Was an Nationalstolz noch immer inakzeptabel ist

Erst einmal muss ich sagen, dass auch mir das Fußballspiel gegen England Spaß gemacht hat, obwohl ich großer Großbritannien-Fan bin (weil ich als Kind dort 3 Jahre gelebt habe) und trotz des Tores für England, das nicht gezählt wurde.

Ich freute mich für die deutsche Mannschaft, weil sie schöne Tore geschossen haben und es ein spannendes und dennoch recht faires Spiel war. Die Freude war aber schnell getrübt, als ich nach dem Spiel an einer Zeitungsbox vorbeilief und dort die „Bild am Sonntag“-Schlagzeile des Tages las:

„jubeln, chillen, England grillen!“

[random]

Aua. Grillen? Also verbrennen? Ich weiß ja nicht, welcher Rechtsaußen der ohnehin fragwürdigen Redaktion sich das ausgedacht hat, aber mehr als geschmacklos ist das schon.

Dabei wird doch immer gesagt, dass die englische Presse vor solchen Spielen mit den Säbeln rasselt und alte Weltkriegsressentiments wieder ausgräbt? Wieso wird das eigentlich kritisiert? Hat nicht die britische Presse alles Recht uns konsequent und ständig darauf hinzuweisen, dass Deutschland vor gar nicht allzu langer Zeit auf großer faschistischer rassistischer Weltausrottungstour war? Ich denke schon, wer hat den letztendlich Deutschland von Hitler befreit? Deutschland selbst, war das jedenfalls nicht, Deutschland fand Hitler toll.

„jubeln, chillen, England grillen!“

Ja ja, die englische Presse ist ja immer so böse. Sie bildet deutsche Spieler mit Pickelhaube ab. Ach herrje. Die deutsche hingegen ist ja so gemäßigt. Die möchte nur die Engländer grillen. Wieso geht dann da kein Aufschrei mit Konsequenzen los? Was wäre, wenn die deutsche Nationalmannschaft im Achtelfinale nicht auf England, sondern auf Israel treffen würde?

„jubeln, chillen, Israel grillen!“

Wird jetzt klar, dass der Satz nicht geht?

Viel weniger schlimm sind diese ganzen Assoziationen zu Wembley. Wir erinnern uns: 1966 gab es eine ähnliche Situation, allerdings entschied der Schiedsrichter, dass der Ball drin war. „Das kann doch nicht sein!“, „Betrug!“, so was ist doch nicht möglich!“ hieß es damals in Deutschland. Dass es möglich ist, dass ein Ball ins Tor springt und wieder raus, hat man ja gestern gesehen.

Und dass Wembley höchstwahrscheinlich tatsächlich kein Tor war, hat man erst 2006 herausgefunden.

An dem Vergleich stimmt also so einiges nicht. Hätte man 1966 die technischen Möglichkeiten von heute gehabt, hätte man herausgefunden, ob es ein Tor war oder nicht. Ist auch unerheblich, denn England hatte das Spiel 4:2 gewonnen, genauso unerheblich, wie das angebliche Abseitstor von Deutschland gestern und eben das nicht gezählt Englands. Am Schlussergebnis hätte das nichts geändert.

Nur, blöd, wenn die BLÖD dann so einen Stuss schreib, wie:

„Liebe Engländer, jetzt wisst Ihr, wie wir uns 44 Jahre lang gefühlt haben. Wütend über soviel Ungerechtigkeit, bestohlen um den Titel.“

und

„Du hast dir viel Zeit gelassen, das Unrecht auszugleichen. Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt. Seit gestern ist Wembley wettgemacht.“

Ach so, Unrecht ausgleichen. Eine falsche Entscheidung wird also mit einer anderen falschen Entscheidung richtig gemacht. Bei so viel Logik, verwundert auch nicht, dass die Bild markige ins rechtsextreme abgleitende Sprüche der CDU und CSU ohne Kommentar und Verurteilung veröffentlicht:

Peter Trapp, innenpolitischer Sprecher der Berliner CDU, zu BILD: „ Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserem Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein. Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern. Wir dürfen diese Frage nicht länger tabuisieren.“
Da macht es doch Spaß, deutsch zu sein. Wann gibt es eigentlich einen IQ-Test für Fußballer? Oder für CDU-Politiker?

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

45 Gedanken zu „Was an Nationalstolz noch immer inakzeptabel ist

  1. Klar hat England “ das Recht“. Ob es etwas bringt,ob rs gut, vernünfzltig, weise ist, DAS ist die Frage. Im
    Sport alte Ressentiments zu schüren, zuzulassen, zu benutzen bloß um die Emotionen in Wallung zu bringen, während man in anderen Bereichen außerhalb des Sports um das Gegenteil bemüht ist seit Jahrzehnten um endlich wieder aufeinander zuzugehen, Geschichte nicht mit der Gegenwart und der Zukunft zu verwechseln und bei aller Wichtigkeit um Geschichtsbewusstsein den emotionalen Kontent im positiver Weise endlich zu vergessen, halte ich für ziemlich dumm.
    Und zwar egal auf welcher Seite, egal welcher Presse.
    Wobei , das muss gesagt sein, die BLÖD mit “ grillen“ einen nicht zimperlichen, martialischen Terminus wählt, der aber definitiv NICHT heschichtsbeladen ist.
    Wohingegen sie“SUN“ und andere ganz klar ihre Blitzkrieg/WWII–Vokabeln und konnotationen auspacken.
    Das ist schon ein kleiner Unterschied.

    Geschichtsbewusstsein ist wichtig.Aber es ist Wichtig dass es im Kopf bleibt und nicht im Bauch.Es soll Wissen sein und keine Emotion.
    Wo es Emotion wird und die Menschen im Griff hat in ihrem Hier und Jetzt , ist “ Geschichte“ die Hölle auf Erden. Siehe Israel/Palästina-Konflikt.
    Erfreulicherweise ist ja diesmal festzustellen, dass die ganz große Zeitmaschine bei der britischen Presse wohl ausgeblieben ist-abgesehen von der Sun. Die aber wiederum die größte und wichtigste Zeitung ist.
    Vielleicht ein gutes Zeichen.
    Und wenn selbst die Sun/Bild/whatever eines Tages mal in den normalen Sprachtopf greift ( der darf ruhig derbe sein, Herrjeh, es ist Sport und kein Ringelpiez, es geht ums gewinnen, ist nun mal so ).. und nicht in die alte Kriegslitanei..hat sich vielleicht wirklich was geändert. Wär doch ganz schön.

  2. Ja gut, das stimmt natürlich, dass England zwar das Recht hat, aber es nicht unbedingt sein muss. Ich meine nur, dass man nicht drüber jammern muss, wo es doch sehr vertsändlich ist.

  3. Nicht die Bild-Zeitung hat den Nazionalsozialismus wieder ausgegraben, sondern der Verfasser dieses Artikels.
    Erst ma 3 Dinge vorweg. 1. Nein, ich bin kein Fan der Bildzeitung und 2.Ich bin alles andere als rechts, ich bin linksliberal und 3.Ja ich weiß wovon ich spreche, ich habe Geschichte studiert

    Aber! Was geht denn an dem Atikel nicht in Ordnung und wieso sollte England aufgrund des 2.Weltkriegs irgendwie „das Recht“ haben uns zu beleidigen und wir auf der anderen Seite nicht?? Bei solchen antiquierten Einstellungen, wird es ja nie einen Fortschritt in der Völkerverständigung geben.

    Sogar die Engländer haben über diese Schlagzeile geschmunzelt. Der Guardian berichtete drüber und meinte hinterher: „jubeln, chillen, England grillen“ genau das haben die Deutschen auch getan.

    Jubeln, Chillen, Israel grillen! Vor einem Spiel gegen Israel? Wieso denn nicht? Wenn die Leute nicht endlich mal lernen, dass es einen Unterschied zwischen Weltkrieg und Völkermord auf der einen Seite und auf der anderen Seite zwischen gesundem Nationalismus und sportlichem Wettstreit der Nationen gibt, dann sehe ich für Normalität im deutschen Selbstverständnis schwarz.

    Dieser Normalität bedarf es aber! Trashtalk gehört zum Fußball. Das haben nicht nur Bild und Co, sondern auch die Engländer verstanden. Nur ein par ewig getrige nicht.

    Und wenn diese ewig gestrigen dann wie hier schreiben, man dürfe solche Schlagzeilen in Deutschland nicht veröffentlichen, dann wäre die logische Konsequenz zu sagen, man dürfe die Deutsche Nation überhaupt nicht durch eine Nationalmannschaft repräsentieren, oder unsere Spieler und Fans dürfen nach einem Tor nicht jubeln. Sondern nur Mea Culpa singen.

    Aber ich frage mich, wem wäre dadruch geholfen? So und ich hoffe, nach dem viertelfinale gibt es Argentinisches Rumpsteak

  4. Die deutschen als kollektiv, verkörpert von der Presse sind keine guten Gewinner. Vor allem die Bild und eben auch die BamS sind natürlich immer die Krönung. Im Vorfeld wird zwar auch in England ein riesen Trara gemacht, aber wenn es mal aus ist, dann lässt man die Schläge über der Gürtellinie.

    Als Italien ausschied titelte Bild online auch „Äääätsch…“

    So ein komplett respektloses Verhalten lässt einen doch nur noch zusammenzucken.
    Deutschland steigert sich langsam in etwas hinein, was weit über gesunden Nationalstolz hinausgeht. Vielleicht hat es etwas mit Überkompensation zu tun, weil es in Anbetracht der Schrecken des 2.WK so lange unterdrückt wurde.

    Ich persönlich sehe mich mittlerweile in der Situation, dass ich mich Freunden und Bekannten im Ausland gegenüber schämen muss.

    Wer von diesen Flaggenschwingenden Chaoten ist denn wirklich Stolz auf große Errungenschaften Deutschlands? Schiller oder Goethe haben die meisten noch nie in der Hand gehabt, Nobelpreise der letzten Jahre sind ihnen unbekannt. Nein man ist stolz darauf, dass man anderen eines Reingewürgt hat. Es geht schon gar nicht mehr aktiv um die eigenen Leistungen als solches, sondern die Schadenfreude über das Scheitern anderer nimmt Oberhand.

    Und bei Niederlagen kann es auch nicht am eigenen Unvermögen liegen, siehe Serbienspiel, sondern es liegt immer im Betrug der anderen begraben. Deutschland könne ja schließlich nur verlieren wenn andere zu unfairen Mitteln greifen. Blinder Eifer.

  5. Nicht drüber jammern? Sorry ich nehm mir sehr wohl das recht raus darüber zu jammern, wenn immer wieder was aufgekocht wird, was zu einer Zeit war wo ich noch nichtmal flüssig war. Wobei ich mich wunder das jetzt überhaupt dieser Zusammenhang entsteht? Wer bitte hat Dir den das gesteckt? Der Artikel ist zu 80% nur fail, sorry. Schaut Euch Ballett an da gehört sowas vielleicht nicht dazu, aber zum Fussball gehört es und jeder der klar denken kann schmunzelt auch darüber und bringt nicht immer gleich alles mit irgendwelchen Geschichten in Zusammenhang.

  6. @Biggie:

    „und wieso sollte England aufgrund des 2.Weltkriegs irgendwie “das Recht” haben uns zu beleidigen und wir auf der anderen Seite nicht??“

    Wer spricht denn von Beleidigungen? Darum ging es doch gar nicht.

    „Jubeln, Chillen, Israel grillen! Vor einem Spiel gegen Israel? Wieso denn nicht? Wenn die Leute nicht endlich mal lernen, dass es einen Unterschied zwischen Weltkrieg und Völkermord auf der einen Seite und auf der anderen Seite zwischen gesundem Nationalismus und sportlichem Wettstreit der Nationen gibt, dann sehe ich für Normalität im deutschen Selbstverständnis schwarz.“

    Eben weil es zwischen Völkemord und sportlichem Wettstreit einen Unterschied gibt, hat die Assoziation „Isrel grillen“ auf der Titelseite einer deutschen Zeitung nichts zu suchen. Ich denke da sofort an Menschen verbrennen und da bin ich nicht selbst schuld, dass ich da dran denke, sondern Deutschlands jüngste Geschichte. Und ich bin froh drum, dass ich nicht so schnell vergesse und verteufele alle, die möglichst schnell vergessen wollen.

    Gegen Trashtalk habe ich überhaupt nichts, aber Trashtalk ist was anderes. Und „gesunder Nationalismus“ ist ein Paradoxon, so etwas gibt es nicht, auch wenn Du Geschichte studiert hast.

  7. @Markus: Danke für Deinen wirklich wertvollen Kommentar. Hab ich Dir nicht schon mal gesteckt, dass ich es nicht gutheiße, dass Du versuchst, Dir irgendwas aus den Fingern zu saugen, nur um den Link zu Deiner komischen News-Seite zu pushen? Ist nicht. Ins URL-Feld kommen höchstens private Blogs, sonst ist das Werbung und kostet.

  8. Lieber Julian, auch diese Einschätzung ist absolut nicht korrekt. Das „Ätsch“ gegen Italien wäre so vor 5 Jahren noch nicht möglich gewesen. In den 80ern und 90er Jahren waren Deutsche Sportjournalisten im vergleich zu ihren internationalen Kollegen in so großem Maße um Objektivität bemühnt, dass man den Eindruck hatte, es seien gefühlslose Robotter.

    Auch wenn ich selbst die Bildzeitung nur ungern in die Hand nehme: Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich diese Schlagzeile gelesen habe. Ich dachte mir: „Wie schön, dass die Bild mal die Meinung der einfachen Leute ausspricht anstatt diese zu machen.“
    Und es war längst nicht nur die Meinung der einfachen Leute. Es war die Meinung eines jeden Fußballfans, mit einem Herz in der Brust. Wer sowas nicht will, hat nicht verstanden worum es im Fußball neben der Tatsache, dass 22 Männer einen Ball jagen und am Ende die Deutschen gewinnen, sonst noch so geht.

    Ach und weil ichs im Kommentar oben vergessen habe: Hier der Link zum Guardian Artikel:

    http://www.guardian.co.uk/football/2010/jun/27/world-cup-germany-rejoice-england

    und bvor sich jemand aufregt: Die Schlagzeile istschon richtig übersetzt so

    1. @Biggie: Da ist aber ein kleiner Denkfehler drin. Wenn sich Journalisten, um Objektivität bemühen, ist das ja nichts Schlechtes, das erwarte ich ja von Journalisten. Stammtischsprüche erwarte ich lieber vom STammtisch.

      Und die Meinung der kleinen Leute in allen Ehren, aber Schadenfreude und Ressentiments sind nicht immer die richtige Meinung.

  9. Ne hast Du mir noch schon gesteckt und wenn ging es wohl an mir vorbei. Aber gut werde ich Deine Seite hier eben aus dem Reader verbannen und einen Artikel spendier ich Dir auch noch. Kritik ist hier wohl unerwünscht. Dann schalt die Kommentarfunktion ab.

    Und ich bitte Dich Deine Unterstellung ich saug mir was aus den Fingern, hier öffentlich zurück zu nehmen, genauso wie Du es mir auch öffentlicht unterstellst. Viele Bloggerkollegen kennen mich und wissen das ich mir nichts aus den Finger sauge nur um einen Link zu bekommen. Ich finde das eine Frechheit und werde über weitere Scritte nachdenken wenn Du diese Aussage nicht zurück nimmst.

    1. @Markus: Nun mach hier mal keinen Nebenkriegsschauplatz auf.

      Wenn Kritik unerwünscht wäre, würde ich ja Kommentare löschen, nur weil sie nicht meiner Meinung entsprechen. Dabei lösche ich nur Werbung. Dein Artikel wurde gar nicht angefasst, nur der Link zu Deiner URL entfernt. Dir steht frei die Seite zu besuchen und es ist vollkommen wurst, wer Dich kennt. Also bleib mal on-topic und wenn Du ein privates Problem mit mir hast, dass ansonsten niemanden interessiert, dann schreib es ihm persönlich, anstatt auf seiner Seite drohende Kommentare zu hinterlassen. Das macht keinen guten Eindruck, bei niemandem.

  10. Im Prinzip muss man dir für den Artikel recht geben. Die nationalistschen und rassistischen Ausfälle an großen Public Viewing-Veranstaltungen sind das aller Letzte. Und den Rassismus, den die Moderatoren immer wieder von sich geben ebenso, wenn von natürlichen Fähigkeiten brasilanischer Spieler (positiver Rassismus) oder dem dauerbetrunkenen Zustand der englischen Fans (gestern Netzer) gesprochen wird.

    Aber die BILD muss man ganz klar in Schutz nehmen. Im Gegensatz zu vielen „linksliberalen“ Blättern haben die Zeitungen aus dem Hause Springer (und auch aus Frankfurt) eine klare Position, gegen Antiamerikanismus u.ä. Das sind Zeitungen, die ganz genau wissen, wer Deutschland vom Nazi-Faschismus (leider nicht vom Gedankengut) befreit hat. Die Russen kommen hier immer etwas zu kurz, schade, aber auch egal.

    Und insbesondere in der Frage Israels lassen Bild & Co. nichts anbrennen, im Gegensatz zu den vermeintlich linksliberalen Zeitungen, in denen unter dem Deckmantel des Antizionismus, mit dem sie sich vom Antisemitismus abgrenzene wollen, Palis mit dem Guten und Israelis mit dem Schlechten gleich gesetzte werden – ohne Reflexion und immer auch gepaart mit antiamerikanistischen Parolen. Es waren nicht nur Blogger, die aufgedeckt haben, wer bei den Hilfsflotten zum Gazastreifen unterwegs war (zB. türk. Faschisten), sondern allen voran auch die FAZ, auch wenn das viele nicht wahr haben wollen.

    1. @D: Dein erster Abschnitt ist sehr gut, nur passt er überhaupt nicht um ganzen Rest. Nur weil Bild proamerikanisch und pro-israelisch ist, heißt das noch lange nicht, dass sie keinen Rassismus schürt. Das eine hat mit dem anderen absolut überhaupt nichts zu tun. Abgesehen davon ist die FAZ nicht aus dem Verlag Springer.

  11. @Ui

    Gesunder Nationalismus ist nur dann ein Paradox, wenn man Nationalismus ablehnt. Fakt ist aber, dass das Zeitalter des Nationalismus uns neben der ganzen Negativen Dinge, wie Krieg und Rassismus auch viel positives gebracht hat. Nationalismus hat auch eine positive Seite, denn ganz ohne Nationen geht es nicht.

    Wenn wir mit Träumereien über ein kommunistisches Utopia, das ohne Gesetze, Neid und Habgier auskommt aufhören und uns wieder der realtität widmen, dann kommen wir zu folgendem Bild:

    Wir leben in einer Welt voller Nationen. Nationen sind Kultur und Identitätsstiftendes Moment. Länder mit einem stark ausgeprägten Nationalstolz sind nicht unbedingt fremndenfeindlicher als Länder in denen Nationalgefühl unterdrückt wird. Heutzutage profitieren rechtsradikale Parteien immer noch davon, dass sie auffanglanger für jene spielen, denen man einen gesunden Nationalismus verbietet.

    Also wenn „Gesunder Nationalismus“ ein Paradoxon sein soll, dann vielleicht in deinem Wertesystem, aber nicht in meinem, und objektiv, logisch sowieso nicht – aber aus dieser perspektive lässt sich auch meiner Meinung entsprechend keine Aussage machen.

    1. @Biggie: Selbstverständlich meinte ich nicht die Definition Nationalismus, die Du meinst, sondern die alltagssprachliche Definition, als den nationalen Chauvinismus, also die Überhöhung des eigenen Staates gegenüber anderen. Da kann nichts dran gesund sein.

  12. Biggie, Du bestätigst doch was ich schrieb, man ergötzt sich kollektiv am Scheitern anderer. Es gehört hier mittlerweile zum guten Ton Schadenfroh zu sein, mit Sportlichkeit hat das nichts mehr zu tun.

    Ich verstehe nicht wie man das auch noch gut finden kann. Sieht denn niemand die Richtung in die das ganze geht, wenn es schon in Ordnung ist andere aus Prinzip fast schon zu hassen wenn man am eigenen Unvermögen scheitert?

    Das ist kein gesunder Nationalstolz oder Patriotismus wie man es aus den USA kennt, das sind die Anfänge von Nationalismus der von der Bevölkerung unterstützt wird.

  13. Also, Deutschland hat eine Vergangenheit. Die „jüngste“ Vergangenheit sind 65 Jahre relativer Frieden. Davor war’s hier weniger schön, zugegeben, aber irgendwann darf meiner Meinung nach Schluß sein mit der besonderen Verantwortung und dem schlechten Gewissen.

    Die Verantwortung, den Holocaust und den 2. Weltkrieg mit allen dazugehörigen Verbrechen nicht zu vergessen, den hat das deutsche Volk – und jedes andere Volk auf der Welt, denn keines ist restlos davor gefeit, irgendwann einmal ähnliche Tendenzen zu erkennen.

    Daher leite ich zwei Generationen nach dem Krieg und seinen Verbrechen weder besondere Rechte für englische Medien ab, uns in irgendeiner Form besonders anzugehen, noch besondere Pflichten für deutsche Medien, rücksichtsvoll zu sein. Und alles, was ich bisher gelesen habe, ist völlig im Rahmen ganz normaler Fussballkommentare.

    1. @Michel: Irgenwann, ja. Aber njcht in 65 Jahren, wo Beteiligte und Verwandte und Bekannte von Opfern noch leben. Das ist viel zu früh, um zu vergessen.

      Abgesehen davon hast Du natürlich Recht, dass die englischen Medien keine besonderen Rechte haben und die Deutschen Medien keine besonderen Pflichten. Rücksichtsvoll sollten alle sein und man sollte keine Engländer grillen.

  14. Was bitte schön ist denn ein „gesunder“ Nationalstolz? Gibt es auch einen erkrankten Nationalstolz? Gesund, ungesund, das sind ja mal feine Begriffe. Klingt nach Volkskörper, der an etwas erkrankt ist. Da kann man nur sagen „ui ui ui“ ;-).

  15. @ui. Ich hab nicht angefangen irgend jemand irgendwelche Dinge zu unterstellen. Privates Problem? Kenn ich Dich? Ich reagiere hier nur auf Deine Behauptung ich würde nur meine Seite pushen wollen. Das ist aber völlig in Ordnung das hier öffentlich zu machen und nicht persönlich? Also soll ich das einfach so hinnehmen? Ich folge Dir sicher nicht auf Facebook und hab dort auch Deine Seite zu meinen Lieblingsseiten hinzugefügt nur um meinen Link zu pushen. Ich verfolge und besuche generell nur Seiten die mich interessieren und schreibe auch nur einen Kommentar wenn ich was dazu sagen möchte. Vielleicht waren die Kommentare (3 an der Zahl!) hier bisher manchmal recht kurz, aber das gibt Dir noch immer nicht das Recht mich als Spammer hinzustellen und mir mit (unhaltbaren) Rechnungen zu drohen.

  16. @ui: Wer spricht denn von Vergessen? Im Gegenteil sage ich, dass jedermann auf der Welt in der Verantwortung steht, nicht zu vergessen. Und daraus folgt für mich eben keine besondere Verantwortung der Deutschen. Ich habe weder durch Tat noch durch Unterlassung an irgendeinem Verbrechen des zweiten Weltkriegs Anteil gehabt. Selbst meine Eltern haben weder durch Tat noch durch Unterlassung Anteil gehabt. Damit habe ich keinen direkteren Bezug zu den Taten der Zeit des zweiten Weltkriegs als die Kinder von schon unbeteiligten Eltern anderer Nationen.

    Ergo: Ich habe kein schlechtes Gewissen. Und ich habe keinerlei besondere Verantwortung, nur die allgemein Verantwortung, nicht zu vergessen.

  17. Da sieht man mal wieder, wie verblendet ein Großteil der Deutschen mittlerweile ist. Denn, genau wie Du, merkt dieser Großteil nicht, wie weit links heutzutage als Mitte gilt. Unsere Gesellschaft befindet sich zur Zeit alles andere als da wo sie sein sollte, nämlich in der Mitte. Unsere Gesellschaft befindet sich auf der linken Seite, und da ganz am Rand.

    Wenn Du, lieber Ui, dich schuldig fühlen willst für die Verbrechen von vor 60 Jahren, dann nur zu. Ich fühle mich nicht schuldig. Ich vergesse die Vergangenheit nicht, aber in erster Linie blicke ich nach vorne und da haut es mir echt die Kinnlade runter, wenn du eine Aussage wie die obere in die „rechte Ecke“ einordnest. Das ist billige Yellowpress, was erwartest Du? Eben! Nichts Höchstintelligentes. Aber „rechts“ ist wirklich etwas Anderes.

    Zu den Intelligenztests äußer ich mich jetzt nicht, sonst bin ich auch noch ein „pöser Nazi.“ Nur soviel: Wüsste nicht, dass die Staaten, wo das schon so gehandhabt wird, als extrem rechts verrufen sind. Nur die Deutschen müssen sich schon allein für das Tragen einer Deutschlandflagge schämen. Weltweit einmalig.

  18. Oder Du merkst nicht, wie weit rechts die Mitte ist. Das kann man so und so sehen. Und dass die Gesellschaft in der Mitte sein sollte, ist auch so eine Aussage, die nichts bedeutet. Denn es gibt keine Mitte und die Gesellschaft befindet sich rechts und links davon, sondern die Mitte ist eben die Mitte. Und da kann die CDU noch oft behaupten, sie seien die Mitte, sie ist es eben nicht.

    Ich fühle mich überhaupt nicht schuldig für Verbrechen, die ich nicht selbst begangen habe, aber ich veröffentliche auch keine Zeitung, wo ich sage, dass ich Engländer grillen möchte.

    „Zu den Intelligenztests äußer ich mich jetzt nicht, sonst bin ich auch noch ein “pöser Nazi.”“

    Das lässt ja tief blicken. Wenn Du eine Meinung hast, dann musst Du sie auch äußern können. Ob Du dann ein Nazi bist oder nicht, hängt ja nicht davon ab, ob Du eine Meinung geäußert hast oder nicht, sondern ob Du se besitzt.

    „Nur soviel:“

    Wie jetzt? Ich dachte, Du äußerst Dich nicht dazu?

    „Wüsste nicht, dass die Staaten, wo das schon so gehandhabt wird, als extrem rechts verrufen sind.“

    Welche Staaten sind das denn?

    „Nur die Deutschen müssen sich schon allein für das Tragen einer Deutschlandflagge schämen.“

    Eben nicht. Nur die Deutschen jammern ständig und sagen, sie müssten sich für eine Deutschlandflagge schämen und das müsste doch nicht sein, man müsse dch endlich mal, und und und!

    Die Deutschen sind in keiner Sonderposition, ich finde amerikanischen Patriotismus genauso ekelhaft und war eigentlich froh, dass das in Deutschland nicht so übel war.

    Und wenn es irgendwann einmal ein Land ohne übertriebenen Patriotismus und stumpfen Nationalismus geben sollte, dann wäre das weltweit einmalig, aber manchmal ist „weltweit einmalig“ eben auch ein Prädikat und nicht notwendigerweise was Schlechtes.

    Weltweit einmalig.

  19. Wenn du trotz sämtlicher Probleme, die durch die Zuwanderung verschlimmert wurden / werden, weiterhin für den unreglementierten Zustrom von ausländischen Bürgern bist, dann gesteh ich Dir diese Meinung zu. Ich jedoch will mich nicht in 20 Jahren fremd im eigenen Land fühlen. Das ist genau so eine Meinung, wie die deine, die du als ach so toleranter Bürger akzeptieren musst.

  20. Ist es denn wirklich DIE britische Presse, oder nur das Revolverblättchen „Sun“ mit seiner „deutschen Kriegsmaschine“ ein paar Tage zuvor ?? War ja letztlich klar, dass die deutsche Blöd-Zeitung so eine „Antwort“ geben würde. Vielleicht sollte man alle Länder die Leser solcher Zeitungen hervorbringt auch mal grillen.

  21. @Anonymous

    Ähm, nur weil ein Politiker was sagt oder eine Zeitung was irgendwo schreibt, langt das wirklich überhaupt nicht als Beleg. Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht, wie es in Kanada ist, ich weiß nur, was irgendein CSU-Politiker daherbehauptet hat, aber bevor das irgendjemand nachprüft – vielleicht mal einen Kanadier fragen – glaube ich kein Wort und Du solltest auch nicht einfach so dahergeplappertes einfach übernhmen, sonst bestehst Du nämlich überhaupt keinen IQ-Test, ob Einwanderer oder nicht.

    Im Artikel steht:

    „Der CSU-Europaparlamentsabgeordnete Markus Ferber verwies auf eine angebliche Regelung in Kanada, wonach Kinder von Einwanderern einen höheren Intelligenzquotienten als einheimische Kinder haben müssten.“

    Abgesehen davon, sprach „Besserwisser“ folgendes:

    „Wüsste nicht, dass die Staaten, wo das schon so gehandhabt wird, als extrem rechts verrufen sind.“

    Also wer sowas sagt, muss doch wenigstens ein paar Staaten, wo das so sei, benennen können. Oder spricht da einfach der unkundige Stammtisch?

    „angebliche Regelung“

  22. Es ist also falsch, dass statistisch gesehen Kinder von Migranten mehr Straftaten begehen?
    Es ist also richtig, dass man genau diese Leute dann NICHT abschiebt, damit sie die nächste Scheiße bauen können?
    Es ist also richtig, dass radikale Islamisten den heiligen Krieg gegen die westliche Welt ausrufen und wir uns nichtmal was dagegen sagen trauen?
    Es ist also richtig, dass ein Shitstorm sondergleichen über eine Fernsehmoderatorin hereinbricht, weil sie eine bei älteren Generationen übliche Redewendung verwendet hat?
    Es ist also richtig, dass Millionen Menschen durch die deutschen Sozialeinrichtungen mitversorgt werden ohne jemals einen Euro in diese Kassen einbezahlt zu haben?

    könnte jetzt noch Stunden weitermachen. Wenn Du das alles richtig findest wie es läuft, bitteschön, aber jammer dann bitte nicht rum, wenn du es mal am eigenen Leib zu spüren bekommst.

  23. nur weil du Deutschlandflaggen von Autos reisst und dann draufpinkelst musst du noch lange nicht alle, die nicht deiner Meinung sind, als vom rechten Rand beschimpfen. Zeigt deine Beschränktheit und Kritikfähigkeit gut auf…

  24. Ach so, anonymer Besserwisser, daher weht der Wind. Also Dein rechtes Geseier geht eindeutig am Thema vorbei, aber Du kannst ja mal die Suchmaschine hier im Blog nutzen, zu den von Dir angesprochenen Punkten habe ich mich in verschiedenen Artikeln schon geäußert, aber ich habe weder Lust mit Dir darüber zu diskutieren, noch Lust, Dir hier einen Raum für Deine Rechtspropaganda zu lassen, wenn Du selbst zu feige bist und Dich nur traust, anonym zu kommentieren.

    Vor allen Dingen habe ich keine Lust, mich mit Leuten auseinanderzusetzen, die auf Lügen zurückgreifen müssen, um ihre Meinungen zu festigen, von daher bitte ich Dich erst mal auf die Frage nach den Ländern mit den IQ-Test zu antworten, denn bevor Du das nicht klar gestellt hast, ob der Satz fundiert ist oder nur eine Erfindung von Dir, lasse ich Dich nicht weiter hier mitspielen auf meinem Kinderspielplatz.

  25. @Anonymous: Schau mal, so kann man nicht diskutieren. Weder habe ich Deutschlandflaggen von Autos gerissen, noch habe ich drauf gepinkelt, noch habe ich alle, die nicht meiner Meinung sind als rechten Rand beschimpft. Das zeigt ja wohl eher Deine eigene geistige Beschränktheit und Probleme mit der Komprehension auf, als dass es irgendetwas über meine Kritikfähigket sagt.

    Noch habe ich mit dem SChimpfen gar nicht losgelegt.

    Bitte zeig mir mal sachlich ein Beispiel, wo ich ALLE, die nicht meiner Meinung sind, als vom rechten Rand beschimpft habe. Ansonsten nimm das bitte zurück.

  26. Hui, das ist mir zu viel Gemotze hier. Im Kern halte ich den Artikel für sehr richtig und absolut berechtigt. Blödsinnig sind nicht die politisch-szialen Aussagen, sondern lediglich der Satz „Am Schlussergebnis hätte das nichts geändert“. Ohne das Wembley-Tor bzw. mit dem Tor gestern hätte es jeweils 2:2 gestanden; die Spiele wären möglicherweise ganz anders ausgegangen. Ohne das Wembley-Tor hätte England z.B. sicher kein 4:2 geschossen. Ergo halte ich die Aussage, die Diskussion über die Tore wäre fehl am Platz, für verfehlt.

    Das macht es natürlich noch lange nicht notwendig, Fußball immer auf eine nationalpolitische Ebene zu heben. Mir persönlich haben die Fahnen, das Getröte und diese überall zur Schau gestellte Deutschlandeuphorie, die mit Schwarz-Weiß-Rot oder gleich Braun wohl besser dekoriert gewesen wäre, jedenfalls die Freude am Fußball gehörig vergällt, weswegen ich auch noch kein WM-Spiel geschaut und es am Liebsten gehabt hätte, Deutschland wäre in der Vorrunde rausgeflogen. Dann könnten wir uns wenigstens zwei Jahre lang wieder darauf konzentrieren, dass wir in Deutschland und anderen Teilen der Welt definitiv wichtigere Probleme haben als (nicht) gegebene Fußballtore.

  27. „D“ schrieb
    „Die nationalistschen und rassistischen Ausfälle an großen Public Viewing-Veranstaltungen sind das aller Letzte.“

    Vollkommen richtig. Bisher hab ich das noch auf jeder PV-Veranstaltung beobachten können. Das kann man mir noch so lang mit blumigen Worten schönreden. Wie oft ich’s auch probiert hab, irgendwo skandieren immer ein paar Hirnfreie derbstbraunen Rotz, und die Freude am Fähnchenschwingen war dahin, statt Nationalgefühl gefühlter nationaler Fremdscham. Da guck ich lieber allein im Wohnzimmer.

    Auf den Durchschnitts-IQ in einem handelsüblichen Autocorso möcht ich gar nicht erst eingehen, sonst werd ich da noch in die Trapp-Ecke gestellt.

  28. Guten Tag!

    Dass die BILD anderen Völkern gegenüber nicht das Musterbeispiel für gutes Benehmen ist – geschenkt; längst bekannt. Gehört zum Markenkern.

    Aber im vorliegenden Fall finde ich es doch etwas zu einfach, der BILD zu unterstellen, sie wolle Engländer anzünden:

    Das Wort „grillen“ ist heute auch dann üblich, wenn zum Beispiel ein BP-Manager vor einen Senats-Ausschuss zitiert und intensiv befragt wird – die englischsprachige Prese (und nicht nur die) bezeichnet so etwas als „grilling“.

    Dieser Ausdruck wurde auch verwendet, als die neuen Europa-KommissarInnen vor ihrem möglichen Amtsantritt gründlichst befragt wurden.

    Kurz: „Grillen“ ist ein inzwischen üblicher Ausdruck für einen Vorgang, der für den Betroffenen zwar durchaus unangenehme Folgen haben kann, aber keineswegs unrecht ist.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    Harald Leinweber

  29. „Hat nicht die britische Presse alles Recht uns konsequent und ständig darauf hinzuweisen, dass Deutschland vor gar nicht allzu langer Zeit auf großer faschistischer rassistischer Weltausrottungstour war?“

    Bedeutet das, die deutsche Presse darf Italien vorwerfen vor knapp 2000 Jahren in fast ganz Europa und Teilen Afrikas einmaschiert zu sein?
    Das wäre doch Bild-würdig:“Deutsche rächen sich an Italien für die Schmach von vor 2000 Jahren.“

  30. Natürlich ist da ein Unterschied.

    Ich sehe das so wie Sebastian Rüger es oben beschrieben hat.

    Weder das Enie noch das Andere macht in meinen Augen Sinn.
    Speziell auf das Thema Sport bezogen.

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