Wie soll man mit Nazis umgehen?

Der erste Eindruck, den ich von Dresden hatte, als ich das erste Mal dort war, war leider kein Guter. Ich stand an der Ampel, um die Straße zu überqueren und ein Auto brauste vorbei aus dem ein rechter Skinhead mich mit „Heil!“ anschrie und schon wieder weg war, bevor ich auch nur in irgendeiner Weise reagieren konnte. 4 Buchstaben, die einem die Laune verderben und eine unglaubliche Hilflosigkeit mit der Situation spüren lassen. Unglaublich, was für eine kräftige Wirkung ein einzelnes kurzes Wort von einem Nazi geschleudert haben kann. Wäre doch schön, wenn es ein gleichfalls kurzes Wort geben würde, dass man Nazis entgegenschleudern kann, um in Ihnen Verstand und Erkenntnis zu wecken.

Wenn jetzt der Autonazi durch seine Aktion die Kontrolle über sein Auto verloren hätte und gegen einen Baum gerast wäre – wie hätte ich dann reagieren sollen? „Ätsch“ sagen und den Hund verbluten lassen, so als ob ich nichts gesehen hätte? Oder schnell Hilfe leisten, Notruf rufen, das ganze Programm. Wäre er mir dann dankbar und es wäre vielleicht der Anfang eines Umdenkens? Oder ist nur ein toter Nazi ein guter Nazi?

Eine schwierige Frage, wie man Nazis gegenübertritt. Das letzte Beispiel ist natürlich übertrieben gewählt, aber auch so ist die Frage: Schließt man Nazis möglichst aus allem aus, entgegnet ihrem Hass mit Hass und Ausgrenzung, oder versucht man, sich mit Ihnen zu beschäftigen und ihnen offen zu zeigen „Auch Du bist ein Mensch!“, schließlich wird ja niemand als Nazi geboren.

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Mein Verstand tendiert in die letzte Richtung, meine Lust, mich Nazis gegenüber korrekt und nett zu verhalten tendiert aber gegen null. Nur, wird man so die Nazis los? Oder werden es so mehr?

Es gibt ja kein Nazi-Gen, dass diese Leute hassbar macht, sondern es sind Menschen wie Du und ich – mit schrecklichen Einstellungen. Aber woher haben Sie diese Einstellungen und wie kriegt man die weg?

Ich weiß es nicht, aber ich befürchte, dass wir momentan nicht auf dem richtigen Weg sind, das Problem in den Griff zu bekommen.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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17 Gedanken zu „Wie soll man mit Nazis umgehen?

  1. Ich fänd es cool, wenn jemand mit der Antwort hier auftauchen würde.

    Was aber denk ich jeder tun kann, ist, die Argumentation von NPD & Co (Und auch die ganz üblen Stammtischparolen à la „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, oder heutzutage eher „Das sind alles Schmarotzer unsres Sozialstaats“) einigermaßen zu kennen und die jeweils reale Situation, um das Argument auskontern zu können.
    Nichts ist schlimmer, als irgendwo tatsächlich in einer moderaten Umgebung an so einen zu geraten und rhetorisch zu unterliegen.

  2. Was würde ich als Ausländer tun?

    Natürlich möglichst vermeiden und auf Courage von Mitbürgern zu „hoffen“. Welches nicht selbstverständlich ist.
    Auch würde ich solchen Mensch nicht Helfen, diese haben sich Ihren Weg selber ausgesucht und leben damit.

  3. Wenn hier Leute ganz normal kommentieren würden und nicht, um ihren kommerziellen Link mit Keywords zu pushen, wäre ich sehr verbunden. Sonst schicke ich eine Rechnung, WErbung kostet. Weder ist „tankstellensuche“ ein Name und Deine SEite ist ein Unternehmen, kein privater Blog.

    Informiere Dich mal lieber über Werbemaßnahmen, die kein Spam sind und falle nicht auf jeden SEO-Terroristen rein.

    Link wurde gelöscht.

  4. Nun ja, Nazi ist nicht gleich Nazi. Ich sehe die Möglichkeit, einfache Skins, die durch ein mieses soziales Umfeld in die Schieflage geraten sind, in ihrer Einstellung zu ändern, wenn man ihnen ein Bewusstsein dafür vermittelt, wie falsch und menschenverachtend ihre Überzeugungen sind. Anders sieht das aus mit Anzugnazis wie dem Haider (mit fällt glücklicherweise kein prominentes deutsches Beispiel ein); bei denen ist Hopfen und Malz verloren und die pflegen ihren Wahn mit derartig kalter Berechnung, dass ich nicht gewillt bin, ihnen in Sachen Toleranz auch nur einen Schritt entgegen zu kommen. Solche Leute würde ich, um dein Beispiel aufzugreifen, verbluten lassen, ohne danach auch nur den Anflug eines schlechten Gewissens zu haben.

  5. Dann hast du immer das Problem, einem Menschen in Not erst dann helfen zu können, nachdem du seine ganze Vorgeschichte kennst. Auch Nicht-Nazis können Personen sein, die du am liebsten im Graben liegen lassen würdest. Kinderschänder sehen nach außen hin meist recht normal aus und rufen auch keine Parolen, an denen man sie erkennen könnte.
    Und Leute, die „Heil“ rufen müssen keine schlechten Menschen sein. Viele sind einfach nur dumm und Mitläufer, haben aber noch niemandem etwas angetan. Sie wegen ihrer Dummheit und ihrer bescheuerten Weltansicht sterben zu lassen, macht dich auch nicht zu einem besseren Menschen, ganz im Gegenteil.

    Warum willst du Nazis loswerden? Wegen ihrer Einstellung oder wegen eventueller Gewalttaten? Gewalttätig sind auch zahlreiche andere Gruppen und für ihre Einstellung kann man sie höchstens bedauern.
    Bildung ist immer eine Lösung aber das muss für alle gelten. Denn solange gewalttätige Ausländerbanden die Bürger bedrängen (ist hier in Düsseldorf aktuell wieder ein großer Fall), so lange werden ausländerfeindliche Gruppen es auch immer leicht haben, in den weniger gebildeten Schichten neue Mitglieder zu finden. Probleme wie Gewalt und Arbeitslosigkeit, für die Nazis leicht einen Sündenbock finden können, müssten zuerst behoben werden. Da das nie passieren wird, werden auch nie die rechtsradikalen Strömungen in der Bevölkerung komplett eingedämmt werden können (das ist meine unprofessionelle eigene Meinung). So Leute gibt es in jedem Land und in den meisten sogar öffentlicher, radikaler und gewalttätiger als in Deutschland, deshalb glaube ich nicht, dass das Problem jemals komplett verschwinden wird.

    Und zu deiner Geschichte: sicher, dass der nicht einfach „Hi!“ gerufen hat? 🙂

  6. @David: Wieso muss ich dann die Vorgeschichte kennen? Das macht keinen Sinn. Wenn jemand einem Nazi nicht helfen würde, weil er weiß, dass er Nazi ist, heißt dass ja nicht, dass er nicht helfen würde, wenn er nicht weiß ob er Nazi ist oder nicht.

    Na ja.

    „gewalttätige Ausländerbanden, die Bürger bedrängen“

    So so.

    „Und Leute, die “Heil” rufen müssen keine schlechten Menschen sein.“

    Nun ja, was sind denn „schlechte Menschen“ in Deinen Augen?

  7. @david

    Die Ursachen für Gewalt durch Jugendliche findet man fast immer im sozialen Milieu, dem sie entsprungen sind, nicht in ihrer ethnischen Herkunft.
    Und für die Entstehung von Ghettos sind nicht die Ghettobewohner verantwortlich.
    Auch die Schuld dafür, dass eine Hauptschule praktisch immer eine Endstation ist (auch wenn ein Queraufstieg in höhere Bildungsabschlüsse theoretisch möglich wäre), ist nicht bei einzelnen Hauptschülern zu finden, sondern bei einer fehlgeleiteten Gruppendynamik und einem ungeschickten Schulsystem, dass diese nicht aufbrechen kann.

    Ich will keineswegs irgendwelche Schlägertrupps als arme Opfer verkaufen, aber die Ursachen für übermäßige Gewalt in verschiedenen Stadtteilen und Vorstädten Deutschlands sind ausnahmslos aus jahrzehntelangem politischen und gesellschaftlichen Versagen gewachsen (Ja ja, zur Gesellschaft gehören auch Ausländer).

    Aber „gewalttätige Ausländerbanden“ vereinfacht es natürlich sehr schön auf Problem und Ursache. Problem: gewalttätige Banden, Ursache: Ausländer.
    Sozusagen vorbildlich gelöst nach Ockhams Rasiermesser.

  8. Leider würde Ausgrenzung das Problem oft noch verschärfen. So unverständlich das Gedankengut der Nazis nämlich ist, so schlau gehen sie manchmal bei der Rekrutierung neuer Anhänger vor. Sie nehmen sich oft nämlich gerade derer an, die ausgegrenzt werden oder bei denen es im Leben nicht so toll geht. Viele erleben das erste Mal so etwas wie Kameradschaft erleben und sich aufgenommen fühlen. Und da viele Neulinge leider eher schwache Charaktere sind, sind sie auch empfänglich für das rechte Gedankengut – leider. Ein Grund dafür ist vielleicht, dass die eigenen Probleme einfacher erscheinen, wenn man einen Sündenbock hat.
    Daher geht es mir ähnlich,e igentlich halte ich Ausgrenzung für einen falschen Weg, andererseits habe ich aber nicht die geringste Lust, mit einem Nazi Kaffee trinken zu gehen.

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