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An Schlaf ist nicht wirklich zu denken

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Reisebericht Köln – Hamburg

Um 3 Uhr morgens bin ich endlich fertig mit Packen für mein über 3-monatiges erneutes Abenteuer und um 6 Uhr muss ich schon wieder raus, um mich zum Bahnhof zu schleppen. Die vierstündige Fahrt nach Hamburg werde ich ja wohl nutzen können, um noch ein bisschen vor Amtsantritt zu schlummern.

Doch im nicht sehr voll besetzten Abteil, steigt zuerst mal ein Pärchen ein, dass zwar reservierte Plätze hat, sich aber, weil diese nicht nebeneinander sind, auf die freien Plätze hinter mir setzt. Der Mann stinkt unglaublich nach Salami. Ich wusste gar nicht, dass Salami stinken kann, aber dank Mr. Salami weiß ich, dass es noch etwas nervtötenderes als Leberwurstbrotduft im Zugabteil gibt.

An Schlaf ist nicht wirklich zu denken. In Wuppertal steigt dann eine ältere Dame ein, steuert schnurstracks auf Mr. Salami zu und sagt, „Entschuldigung, aber das ist mein Platz.“ Freude! Hoffnung! „Ja, ich weiß, aber müssen Sie da sitzen?“ fragt Mr. Salami. Ja, bitte bitte, sie muss, sie muss einfach. Zum Glück will sie unbedingt da sitzen und da das Salami-Pärchen nicht auseinander sitzen will rückt es auf die Sitze auf der anderen Seite des Ganghes. Bringt nicht viel, der Duft weht trotzdem konsequent über den Fluss herbei. Doch erneut naht Rettung, denn auch dort ist ein Platz besetzt. Also beschließt das Pärchen sich zu trennen. Nur räumlich selbstverständlich. Die Frau bleibt sitzen und der Salami-Mann setzt sich neben die ältere Frau. Oh Shit.

An Schlaf ist nicht wirklich zu denken. Doch nach 15 Minuten räumlicher Trennung hält es das wohl frisch verliebte Fleischwaren-Pärchen nicht mehr aus, geht und findet einen gemeinsamen Platz weiter hinten im Abteil. Der Wurstgeruch lässt nach und ich will gerade einen weiteren Versuch starten, ein zu schlummern, da kommt schon der nächste Fahrgast, um der älteren Dame Gesellschaft zu leisten. Dummerweise sucht er das Gespräch mit ihr, denn er ist gerade auf dem Weg nach – verdammt – Hamburg, wo sich gerade 40,000 Zeugen Jehovas treffen und er kommt
gerade von Mannheim, wo sich auch 27,000 Zeugen Jehovas, darunter viele Russen, getroffen haben und alles sei so wunderbar, denn schon Jesus habe gesagt, dass dies und jenes und Wahnsinn.

An Schlaf ist nicht wirklich zu denken. Als die ältere Frau ihm dummerweise auch noch offenbart, dass ihr Mann letztes Jahr gestorben ist, hat er sie und fängt eine Predigt über Plätze im Himmel an und wie sie leben müsse, um ihn wieder zu sehen, und dass Gott und Jesus ja so toll seien und alles wunderbar und gut wird.

Finde ich auch. Nämlich wenn der gute Zeuge Jehovas auf die 40,000 Harley Davidson Rocker trifft, die auch gerade in Hamburg sind.

Die Müdigkeit kommt und letztendlich schaffe ich es fast, die Augen zu
schl… „Die Fahrkarten, bitte!“

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Als auch die Schaffner-Attacke vorbei ist, haben wir einen weiteren Zwischenstopp hinter uns. Nun steigt ein lautes Pärchen ein, dass in einer Sprache brabbelt, die so verrückt klingt, wie noch nichts, was ich je gehört habe. Irgendein asiatisch angehauchtes Finnisch. Oder irgendeine Eskimo-Sprache. Allerdings sieht das Paar aus wie Bayern. Sie rauschen wild brabbelnd an meinem Sitz vorbei und hindern mich weiter am Schlaf. „Järkis dommoldo gefappen brunsti brunsti tscherggemol die kommokommokommo do do do!“ – „Ei, flugg die fämbel knettere dängsiboms
die beil gekuntern die fliegen flagen jällis kostemoigna griggliwigli.“ – Und zack waren sie an mir vorbei gerauscht. Einige Sekunden Ruhe, dann rauschen sie wieder wild gestikulierend und vogonische Gedichte rezitierend zurück an mir vorbei.

Das Spiel wiederholt sich ein paar Mal, der Sinn entschließt sich mir nicht. Aber an Schlaf ist nicht wirklich zu denken. Endlich setzen sie sich, doch nach einer Viertelstunde springt wieder der Mann auf, rauscht in der Fantasiesprache labernd an mir vorbei – obwohl die einzige, die ihn versteht auf ihrem Sitz bleibt. Den räumlichen Abstand macht er eben durch Lautstärke wett, kommt mit drei schweren Koffern zurück und setzt sich wieder auf den Platz.

15 Minuten später, trägt er die Koffer wieder zurück. Da ich absolut keinen Sinn in deren Handlung entdecken kann, schlussfolgere ich, dass es nur die menschliche Logik nicht begreifen kann und die beiden Außerirdische sind. Daher auch die komische Sprache. Wahrscheinlich sind sie gerade auf dem Weg von Mannheim nach Hamburg – ich wusste gar nicht, dass es auf Alpha Zentauri auch Zeugen Jehovas gibt.

Aber jetzt ist ja alles klar und die Müdigkeit ist mittlerweile so groß, dass mich nicht mehr aufhalten w… – „Personalwechsel! Die Fahrkarten, bitte!“

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Villingen-Schwenningen, die gespaltene Stadt

Der Köln-Düsseldorf Konflikt ist ja allgemein bekannt, es gibt allerdings in Deutschland einen noch viel schlimmeren Konflikt. Villingen-Schwenningen ist ein Dorf, dessen beide Teile, das katholische Villingen und das protestantische Schwenningen so verfeindet sind, dass der Nordirland-Konflikt dagegen wie Pustekuchen erscheint.

Ich hatte kürzlich einen Auftritt in Villingen und erfuhr so einiges darüber. Die Villinger sind auf keinen Fall Schwaben, nein, Villingen gehört zu Baden, aber Schwenningen hingegen ist schwäbisch. Schwenningen sei industriell und arm, Villingen reich und schön. An Fastnacht verprügeln die Schwenninger die Villinger und umgekehrt, sofern sie unter den Masken zu erkennen sind und früher hatten einige alte Villinger an Karneval tatsächlich Schilder mit denen die Schwenninger empfangen wurden auf denen stand „Früher waren die Juden dran, jetzt die Schwenninger“.

Dennoch war mein Empfang dort sehr herzlich, man muss nur aufpassen, dass man nicht sagt „Liebes Publikum, ich freue mich, heute mal im Schwabenländle zu spielen.“

Als ich am Bahnhof ankam und mit meinem von Google Maps ausgedruckten Stadtplan lostigerte, sprach mich direkt ein freundlicher älterer Herr an: „Suchen sie was?“ Er meinte es aber nicht böse, sondern wollte mir behilflich sein, den rechten Weg zu finden. Allerdings konnte er weder Karten lesen, noch kannte er sich in seinem Ort aus, aber er wollte mir unbedingt helfen. Ich wusste den Weg schon längst, aber er ließ sich die Karte nicht wieder aus der Hand nehmen und gab erst Ruhe, als er den Weg selbst auch fand. Villingen ist nämlich von 4 Stadttoren umgeben, in jeder Himmelsrichtung eins. Eines davon steht allerdings nicht mehr, aber die verbleibenden 3 Stadttore sehen sich zum Verwechseln ähnlich, so dass die Villinger selbst ständig in die falsche Richtung laufen.

Über Schwaben sagt man ja, sie seien geizig, mit dem Vorurteil darf man aber bei den Badensern nicht ankommen, obwohl die eigentlich genauso geizig sind. Zumindest, was Straßenschilder angeht. Und auch der Grieche, in dessen Ratskeller ich spielte, war auf Sparkurs (eigentlich nicht verwunderlich bei Griechen) – die Toiletten hatten diese berühmt-berüchtigten Einzelpapier-Spender.

Als ich auf der Bühne aufbaute, ca. 90 Minuten vor dem Auftritt, kam eine Dame zu mir in den Saal und sagte: „Hallo! Ich komme heute Abend nicht zu ihrem Auftritt!“ und schüttelte mir die Hand. Ich war leicht verwundert, aber sie fuhr fort: „Aber ich habe heute was in der Stadt gesehen, dass habe ich fotografiert und möchte es Ihnen geben, weil es passt.“ und sie händigte mir ein Foto aus, mit einem Glückskäfer der sich gerade entpuppt. „Viel Glück!“ wünschte sie mir und verschwand.

Zwei Leckerlis entdeckte ich noch in der Fußgängerzone, zum einen das Plakat des CDU-Landkreis-Kandidaten, der – natürlich mit obligatorischem Schnurrbart – seinen Hammer-Wahlspruch verkündet, der da lautet:

Karl Rombach

„Mit mir kaa mer schwätze“

Wirksamer Spruch, oder? Das ist doch genau, was wie brauchen, Politiker, die einfach nur labern.

Und zu guter letzt sah ich noch den Laden, der einfach alles hat, haltet Euch fest, seid geschockt:

Choc & Pop - Coffeshop und Vitaminbar

Choc & Pop. Hot Dogs gab es auch noch. Und eben Crepes, Schokolade und Popcorn. Ich glaube aus dem Laden kommt man nicht lebend raus, ich weiß allerdings nicht, warum unten auf dem Plakat auch noch „Coffeeshop“ stand, man weiß ja, was es da gibt und „Vitamin Bar“. Vitamine? Wo denn?

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Wer trägt den Dildo in Rotterdam?

Vor ca. 2 Wochen hatte ich am Wochenende einen Auftritt für das Goethe-Institut in Rotterdam. Natürlich fuhr ich wieder in Erwartung spannender Fail-Geschichten mit der Bahn. Aber es passierte kaum etwas, sogar die Klimaanlage funktionierte und kühlte das Abteil auf frostige Temperaturen. Was im Sommer bestimmt toll gewesen wäre aber vor 2 Wochen war irgendwie schon winterlich.

In Utrecht sollte ich umsteigen und der ICE hatte glücklicherweise nur 4 Minuten Verspätung. Dummerweise waren laut Ticket allerdings auch nur 4 Minuten für den Umstieg eingeplant. Glücklicherweise für mein zu erreichender Zug allerdings direkt vom Bahnsteig gegenüber ab. So dass ich ihm noch hinterher winken konnte, als ich ihn trotz Sprints nicht mehr erreichte.

Am Bahnhof in Rotterdam – der zur Zeit gar nicht existiert, weil im Gegensatz zu Stuttgart 21 die Holländer den alten Bahnhof schon mal abgerissen haben, bevor sie den neuen aufbauen – ging ich den Schildern zum Taxistand nach, ungefähr 1km durch viele Baustellen. Als ich dem Taxifahrer sagte, in welches Hotel ich wolle, sagte er „that makes me very angry!“, weil es anscheinend nur um die Ecke war, Bahnhof rechts, ein paar Schritte, zack Hotel. Ich weiß trotzdem nicht, warum er sauer war, denn Rotterdamer Taxis haben eine Startgebühr vom € 7,50 (!) also ist es doch Wurscht, ob er mich für das gleiche Geld durch die halbe Stadt bringt oder nur um die Ecke.

Nachdem ich meine Sachen ins Hotel brachte, hatte ich noch ein wenig Zeit mir die Stadt anzuschauen und ich stellte fest, dass gerade mit Pauken und Trompeten der Sinterklaas-Umzug begann.

In den Niederlanden wird Weihnachten nämlich ganz anders gefeiert und zwar viel früher als hier. In ein paar Tagen werde ich darüber hier auf ui. noch einen Artikel schreiben, aber kurz zusammengefasst: Sinterklaas kommt mit dem Dampfschiff aus Spanien, begleitet von seinem Gehilfen, dem Zwarte Piet. Was dazu führt, dass sich am Tag der Ankunft und der Umzüge alle Holländer sich das Gesicht schwarz malen, um alle besuchenden afroamerikanischen Touristen aufs Gröbste zu beleidigen und ihnen den Kulturschock ihres Lebens zu geben.

Mitten auf einem Marktplatz in Rotterdam steht eine riesige, kitschige Sinterklaas-Statue. Kitschiger als Disney und ich dachte, die steht da nur eine zeitlang, aber sie ist aus richtig schwerem Guss, Metal und nicht Plastik, wie ich zunächst vermutete und soll wohl für die Ewigkeit sein, um schlechten Geschmack zu demonstrieren.

Was der da in der Hand hält und aussieht wie ein Dildo, soll glaube ich eine Tanne sein, kann aber auch sein, dass es irgendein niederländisches Weihnachts-Zubehör ist, dass ich noch nicht kenne. Weiß es jemand?

Etwas weiter die Straße runter, sah ich dann familiäre Gestalten, ich dachte es seien so nutzlose Straßenkünstler wie hier in Köln vor dem Dom, die einfach nur möglichst bewegungslos herumstehen, aber in diesem Falle, waren es echte Figuren, was den Vorteil hat, dass sie tatsächlich bewegungslos waren. Hier hatte ich vor, nach der Show meine Gage zu verzehnfachen:

Dann gab es aber noch den nächsten Kulturschock, nicht mal im Ausland ist man vor dem Mediamarkt sicher:

Sonst gab es nichts zu berichten, außer dass der Zug auf der Rückfahrt bedeutend mehr Verspätung hatte als 4 Minuten – eine Null hinten dran das passt es. Das war aber gar nicht schlimm für die Reisenden, die nicht in Köln aussteigen wollten, sondern weiter zum Frankfurter Flughafen, um ihren Flug zu erreichen, denn der Zug wurde eh in Köln ausgesetzt, da er aufgrund eines technischen Defekts nicht auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt fahren könne. Ah ja.

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Im ICE Bordbistro-Angebot: Espresso mit Gurken-Extrakt


Über die Hygiene in den kleinen Bordbistros der ICEs sollte man sich lieber keine Gedanken machen. Als ich gerade das Bistro betrat und einen Espresso bestellen wollte – der dort ohnehin schon nahezu ungenießbar ist, ich brauchte aber den Koffein – bereitete der Kellner gerade einen Salat zu. Er griff dabei mit seinen bloßen Händen in ein Plastikgefäß mit Tomaten und in eins mit bereits geschnittenen Gurken. Wischte sich halbherzig die eine Hand an der Hose ab, griff mit der anderen in den Schrank mit den Espressotassen und nahm eine heraus. Allerdings griff er nicht an den Henkel, sondern in die Tasse hinein.
Nachdem er mir den Kaffee gab, wischte er sich mit dem Handrücken die Rotznase ab und wendete sich wieder dem Salat zu.
Vielleicht war das doch nicht so schlecht, als ich unsichtbar war.

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Von Graz über Mallorca nach Berlin


Am Wochenende war ich in Graz, um dort am Kleinkunstwettbewerb teilzunehmen. Ich habe – meiner eigenen bescheidenen Meinung nach – drei Mal die Bühne gerockt, aber leider trotzdem nicht gewonnen. Allerdings war ich immerhin der einzige, der in der Kronen-Zeitung neben den Gewinnern genannt wurde. Allerdings verstehe ich nicht, was da stand, ich hoffe aber mal es war positiv gemeint:

„Auch der Pfälzer Manuel Wolff hatte am Klavier und mit dem Kakao der Kelly Family den irrwitzigen Ton und die Lacher auf seiner Seite.“

Hoffentlich bringt das eine Menge Aufträge aus Österreich.

Am Montag musste ich nach Berlin fliegen, weil ich da von heute bis Samstag Auftritte habe (schreibt mir, falls ich in Berlin seid) und da ein Direktflug nach Berlin das dreifache kostete, entschloss ich mich die billigere Verbindung Graz-Mallorca-Berlin zu nehmen und kam noch in den Genuss eines 45-minütigen Mallorca-Aufenthaltes.

Flieger nach Mallorca, sind eine Sache für sich. Da sitzen dann tatsächlich Leute im Flieger, die Klatschen, wenn der Kapitän landet. Ich hasse diese Leute. Als ob der Kapitän das hört. Genauso schlimm, wie nach dem Kinofilm zu klatschen. Bei solchen Leuten, würde ich mich gerne als Beifahrer ins Auto setzen und klatschen, wenn sie es schaffen, ohne Unfall einzuparken. Oder es ihnen gelingt, an einer roten Ampel zu halten. Ist Euch mal aufgefallen, dass je unsauberer die Landung ist, desto mehr geklatscht wird?

Als ich dann in Berlin am Flughafen stand und mir etwas hilflos das öffentliche Nahverkehrsnetz angeschaut habe und gegrübelt habe, ob ich mir nun einen 4 Fahrten Schein für 8 Euro oder ein Tagesticket kaufen solle, kam ein älteres Ehepaar auf mich zu und bot mir eine 7-Tages-Karte an, die noch bis Freitag gelte. Ich fragte, was sie dafür haben wollten und sie schenkten sie mir.

Das fand ich ausgesprochen nett, Berlin ist doch nicht so unfreundlich wie sein Ruf. Wobei, die flogen ja weg, waren also gar keine Berliner, sondern Touristen auf der Rückreise.

Als ich dann zum Bus ging, auf der Anzeigetafel stand, dass er in 4 Minuten abfahren würde, er die Türen schloss und vor meiner Nase davon fuhr, wusste ich allerdings wieder, wo ich war.

Jetzt bin ich hier, heute Abend und morgen bei Lesebühnen, am Donnerstag in der Scheinbar, am Freitag bei Cindys Talentschmiede im Quatsch Comedy Club (ausverkauft) und vor allem am Samstag mit einem Impro-Match und meinem Soloprogramm im Theaterdock. Also, wer vorbeischauen möchte, holt Euch die Infos hier oder schreibt mir. Am Sonntag trete ich übrigens in Augsburg auf, am Montag in Köln und am Mittwoch in einer Woche ist die ui.-Show in Köln. Also schaut vorbei!

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Düsseldorf ist ein schlechter Witz


Sonntag, den 13. musste ich mal wieder mit der Bahn von Köln nach Hösel fahren. Am Vortag suchte ich schon die Verbindungen heraus, buchte aber noch nicht online, da die Uhrzeit noch nicht sicher war. Am Sonntag wollte ich dann online buchen und zack, hat die Bahn ihre jährliche Preiserhöhung veranschlagt und das Ticket wurde teurer. Zwar nur 15 Cent, aber immerhin habe ich dafür als kleines Kind ganze 3 Kugeln Eis bekommen!

Ich verstehe auch die Bahn mit ihrer Preispolitik nicht, das kommt eben davon, wenn ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen ein Monopol hat. Sie machen Gewinn wie verrückt, bezahlen trotzdem ihre Mitarbeite schlecht, sind Kundenunfreundlich, da keine Konkurrenz und irgendjemand in den Chefetagen schiebt sich Millionen in den Arsch. Und niemand muss sich rechtfertigen.

Wie dem auch sei, ich stieg brav und pünktlich in die S6 und fuhr los. Dummerweise hielt die Bahn in Düsseldorf an. Es kam eine Durchsage, dass die Weiterfahrt sich kurz verzögere und dann noch eine Durchsage, dass der Zug kaputt sei und die Weiterfahrt gar nicht stattfinden würde, alle aussteigen.

So blieb mir eine halbe Stunde auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. Und Düsseldorf ist ein Witz. Ein schlechter Witz. Ich weiß gar nicht, was die Düsseldorfer so stolz auf ihre Stadt sind, also wer Düsseldorf für schön hält, der hat noch nicht den Hauptbahnhof gesehen. Das soll ein Hauptbahnhof sein? Da hat eine Müllhalde in Sao Paulo mehr Flair.

Zuerst musste ich mal auf die Toilette. Düsseldorf hält sich ja für schick, teuer und etepetete, aber wieso ist dann die Toilettenbenutzung günstiger als im ach so blöden Köln?

Dann wollte ich mich auf die Suche nach etwas essbarem machen, konnte mich aber nur entscheiden, dass ich weder Ditsch, McDonald’s, Pizza Hut noch die anderen üblichen Verdächtigen wollte, mir auch der Laden mit dem Namen „mmmmmh….lecker!“ nicht zusagte und der Wiener Feinbäcker – der bestimmt überall außer in Wien zu finden ist – wohl irgendwo um die Ecke war, entschied ich mich für Dunkin‘ Donuts.

Vor allem weil da auch keine große Schlange vor mir war. Einer bestellte gerade und vor mir war noch ein Pärchen aus Frankreich mit Kind. Erst als sie dran waren, fingen sie an zu überlegen, was sie haben wollten.

„Äh, haben Sie Eiskaffee? Gut, dann nehm‘ ich … hm, was willst Du Schatz?“
„Äh, was gibt es denn so?“
„Schau mal die haben auch Bagel!“
„Dann nehmen wir zwei Eiskaffee und ja, was für Bagel haben Sie, oh das Kind schreit. Ei Du du du, ist ja gut, ei Du du du!“
„Haben Sie auch Eiskaffee?“

Das ging eine ganze Weile so weiter, während sich die Abfahrtszeit meines Zuges immer mehr näherte. Fast Food ist also, wenn kaum einer vor Dir steht und Du trotzdem 20 Minuten brauchst, um an Dein Essen zu kommen.

Als ich 5 Minuten vor Abfahrt meines sah, wie der Angestellte gerade die Bagels durchteilte und in den Toaster schob, hatte meine Geduld ein Ende und ich ging. Natürlich unter lautem Schnauben und Hände in die Luft werfen. „Mon dieu! Mon dieu!“ sagte ich.

Auf dem Bahngleis wollte ich mir dann wenigstens was am Knabberautomaten holen.
Aber die hatten nur die blauen M&Ms. Wer braucht denn so etwas?

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Liebe Bahn, ihr seid krank! – Teil 2

Teil 1 siehe hier

Der Tag in Belgien war dann sehr angenehm, ich wusste zwar immer noch nicht, wie ich das Ticket nach Düsseldorf bekommen sollte, aber daran dachte ich erst mal nicht. Auf der Rückfahrt nach Köln im ICE wagte es allerdings den Schaffner zu fragen, wo ich ein Ticket herbekommen würde. Der meinte, ich solle an den Automaten gehen. Ich meinte, dass ich den Zug dann verpassen würde, er meinte, dass das nicht schlimm sei, es würden fast viertelstündlich Züge nach Düsseldorf fahren. Obwohl die ICE-Schaffner anscheinend noch Tickets ausstellen können und Anschlusszüge besorgen können, weigerte er sich.

Der ICE kam dann 10 Minuten früher in Köln an, auch eine Seltenheit. Das gab mir jetzt also Gelegenheit am Automaten ein Ticket zu kaufen. Nur welches?

Ich bekomme jetzt leider die Story nicht mehr ganz zusammen und weiß jetzt nur noch, dass ich nicht ein Regionalbahnticket gekauft habe, sondern ein höherwertiges. Wahrscheinlich ein ICE-Ticket für € 8,25, weil keine IC-Verbindungen angezeigt wurden, nur Regional-Express und ICE, obwohl auch Regionalbahn und S-Bahn über Düsseldorf fuhren. Nur darf das der Kunde wohl nicht spitz kriegen.

Nun ging ich also zum Gleis und erfuhr laut Anzeige, dass der RE ca. 10 Minuten Verspätung haben würde. Ging wieder vom Gleis, noch auf Toilette und einen Saft kaufen, ging wieder aufs Gleis – und der Zug war nicht mehr da. Wurde nicht mehr angezeigt. War also wohl doch nicht 10 Minuten zu spät. Ich fragte entgeistert eine lustlose Bahnbeamtin, die wohl gerade Feierabend hatte und mit ihrem lustlosen Freund da rumstand „Wo ist denn der Zug hin?“, worauf sie nur entgegnete „Welcher Zug?“

Also ging ich wieder in die Halle und schaute mir an, welche Züge ich stattdessen nehmen könnte, stellte fest, dass es tatsächlich einen IC gab, der über Düsseldorf gefahren wäre, 6 Minuten nach dem Regional-Express. Allerdings habe ich den natürlich verpasst, denn ich dachte ja, ich würde den Regional-Express bekommen. Vor allen Dingen wollte mir die Bahn den Zug ja sowieso verheimlichen. Das nächste wäre die Regionalbahn gewesen, aber irgendwie habe ich zum Glück herausgefunden, dass der nächste Regional-Express dann doch früher am Ziel gewesen wäre.

In diesem Zug waren dann sogar Fahrkartenkontrolleure und ich habe mich schon auf die Diskussion gefreut, weil ich dachte, die würden mein iC-Ticket nicht akzeptieren, aber es ging ohne Problem durch.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Details und Zugverbindungen dieser Story richtig hinbekommen habe, aber warum macht die Bahn auch alles so kompliziert? Was lernen wir daraus? A) Man darf von der Bahn keinerlei Hilfe erwarten B) Man muss sich seine Fahrtmöglichkeiten selbst durch harte Arbeit herausfinden. C) Das Preissystem macht überhaupt keinen Sinn und wenn man zur Bahn ehrlich ist, wird man verarscht.

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