit 40 Kilo Gepäck verteilt auf zwei Taschen mit Rollen und einen Rucksack torkele ich also St. Paulis Straßen entlang. Kein schöner Anblick, nach einer Freitags-Party-Nacht.
Eine Jugendgang steht auch auf den Bürgersteigen herum. Sie haben gute Laune. Sind sie Frühaufsteher oder noch wach? Egal, jedenfalls spricht mich einer an und sagt:
“Ey Mutter, hast Du Laptop? … am Start, man.”
Keine Ahnung, was das bedeutet, aber ich hätte vielleicht nicht mit “Ich hab noch viel mehr” antworten sollen. Oder doch, denn die Gang verfiel erst einmal ins Grübeln und ich konnte ungehindert meinen Weg fortsetzen.
Punkt 6 sind dann alle am Treffpunkt. Fast alle. Der Bus fehlt. Um Viertel nach Sechs fehlt er immer noch. Und nach weiteren fünf Minuten schließe ich die Tür der Company auf, da wir nicht länger im Freien warten wollen. Und rufe die Chefin auf dem Handy an.
Ihre erste Frage ist, ob wir gut los gekommen seien. “Nein, wir stehen immer noch vor dem Gebäude, der Bus kommt nicht” hatte sie nicht erwartet. Aber sie hatte einen Rat für mich: “Also wir machen folgendes: Ich ziehe mir erst mal etwas an.” – “Gute Idee”, meinte ich, worauf sie entgegnete, dass sie das sowieso vorhatte. Nach ihrem vergeblichen Versuch, den Busfahrdienst anzurufen machte sie sich auf den Weg zu uns, um zu überprüfen, ob wir nicht irgendwo her schnell einen Mietwagen
organisieren könnten.
Kurz vor Sieben kam sie dann an. Punkt Sieben kam der Bus. Der Busfahrer hatte verschlafen, es tue ihm leid. Los ging die Fahrt nach Warnemünde, nach nicht allzu langer Fahrt direkt unterbrochen von einem Stau und einer Sperrung eines Autobahnabschnitts. Später machten wir dann noch kurz Rast an einer Tankstelle. Dabei fragte mich der Fahrer, ob wir denn irgendeine Adresse hätten, wo wir in Warnemünde denn hin wollten? “Ähm … zum Schiff?”. dann fragte er mich noch, wo das denn sei. Auf “Hafen” ist er dann aber irgendwann zum Glück von selbst gekommen. Mit zwei Stunden Verspätung, würgte er kurz vor Warnemünde den Motor ab.
Okay, eine Autopanne wäre jetzt die bessere Geschichte, aber so war es nicht und wir sind alle mehr oder minder Wohlbehalten auf dem Kutter angekommen.
