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Mais, Mais, Baby

Letzten Samstag hatten ein paar Kollegen und ich einen Auftritt in einem Maislabyrinth. Richtig, Maislabyrinth. Genauer gesagt, im Maislabyrinth Delingsdorf, dort wurde am Abend eine Mix-Show veranstaltet. Nicht mitten im Mais, sondern am Eingang auf dem großen Platz, mit Grill und Bier und Eintrittspreis und Bretterbühne und 2 Spinnern, die während der Show Tischtennis spielten. Ansonsten war es aber super, das Ding ist empfehlenswert!

Da es am Vortag ein heftiges Gewitter gegeben hatte und der Parkplatz voller Matsch war, fuhren wir dran vorbei und scherzten, wie viele da wohl heute stecken bleiben würden, drehten um und – blieben stecken. Also stiegen wir aus, nahmen unsere Sachen und überließen den Fahrer seinem Schicksal (gar nicht wahr).

Nein, die Bauern zogen den Wagen natürlich aus dem Schlamm. Am Maislabyrinth angekommen, trafen wir die anderen Kollegen und wir verbrachten die Zeit bis zur Show, um uns tausende Mais-Wortspiele einfallen zu lassen. Ich kriege aber nur noch ein paar zusammen:

Sandra Maisberger
Die Mais, der Sänger von Nürnberg
Mais der Eder und sein Pumuckl
Mais der P(r)opper
Mais Pace
Mais Tai

und natürlich Liedtitel:

Mais, Mais, Baby
Sexy Mais
Like Mais in the sunshine
Mais que nada
Mais Way
Mais Humps
Der Mais ist gekommen
Ein Korn im Maisfeld

Das waren bei Weitem noch nicht alle, aber wenn Euch noch welche einfallen, könnt ihr sie ja in die Kommentare posten.

Als dann noch etwas Zeit bis zur Show war, dachten wir, es wäre ne Idee, auch noch mal schnell durch das Maislabyrinth zu gehen, wenn man schon mal da ist. Als die Show losgehen sollte, warn wir dann nicht da – verlaufen. Nein quatsch, wir waren pünktlich, aber das Publikum war nicht da. Die Show sollte um 20:30 Uhr los gehen und als ich dann um 21:15 Uhr auf der Bühne stand kamen immer noch Leute an.

Nach der Show stand ich mit Kollege Chris Tall herum und unterhielt mich über Kartentricks. Da kam eine schöne Blondine auf uns zu und sagte: „Hallo, ihr seid aus Köln?“ Chris, ärgerte bestimmt, dass er nein sagen musste und ich konnte sagen „Ja, ich wohne in Köln, Chris nicht.“ Die Blondine sagte dann: „Ich bin auch eigentlich aus Köln.“, ich sagte „ja“ und die Blondine sagte nichts mehr, sondern schaute mich nur an.

Ein komischer Moment, normalerweise haben ja die Zuschauer, die nach einem Auftritt auf einen zukommen ein wenig was zu sagen. Man hätte den Moment genießen sollen und einfach souverän zurück schweigen, wäre sicherlich interessant zu sehen, wie sie reagiert hätte, doch bei Künstlern setzt da ein Automatismus ein, wir versuchen peinliche Situationen sofort zu retten, sei es auf der Bühne oder in echt. Also sagte ich ihr, dass ich vor Köln 8 Jahre in Hamburg gewohnt hätte und sie meinte, dass sie vor drei Jahren nach Hamburg gezogen sei.

Und dann schwiegen wir uns wieder ein wenig an. Dann fragte ich sie, wie ihr die Show gefallen habe und sie sagte: „Gut! Wir waren aber nur am Ende da.“ – „Oh, warum denn?“ – „Na ja, wir wollten noch was Essen gehen und mein Freund da drüben hat einen Hexenschuss und kann zur Zeit nicht so schnell“ … Chris und ich schauten uns an, mit dem Blick, den jeder Repertoire hat: „Sie hat einen Freund, Gespräch beenden“ und ich sagte zu der Dame: „Ich muss hier gerade einen Zaubertrick erklären, viel Spaß noch!“

4 Tage in Ostdeutschland

Manuel Wolff in Ostdeutschland

Letzte Woche hatte ich 4 Auftritte in Ostdeutschland: Leipzig, Magdeburg, Dresden und Erfurt im Rahmen der Comedy-Lounge Tour, die im Osten Vicki Vomit moderiert und organisiert. Zu Gast 3 Künstler: Ruhrpott-Schnauze Markus Krebs, Mentalmagier Jarod McMurran und Manuel Wolff mit Stand-Up ohne Klavier. Ach das bin ja ich. Hier der Erfahrungsbericht:

1. Abend: Leipzig:
Hier lief irgendwas mit der Werbung schief, das Lokal hatte keine Infos an die Zeitungen gegeben oder Werbung gedruckt und der Newsletter wurde vergessen zu schicken. So saßen dann 10 verrückte Zuschauer im Publikum und battelten mit uns, wer denn nun lustiger sei. Wenigstens kam einer davon danach auf mich zu und sagte mir, wie gut es ihm gefallen habe. Also dass es ihm gut gefiel.

2. Abend: Magdeburg
Hier war es schon besser, der Saal war gut gefüllt und das Publikum war anständig und brav. Sehr brav. Sehr ruhig. Also sie haben ordentlich geklatscht und gelacht, aber wir haben sie nicht mal in den Saal rein- und rausgehen gehört. Vor der Show saßen wir neben der Bühne hinter einem Paraffin, so dass wir eigentlich hören müssten, wie sie reinkommen, sich ihre Plätze suchen, vielleicht noch was zu Trinken bestellen und Gespräche führen – aber nichts. Irgendwann ging die Show Musik los, wir dachten, keiner säße da, gingen auf die Bühne und stellten fest, dass der Saal voll war.

Auch in der Pause war kaum ein Geräusch zu vernehmen und als die Ansage kam „in 3 Minuten geht die Show weiter“, da saßen alle schon still auf ihrem Platz.

3. Abend: Dresden
Da hatte ich schon ein wenig Angst, als wir vor der Location ankamen, denn vor der Tür saßen ein Haufen glatzköpfiger Motorradrocker, die bei näherem hinsehen alle eine „White power“-Faust und so ein Reichskreuz trugen. Die gehörten aber alle zu einer Kneipe im Keller, wobei es natürlich nicht beruhigend ist, über so eine Versammlung zu spielen. Es wurden auch immer mehr und aus dem Keller klangen indizierte Nazi-Lieder oder gar Neonazi-Comedy, z.B. eine Variation des Jürgen von der Lippe-Lieder „Guten Morgen, liebe Sorgen“ und die Sorgen der Nazis waren Asylanten. Mir wurde ganz mulmig, als mir gesagt wurde, dass die Toiletten im Keller seien, die teilten sich tatsächlich die beiden Kneipen.

Ich war dann allerdings doch ein wenig beruhigt, als ich sah, dass im Prospekteständer vor den Toiletten keine Wehrmacht-Magazine lagen, aber Schwulenzeitschriften und CSD-Magazine mit einem nackten schwarzen Mann vorne drauf.

Ich nahm mir vor, die Nazis in Überzahl in Ruhe zu lassen, aber nur so lange sie mich in Ruhe lassen würden.

4. Abend: Erfurt
Ausverkauft, das ist doch mal was. Erfurt ist eine sehr schöne Stadt. Von unserem Hotel aus in die Stadt kommt man an einem Haus vorbei auf dem groß „Haus des Wohnens“ geschrieben stand. Ähm – sind nicht die meisten Häuser Häuser des Wohnens? Zwei Häuser weiter war ein komplett quadratisches Haus. Seltsamerweise hieß das Haus „Kreis-Haus“. Verrückt.

Das Haus stand auf dem Karl-Marx-Platz. Aber der wird wohl bald umbenannt. In Chemnitz-Platz.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von www.rattenscharfe-photos.de

Und hier noch ein Grußvideo nach unserem letzten Auftritt:

Wen darf man foltern und wen nicht?

Nachdem dem Kindesentführer und Mörder Gäfgen vor Gericht ein Schmerzensgeld zugesprochen wurde, weil ein Polizist ihm Folter angedroht hatte, machte sich in Deutschland wieder schnell eine Lynchmob-Mentaltität breit, voller Empörung, wie so etwas sein könne, dass „so einer“ so etwas zugesprochen bekommt. Da liegt aber der fundamentale Denkfehler drin, der unseren Rechtsstaat vom Mittelalter unterscheidet: Ein Unrecht ist ein Unrecht und der Staat bemüht sich, dagegen vorzugehen, egal wem dieses Unrecht widerfährt, egal ob es ein guter Mensch, ein Arschloch oder ein Kindesmörder ist, Recht steht jedem zu. Sollte es zumindest.

Zu einem Rechtsstaat gehört auch, dass Gäfgen für seine Tat vor Gericht gekommen ist und zu einer angemessenen Strafe verurteilt wurde und nicht dem wütenden Mob zum Fraß vorgeworfen wurde. Dennoch würden viele ihm am liebsten auch die Kehle durchschneiden oder zumindest fordern, dass es auch jemand anderes tut. Allen voran die dreckige BILD-Zeitung, die von einem „Schand-Urteil“ spricht und fragt „In was für einem Land leben wir eigentlich?“

Na in einem Rechtsstaat. An den die BILD-Zeitung anscheinend nicht so richtig glaubt. Und sich anmaßt Deutschlands Richter zu sein, denn sie kennen sich mit ihre Hetze ja besser aus, als Richter. Ein Schandurteil wäre etwas ganz anderes, ein Schand-Urteil wäre, wenn Polizisten hier in Deutschland Verdächtigen Folter androhen dürften, ohne dafür Probleme zu bekommen. Da ist auch keine Ausnahme zu machen, auch keinem „dringend Tatverdächtigen“ und auch keinem bereits überführten, darf Folter angedroht werden. Punkt.

Folter ist ja wieder in. Bush und Cheney meinten mit Waterboarding einen „Kampf gegen den Terror“ führen zu müssen, TV-Serien wie „24“ lassen einen glauben, mit Folter Terrorattentate verhindern zu können, aber – wie so alles, was viele Menschen glauben, hat das mit der Wahrheit oft nur wenig zu tun.

Fakt ist: Folter ist ein reines Machtinstrument. Folter führt nicht zu Erfolg, in der Regel ist das Gegenteil der Fall und Folter ist sogar hinderlich. Folter ist kein Ermittlungswerkzeug, kein Recherche-Tool, mit Folter findet man nichts heraus, mit Folter kann man keine Verdächtigen „knacken“, Folter führt nicht dazu, dass der Gefolterte die Informationen rausrückt, Folter führt nur dazu, dass der Gefolterte das sagt, was die Folterer hören wollen. Egal ob es stimmt oder nicht.

Spanische Inquisition? Mit Folter werden Geständnisse erpresst, weil man ein Geständnis braucht, nicht weil man herausfinden will, wie es wirklich war. Folter ist und bleibt ein reines Machtinstrument und hat in einem Rechtsstaat nichts zu suchen. Und wer das nicht versteht, hat ein Rechtsstaat nicht verdient.

Und es gilt immer noch „two wrongs don’t make a right“. Es ist falsch ein Kind zu entführen und zu ermorden und „Androhung von Folter“ ist nahezu nichts im Vergleich, aber es ist nun mal nicht korrekt. Man darf doch nicht was Falsches tun, nur weil jemand anderes was unfassbar Schlimmeres getan hat. Man darf Gäfgen ja auch nicht ungestraft die Fresse polieren. Man darf eben niemand die Fresse polieren (außer der BILD-Zeitung).

Man kann ja verstehen, dass viele wütend sind, dass es so gekommen ist, dass jetzt Gäfgen anscheinend auch noch „belohnt“ wird, da so eine Tat natürlich ein Ohnmacht, eine Wut und einen Hass auslöst. Aber deswegen wurde er ja auch verurteilt. Die Wut sollte sich lieber gegen den Polizisten richten, der mit seiner Folterandrohung Gäfgen überhaupt die Möglichkeit gegeben hat, loszulegen. Evtl. hat der Vorfall im ursprünglichen Gerichtsverfahren der Verteidigung auch ein Werkzeug in die Hand gelegt, ich meine mich zu erinnern, dass das so war. Wurde der Polizist eigentlich vom Dienst suspendiert? Ich hätte nämlich Angst, in einem Land zu leben, in dem Polizisten nicht allerhöchsten moralischen Ansprüchen genügen müssen.

UPDATE: Ich habe mich gerade genauer über die juristischen Aktionen Gäfgens erkundigt und meine Meinung hat sich ein wenig geändert. Selbstverständlich hat Gäfgen das Recht alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen, jedoch ist seine herangehensweise, auch in Verbindung mit dem Buchdeal und der Stiftung sehr strange und widerwärtig. Auch wurde von Gäfgen unabhängig ein Verfahren gegen die Polizisten wegen der Foltervorwürfe eingeleitet, in dem sie schuldig gesprochen wurden. Das reicht mir eigentlich völlig, um den Glauben in den Rechtsstaat zu behalten.

Wer Hass sät, kann seinen Früchten beim Wachsen zuschauen

Facebook sagt mir, dass Amy Whinehouse gestorben ist, die Nachrichten sagen mir, dass ein Terrorist in Norwegen 90 Jugendliche umgebracht hat und eine weit verbreitete gängige Volksmeinung ist, dass Terroristen Muslime sind.

Also erstmal ja, da steckt eine kleine frustrierte Kritik an social media drin, obwohl ich eigentlich ein großer Web2.0-Fan bin. Aber das nur am Rande. Ich bin noch immer geschockt. Sprachlos, verzweifelt, mir fehlen die Worte. Was in Norwegen passiert ist kann ich immer noch nicht begreifen.

Was soll man von dieser Welt noch halten, wie kann so etwas geschehen? Ein Christ mit rechtem Gedankengut tötet viele Menschen. Genau wie damals Timothy McVeigh, der Oklahoma Bomber. Und er hat ein Manifest hinterlassen, wie der Unabomber, ja er hat sogar zu großen Teilen vom Unabomber abgeschrieben. Ein Plagiat also (Guttenberg-Witze sind jetzt nicht angebracht). Auch Henryk M. Broder wird in dem Manifest des islamfeindlichen Schützen zitiert. Bedeutet das etwas?

Ehrlich gesagt, nein. Auch wenn einige jetzt die Schuld in die Richtung von Rechtspopulisten schieben möchten und so gerne man seine Wut und seine Verzweiflung nutzen möchte, um die Schuld auf andere zu schieben, die Ausländerhass anstachelnden fremdenfeindlichen Rechtspopulisten, z.B., so gerne man die Tat auch nutzen möchte – das geht nicht.

Konservative Kräfte und alle, die noch weiter am rechten Rand stehen, haben sich schnell distanziert, sehr schnell. Obwohl das eigentlich nicht nötig sein musste. Genau so gut hätte der Täter irgendein anderes Gedankengut in sich brodeln lassen können, bevor er ausbricht.

Klar sind die verantwortlich, die gegen linke politische Einstellungen wettern, vor Überfremdung warnen und den Teufel der Islamisierung an die Wand malen. Denn wer Hass und Unverständnis sät, der bekommt es auch. Rechtspopulisten sind dafür verantwortlich. Aber nicht mehr oder weniger verantwortlich als jeder einzelne von uns. Wir tragen alle Verantwortung dafür, weniger Hass in diese Welt zu bringen. Das wird uns nie gelingen, aber wir müssen es versuchen.

Ein erster Schritt wäre mal eine andere Einstellung zur Religion. Terroristen im nahen Osten sind keine Muslime. Genau so wenig wie der norwegische Täter Christ war. Er hielt sich zwar für einen, aber dass er nicht Recht hat, ist ja wohl klar.

Am Hass müssen wir allerdings arbeiten. Als die ersten Meldungen über den Anschlag durch die Nachrichten gingen, posteten User gleich die ersten Kommentare, dass das Islamisten sein müssen, Terrorexperten vermuteten die Al-Kaida und es wurde natürlich gleich mal als erstes gemutmasst. Ein schöner Kommentar, seltsamerweise im österreichischen Standard beschreibt gut, was da los war:

„Doch was will man den Usern vorwerfen, hat doch das von den Rechten seit Jahren getrommelte Feindbild „Islam“ längst auch die meisten Medien durchdrungen.“ (unbedingte Lese-Empfehlung)

Wobei ich erst so richtig ins Stocken kam bei der Nachricht, dass von 249 Terroranschlägen in der EU im Jahre 2010, lediglich 3 von Islamisten begangen wurden.

Wir sind wirklich einäugig. Protestanten und Katholiken schlagen sich in Nordirland wieder die Köppe ein, aber nein, es sind die Muslime schuld. Merkt ihr was? Der Hass ist schuld. Sonst nichts.

Wenn dann bitte mal Sarrazin aufhören könnte, seinen Hass zu nutzen, um Bücher zu verkaufen, die dazu dienen noch mehr Hass zu bauen, wenn Henryk M. Broder aufhören könnte, einen Preis zurückzugeben, der ihm gar nicht gehört, nur weil jemand sich kritisch über Sarrazin geäußert hat, vielleicht wäre das mal eine Maßnahme.

Es wäre allerdings nur ein kleiner Schritt, es gab dieses Wochenende noch viel mehr Hass, noch mehr Attentate. Alleine in den USA gab es dieses Wochenende 9 Amokläufe, „Auseinandersetzungen“, Streitereien oder Meinungsverschiedenheiten – wie man es auch nennen mag. „Ehrenmord“ z.B. weil ein Typ seine ganze Familie umgebracht hat, ein anderer hat sein Frau in einem Nightclub mit einem anderen Mann reden sehen und auf 7 Leute geschossen, 3 Leute starben bei einer Schießerei auf einem Bikerfest und mehrere Jugendliche wurden auf Geburtstagsfeiern umgebracht. Aber es sind ja die Muslime.

Dürfen Frauen in Saudi-Arabien Panzer fahren?

Unsere Bundesregierung erlaubt also den Verkauf von 200 Panzern an Saudi-Arabien. Ich sitze hier ohnmächtig und versuche es zu verstehen. Ich bin nur ein einfacher Comedian, der sich die Welt anschaut und was zusammenreimt, aber manchmal blicke ich die angesammelte Unmenschlichkeit nicht. Natürlich ist klar, dass die Opposition alles versucht, um den Verkauf schlecht aussehen zu lassen und der Regierung vorwürfe zu machen, immerhin ist das ihr Job. Und Recht haben sie auch! Aber die Frage ist, würde es die Opposition anders machen, wenn sie an der Regierung wäre?

[random]

Ich glaube kaum. Der Grund ist, dass Wirtschaftsinteressen über allem stehen. Auch über Menschenrechten und Weltfrieden. Für Unrechtsregimes ist es auch überhaupt kein Problem, Waffen zu kaufen, wenn Deutschland nein sagt, sagt ein anderes Land eben ja. Die USA zum Beispiel, die sind ja einer der besten Verbündeten von Saudi-Arabien, was komisch ist, denn die USA sind auch einer der besten Verbündeten von Israel und Saudi-Arabien würde gerne Israel auslöschen. Das macht so viel Spaß, wie damals, als die Vietcong mit amerikanischen Waffen ausgerüstet wurden, weil sie gegen Frankreich kämpften, bis sie dann gegen die USA selbst kämpften. Oder die Mudschaheddin, als sie noch gegen die Russen waren, bekamen US-Waffen und Rambo, damit dann später der Kampf in Afghanistan etwas spannender ist. Macht ja auch mehr Spaß, gegen die eigenen Waffen zu kämpfen. Tote sind halt gut für die Wirtschaft.

Wenn da ein einzelnes Land sagt „Nee, da mache ich nicht mit“, hat das nicht zur Folge, dass Unrechtsregimes keine Waffen mehr bekommen, sondern nur zur Folge, dass das Land etwas weniger Geld bekommt, aber sich moralisch auf die Schulter klopfen kann. Da kann ein Einzelner kaum was ändern, aber wir sind da alle mit dran schuld. Auf die Regierung schimpfen, dass sie so etwas macht, bringt auch wenig, die sind ja gewählt. Weil den Wählern selbst das eigene Wohlergehen wichtiger ist, als ein paar mehr oder weniger tote für Demokratie kämpfende Demonstranten. Eine Partei, die für Atomkraftverlängerung ist, so lange, bis etwas passiert und schreckliche Bilder im TV plötzlich alle zu Atomkraftgegnern werden lassen und sich dann erst danach richtet verliert nicht komplett alle Wählerstimmen? Dann ist das Volk selbst dran schuld – sie bekommen die Regierung, die sie verdienen.

Was aber Saudi-Arabien angeht, da ist einiges im Argen. Es ist ja nicht nur so, dass dort Frauen kein Auto fahren dürfen, nein, es ist auch so, dass auch daran Deutschland gut verdient. Denn alle Saudi-Arabischen Nummernschilder werden in Deutschland hergestellt von der Utsch-AG. Die sind bestimmt mächtig stolz. Auf Homosexualität steht in Saud-Arabien Todesstrafe, wenn auch die letzten, die bestraft wurden, sich mit 7000 Peitschenhieben zufrieden geben mussten. Und wenn es nur 1 Peitschenhieb wäre, mit so einem Land macht man keine Geschäfte (wobei man dazusagen muss, dass ich mir sicher bin, dass es auch genügend Deutsche gibt, die gerne Homosexualität mit Peitschenhieben bestrafen würden, oder überführten Dieben die Hand abhacken wollen). In Saudi-Arabien gibt es auch keine Kinos, keine Bars, keine Nachtclubs. Nur halt Waffenhandel. Dabei ist die Frage, ob man mit Waffenexport oder Getränke-Export mehr verdienen kann. Wenn der Saudi-arabische Markt erst mal für Jägermeister offen ist, brauchen wir vielleicht gar keine 200 Panzer mehr verkaufen.

Die Kritik am Panzerverkauf an Saudi-Arabien ist hauptsächlich, dass sie die Panzer auch gegen ihr eigenes Volk verwenden würden, die ja gerade auch ein wenig Aufstand üben. Ist das nicht vollkommen egal, ob sie die Panzer gegen ihr eigenes Volk oder eine anderes Verwenden? Volk ist Volk, das Problem bei Kriegsmaschinerie ist, dass sie verwendet wird, egal gegen wen. Aber bringt halt viel Geld, so ein paar Panzer zu verkaufen. Die undemokratischsten Länder sind eh die wichtigsten Wirtschaftskunden, man denke an China. 1989 hat die ganze Welt protestiert, weil China tausende Leute abgeknallt hat, die für Demokratie auf dem Platz des himmlischen Friedens demonstriert haben, 22 Jahre später sind die Chinesen aller Welt bester Kunde, kriegen die Olympischen Spiele und können es sich erlauben, von den USA und Deutschland auf Staatsempfänge eingeladen zu werden und „Halt’s Maul“ zu sagen, wenn Menschenrechte angesprochen werden. Weil uns allen Menschenrechte gar nicht so wichtig sind, wenn es nicht um uns selbst, sondern andere Menschen geht. Das ist zum Kotzen. Die Politiker handeln auch nur im Interesse der Wirtschaft und man darf aber nicht behaupten, sie würden nicht im Interesse der Wähler handeln, denn letzten Endes haben die Wähler es in der Hand. Sie machen nur nichts.

Es braucht halt mehr Menschen mit Eiern, wie diesen hier:

Tiernamen mit S – das Ende von 9live

Das Ende von 9live

Der Stirnlappenbasilisk ist ein sehr gefährliches Tier, er ist das Tier, das letztendlich einen ganzen Fernsehsender ausgerottet hat: 9live schaltete sich gestern um Mitternacht ab. Ich habe mir die letzten Minuten des beliebten Senders angeschaut, wo die Moderatoren und die Mitarbeiter hinter den Kameras alle die Chance bekamen, sich noch einmal zu bedanken, was für eine tolle Zeit das war. Bitte? Die haben echt alle geglaubt, dass sie einen anständigen Job haben und etwas Gutes für die Welt tun?

[random]

Das war eine Lektion in desillusioniertem Größenwahn. Da ist ja Gaddafi mehr auf dem Boden geblieben. Andere bezeichnen den Sender als „Verbrecherkanal“ und die Leute, die da arbeiteten als „kleinschwänzige Nullen“ (Tiername mit K), aber so weit wollen wir nicht gehen, die haben nur an ihre Sache geglaubt, so wie Sektenmitglieder eben auch groben Unfug glauben, so wie manche eben Terror und Unglück über die Welt bringen, aber nun mal denken, dass sie das Richtige tun. Das kann man Ihnen doch nicht vorwerfen.

Die letzten Minuten des Senders zeige ich gleich, das war eine Inszenierung, bei der mir das Blut in den Adern gefror und der Atem stockte, sie versuchten emotional zu sein, witzig, revolutionär, ach weiß ich, zunächst einmal suchen wir Tiernamen mit S.

Denn gestern nacht habe ich nämlich geträumt in einer Quizshow 50.000 Euro zu gewinnen und das lag ja nur daran, dass mich die Maischberger mit ihrer Kachelmann-Sache so gelangweilt hat, dass ich mir lieber das Schauspiel auf 9.live ansah.

Als ich das auf Facebook postete sprangen natürlich gleich Freunde ein, um mir mit Tiernamen auszuhelfen („Gib mir Tiernamen!“):

Jens schlug den Serengetibabyelefanten vor, aber das fand ich zu naheliegend, da kommt man doch drauf. In dem Umschlag war natürlich der Schwarzwaldbabyelephant. Wobei ich nicht weiß, ob es gegolten hätte, wenn man ph statt f geschrieben hätte.

Schwule Ente war noch so eine Idee von mir, aber Jens toppte es mit Suborbitaleshängebauchschwein.

Michael schaltete sich ein und gab Sulawesi-Garnele zum Besten. Saubär, wie Oliver meinte. Das wollte Jens nicht auf sich sitzen lassen und konterte mit „Sanguin-Suizidaler-Schreihai“. Jetzt legte Michael los: „selten dummes Schwein“, „Singender Wolff“ (haha) und … Trommelwirbel … „Scheibenbremse“.

Petra schlug noch die „singende schleimige saulangsame Schnapsdrossel“ vor, als der Herr Lehrer sich einschaltete. Daniel meinte, damals beim legendären Quiz seien Stirnlappenbasilisk und Saigauantilope nicht zulässig gewesen eigentlich.

Nun aber, die absurdesten Minuten, die je im deutschen Fernsehen liefen:

Der schlimmste Auftritt meiner Karriere

Am Wochenende hatte ich den schlimmsten Auftritt meiner bisherigen Karriere. Ein Freund von mir veranstaltete seit Jahren eine Mix-Show in einer Kneipe in Ehrenfeld. Am Samstag fand sie zum allerletzten Mal statt. Daher lud er sich Freunde ein, die dort in der Vergangenheit aufgetreten sind und auch mich, obwohl ich vorher dort noch nie aufgetreten war. Es war ein Fehler, da vorbei zu schauen.

Doch zunächst machte ich mich auf den Weg, um 21 Uhr sollte es losgehen, also fuhr ich so gegen acht mit der Bahn. Am Friesenplatz musste ich umsteigen und hatte etwas Wartezeit, also betrachtete ich an der riesigen Videotafel die Nachrichten. Ich erfuhr, dass die neue konservative Regierung in den Niederlanden den Drogentourismus einschränken wolle und daher es in den Coffeeshops ab Herbst verboten ist, Ausländer zu bedienen.

Das muss man erst mal verkraften. Aber im Ernst, wie will man sehen, ob jemand Ausländer ist … wenn man bekifft ist?

Später erfuhr ich dann noch, dass es im Juli in der Philharmonie ein tolles klassisches Konzert gibt, mit den renommierten Opernsängern Anna Netrebko und … Erwin Schrott. Puh, was für ein Name. Da sollte man sich doch mal lieber einen Künstlernamen überlegen, wer will schon Netrebko heißen?

Nein, natürlich ist „Erwin Schrott“ der bescheuert Name. Was müssen das für grausame Eltern gewesen sein, um sich bei dem Nachnamen dann auch noch zu denken, es wäre eine gute Idee, ihr Kind „Erwin“ zu nennen?

Egal, Punkt 21 Uhr, war ich beim Auftritt, schaute mir die Reihenfolge der Auftretenden an, ich käme als Siebter von 12, jeder hätte 10 Minuten. Na, das würde eine lange Show werden. Gegen 22 Uhr ging es dann auch endlich los und der Moderator kündigte an, dass es auch keine Pause geben würde. Mittlerweile war die Luft schon ziemlich verraucht und genügend Bier wurde auch schon verteilt. Und der Scheinwerfer auf der Bühne ging nicht. Na ja, egal. Ich fing an, selbst Bier hinunter zu kippen, das würde schon irgendwie gehen.

Als erstes wurde eine Geschichtenschreiberin auf die Bühne gerufen, da war das Publikum noch aufmerksam. Dann kam eine junge Liedermacherin, die sich „Kikeriki“ oder „kirre kirre“ oder so ähnlich nannte, allerdings war bereits das erste Lied so schön und für mich traurig, dass ich bereits mit den Tränen kämpfte und jegliche Lust auf Comedy selbst bei mir flöten ging.

Später kam allerdings ein Poetry Slammer, den ich zum Kotzen fand. Ein arroganter Typ, der einen Poetry Slam in Bonn veranstaltet und sich deswegen für den King hielt? Und der las tatsächlich einen Text vor, in dem er über einen anderen Poetry Slammer herzog. Ein Kollegenschwein also. So etwas wollten die also hören? Wahrscheinlich wäre mein Auftritt besser angekommen, wenn ich auf der Bühne wie ein Hahn herumstolziert wäre und nur gebrüllt hätte „Mario Barth ist scheiße! Mario Barth ist scheiße!“ – aber ich greife vorweg.

Zuerst noch zu dem eingebildeten Ex-Hauptstädtler: Was ihn anscheinend aufregte, war ein so genannter Freestyler, der sich bei seinem Slam aus dem Publikum 3 Begriffe geben liess und dann spontan los redete. Und dann wohl auch noch gut ankam. Das fand der doof. Und zwar so doof, dass er darüber einen Poetry Slam Text dichten musste. In dem er ihm mangelnde Deutsch-Kenntnisse vorwarf. Der Typ sei scheiße, weil er kein ordentliches deutsch kann. Gut, so gossensprachenartig hat er es nicht gesagt, sondern mit komplizierteren Worten und Satzkonstrukten, um heraushängen zu lassen, dass er Germanistikstudent ist oder war. Ohne das zu sagen. Und er hat tatsächlich dem Freestyler erzählt, dass das Frauen beeindrucken würde und man die mit Gerundium herumkriegen könne.

So ein Blödsinn, mit seiner Nazi-Gedenkfrisur hätte der Poetry-Slammer nirgendwo landen können. Und germanistische Besserwisserei kommt genauso wenig an, wie bei Frauen damit zu prahlen, dass man das Periodensystem der Elemente auswendig aufsagen kann.

Apropos Nazis, er regte sich nämlich noch darüber auf, dass der Freestyler sagte, dass er gegen Nazis sei und das Blödsinn sei, denn alle auf dem Poetry Slam Event seien ja gegen Nazis, das sei nicht mutig, es dort zu sagen, sondern er solle doch mal in ein Ostdeutsches Fußballstadion gehen und da sagen, wie doof Nazis seien, das sei mutig.

Nun ja. Mal ganz ehrlich. Auf einer Poetry Slam Bühne, obwohl alle gegen Nazis sind, gegen Nazis Position zu beziehen ist immerhin mutiger, als es nicht zu tun. Und von anderen verlangen an anderen Orten gegen Nazis sich öffentlich zu äußern, ist kleinschwanzig, wenn man es selbst nicht tut und sich nicht mal traut unter Freunden gegen Nazis Stellung zu beziehen, sondern sich lieber über die mokiert, die es tun.

Und dabei noch dumme Stereotypisierungen, nahezu rassistische Vorurteile über Ostdeutsche ablässt aus einer überlegenen Westdeutscher Germanistikstudent – Haltung heraus. Dann soll er doch mal sein Lästereien in Ostdeutschland bringen, der Vollhonk.

Dem Publikum schien das aber nichts auszumachen, sondern sie stimmten ihm – wenn auch nicht frenetisch – aber ohne Protest zu. Na toll.

Langsam wurde ich müde und endlich trat der 6. Künstler auf, nach dem ich dann dran käme. Währenddessen wurde ich aber von einem anderen Poetry Slammer aufgeklärt, dass er sich nach vorne geschoben hätte, weil jemand anderes nicht da sei und ich daher zwei weiter nach hinten geschoben würde. Die Logik kapier ich nicht. Wenn jemand anderes nicht da ist, warum komme ich dann nicht Führer? Äh, früher, sorry, hatte noch den germanischen Wortakrobaten im Kopf.

Und wenn sich einer reinschiebt, warum rutsche ich dann 2 nach hinten?

Aber endlich, als Neunter kam ich dran. Es war mittlerweile halb Zwölf, 2 Stunden Programm schon durch, keine Pause, keine Sitzplätze. Trotzdem dachte ich, dass nach traurigen Liedermachern und pseudointellektuellen Liedermachern die Leute jetzt bereit wären für etwas Comedy ohne Hintergedanken.

Weit gefehlt. Ich bin also auf die Bühne gegangen, schon leicht angetrunken und fertig aufgrund der langen Wartezeit und frage, als Einleitung zu meiner Reisemuschi-Geschichte, ob alle ihr Handy ausgestellt haben? Ist ja auch eine Selbstverständlichkeit eigentlich, dass man sein Klingeling ausmacht, wenn man da ist, um Leute auf der Bühne anzuschauen.

„Nein!“ ruft mir einer entgegen. „Das ist aber wichtig.“ belehre ich ihn und er sagt „Nö, mach ich nicht!“ Ich: „Doch, das ist aber wichtig. Wenn man bei einer Show sein Handy aber nicht ausschaltet, ist man nämlich ein Arschloch!“ Ab da ging es bergab. Denn seltsamerweise war wohl der Rest des Publikums der gleichen Meinung wie das Arschloch.

Ich erzählte meine Reisemuschi-Geschichte zu vereinzelten Lachern. Die anderen waren nicht unaufmerksam oder laut, sondern starrten mich einfach nur an. Keinerlei Reaktion. Wie in diesen komischen Filmen mit den von Aliens besessenen Kindern. Ich weiß nicht, ob die einfach müde waren, oder extremst unhöflich, aber so etwas hatte ich noch nie erlebt.

Ich packte eine meiner sichersten Nummern aus „o2 sagt Danke“, die ging noch nie schief und ist eigentlich ein sicheres Brett. Ich fragte „Ist jemand von Euch bei o2?“ – keine Reaktion. Na ja, egal ich machte einfach die Nummer. Beim Höhepunkt „Ich möchte mit diesem Schreiben meine ausstehenden Mobilfunkrechnungen begleichen, daher habe ich ein Foto von Geldscheinen beigefügt“ – nichts. Kein Lacher. Normalerweise klatschen da die Leute. Aber ich hörte Tumbleweeds vorbei rauschen.

Dann hab ich abgebrochen und gesagt „Nee, das hat ja keinen Sinn, ich breche das hier mal ab“ und bin einfach von der Bühne gegangen. Auf dem „Walk of Shame“ durch die Zuschauer zurück zur Garderobe haben die Leute mich weiterhin nur angestarrt. Nur einer hat gesagt „Ey, ich wollte noch hören, wie die Geschichte weitergeht.“ – aber das meinte er als Witz.

Ach so, solche Witze wollten die also. Pseudointellektuelles Proletenpack. Dem Moderator sagte ich dann noch, dass ich es hier nicht mehr aushalte und jetzt gehen würde, bevor ich einem in die Fresse schlage und auf die Gage – also das durch 12 geteilte eingesammelte Hutgeld – gerne verzichten könne. Mit den 5 Euro können die dann ja mein Bier bezahlen, das ich nicht bezahlt hab.

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