ui. rettet die Welt – Kapitel 20

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„Computer?“
„Ja, Manuel?
„Wieso hat mich Cheffe, bevor er mir die Comedian-Identität gegeben hat, auf ein Kreuzfahrtschiff als musikalischer Leiter gesteckt?“
„Wir fanden das zunächst eine gute Idee, aber haben sie recht schnell über Bord geworfen“
„Über Bord geworfen, Muha.“
„Ja, bei der Idee war kein Wind in den Segeln.“
„Lass das mit den Wortspielen, Dein Niveau sinkt schneller als die Titanic.“
„Wie nennt man jemand, der an anderen aussetzt, was er selbst nicht halten kann?“
„Hypokrit.“
„Was?“
„Ja, Computer, von mir kannst Du auch was lernen. Hypokrit. Laut Synonymwörterbuch Heuchler oder auch Pharisäer, passt aber nicht ganz.“
„Komisch.“
„Ja, kommt aus der Bibel.“
„Der Bibel? Wieso?“
„Matthäus 23:3“
„Moment, da muss ich in meinen Dateien suchen, irgendwo habe ich die Bibel noch, die ist ja nicht mehr so wichtig.“
„Wenn Du fertig gesucht hast, dann such mal nach der Antwort meiner ursprünglichen Frage.“
„Was war denn Deine ursprüngliche Frage.“
„Warum ihr mich aufs Schiff gesteckt habt!“
„‚Warum ihr mich aufs Schiff gesteckt habt!‘ ist keine Frage, sondern ein unvollständiger Satz. ‚Warum habt ihr mich aufs Schiff gesteckt?‘ wäre eine Frage.“
„Ja.“
„Also?“
„Warum stecktet ihr mich aufs Schiff?“
„Bist Du noch auf dem Schiff?
„Nein.“
„Warum dann Präteritum? Imperfekt? unvollendete Vergangenheit?“
„Na, angeblich musst Du ‚Warum habt ihr mich aufs Schiff gesteckt?‘ sagen.“
„Nicht ‚Warum hattet ihr mich aufs Schiff gesteckt?'“
„Keine Ahnung. Niemand versteht deutsche Grammatik, außer Bastian Sick.“
„Ich frage mich gerade, wie das Kapitel aussieht, nachdem ein Lektor, der Germanistik studiert, drüber geschaut gehabt haben wird.“
„Bestimmt komisch.“
„Soll ja auch komisch sein.“
„Na dann solltest Du Dir keine Sorgen machen.“
„Sagt mein Psychotherapeut auch.“
„Dann muss es wahr sein.“
„Warum habt ihr mich zuerst aufs Schiff gesteckt?“
„Weil wir es für eine gute Idee hielten. gehalten haben. gehalten hatten. gehalten gehabt haben. Weil wir es für eine gute Idee gehaltet hatten haben gehabt gehabt.“
„Und warum habt ihr es für eine gute Idee gehielten?“
„Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“
„Bitte was?“
„Matthäus 23:3“
„Ach so, ja, sage ich ja.“
„Nein, das sage ich. Das letzte doofe Wortspiel war ja von Dir.“
„‚war ja von Dir gewesen‘.“
„Nein, von Dir!“
„Sage ich ja.“
„Nein, Du sagtest von mir. Also sagtest Du von Dir. Ich aber sage von Dir.“
„Und ‚von Dir‘ ist nicht ‚von Dir‘?“
„Wie schaffst Du es einen Computer, ein Genie, geistig so zu verwirren, dass seine Logik-Synapsen überfordert kollabieren?“
„Von wem redest Du?“
„Na von mir!“
„Von mir?“
„Aaaargs! Aufhören!“
„Ok. Dann sag jetzt, warum es eurer Meinung nach eine gute Idee war, mich aufs Schiff zu schicken.“
„Wir dachte, Du bekommst dort in einer Art geschlossenem Mikrokosmos einen schönen Überblick über den Durchschnitt der Bevölkerung. Und jede Reise kommen neue Passagiere, also Versuchspersonen. Ein ideales Feld für Beobachtungen und Forschungen.“
„Ja, aber eigentlich habe ich mich nur aufgeregt.“
„Über was?“
„Über die Dummheit.“
„Alle Passagiere waren dumm?“
„Nein, auch die Crew.“
„So sind die Menschen halt.“
„Aber auf dem Schiff ist das konzentriert.“
„Sicherlich gab es auch nette Menschen auf dem Schiff.“
„Ja schon, Passagiere und Schiffsbesatzung sind im Schnitt auch nicht dümmer als der Rest der Menschheit, aber auf einem Schiff kann man halt nicht weg und bekommt alles in konzentrierter Form.“
„Beispiel?“
„Die dummen Fragen der Passagiere.“
„Och nein, willst Du jetzt echt mit der alten Nummer ankommen?“
„Was denn? Die Leute finden es lustig!“
„Ja, aber jeder, der schon mal auf einem Schiff war, erzählt diesen alten Seemansgarn, den hat schon jeder mal erzählt.“
„Um wie viel Uhr ist der Mitternachtssnack?“
„Der Gag wurde schon bevor es Schiffe gab, in Hotels erzählt.“
„Schläft die Crew auch an Bord?“
„238 Ergebnisse bei Google. Gibt sogar ein Buch, dass ‚Schläft das Personal auch an Bord?‘ heißt.“
„Ja, aber ich habe die Stories auf dem Schiff gehört. Das wurde sich so oft erzählt, bis man geglaubt hat, ein Passagier hätte es wirklich gefragt.“
„Laut meinen Recherchen haben es mehrere Passagiere tatsächlich gefragt.“
„Es gibt sogar 9 Bücher, gefüllt mit diesen Kreuzfahrtanekdoten, eins schlechter als das andere.“
„Nein, die sind alle super!“
„Manche sind gut, andere schlecht.“
„So gehen wir der Verleumdungsklage aus dem Weg.“
„Hast Du denn eins davon gelesen?“
„Nein, wieso auch. Du?“
„Ich habe die auch nicht in der Datenbank, war kein Platz mehr. Die Bibel war wichtiger.“
„Das halte ich für ein Gerücht.“
„Ja, das jüngste Gerücht.“
„Geht das schon wieder los. Ich geh‘ mal spülen.“
„Wortspüle.“
„‚Wie hoch ist denn die Arbeitslosenquote an Bord?‘ hat nur ein Google-Ergebnis“

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

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