Ich bin in der Lage die Mülltüte weit aufzuhalten, und die Pistazienschalen dennoch weit daneben zu schütten.
Ich bin in der Lage die Mülltüte weit aufzuhalten, und die Pistazienschalen dennoch weit daneben zu schütten.
Nach meinem Auftritt vorgestern, habe ich mich noch kurz mit der Ex-Freundin eins befreundeten Künstlers unterhalten. Sie meinte zu mir „Du bist der beste Klavierspieler, den es bei Comedy gibt! So ein Kompliment bekommt man ja nicht alle Tage und ich wollte auch was nettes sagen, und sagte:
„Du bist die beste Ex-Freundin von *******“
Habe dann aber gemerkt, dass das nicht so gut war. Also versuchte ich schadensbegrenzung.
„Er hatte ja nur eine.“
Dann habe ich gemerkt, dass das noch schlimmer ist, also versuchte ich zu korrigieren:
„Nein, nein, stimmt nicht! Er hatte ganz viele, Dutzende!“
Daswar natürlich noch schlimmer, als gab ich auf.
Auf dem Waldorfschulhof mir gegenüber war wieder große Pause. Eines der Kinder dort heißt wohl, wie ich, Manuel. Denn ein Sprechchor wehte zu mir in meine Wohnung:
„Manuel ist ein Arschloch, Manuel ist ein Arschloch!“
Nun sind sie also weg, meine beiden Pilger. Gestern verließen sie mich in Richtung Marienfeld. Haben noch nicht mal den Müll mit raus genommen, aber dafür mir gemahlenen Grünkern geschenkt und eine Flasche fränkischen Rotwein. Das sollen Symbole sein, glaube ich.
Von Gestern auf Heute haben 350,000 junge gesunde heterosexuelle Männer und 350,000 junge gesunde heterosexuelle Frauen aus aller Welt unter freiem Himmel gemeinsam die Nacht verbracht. Die katholische Kirche mag keine Kondome und es war sehr kalt. Dennoch gab es keine Anzeichen von Geschlechtsverkehr. Ach was, bei soviel jugendlicher Energie müssen da doch in 9 Monaten ein paar neue Jünger das Licht der Welt erblicken. Abtreibung ist ja nicht. Nur müssen die Täter dann leider heiraten, egal was ist. Am besten rückwirkend.
Die katholische Kirche ist am Ende. Heute hat der Papst mich besucht. Das Presseecho wird eine Revolution in der Kirche auslösen. Nennt mich den neuen Luther.
Aber von Anfang an. Gestern Nacht machte ich mich noch darüber lustig, wie meine katholischen Schäfchen schnarchen. Ratzen. Ratzi. Haha.
Heute Morgen klingelte es an der Tür und der Papst stand da. Ich noch in Shorts und T-Shirt. Er wollte mal sehen wie der Geist der Verständigung und des Glaubens durch die ganzen netten Menschen fließt, die die Pilger in einem Akt der Nächstenlieber aufgenommen haben und hätte zufällig meine Wohnung ausgewählt um direkt einen persönlichen Kontakt herzustellen. Eine schlechte Wahl, das muss ich schon sagen.
Umringt von 20 Fernsehkameras in meinem Hausflur, sagte ich:
„Das ist ja schön, dass sie endlich vorbeikommen. Ihnen wollte ich schon lange mal etwas sagen. Was bildet sich Ihre Religion eigentlich ein? Was soll der ganze dumme Unfug, den Sie verbreiten? Was soll ihre fragwürdige Einstellung zu Sex und Verhütung? Sind die Millionen AIDS-Tote immer noch nicht genug für Sie? Was ist mit ihrem mittelalterlichen Frauenbild? Ihre schlecht versteckte Misogynie unter Zitaten wie „Die Emanzipation der Frau ist ihre wahre Knechtung“? Wieso glauben Sie, sich als Mann ein Urteil über Abtreibung erlauben zu können? Wieso kreieren Sie mehr Elend als Sie bekämpfen? Wieso verbieten Sie Schwulen ihre Sexualität? Wieso sammeln Sie Reichtümer in Rom an anstatt sie an die armen zu verteilen? Was soll dieses hierarchische Gerüst unter dem Deckmantel eine Religion? Was soll diese falsche Heiligenverehrung? Sie wissen ganz genau, dass nirgendwo von 3 heiligen Königen die Rede war, und das was Sie im Dom besucht haben nicht die Gebeine der heiligen drei Könige waren. Was mit der Aufhebung der Gleichheit und der Emporhebung einzelner Menschen? Was maßen Sie sich an?“
Der Papst fing an zu zittern. Als ich fertig war, kam nur ein leises „es tut mir leid.“ Über sein Lippen. Heute Abend in allen Nachrichtensendungen zu sehen. Dann stieg er in den Aufzug, da wurden ihm seine Niederlage und die Konsequenzen bewusst und die Zornesröte stieg ihm ins Gesicht: „Du sollst ewig in der Hölle schmoren!“ sagte er, und fuhr hinab. Mit dem Aufzug.
Na kuck, 12 Uhr, Flughafen Köln-Bonn. Der Papst ist da. Die Frisur hält. Der Rest nicht.
Und da das ja ein aufregender Tag wohl war, habe ich mich bei koeln.de erkundigt, wie es weitergeht:
“ Der Katamaran mit dem Papst wird begleitet von 5 weiteren Booten, die Pilger von fünf Kontinenten tragen.“
Da herrscht also noch strikte Kontinententrennung. Ich kann mir den TV-Kommentar schon vorstellen: „Und hier kommt das Schiff mit den Afrikanern vorbei.“ Mir ist sowieso aufgefallen, dass hier immer groß von jungen Menschen aus aller Welt und Völkerverständigung geredet wird, aber ich habe den Eindruck, hier laufen zwar Grüppchen von Jugendlichen durch die Gegend, aber alle tragen ihre Nationalfahne mit sich herum und bleiben unter sich. Das ist wie bei einem Fußballspiel, wenn da Hooligans aus Spanien und England aufeinander treffen, spricht man ja auch nicht von Völkerverständigung.
Dabei heißt es doch, die Kirche baut Brücken. Diese wurden allerdings gesperrt:
„Die nachfolgend genannten Brücken über den Rhein können heute nur bis spätestens 14 Uhr zu Fuß oder per Rad überquert werden: Zoobrücke, Hohenzollernbrücke, Deutzer Brücke, Severinsbrücke, Südbrücke: ganztägig für Fußgänger und Radfahrer gesperrt, Rodenkirchener Autobahnbrücke.“ (koeln.de)
Für die Nicht-Kölner: das sind alle Brücken. Komplett.
Auch eine schöne Formulierung vom Spiegel:
“ Um 12 Uhr mittags schwebt der Papst auf dem Flughafen in Köln-Bonn ein.“
Und weiter geht’s:
„An der Gangway wurde Benedikt XVI. von Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) empfangen. Auch die Ehefrauen von Köhler und Schröder, Eva Köhler und Doris Schröder-Köpf, waren bei der Begrüßung dabei.“ Die Ehefrau des Papstes blieb allerdings zu Hause. Um sauber zu machen und in der Küche zu arbeiten.
Da hatte ich dann genug gelesen und wollte mir dank des strahlenden Sonnenscheins den Trubel unbedingt mal ansehen und entschloss, die Severinstraße bis hoch zum Dom zu latschen, nicht um den Papst zu sehen, sondern um die Menschen zu sehen, die den Papst sehen wollen. Ich persönlich weiß ja gar nicht, was der ganze Trubel soll, diese Menschenansammlung, diese Begeisterung, nur um einen alten Arsch in einem Auto vorbeifahren zu sehen. Das kann ich auch so haben, ich muss mich nur mal an eine Fußgängerampel stellen, da fahren dann meist mehrere alte Ärsche vorbei. Ein tolles Erlebnis.
Das erste, was ich in der Severinstraße sah, war eine Metzgerei, die mit der Weltjugendtagswurst warb. Und überall Polizeiautos, Krankenwagen und Sirenen. Und man hörte, dass die Blaulichter in einer Melodie herum sirenen: „Ihr Kinderlein kommet…“ hört man wenn man gläubig ist. Gutgläubig.
Mensch, und dann in der Innenstadt hunderttausende junge Menschen. Echt zu doof, dass die alle „sexy“ nicht in ihrem Sprachgebrauch haben. Obwohl, eine hübsche, knackige Katholikin hab ich dann doch gesehen. Aber die hatte ihren Freund dabei, what the fuck? Blöde Katholiken, das.
Wie angekündigt, wollte ich ja alle, die ich mit diesen schrecklichen „BILD, Wir sind Papst!“-Ansteckern sehe, mit einer Wasserpistole erschießen. Ich hatte leider keine dabei. Darum habe ich sie halt bespuckt. Haben es verdient. Von Abfalleimern haben die Katholiken auch noch nichts gehört, die haben ihren ganzen Müll einfach in die Fußgängerzone geschmissen. Und an der nächsten Ampel fuchtelt mir so ein Christ mit seiner Deutschlandfahne vor der Nase herum. Da hab ich dann mit meinem Feuerzeug rumgefuchtelt. Mein Feuerzeug hab ich noch, er hat aber keine Fahne mehr.
Alle Läden in der Innenstadt waren voll mit glücklichen Konsum-Katholiken, nur ein Schuhladen nicht, da lief nämlich durchweg Madonnas „Like A Prayer“ und die Schuhverkäufer lachten und tanzten sich eins ab. Mein neuer Lieblingsladen.
Nachdem ich dann an einem Aufruf „völliger Embryonen Schutz ist Gott lieben“ aufgefallen ist, und ich über die verquere Bedeutung des Satzes lieber nicht nachdenken möchte, denn welche Embryonen hat Maria denn jetzt geschützt, fiel mir eine Werbung vom Kölner Express auf. „Heute mit Papst-Poster“. Kurz darauf fiel mir eine Werbung der BILD auf: „Nur in BILD: das Papst-Poster!“ Ich glaube, ich weiß, wer die höhere Auflage hat, die Lügner, die.
Vom Schiff aus hielt der Papst eine Rede. „Hallo, Jugendliche.“ Besser geht es nicht. Mehr Humor kann man in zwei Wörter doch gar nicht packen. Später am Dom, wollte Kardinal Meisner ein paar Begrüßungsworte sprechen, bevor der Papst selbst redet. Aber die italienischen Jugendlichen waren nicht still mit ihren „Benedetto, Benedetto“-Rufen. Abgesehen davon, dass ich gerne wissen würde, was die italienischen Kindern in die Schulmilch geben, sagte dann kardinal Meisner live auf allen Kanälen zu sehen:
„So. Eins Benedetto, zwei Benedetto, drei, fini!“
und kurz darauf:
„Nochmal. Eins, zwei, drei, fini!“
Au weia. Wie ein schlechter Lehrer versucht er die Autorität über die versammelte Weltjugend zu bekommen. Natürlich klappt das nicht. Und ich sage zu einer Freundin noch, „stell Dir vor der Papst hätte vor der versammelten Welt „Eins, zwei, drei, jetzt rede ich“gesagt, und sie beruhigt mich noch, und sagt mir, dass der das nicht machen würde, denn im Gegenzug zu Meisner sei der ja clever, da ergreift Ratzinger das Mikrofon und sagt tatsächlich:
„Ich mach’s wie der Kardinal, 1, 2, 3“
Da fällt einem auch nichts mehr ein. Später spricht er noch in längen über die unglaubliche Intelligenz der Kölner. Das kann doch nur als Scherz gemeint sein, aber ein zynischer Papst, gibt es so was? Aber man stelle sich vor, die zeigen das auf CNN:
„Dear youth of the world! One, two, three!“
Da hätte dann wenigstens ein Zaubertrick folgen müssen, Hex Hex! Oder ein Wunder, Hallelujah. Aber echt, der Meisner hat 500 Jahre Zeit gehabt, um sich auf so etwas vorzubereiten, und das einzige, was ihm einfällt ist 1, 2, 3. Unglaublich. Später, nachdem der Papst in dem Dom rein ging, wieder raus ging, wieder rein ging und wieder raus ging fuhr er mit dem Papamobil durch die Stadt. Und ich habe dabei Jugendliche „Viva Colonia“ singen hören. Was zuviel ist, ist zuviel.
Sex mit Robotern ist ja schon unvorstellbar. Aber dass es das auch noch kostenlos gibt, ist ja der Hammer!

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