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Ich will wie Nonnen behandelt werden

Warum behandeln alle Nonnen so freundlich und zuvorkommend? Was haben Nonnen, was andere nicht haben? Nonnen sind doch auch Menschen, wie Du und ich, die einfach ein wenig auf die schiefe Bahn geraten sind. Ich finde es ja gut nett und freundlich zu sein, aber bitte nicht ausschließlich zu Nonnen. Was ist das, Mitleid? Weil sie keinen Sex haben? Und warum ist dann niemand zu mir freundlich und zuvorkommend?

Endlich zu Hause

So, die erste Nacht zu Hause hab ich gut erbracht. Ich war ja 3 Monate weg, meine Zwischenmieterin hat allerdings auch schon vor einem Monat die Bude verlassen. Zum Glück war noch ne Flasche Cola und Toilettenpapier da. Was sollte man auch machen, wenn man spät nachts von einer 3-moantigen Reise zurückkommt und lebenswichtige Dinge fehlen würden?

Heute Morgen machte ich mich dann auf den Weg in meinen Stammsupermarkt, den Plus um die Ecke, um schnell Espresso zu kaufen, den ich nun versuche. Er schmeckt irgendwie komisch. Liegt das an meiner Erkältung, dem alten Zucker, oder bin ich es einfach nicht mehr gewohnt, weil der AIDA-Kaffee meine ganzen Geschmacksknospen zerstört hat?

Nach zweieinhalb Jahren, die ich schon neben meinem Stammsupermarkt wohne, kenne ich die Regale eigentlich in und auswendig und würde mit geschlossenen Augen sicher durch die Gänge gehen und blind die Packungen greifen, wenn nicht … oh Schreck, während ich weg war, wurden alle Regale komplett umgestellt! Nichts ist mehr da, wo es früher mal war! Das ist grausam für den Verstand! Weidler meint: „Umsortierung im Stammsupermarkt raubt einem ein Stück Heimat.“

Auf dem Weg zurück in die Wohnung schaute ich noch kurz warum an meinem Briefkasten das Schild herausgedrückt wurde: Er quoll über. Aber warum? Ich hatte doch eine Weiterleitung eingerichtet. Trotzdem waren da viele Briefe drin, Werbung wie Sau und sogar zweimal der Kölner Stadtanzeiger – den habe ich doch gar nicht abonniert. Außerdem waren um das Schild herum mit Permanent-Marker kleine große „A“ gemalt. Anarchie? Antichrist? Arschloch? Was soll es bedeuten? Oder war der Nachname meiner Zwischenmieterin einfach „A“?

Ging schnell

Ich bin wieder zurück in Deutschland. Der schwarzbraune Heino wirbt, von Bild unterstützt, in Fernsehspots für sein neues Album „Deutschland, meine Heimat“ mit riesiger Deutschlandflagge auf dem Cover. Großpopulist Gerhard Schröder veröffentlicht seine Memoiren und wirbt auch für Bild, ein Schulterschluß wie wenn Kohl auf einmal für den Spiegel werben würde. Der Lidl-Chef ist Burschenschaftler, die NPD sitzt im Landtag und deutsche Soldaten schänden Tote. Die Fußball-WM ist vorbei. Ich will wieder weg hier.

Die neue Band

Hier also, wie versprochen, die Geschichte des neuen Trios aus der Tschechei. Am Freitag vor einer Woche sollten sie ankommen und am Abend gleich spielen. Der erste der drei sollte gleich um 8 Uhr morgens aufschlagen und von mir in Empfang genommen werden. Die Nacht davor war aufgrund von Feierei sehr kurz, dementsprechend war ich sehr müde und zerknirscht, als ich erfuhr, dass mein Musikus zwar überall am Flughafen ausgerufen wurde, aber nirgends aufzutreiben war.

Da keine weiteren Informationen vorlagen, blieb mir nur übrig, zu warten. Vielleicht würde er ja mit den anderen beiden am Nachmittag auftauchen. Am Nachtmittag tauchte er tatsächlich auf, nur die beiden anderen waren nicht da. Ihr Flug aus Prag wurde ersatzlos gestrichen.

Also fiel die Live-Musik in der Bar an dem Abend aus. Nur, am nächsten Tag konnten sie auch nicht ankommen, denn da war Seetag und einen Hubschrauberlandeplatz haben wir nicht. Also mussten wir schnell ein Programm zusammenzaubern. Ich spielte ein wenig Bar-Piano – was ich übrigens hasse, die Tischgespräche mit Musik zu begleiten; wenn Musik, dann sollen die Passagiere gefälligst auch zuhören – und das Showensemble half aus mit einem eilig zusammengestellten Liederabend.

Am Sonntag in Korsika war das Trio dann endlich komplett, nicht ohne mir zu erzählen, dass sie in Frankreich umsteigen mussten, ihnen aber niemand erzählt hatte, dass es in Paris zwei Flughafen gibt, der an dem sie ankamen und der am anderen Ende der Stadt zu dem sie hinmussten, wie sie kurz davor erfuhren. Sie hätten es also fast wieder nicht geschafft, doch dank einer immens hohen Taxirechnung kamen sie dann doch noch irgendwie auf den Flieger.

Beim ersten Konzert legte dann der Pianist ein furioses Bluesklaviersolo hin, in das er sich so hinein vertiefte, dass er dabei mit dem Kopf auf die Kante des Flügels schlug und ihm das Blut aus der kahlen Stirn tropfte. Das nenne ich Einsatz.

I hate this hole!


In der Pfalz gibt es einen Ort, der sich stolz als größtes Dorf Europas bezeichnet. Muss ihnen ja niemand sagen, dass das nicht wirklich ein Grund ist, es möglichst publik zu machen, aber der Ortsname ist auch nicht viel besser: Hassloch. Hassloch hätte aufgrund der gestiegenen Einwohnerzahlen schon längst Stadtrechte haben können, aber sie wollen lieber das größte Dorf Europas sein. Und das ist noch nicht alles, Hassloch ist auch das durchschnittlichste Dorf Deutschlands. Wer hätte gedacht, dass Durchschnittlichkeit erstrebenswert ist. Meinungsumfragen, Testeinkäufe, Statistiker – das findet man dort zuhauf, denn Hassloch ist einfach deutscher Durchschnitt. Wie schlimm deutscher Durchschnitt ist, sieht man dann, wenn man mal durch Hassloch geht. Langeweile, Spießer und Gartenzwerge im Vorgarten. Aber im Grunde genommen stimmt das ja gar nicht. Europas größtes Dorf ist eindeutig Köln.

Reiseberichte Köln – Hamburg

Ein Text ausdem archiv meines alten Blogs:

Mit 40 Kilo Gepäck auf dem Rücken und in beiden Händen sagte ich meiner Wohnung ade, die ich nun knapp 3 Monate nicht wieder sehen werde – das Schiff hat wieder gerufen. Den Satz wollte ich so bringen, um mal zu sehen, wie es ist, drei Zeiten in einem Satz gehabt zu haben. Am Kölner Hauptbahnhof nahm ich noch eine Mahlzeit ein, bei dem relativ neuen „Sushi and more“. Ich entschied mich für „more“ und genoss das Essen und das Beobachten der Reisenden.

Ein älterer Herr, nicht besonders edel gekleidet, aber auch nicht schäbig, kam auf mich zu und sprach mich an. Toll, dachte ich, der will mich bestimmt fragen, ob man das Essen hier empfehlen kann, seit der WM sind wir ja alle so nett zueinander und sprechen auch einfach mal Fremde an, um einen netten Plausch zu halten. Er sagte: „Na, Meister, könnten Sie mir 3 Euro geben?“ Wow, drei Euro? Das ist ja Bettelwucher, das ist ja schon das 6-fache von „Haste mal ne Mark?“ Die Dreigroschenoper wäre dann die 60 Groschen-Oper. Ich habe mich bestimmt verhört, das kann der gerade nicht gesagt haben. „Bitte was?“ sagte ich. Ob ich drei Euro hätte, tatsächlich. „Nein.“ – „echt nicht?“ – „nein.“ – „wirklich nicht?“ – „Nein, ich hab nur Scheine.“

Jetzt das Ding, der IC nach Hamburg habe aufgrund einer Streckensperrung 60 Minuten Verspätung, so die Anzeige. Nach 60 Minuten wurde gesagt, er habe 70 Minuten Verspätung. Warum es eine Streckensperrung gab konnte man nicht sagen, aber er werde wegen eines Böschungsbrandes auch nicht über Wuppertal fahren, sondern über Düsseldorf, also würde sich die Verspätung noch steigern.

Der Zug trudelte ein ich stieg ein und verstaute meine Koffer. Zeitgleich fragten mich ein ebenfalls zugestiegener Mann vor mir und einer hinter mir, ob der Zug denn nach Hamburg fahren würde, der vor mir: 2denn auf den Fahrplanheftchen steht Frankfurt drauf“, der hinter mir „denn auf der Anzeigetafel draußen steht nur Dortmund drauf“. „Ich glaube schon, dass der nach Hamburg fährt, sagte ich, und stieg noch mal aus, um auf die Anzeigetafel z schauen. Tatsächlich, auf einmal steht da Dortmund.

Also haben die gewartet, bis ich eingestiegen bin, um dann gemeinerweise hinterrücks und fies die Destination zu ändern. Oder war einfach die Anzeige falsch.

Zum Glück fanden wir eine Schaffnerin, die uns schroff erklärte, dass der Zug tatsächlich nur noch bis nach Dortmund fahren würde, da er so eine große Verspätung hätte. Der nächste Zug nach Hamburg würde ja in 5 Minuten kommen, da lohne es sich nicht, sondern man könne ja in den steigen.

Zeit zum Bedanken hatte ich nicht mehr, denn ich musste ja meine 40 Kilo Gepäck schnell aus dem Zug räumen, der wollte ja gerade losfahren. Es gelang mir in letzter Sekunde.

Problematisch war nur, dass 5 Minuten später kein Zug kam, bei dem Zug wurde nämlich auch eine Verspätung angezeigt, aus den gleichen Gründen. Diesmal allerdings nur 30 Minuten. Nach 45 Minuten kam dann der Zug.

Vor mir beim Einstieg stand eine 10-köpfige Großfamilie, mit ca. 400 Kilo Gepäck, dagegen war meine Ladung ja mickrig. Aber schlau wie sie waren, und um die Abfahrt nicht noch weiter zu verzögern, verteilten sie sich auf zwei nebeneinander liegende Einstiege. Drinnen feierten sie dann erstmal ein großes Wiedersehensfest. Im Einstiegsbereich. Was natürlich komplett verhinderte, dass ich einsteigen konnte.

Irgendwann klappte es aber doch und die Fahrt ging mit insgesamt 2 Stunden Verspätung los. Ich fand sogar einen freien Sitzplatz, ich setzte mich auf einen der von Wuppertal bis Hamburg reserviert war. Aber in Wuppertal konnte ja kein wütender „Ich habe den Platz reserviert!“ – Typ zusteigen, Wuppertal umfuhren wir ja wegen des Böschungsbrandes.

Ich freute mich auch schon auf die vielen Fahrgäste, sie in Dortmund zusteigen würden, weil sie nicht so schnell wie ich gemerkt hatten, dass der Vorgängerzug doch nicht nach Hamburg fuhr. Und so war es dann auch, der ohnehin schonvolle Zug wurde noch überfüllter, was ja auch kein Wunder ist, wenn man plötzlich aus zwei eins macht. Und sauer waren die, jeder einzelne zeterte die arme Schaffnerin an. Und ich dachte seit der WM hätten wir uns alle lieb.

Die weitere Reise verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse. Die Durchsagen des Schaffners berichteten immer von 58 Minuten Verspätung, der Vorgängerzug zählt ja nicht. Und auf die 58 Minuten wurde auch bestanden, denn ab 60 Minuten gibt es ja einen 10 Euro-Gutschein, den man beim buchen der nächsten Reise einlösen kann.

Kurz vor Hamburg kommt Harburg. Und da standen wir dann. Also wir einfuhren hatten wir 58 Minuten. Doch kurz vorm Ziel gescheitert, schienen wir eine Ewigkeit in Harburg festzusitzen. Als wir endlich losfuhren, meldete sich der Schaffner wieder, um zu erzählen, dass wir mittlerweile eine Verspätung von 68 Minuten hätten und das bedeute, dass uns Gutscheine zustünden. Allerdings sei die Fahrtstrecke bis nach Hamburg zu kurz, um diese noch im Zug zu verteilen, daher bitte er uns am Hamburger Bahnhof am Service Point unsere Fahrkarte vorzulegen, da würden wir dann die Gutscheine bekommen.

Gut, wie viele Leute reisen in so einem Zug, 500? 1000? Und in einem Zug in dem die Fahrgäste on zwei Zügen sitzen? 2000? Wie viele Mitarbeiter gibt es am Service-Point? 2 und eine Auszubildende, der nebenbei alles erklärt wird?

Ich rechne mal kurz nach, ich bin nun mit über zwei Stunden Verspätung in Hamburg angekommen, wenn ich mich jetzt noch in die Schlange vor dem Service-Point einreihen würde, würde ich … Moment …. morgen früh um 6 noch da stehen.

Wo kommen blaue Flecken her?

Hier an Bord haben alle blaue Flecken und niemand wußte bisher, woher. Es gibt keinen „fight club“ an Bord, wo wir uns heimlich prügeln. Aber jetzt habe ich – der bisher von blauen Flecken verschont blieb – herausgefunden, warum wir alle übersäht sind: Die Badezimmer sind zu klein.

Beim Duschen fiel mir die Seife runter. Als ich sie aufheben wollte, staß ich mit dem Beim an die Toilettenschüssel, so dass ich die Balance verlor und mit der Schulter an die Türkante knallte. Als ich dann auf der Seife ausrutschte, riss ich das Wasser auf kochend heiß. Jetzt gehöre ich zum Club der blauen Flecken dazu.

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