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Flashmobs waren mal gut

 

Flashmobs nerven nur noch. Das war nicht immer so, Flashmobs waren mal toll. Ein leicht subversive Art in den öffentlichen Raum Überraschungen zu bringen und so alle mal zu unterhalten, zum Lachen zu bringen oder zum Nachdenken anregen.

Mittlerweile gilt aber als Flashmob, wenn sich ein paar picklige Teeanger treffen, um unangekündigt in der Fußgängerzone eine unbeholfene Choreographie zur Musik ihres Idols, eines noch nicht lange toten Popstars, zu tanzen, der seinen letzten großen Hit hatte, als diese Teenager noch gar nicht auf der Welt waren. Dann dauert es wohl noch etwas, bis zum ersten Amy Winehouse Flashmob. Der letzte Flashmob, den ich in Köln mitbekommen habe, waren Fans des dicklichen DSDS-Zweiplatzierten, der gerne Michael Jackson tanzte, und dessen Namen niemand mehr weiß, da es nicht die letzte Staffel, sondern die vorletzte war. Wahrscheinlich Kevin irgendwas, jedenfalls hatte er Probleme mit der Justiz oder war ein Krimineller oder irgendwas und die Fans protestierten mit dem Flashmob gegen die unfaire Behandlung. Oder dafür, dass man Anrufen solle, damit er gewinnt. Irgendwas derartiges.

Natürlich war die Presse auch da, schließlich wurde der Flashmob vorher öffentlichkeitswirksam angekündigt – ähm … das widerspricht doch vollkommen der Grundidee dessen, was ein Flashmob überhaupt ist.

Ich gebe der Telekom schuld, die mit ihrer – zwar sehr guten – Werbung in Großbritannien, dem Tanz im Bahnhof, der Karaoke-Party am Trafalgar Square, und und und, den Flashmob in den Mainstream brachte. Ein Ausverkauf.

Am schlimmsten war der Ausverkauf, als die Band, die den Weltrekord darin hält, in kürzester Zeit sich von einer verdammt guten Band in den größtmöglichen Kommerz-Scheißdreck zu wandeln, bei der konsumgeilsten Frau der kompletten Fernsehwelt, nur zu ihrer persönlichen Überraschung einen Flashmob mit dem kompletten Publikum organisierte. Die Band waren natürlich die Black Eyed Peas, die Frau war Oprah Winfrey und das Publikum natürlich picklige Teenager, durchsetzt mit dicken Amerikanern.

Aber damit hört es ja nicht auf. Der letztendliche Mörder der Flashmob-Idee wird Detlef D! Soost sein. Der harte Hund, der sich traut kleine picklige Teenagermädchen anzuschreien und es dann trotzdem schafft ihnen beizubringen wie Michael Jackson, oder zumindest wie DJ Bobo zu tanzen, wird eine neue Show im deutschen Fernsehen präsentieren. Na ja, „neu“ ist sie natürlich nicht, sondern eine Kopie eine US-Originals, als ob es neue Ideen im deutschen Fernsehen gibt, es gibt nur Kopien im deutsche Fernsehen, immer schon schlechter, als das eh schon schlechte Original. Und Wetten Dass.

Aber jetzt zur Show, sie heißt im Original „mobbed“ und in ihr werden ahnungslose Mitmenschen gemobbt (wie schreibt man das denn auf deutsch?). Also von einem aufwendigen Flashmob überrascht. Und sollen sich dann, spätestes wenn auch noch Detlef auftaucht freuen. Na, das wird ja was.