Wie ich 3 Tage lang einen Brief einschmiss

1. Ich stelle fest, dass ich keine Briefmarken mehr habe und gehe zur Post

2. Ich sehe, die Schlange vor den Schaltern ist sehr lang, kann mich aber nicht an den Briefmarkenautomaten wenden, da er nur Münzen und Geldkarte annimmt, ich habe aber nur Scheine und EC-Karte. Abgesehen davon gibt dieser Scheißdreckskasten kein Rückgeld, sondern nur Marken. Soll heißen, Du willst eine Briefmarke für 55 Cent, hast aber keinen 5er, sondern nur einen 50er und einen 20er, schmeißt also 70 Cent rein, erhältst Deine Marke und eine für Dich völlig wertlose 15 Cent Marke. Gut, beim nächsten Mal, kannst Du die ja mit drauf kleben und Dir halt eine 40 Cent Münze kaufen. Aber am Automaten stellst Du fest, dass Du wieder nur eine 50er Münze hast, kaufst die 40er Briefmarke und erhältst eine beschissene 10 Cent Briefmarke. Gleiches Spiel von vorn, das nächste Mal kaufst Du also eine 45 Cent Briefmarke und erhältst außerdem eine 5 Cent Briefmarke. Jetzt endlich kannst Du Dir mit 50 Cent die passende Marke dazu kaufen, stellst aber fest, dass Du nur einen Euro hast und bekommst 2 50 Cent Marken. Jetzt fehlt Dir natürlich eine 5cent Marke, aber wie die besorgen, ohne auszuflippen?

3. Nachdem ich mit diesen Gedanken abschliesse, stelle ich fest, dass die Schlange noch länger geworden ist und reihe mich ein.

4. Nach 2 Stunden habe ich endlich meine Briefmarke und gehe nach Hause.

5. Zu Hause stelle ich fest, dass ich keine Briefumschläge mehr habe und gehe noch einmal los, in den Papierladen um die Ecke. Im nachbarschaftlichen Gespräch wird mir erzählt, dass ich auch im Tabakladen ohne Schlange Briefmarken hätte kaufen können.

6. Ich schreibe am Computer den Brief.
7. Ich drucke den Brief. Allerdings nur zur Hälfte, denn ausgerechnet jetzt ist die Tintenpatrone alle. Mittlerweile ist aber schon nach Geschäftsschluss und ich muss mich morgen drum kümmern.

8. Am nächsten Tag gehe ich die Straße runter zu dem Computerladen, um neue Patronen zu kaufen, ich stelle fest, der Computerladen hat zugemacht.

9. Ich habe eine Idee und gehe weiter, zu einem kleinen sudanesischen Laden, der für € 9,90 Tintenpatronen wieder auffüllt. Dort angekommen stelle ich fest, dass ich die leere Patrone gar nicht mithabe, da ich ja eigentlich eine neue kaufen wollte.

10. Ich gehe wieder nach Hause. Auf dem Weg komme ich bei dem Tabakladen vorbei und stelle fest, dass er No-Name-Billig-Tintenpatronen für jedes Druckermodell hat. Außer für mein Druckermodell.

11. Mit der Patrone gehe ich zum Sudanesen und lasse sie auffüllen. Wieder zu Hause angekommen mache ich mich gleich auf, den Brief nochmals auszudrucken. Wieder druckt er nur zur Hälfte und sagt dann, die Patrone sei leer. Hat mich jetzt der Typ aus dem Laden betrogen oder ist mein Drucker zu schlau, um wiederaufgefüllte Patronen zu erkennen?

12. Da ich los zu einem Auftritt muss, vertage ich weitere Schritte auf den nächsten Tag.

13. Am nächsten Tag fahre ich zu Media Markt, um die passenden Patronen zu kaufen und ergatterte die letzte Packung der zu meinem Drucker passenden Zitrone, äh Patrone. Voller Freude kaufe ich noch eine Farbpatrone hinzu. Die beiden Patronen kosten zusammen das Gleiche, was mein Drucker inklusive Scanner gekostet hat. „Geiz ist geil“, denke ich.

14. Zu Hause setze ich die Patrone ein, drucke den Brief aus, stecke ihn in den Umschlag, klebe die Briefmarke drauf, gehe wieder los, um ihn in den Briefkasten zu stecken und freue mich, dass ich 3 Tage lang was zu tun hatte.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

14 Gedanken zu „Wie ich 3 Tage lang einen Brief einschmiss

  1. Gruselig. Da lob‘ ich mir die eMail.
    Die 5- und 10-Cent-Rückgeldmarken kann man übrigens prima für Maxibriefe verwenden. Die sind groß genug, um 15-20 Marken auf die Vorderseite zu tapezieren.
    Und ansonsten gibt’s ja inzwischen sogar schon Briefmarken per SMS. Sind zwar etwas teurer, aber wenn man die Rückmarken eh nicht benutzt (bzw. einfach verlegt, weil man überhaupt nur zweimal im Jahr nen Brief schreibt), kommt’s aufs gleiche raus..

  2. Eben .. ich fahre auch nicht mit der Kutsche. Ich schreibe Briefe per Email oder wenn es Papier sein muss dann kaufe ich mir die Marken online, bezahle sie via PayPal und drucke sie mir selber aus.
    Den Brief lege ich dann gut sichtbar auf meinen Briefkasten und klebe ein postit drauf „falsch zugestellt“. Dann nimmt mein Briefträger den mit und bringt den „wieder“ in den Versand. ich spare mir also auch den Weg zum Postkasten.

  3. Dann musst Du nicht mal Briefmarken online kaufen, sondern kannst gebrauchte Briefmarken draufkleben.

    Ein guter Trick ist auch die Adresse als Absender zu schreiben und die eigene adresse als Anschrift und keine Briefmarke drauf, dann kommt er wegen „falsch frankiert“ an den Absender zurück, also an den, für den der Brief gedacht war.

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