Monat: April 2012 (Page 3 of 4)

43 Jahre er- und gelebter Humor: Eine Zeitreise

ui. ist 10 Jahre geworden – aus diesem Anlass gibt es einen lesenswerten Gastartikel des befreundeten Bloggers Torsten Dewi (rechts im Bild), der auf Wortvogel viel über Film und Fernsehen und noch mehr schreibt. Lohnt sich auf jeden Fall da mal vorbeizuschauen. Hier schreibt er über den Humor in Deutschland der letzten 43 Jahre – regt auf jeden Fall zum Nachdenken an!

Manuel hat mich gebeten, was zu seinem Blog-Jubiläum zu schreiben. 10 Jahre uiuiui(undeinpaarmehruis).de – heilige Scheiße, das ist lang. Bloggerjahre sind wie Hundejahre und zählen siebenfach. Demnach hat diese Webseite das Rentenalters schon längst erreicht. Meine eigene Webseite wortvogel.de ist mit 43 Bloggerjahren hingegen gerade erst mal in der Midlife-Crisis angekommen. Kurioserweise bin ich selber auch 43. Karma?

Über was soll ich schreiben, was nicht besser auf MEINE Seite passen würde? Es kribbelt, mich an einem humorigen Stück zu versuchen, aber das kann der Hausherr besser und meiner Erfahrung nach ist wenig so schmerzhaft wie ein „lustiges Essay“, das nicht lustig ist. Ich kann Humor nicht auf Kommando.

[random]

Was ich aber gut kann, ist Erlebtes nacherzählen. Und darum werde ich genau das tun. Ich werde mein Leben im Spiegel des prägenden Humors nacherzählen. Die größten Hits der 70er, 80er, 90er und das Beste von heute, sozusagen. Das sagt was über mich aus, im Idealfall aber auch über das Land, in dem ich lebe.

Vorneweg: Loriot kommt nicht vor. Er ist in einem Maße singulär und untypisch für den deutschen Humor, dass ich mich schlichtweg unfähig sehe, ihn einzuordnen. Schlimmer noch: er lässt humoristisches Brachland, nämlich die BRD der 70er, unverhältnismäßig glänzen. Und das sollte bei Strafe verboten sein.

Andererseits: Gleich zu Anfang schleicht sich Vicco von Bülow doch ein, sei es auch in kaniner Gestalt. Denn eine der ganz frühen Comedy-Erinnerungen stammt aus der Ratesendung „Der große Preis“ mit Wim Thoelke. Dort gab es immer einen Dialog zwischen dem Moderator und einem Zeichentrick-Hund namens Wum (später kam noch Elefant Wendelin dazu). Erdacht, gesprochen und gezeichnet von – genau – Loriot. Das fand ich witzig. Da war ich sechs. Es war 1974.

Im „Großen Preis“ gab es auch die schnell plappernde Berliner Schnauze in Gestalt des Kabarettisten Wolfgang Gruner, der als Taxifahrer „Fritze Flink“ auftrat. Genau genommen war das meine erste Begegnung mit der modernen Comedy, wie sie erst in den 90er Jahren ihren Durchbruch haben sollte. Gruner hatte eine Figur erfunden und zog sie konsequent samt Kostüm und Manierismen durch, wie es zwei Jahrzehnte später Tom Gerhardt und Rüdiger Hoffmann tun würden.

Ansonsten bestand die Welt der Comedy, wie ich sie in den 70er wahr nahm, aus zwei Komponenten: Otto Waalkes und dem Rest. Einmal im Jahr machte Waalkes ein neues TV-Special, das dann auch auf Platte veröffentlicht wurde. „Otto versaut Hamburg“, „Ottocolor“, „Oh, Otto“. Diese hörte man im Freundeskreis rauf und runter, bis man sie auswändig konnte – die permanenten kostenlosen Wiedergaben am Mittagstisch dürften so manche Eltern nahe an den Rand des Wahnsinns getrieben haben. Sich die alten Aufnahmen heute noch mal anzuhören, ist eine mitunter bizarre Erfahrung: Man kann die Witze, inklusive Details wie Pausen und Versprecher, immer noch nachplappern. Manche wirken dünn, andere peinlich, viele seltsam ihrer Zeit verpflichtet („Ho Chi Minh – Huckleberry Finn – Idi Amin!“). Otto war radikaler, gnaden- und skrupelloser, als sein albernes Gehopse damals ahnen ließ. Kein Wunder, speisten sich seine Programme doch gerne aus dem Intellekt einige großer Satiriker (Eilert, Gernhardt) – und Woody Allen. Lauscht man nämlich heute den alten Standup-Programmen Allens der frühen 60er, ist man überrascht, wie viel der „Friesenjung“ von dem kleinen New Yorker Schlemihl übernommen (geklaut?) hat.

Der Rest dessen, was ich als Comedy wahr nahm, bestand aus Sketchshows wie „Klimbim“. Meine ersten nackten Brüste waren die von Ingrid Steeger – besser kann man wohl in das Thema nicht eingeführt werden. Auch hier musste dem deutschen Humor durch Amerikanisierung auf die Sprünge geholfen werden: „Rowan and Martin’s Laugh In“ stand Pate, bzw. war das Vorbild, das sich Michael Pfleghar in den USA genaustens abgeschaut hatte.

Vielleicht war das der Grund, warum Waalkes und „Klimbim“ als neu und frech wahrgenommen wurden – sie stützten sich auf ein amerikanisches Verständnis von Comedy, das seinen Durchbruch bei uns erst später haben sollte. Es herrschte bis dato ja das urdeutsche duale Humorsystem aus Karneval und Kabarett, quasi Comedy jeweils für die Regierung und die Opposition. Humor hatte immer eine Zweck zu haben, war nie Selbstzweck.

Atmete „Klimbim“ in seinen besten Momenten noch den Geist der Anarchie und der linksliberalen Authoritätsfeindlichkeit, suhlten sich andere Produktionen wie „Ein verrücktes Paar“ und „Plattenküche“ in nachkrieglicher Spießigkeit, die man damals kaum wahrnahm, die sich retrospektiv (z.B. auf DVD) allerdings als komplett unerträglich entlarvt. Auch Dieter Hallervordens Benny Hill/Buster Keaton-Hommage „Nonstop Nonsens“ entpuppt sich als komödiantisches Katzengold, wenn man genauer hinschaut. Ansonsten: Klamauk und Possenreisser wie Fips Asmussen, die den Status Quo zementierten, in dem sie ihn genau so weit entlarvten, dass er sich selbstgefällig Humor- und Kritikfähigkeit attestieren konnte.

Die 70er waren einfach kein gutes Feld für Mainstream-Comedy. Das, was damals als „Sketch“ durchging (siehe „Disco“), schien den Geistern öffentlich-rechtlicher Berufsredakteure entsprungen, die ebenso Beiträge für das Tele-Kolleg oder das Wort zum Sonntag schrieben. Gebrauchsfernsehen, das sich „Unterhaltung“ nennen musste, damit man als Zuschauer wusste, dass man sich jetzt auch bitte zu unterhalten habe. Und man unterhielt sich eben.

Die 80er hingegen waren – wie in so vielen Bereichen – auch bei der Comedy vom Aufbruch geprägt. „Fast wia im richtigen Leben“ von Gerhard Polt startete 1979 ebenso wie die Zeitschrift „Titanic“, der „Scheibenwischer“ begann 1980. „Extratour“ verknüpfte ab 1985 Comedy mit Pop und Sozialkritik, Ingolf Lück baute sich aus „Formel 1“ eine Kleinkunst-Bühne („Jetzt kommen Cock Robin – Robin heißt Rotkehlen und was Cock heißt, fragt ihr besser euren Englischlehrer“). Es war nicht alles lustig, aber es war neu, es war bunt, und es musste nicht mehr jedem gefallen. Die muffigen Altherrenwitzler blieben in den großen Gala-Shows, aber die Jugendlichen erkämpften sich eigene Formate und Vorbilder. Jürgen von der Lippe machte den „WWF-Club“ zum Pflichtprogramm und neue Zeichner wie Brösel, Walter Moers und Ralf König loteten aus, wie weit man gehen konnte. Und man konnte weit gehen.

Vor allem aber: Humor war in den entsprechenden Szenen (ja, so sagte man das damals) konsensfähig. Jeder schaute dienstags „Formel 1“, jeder hatte den neusten „Reiser“ gelesen. Auf Partys wurde zum Ausklang aus Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ vorgetragen. „Legalisiert Erdbeereis“. Spontizeit. Es war sicher auch den Sorgen der Zeit geschuldet (Atomkrieg, Umweltzerstörung, G.G. Anderson), dass die Suche nach frecher Revolution mitunter etwas zwanghaft-neurotisches annahm. Ging es mit dem literarischen Humor langsam etwas aufwärts, bewegte sich die filmische Zwerchfelltherapie konsequent seitwärts: die „Lümmel von der letzten Bank“-Streifen der 70er, die eigentlich in die 50er gehört hätten, machten den „Supernasen“ platz, die vielleicht etwas rotziger waren, dafür aber so inkompetent gestümpert, dass sie heute nicht mal mehr im Nachtprogramm von SAT.1 gezeigt werden können. Wer mal am Extrem sehen will, wie wenig der schiere Wille zur Anarchie die sorgfältige Humorarbeit ersetzen kann, sollte sich den Streifen „TV-Piraten – Sender freies Bilk“ besorgen.

Entlarven die 70er rückblickend ihre eigene Unerträglichkeit, so erlauben die 80er ein etwas milderes Urteil: Ja, es war nicht alles neon, was da glänzte, aber der Versuch ehrte so manchen Hampelmann und nicht ohne Grund hat die „creme de la creme“ der deutschen Komiker in dieser Zeit die Comedy-Grundschule besucht.

Weiter zu den 90ern. Dank Privatfernsehen und Internet stieg die Zahl der Kanäle, aus denen man sich bedienen konnte, was zwangsweise zur Erosion des Konsens führte. Jeder machte sein eigenes Ding, fand seine eigenen Lieblinge. Ähnlich ging es der Musik: klare Trends, denen man sich für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren anschließen konnte, verkümmerten. Stilfreiheit ersetzte den Gruppenzwang, aber auch das Zugehörigkeitsgefühl.

Zuerst einmal spülten die 90er aber jede Menge US-Comedy nach Deutschland. Ob „RTL Samstag Nacht“ sich „Saturday Night Live“ zum Vorbild nahm oder der damals noch respektable Kabarettist Harald Schmidt plötzlich das Genre der „Late Night Show“ (nach einem desaströsen Gottschalk-Versuch) etablieren wollte: es wurde schneller, punktueller, aktueller, der Pointe mehr verpflichtet als dem Thema. Neue Comedy-Stars wie Tom Gerhard und Rüdiger Hoffmann schufen Programme und Figuren, die gesellschaftliche Probleme der Lächerlichkeit preisgaben, statt sie durch Humor anzuprangern. Ihre Erfolge läuteten den Tod (oder zumindest die völlige Marginalisierung) des politischen Kabaretts ein. Es wurde auch erstmals der Gattungsbegriff Comedy als herablassende Distanzierung durch das Kabarett eingeführt – die kommerzialisierte Spreu dadurch vom intellektuellen Weizen zu trennen ging allerdings so komplett nach hinten los wie die Einführung des Labels „made in Germany“ durch die Engländer vor 100 Jahren. Kein Wunder, dass so mancher Kabarettist seine Clubkarte abgab, um sich mit Klamauk eine goldene Clownsnase zu verdienen. Genau, Busse, Sie sind gemeint!

Die 90er wurden damit das Jahrzehnt der Massen-Comedy, die den Graben zwischen jung und alt zumindest zeitweise mit schierem Volumen und einer wachsenden Nachfrage der New Economy zuschüttete. Es ist leicht, das im Nachhinein zu verdammen, doch hört man sich Lesungen dieser Jahre an, schaut man ein paar DVDs, dann wird schnell klar: hier waren viele ungeschliffene Diamanten am Werk. Piet Klocke, Anke Engelke, Max Goldt, Bully, Oliver Kalkofe, Walter Moers, Olli Dittrich. Im Dung wuchsen auch viele Orchideen.

Im neuen Jahrtausend scheint die Welle der Comedy-Bühnenarbeiter ihren Reiz des Neuen verloren zu haben, ohne dabei untergegangen zu sein. In jeder Stadt versucht sich der Standup-Nachwuchs, während das Kabarett schwächelt und die Versuche, es im Fernsehen zu halten, fast schon verzweifelt wirken. Bei der Sketchshow orientieren wir uns an den Engländern, viele alte Helden wirken müde (Mittermeier, Appelt, Klocke), die bloße Erwähnung von Mario Barth schafft Feinde – oder wie der Rheinländer sagt: ’n dicken Hals. Formate sind bei den Sendern etabliert, obwohl sie nicht funktionieren, Experimente aus schierem Übermut (80er) oder dicker Brieftasche (90er) werden kaum noch gewagt. Wo die Trennlinie einst zwischen bürgerlich und progressiv verlief, dann zwischen jung und alt, scheint sie momentan eher zwischen oben und unten zu existieren: die so empfundenen tumben Massen mögen sich an Barth, Cindy aus Marzahn und Bohlen-Sprüchen ergötzen, für den ambitionierten Rest gibt es „Dittsche“ und „The Office“, Stuckrad-Barre und Stephen Fry. Auf den Bühnen verschwimmen die Genres: Gestandene Kabarettisten versuchen, das Publikum bei schwereren Themen stärker mitzunehmen, während Comedians plötzlich auch wieder politische Themen anfassen.

Comedy ist kein Nischenprogramm mehr, sondern allgegenwärtig, so beliebig wie unübersichtlich. Medienkompetenz bedeutet 2012 auch, die Perlen zu finden – und sei es nur ein putziges neues Katzenvideo.

Weil das bis hier hier alles nur meine Meinung war und Zahlen zählen: von prägenden Comedy-Produktionen wie „Fast wia im richtigen Leben“, „Ein verrücktes Paar“ und „Nonstop Nonsens“ gab es 12, 10 und 20 Folgen, respektive. „Switch“ hat es bereits auf über 120 gebracht. „Dittsche“ auf über 170.

Humor prägt. Dies war meine Prägung. Eure wird eine andere gewesen sein. Glücklicherweise.

10 Jahre ui. – Gastartikel von cimddwc

Dieser Blog ui. feiert gerade 10-jähriges. In der Reihe der Gratulanten ist heute Andreas von einem meiner Lieblingsblogs CIMDDWC dran:

ui. – bzw. www.uiuiuiuiuiuiui.de – feiert nun also sein Jubiläum. Manch einer wird sich schon über die Länge des Domainnamens gewundert haben; wobei die 7 uis als „ui-ui-UIuiuiuiui“ m.E. leichter über die Lippen laufen als 6 uis – oder 4, denn gerade Zahlen dürften meiner Erfahrung nach seltener auftreten, wenn man uis derart aneinanderhängt. (Und besser als „uh uh oh oh oh“ ist es auch.^^)

Aber wieso sind’s hier 7 uis? Nun, wie überall im Universum – also universal, deswegen heißt’s ja so – gibt’s für alles eine wahre™ numerolügische Erklärung, man muss nur verrückt genug sein können, um sie sich auszudenken zu finden.

Schauen wir mal nach links oben – da steht ein großes ui mit Punkt dahinter mit einer Schriftgrößendeklaration von 80 Pixeln, darunter die URL. Also 80 für 1 ui, danach ein . mit Ascii-Wert 46, somit 81.46. Darunter wie bei einem Bruch die 7 uis der Domain, also rechnen wir 81,46 / 7 = 11,637.

Stellen wir das ein bisschen um. (Warum? Na wie soll man sonst die Wahrheit™ finden?? Wie, Willkür? Ähm… nein, also.. das sind… atlantisengelhaft-biblisch gechannelte Weisheiten, genau!) Die 3 und die 7 kürzen sich weg, weil Manuels Benutzername „uiuiui7“ bei Twitter u.v.a.m. aus 3 uis und der 7 besteht. Sex, äh, die 6 setzen wir an die erste Stelle. Die 11 besteht aus 2 gleichen Ziffern, also verdoppeln wir sie und schubsen sie hinters Komma, und weil wir etwas stark geschubst haben, rutscht sie noch eine Stelle weiter. Und schon haben wir 6,022.

Wenn wir noch schnell die allgegenwärtige erhabene Verschwörungszahl 23 ergänzen – als Zehnerpotenz, schließlich ist sie erhaben -, erhalten wir nichts anderes als die Avogadro-Konstante 6,022×10^23, d.h. die Größe, die gern verwendet wird, um zu illustrieren, ab welcher Verdünnung sicher kein Molekül im homöopathischen Schlangenöl mehr drin ist.

Gemäß der Karma-Orgonischen Matrix-Inversion der Kosmischen Erleuchtungs-Regeln (kurz: KOMIKER) bedeutet dies für diese Website – und natürlich ihren Betreiber -, dass Humor und anderer, genauso lesens-, sehens- und hörenswerter Inhalt eben NICHT bis zum homöopathischen Nichts verdünnt, sondern im Gegenteil reichlich nachweisbar ist.

QED.

ui. sagt dazu: Wie hat er das nur herausgefunden? Er hat Recht!

ui. der Blog feiert heute 10. Geburtstag!

Hurra, hurra, hurra!

Just in diesem Moment feiert dieser Blog seinen 10. Geburtstag. Man, man, man, wie die Zeit vergeht!

Jubel, Trubel, Heiterkeit!

Die nächsten Tage folgen noch ein paar Gastartikel von Gratulanten und vielleicht die ein oder andere Idee, aber jetzt erst Mal, die schönste Gratulation, die ich für meine ganze Arbeit je bekommen habe:

DANKE für … ach für ALLES eben. Du bringst mich zum Lachen, zum Lächeln, zum Seufzen, zum Trällern, zum Machdenken & sogar zum Aufregen und ich lerne immer was dazu. Danke für all die Inspiration & Danke daß Du so viel gibst, Manuel. Du bist ein Guter! Happy Birthday, lieber Blog

*Seufz*

Vor 10 Jahren war ich dabei in Hamburg meine Magisterarbeit zu schreiben (Musikwissenschaften) und hatte aufgehört beim ImproTheater Steife Brise zu spielen. Irgendwohin mussten die kreativen Gedanken in meinem Kopf hin, ich brauchte irgendein Ventil. Also fing ich an, sie auf diese Webseite zu posten. Noch vollkommen unwissend, das so etwas Blog heißt und mit einfachstem HTML. Aber warum „ui“? Warum „uiuiuiuiuiuiui“? Nun, so ganz wird das nie geklärt werden, aber es war so, dass ein Freund ungefäh zu der Zeit sagte, dass mittlerweile jedes Wort im Duden als Domain .de vergeben sei. Jetzt gingen nur noch Phantasieworte und zusammengesetzte Worte. Sprach er und sicherte sich wasserschiff.de – das fand ich sehr lustig, dachte an „Wasserschiff“ oder „Luftfisch“, verwarf das aber und kam auf „uiuiuiuiuiuiui“. Hat auch gut geklappt, wenn man jetzt auf Google „ui“ eingibt, landet mein Blog an erster Position.

Später wechselte ich dann auf livejournal – eine verschworene Gemeinschaft mit Geocities-Flair, bis mich jemand überredete, auf WordPress selbst zu hosten. Und da bin ich nun. Auf weitere 10 Jahre!

Und was gab es nicht alles in den 10 Jahren – eigentlich viel zu viel. Versucht doch mal Euch durchs Archiv durchzuarbeiten oder nach Stichworten mit dem Suchfeld zu Suchen. Da habt ihr stundenlng, ach was, tagelang Vergnügen dran. Und ich glaube kaum, dass hier viele Leser der ersten Stunde da sind, die alle Artikel kennen.

Legen wir mal los mit ein paar Statistiken:

Die Statistiken habe ich alllerdings erst seit Juni 2007, aber wie dem auch sei, seitdem gab es:

– 1,045,084 Seitenbesucher (was bedeutet, dass noch fast 7 Milliarden Menschen ui.-entdecken müssen)
– der bestbesuchte Tag war der 11. November 2009 mit über 21000 Besuchern
– Der meistgelesen Artikel überhaupt (abgesehen von der Homepage) war: „Lady Gaga fast nackt beim Stage-Diving (Video)“ (natürlich!)
– mehrere Beziehungen wurden in der Zeit des Blogs geführt, die meist damit endeten, dass die Frau mich verlies, nicht andersherum
– zwischendurch fuhr ich mal 5 Jahre zur See
– Wir hatten Besucher aus 117 Ländern, unter anderem 1 Besucher aus Tajikistan und 1 Besucher aus San Marion (Ralph Siegel wird es freuen)
– Die meisten Besucher kamen über Google, gefolgt von Facebook auf meine Seite. Am meisten Besucher von anderen Blogs hatte ich von Spreeblick, aber das waren nur etwas über 5000. Ich bin wohl – und war noch nie – drin in dieser selbstreferetiellen Bloggerszene.
– Auf ui. selbst stehen derzeit 3146 Artikel und es gibt 11593 Leserkommentare.

Zwei meiner liebsten Kolumnen sind: „Das improvisierte Lied zum Freitag“ mit mittlerweile 213 Folgen und der Videoblog mit 116 Folgen. Aber zu den Kolumnen komme ich noch die Tage, gibt ja auch noch die Radioshow und die gesungenen Nachrichten und und und…

Auf Youtube bin ich auch sehr umtriebig:

Mein Kanal hat 458 Abonnenten (dürfen gerne mehr werden), und hatte bereit über 678000 Videoaufrufe. Bei 453 Videos sind das im Schnitt 1496 Views pro Video, das ist schon mal ein guter Start. Ich bin ja Stand-Up-Comedian, wenn ich in jeder meiner Theatershows 1496 Besucher hätte, wäre ich zufrieden. Mit dem Unterschied, das die Videos auf Youtube kostenlos sind und die, die sie sehen meist nicht mal „Danke“ sagen, sondern einfach kucken und weitergehen. Dabei kann man doch so schön, wenigstens einen Kommentar hinterlassen, auf „mag ich“ klicken, die Videos in die Favoriten aufnehmen oder auf Facebook und Twitter teilen. Kommentieren tun auf Youtube allerdings meist nur die weltbekannten Youtube-Trolle und Nazis, die mich aus irgeneinem Grund wohl nicht mögen.

Das meistgesehen Video von mir auf Youtube war natürlich: StudiVZ-Girl – der StudiVZ-Gruppen-Song

Kommen wir zu Twitter

Natürlich bin ich auch bei Twitter und zwar hier. Dort habe ich bereits fast 7000 Follower.

zu guter letzt: Facebook

Auf Facebook kriege ich viele Freundschaftsanfragen, die ich dann nach einigem hin- und herüberlegen meist doch annehme. Komischerweise kommen die aber alle auf mein privates Profil und nicht auf die offiziellen Seiten. Ich habe schon einiges probiert, mich umzubenennen, die Leute anzuschreiben und sie bitten auf die Seiten zu gehen, aber es fruchtet alles nichts, sobald sie mit mir auf Facebook privat befreundet sind, ist es nahezu unmöglich, sie auf die Seiten zu bewegen, betteln, lieb sein, drohen – nichts fruchtet. So bn ich mit über 2600 Leuten auf Facebook befreundet, aber meine Künstlerseite hat nur knapp 500. Die ui.-Seite liken immerhin 1430 Leute (mit dem neuen Facebook-Design finde ich nicht mehr heraus wie viele davon auch meine Freunde sind) – aber es ist klar: Tausende Freunde verweigern sich mir. Facebook-Freunde sind halt keine echten Freunde.

Aber wer mutig voranschreiben möchte, hier meine ui.-Seite auf Facebook. Und hier meine Künstlerseite auf Facebook.

So das wars. Uff.

Einreiseverbot für Günther Grass lächerliche Reaktion

Als Reaktion auf das Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günther Grass verhängt Israel ein Einreiseverbot.

Ein Einreiseverbot für Günther Grass ist ja wohl das lächerlichste und dümmste und größte Kindergarten-Reaktion, die man sich vorstellen kann.

Natürlich stürzen sich alle Medien heißhungrig auf die Meldung, denn was gibt es schöneres als sich in Streit und Konflikten zu suhlen und auf Ärger mit noch mehr Ärger zu reagieren?

So gibt es nie Frieden. Schade.

Bei einem Gedicht gibt es allerdings 2 Sachen zu bedenken:

Es hätte niemand gelesen, wenn sich niemand bereit gefunden hätte es abzudrucken. Aber anscheinend nur feige Opportunisten in den Redaktionen und kein Arsch traut sich zu sagen: „Ähm, Herr Grass, das sollten wir besser nicht abdrucken.“ Kriegen die bitte dann auch Einreiseverbot?

2. Die übertriebene Reaktion auf das dumme Gedicht führt zu mehr Antisemitismus als das Gedicht selbst. Es ist ein Gedicht. Es ist kein Politikerstatement, es ist ein Gedicht.

Selbstverständlich möchte Grass damit eine Meinung ausdrücken, seine Meinung, aber wie wir alle in der Schule gelernt haben, ist das „ich“ in einem Gedicht, doch nicht unbedingt gleichzusetzen mit der realen Person des Autors.

Wo sind denn die Germanisten, die mal was zu dem schrieb sagen können? Immerhin ist es ein Gedicht und keine Bundestagsrede.

In dem Grass schrieb, dass er dem israelischen Volk sehr verbunden ist. Hm. Scheiße gelaufen.

Die langweiligsten Bücher der letzten Jahre


Platz 1: „Senk ju vor träwelling“: Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen

Ein wahnsinnig überschätztes Buch. Macht sich über die Spießigkeit der Bahn lustig und zwar so spießi und altbacken und unlustig wie die Bahn selbst. Ich hab mehrfach versucht, dem Buch eine Chance zu geben, weil ich dachte, dieser Bestseller ist wirklich das ironische satirische Sprachroher der ganzen unzufriedenen Bahnkunden und hat lustige Anekdorten und macht einen Haufen Spaß, seiner Hassliebe zur Bahn zu fröhnen. Nee, das Ding ist langweiliger als ein Kleingartenverein. Ich habe es icht durchbekommen – auch mit aller Macht nicht. Tut mir leid.

Platz 2: Frank Schätzing: Der Schwarm

800 Seiten langweilt Frank Schätzing den Leser mit „Kuckt mal, wie viel ich weiß“ und „Ich wär gerne James Cameron“ und dann enttäuscht die Lösung der Geschichte. Seht auch hier.

—

Dann lange nichts.

Weitere Vorschläge bitte in die Kommentare.

An alle, die gerne „Früher war alles besser“ sagen

Immer wenn ich jemanden höre, der sagt, dass früher alles besser war, dann denke ich daran, dass ich oft bequem in einem Café sitze, dass sich mit 300km/h von Köln nach Frankfurt bewegt, während ich meinen Freunden Briefe schreiben kann, die nicht 1 oder 2 Tage zur Zustellung brauchen, sondern sofort ankommen, dank Telefon und Internet. Und wenn ich ein Foto oder Bild mitschicken will, muss ich nicht umständlich zum Copyshop, um eine Fotokopie zu machen, sondern drücke einfach auf einen Knopf. Sogar bewegte Bilder lassen sich aus dem rasenden Café heraus verschicken und ich brauche da nicht mal eine klobige VHS-Kassette für.

Wenn ich Lust habe, kann ich in Frankfurt in eine Kutsche steigen, die nicht mal Pferde braucht, um zu fahren und was noch verwunderlicher ist, obwohl diese Kutsche schwerer ist als mehrere Blauwale zusammen, kann sie sich in die Luft erheben und innerhalb von wenigen Stunden einen in einen anderen Kontinent transportieren. Das konnten früher nicht mal Könige.

Gut, im rollenden Café schmeckt der Kaffee bäh, es wackelt manchmal ziemlich und die Internetverbindung bricht manchmal ab, aber da kann man ja dran arbeiten. Früher war das alles jedenfalls nicht möglich, also was war früher besser?

Eigentlich Nichts.

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