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Liebe Bahn, ihr seid krank! – Teil 2

Teil 1 siehe hier
 

Der Tag in Belgien war dann sehr angenehm, ich wusste zwar immer noch nicht, wie ich das Ticket nach Düsseldorf bekommen sollte, aber daran dachte ich erst mal nicht. Auf der Rückfahrt nach Köln im ICE wagte es allerdings den Schaffner zu fragen, wo ich ein Ticket herbekommen würde. Der meinte, ich solle an den Automaten gehen. Ich meinte, dass ich den Zug dann verpassen würde, er meinte, dass das nicht schlimm sei, es würden fast viertelstündlich Züge nach Düsseldorf fahren. Obwohl die ICE-Schaffner anscheinend noch Tickets ausstellen können und Anschlusszüge besorgen können, weigerte er sich.

Der ICE kam dann 10 Minuten früher in Köln an, auch eine Seltenheit. Das gab mir jetzt also Gelegenheit am Automaten ein Ticket zu kaufen. Nur welches?

Ich bekomme jetzt leider die Story nicht mehr ganz zusammen und weiß jetzt nur noch, dass ich nicht ein Regionalbahnticket gekauft habe, sondern ein höherwertiges. Wahrscheinlich ein ICE-Ticket für € 8,25, weil keine IC-Verbindungen angezeigt wurden, nur Regional-Express und ICE, obwohl auch Regionalbahn und S-Bahn über Düsseldorf fuhren. Nur darf das der Kunde wohl nicht spitz kriegen.

Nun ging ich also zum Gleis und erfuhr laut Anzeige, dass der RE ca. 10 Minuten Verspätung haben würde. Ging wieder vom Gleis, noch auf Toilette und einen Saft kaufen, ging wieder aufs Gleis – und der Zug war nicht mehr da. Wurde nicht mehr angezeigt. War also wohl doch nicht 10 Minuten zu spät. Ich fragte entgeistert eine lustlose Bahnbeamtin, die wohl gerade Feierabend hatte und mit ihrem lustlosen Freund da rumstand „Wo ist denn der Zug hin?“, worauf sie nur entgegnete „Welcher Zug?“


Also ging ich wieder in die Halle und schaute mir an, welche Züge ich stattdessen nehmen könnte, stellte fest, dass es tatsächlich einen IC gab, der über Düsseldorf gefahren wäre, 6 Minuten nach dem Regional-Express. Allerdings habe ich den natürlich verpasst, denn ich dachte ja, ich würde den Regional-Express bekommen. Vor allen Dingen wollte mir die Bahn den Zug ja sowieso verheimlichen. Das nächste wäre die Regionalbahn gewesen, aber irgendwie habe ich zum Glück herausgefunden, dass der nächste Regional-Express dann doch früher am Ziel gewesen wäre.

In diesem Zug waren dann sogar Fahrkartenkontrolleure und ich habe mich schon auf die Diskussion gefreut, weil ich dachte, die würden mein iC-Ticket nicht akzeptieren, aber es ging ohne Problem durch.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Details und Zugverbindungen dieser Story richtig hinbekommen habe, aber warum macht die Bahn auch alles so kompliziert? Was lernen wir daraus? A) Man darf von der Bahn keinerlei Hilfe erwarten B) Man muss sich seine Fahrtmöglichkeiten selbst durch harte Arbeit herausfinden. C) Das Preissystem macht überhaupt keinen Sinn und wenn man zur Bahn ehrlich ist, wird man verarscht.

Call to action:
Welche Bahnerlebnisse habt ihr und welche Tipps und Tricks habt ihr auf Lager?

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Liebe Bahn, ihr seid krank!

 

Nee, ehrlich, liebe Bahn, ihr habt einen Schaden. Es muss so sein, ich fahre schon fast mein ganzes Leben lang mit Euch und verstehe Euch immer noch nicht. Also bin ich zum Schluss gekommen, dass entweder ich oder ihr geisteskrank seid. Und dann doch lieber ihr. Ich habe ja schon mehr Geschichten über meine Erlebnisse mit der Bahn geschrieben, als ich Finger und Zehen habe, aber was mir kürzlich passiert ist, ist wieder mal ein Paradebeispiel für verkorksten Service.

An einem Samstag vor ein paar Wochen, musste ich für einen Workshop nach Belgien, genauer gesagt fuhr ich nach Lüttich, die Stadt mit dem geilsten Bahnhof der Welt, Liege-Guillemins. Vorab kaufte ich mir im Internet ein Ticket, morgens früh hin, Abends zurück (ist ja nur eine Stunde).

Nun ergab sich aber, dass ich an dem Abend noch nach Düsseldorf musste und nicht in Köln bleiben würde. Also wollte ich noch ein kleines Regionalbahnticket nach Düsseldorf kaufen. 20:25 würde ich in Köln ankommen und 20:31 würde eine Regionalbahn nach Düsseldorf fahren. Dummerweise, „Preisauskunft“ nicht möglich, konnte ich kein Ticket kaufen. Mit meiner Bahncard hätte ein ICE-Ticket € 8,25 gekostet, ein IC oder EC-Ticket € 5,50, aber ein Regionalverkehrsticket, nee, das geht nicht.

Ich selbst bin natürlich nicht auf die Idee gekommen, ein Ticket für einen späteren oder früheren IC zu kaufen und dann einfach den Regionalzug zu nehmen, das fiel mir erst ein, als ich am nächsten Morgen extra früh zum Fahrkartenautomat ging, um ein Regionalticket zu kaufen. Der Automat wollte € 9,60 – ja, das macht natürlich Sinn … nicht!

Dennoch, ich hatte keine Geduld und hämmerte die Verbindung ein, immer wieder auf die „später“ Taste, um die Verbindung für die richtige Uhrzeit zu finden. Fast hätte ich das Ticket gekauft, als ich das Kleingedruckte am Bildschirm sah, nämlich das mein Ticket ab dem Kauf nur ein paar Stunden gültig sei und somit das Ticket heute Abend schon nicht mehr verwendbar wäre.

Verdammt! Warum nennen die mir dann die Verbindung? Also ging ich ins Service-Zentrum. 15 Schalter, nur 2 davon besetzt, Riesenschlange. Das würde nicht mehr reichen. Also zum Infostand und der Frau mein Problem geschildert:

„Ich komme 20:25 hier in Köln wieder an und will weiter nach Düsseldorf mit dem Regionalzug um 20:31. Am Automaten kann ich kein Ticket kaufen, wie bekomme ich denn dann ein Ticket?“

„Gar nicht.“, sagte sie.

„Ja, wie jetzt, ich muss doch irgendwie ein Ticket kaufen können, im voraus geht das nicht und die 6 Minuten Umsteigezeit reichen nicht!“

Sie erzählte mir dann, dass man auch kein Anschlussticket kaufen könne, das 6 Minuten keine „offizielle Umsteigezeit“ seien für den Kölner Hauptbahnhof, das seien 8 Minuten. Ich könne das zwar schaffen, aber offiziell sei das kein Anschlusszug

Ich beschwerte mich und fragte, was das denn für ein Schwachsinn sei, es muss doch möglich sei, ein Ticket für einen Zug zu kaufen, am Automat gelte der nur ein paar Stunden.

Sie sagte, da könne die Bahn nicht für. Ich fragte, wer denn sonst? Ich vielleicht?


Sie meinte, dass das Verkehrsverbund sei und man in Bussen und U-Bahnen ja auch nicht im voraus Tickets kaufen könne. Hallo, Du Trulla. 1. stimmt das nicht, ich habe hier auf meinem Schreibtisch Bus- und U-Bahn-Tickets liegen und 2. kann ich in den verdammten Bussen selbst Tickets kaufen, im Zug aber nicht und werde automatisch als Schwarzfahrer angesehen, wenn ich zum Schaffner gehe und sage, dass ich noch kein Ticket habe!

Die einzige Möglichkeit wären Streifentickets, die ich an den Vorverkaufsstellen bekomme könnte, dann müsse ich aber 4 kaufen. „Leck mich am Streifen!“ rief ich noch und ging zu meinem Zug.

Die Bahnmitarbeiter können ja nichts dafür, dass ihre Firma krank ist, aber diese dann auch noch zu verteidigen und so tun als sei ich, der Kunde, der Depp, das muss wirklich nicht sein. Natürlich ist das Scheiße, wenn die arme Mitarbeiterin am Servicedesk den ganzen Tag von unzufriedenen Nörglern angepöbelt wird, aber immerhin, sie arbeitet halt für die Bahn.

Also fuhr ich erst mal mit dem Zug nach Belgien los und brodelte über die unverschämte Behandlung am Info-Counter. Dann fiel mir ein, was ich hätte tun können, was mir die dumme Nuss am Schalter auch hätte sagen können:

Ich hätte ein Ticket kaufen können das nicht nur nach Düsseldorf, sondern noch etwas weiter geht, knapp außerhalb des Verbundes. Nach Hösel, z.B. 1. hätte mich das nur € 5,70 gekostet, 2. hätte ich das Tage im voraus kaufen können, 3. hätte mich kein Mensch der Welt daran hindern können, trotzdem in Düsseldorf auszusteigen. Absolut absurd! Eigentlich will die Bahn, dass ich für eine kürzere Strecke fast das Doppelt ausgebe und mich verbiege!

Teil 2 ist hier.

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Die flatulierende Vegetarierin im Flugzeug

 

Am Freitag bin ich von meinem letzten Schiffseinsatz nach Köln zurückgeflogen, ausgerechnet von Heraklion aus, dem Flughafen der Hölle, wie ich letztes Mal schon berichtete.

Diesmal war es auch nicht anders. Mehrfaches stundenlanges Anstehen unterbrochen von übersteuerten Lautsprecherdurchsagen hysterischer griechischer Flughafenangestelltinnen.

Und als ich mich bei der Gepäckabgabe anstellte und endlich dran kam, musste ich mein Gepäck öffnen, da die Behörden etwas metallisches im X-Ray sahen, das sie nicht identifizieren konnten. Auch als ich mit ihnen in einen Nebenraum ging und mein Teil auspackte, konnten sie nichts damit anfangen.

So sah es aus:


xrayding

Wer weiß, was das ist und es in die Kommentare schreibt, bekommt ein Dankeschön.

Über den restlichen ellenlangen Prozess des Eincheckens möchte ich gar nicht weiter berichten, da empfehle ich den alten Beitrag, jedoch habe ich mich, als ich endlich in der Abflughalle war, mich in ein Buch vertieft, das tierisch interessant war. Carl Hiaasen ist ein Wahnsinns-Autor.

Ich wunderte mich immer über die Menschen, die aufgerufen werden „Mr. Golf, this is the last call for flight AB6122. Please proceed to the gate immediately! The plane is ready for take-off! I repeat, Mr. Golf, you idiot, Mr. Golf, come to the gate now, the plane will go to Munich without you!“

Munich? Ach Du meine Güte, ich fliege doch über München! Ist es schon so spät? Kurz mal auf die Uhr geschaut und festgestellt – die meinten mich. Mr. Golf, Wolff, Strolch, egal. Jetzt war ich auch einmal einer dieser Deppen. Das liegt also an guten Büchern.

Im ersten Flug schlief ich dann sofort ein – endlich hatte ich mal einen Sitzplatz am Fenster und direkt daneben – in der 3er-Reihe einen Platz frei. Die Freude wurde allerdings schnell getrübt, denn ich wachte auf, als sich die dickste Frau der Welt auf den Platz am Gang setzte und ich Platzangst bekam, obwohl eigentlich zwischen uns noch ein Sitz frei war.

Als die Getränke verteilt wurden, fragte die verdammte Stewardess jeden einzelnen Gast, was sie trinken wollten, nur unsere Reihe ließ sie aus. Die dicke Frau beschwerte sich: „Entschuldigung, ich hätte auch gerne was zu trinken!“. Die Stewardess kam zurück, fragte nach dem Getränkewunsch und ging wieder – ließ mich also ein zweites Mal aus! Somit wurde jeder Gast wahrgenommen, bis auf einen – ich. Toll fürs Selbstbewusstsein. Obwohl, wahrscheinlich hat mich die Stewardess hinter dem Berg Frau gar nicht gesehen.

Ich schlief also wieder ein und träumte, wie die Frau sich eine Alternative zur Anschnallpflicht überlegen musste, denn die Länge des Gurtes reichte bei weitem nicht. Sie konnte auch nicht die Armlehne herunterklappen, denn sie war zu breit, um sich zwischen die Lehnen zu setzen. Also setzte sie sich auf die Lehne. Eine Arschbacke auf dem linken Stuhl, eine auf dem rechten. Die Lehne war allerdings hochgeklappt, sie steckte also eine der Körperöffnungen da unten auf die hochstehende Lehne und hatte einen sehr anregenden Flug. Ich hatte einen Albtraum.

Im zweiten Flug, der von München nach Köln, sollte eigentlich alles besser werden: Kürzerer Flug, mehr Beinfreiheit, auch ein Sitzplatz neben mir frei, alles wunderbar. Bis auf die flatulente Vegetarierin vor mir. Aber was soll man da machen?

P.S.: Zur weiteren Flughafen-Lektüre empfehle ich meine Artikel „Für ein Stehverbot auf Rollbändern„, „Flughafen Köln – mit Englisch zur Weltspitze„, „Was ist schlimmer als 2 Scheren? Eine Schere!“ und „Luftschlange stehen

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Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Hamburg nach Kiel

 

Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Hamburg nach Kiel

unter folgenden Voraussetzungen: Besitz einer Bahncard 50, eines € 20 – Scheins und einer EC-Karte.

1. Einige Tage vorher schaust Du im Internet bei bahn.de, welche Verbindungen es gibt und was ein Ticket kostet. Natürlich möchtest Du für diese kurze Strecke einen Regionalzug nehmen, das wird doch bedeutend billiger sein, als der teure ICE.

2. Das Internet spuckt Dir als Ergebnis „Preisauskunft nicht möglich“ aus. Warum denn?

[random]

3. Am Tag der Reise fährst Du mit der Hamburger U-Bahn an den Hauptbahnhof. Du kaufst fast eine Karte zum falschen Preis, denn „Hauptbahnhof“ steht auf der Liste der Fahrtziele im Preisbereich 1 und 2 nicht drauf und Du schenkst dem Satz „Alle anderen Ziele liegen im Preisbereich 3“ Glauben. Bis Du einen anderen Zettel entdeckst, wo steht, dass Hauptbahnhof im Preisbereich 1 liegt. So will der HVV also extra Geld verdienen.

4. Am Hamburger Hauptbahnhof gehst Du aus dem U-Bahn-Bereich in den Bahn-Bereich und suchst einen Automaten. Etwas schwierig, denn die ersten 20 Automaten, die Dir begegnen sind nur Automaten für die U-Bahn. Schließlich findest Du einen und stellst Dich in die lange Schlange davor.

5. Du kannst auswählen: „Schleswig-Holstein Regionalverkehr ohne Zuginformation“ oder „DB Tickets mit Zuginformation“. Da Du wissen willst, wann Du fährst, wählst Du DB Tickets.

6. Du lässt Dir anzeigen, welcher Zug für Dich in Frage käme, kannst ihn da aber nicht buchen, da es ein Regionalzug ist. Du wirst also doch zum Schleswig-Holsteiner Verkehrsverbund umgeleitet.

7. Du gibst Dein Ziel „Kiel“ ein. Der blöde Automat fragt Dich, ob Du über Lübeck oder Elmshorn fahren willst. Du hast keine Ahnung.

8. Du rätst einfach mal, dass die billigere Strecke auch die kürzere ist und wählst diese. Der preis ist € 18,60. Du tippst „Bahncard 50“ und der neue Preis ist € 13,75. Das ist eine Ermäßigung von 25 Prozent. Du verfluchst die Bahn, weil sie den Kunden glaubhaft macht, wenn man die Bahncard 50 hätte, bekommt man 50% Ermäßigung auf die Tickets der Bahn.

9. Du denkst kurz nach, drückst noch mal auf „Abbrechen“ und fängst noch mal nach vorne an und suchst einfach mal so nach einem ICE. Siehe da, das würde nur € 13,- kosten. Du schimpfst laut auf die Idioten der Bahn, die Bummelzüge teurer als Schnellzüge machen. Klar, wer längere Zeit im Zug verbringt, soll auch mehr zahlen, oder was?

10. Ein Typ kommt auf Dich zu und fragt Dich, ob Du auch nach Kiel fährst und ob man zusammen fahren solle. Dann könne man ein Schleswig Holstein Ticket kaufen und würde Geld sparen.

11. Du drückst also noch mal auf „Abbrechen“ und wählst das Schleswig-Holstein Ticket. Da die Hälfte des Preises von € 29,- Euro nicht billiger als das ICE Ticket, noch nicht mal billiger als das teure Regionalzug-Ticket ist, schlägst Du die Hände über dem Kopf zusammen, drückst nochmal auf „Abbrechen“ und wählst noch einmal das ICE Ticket.

12. Der Automat fragt Dich, ob Du Bahnbonus-Punkte sammeln willst. Du steckst also die Bahncard in den Automaten und wartest. Dem Automaten scheint nicht bewusst zu sein, dass der Zug gleich abfährt.

13. Schließlich versuchst Du die 13 Euro zu zahlen und versuchst einen 20 Euro-Schein in den Schlitz zu stecken. Das ist dem Automaten aber zu viel, denn er will nur Schein bis 10 Euro.

14. Du verpasst den Zug.

Siehe auch meinen ähnlichen älteren Artikel: „Anleitung für den Kauf eines Bahntickets von Köln nach Berlin, von Berlin nach Hamburg und von Hamburg nach Köln


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Reisebericht Köln – Hamburg

Selbstverständlich ging das wieder nicht gut. Auf meiner Reise von Hamburg nach Köln hatte ich festgestellt, dass mindestens alle Stunde ein Zug die Strecke fährt, also machte ich mich gar nicht erst daran, im Voraus zu buchen. Kam also irgendwann paar Minuten nach 13 Uhr am Kölner Hauptbahnhof an und stellte mich an den Fahrkartenautomaten, um den nächsten Zug zu buchen.

Der wurde mir auch angezeigt, ein IC um 13.11 Uhr, ohne Umsteigen. Klar, den nehme ich. Als ich aber endlich fertig war, die vielen Tasten zu drücken, Sitzplatzreservierung ja/nein, PIN-Nummer der EC-Karte, Bahn-Bonus-Punkte sammeln oder nicht, etc. etc. etc. war es bereits 13.11 Uhr.

Na ja, der Automat muss wissen, was er mir verkauft, wahrscheinlich hat der Zug Verspätung. Das dachte ich zumindest, doch obwohl ich ans Gleis hetzte, den Zug erreichte ich nicht mehr. Der Kölner Bahnhof ist ja so dämlich konstruiert, dass man auch erst tatsächlich auf dem Gleis sieht, ob man den Zug verpasst hat, er gerade da steht oder er noch kommt.

Nun gut, ich wusste, dass es noch einen IC 13.13 Uhr gab, zwar mit einmal Umsteigen, aber mit gleicher Ankunftszeit. Praktisch, nicht wahr? Doch selbstverständlich fuhr der von einem anderen Gleis los, und mit meinen 40 Kilo Gepäck und einem Haufen lahmarschiger Menschen vor mir, die vor lauter miteinander Tratschen das Laufen vergessen, erreichte ich auch diesen Zug nicht mehr.

Kein Problem, der nächste Zug würde 13:49 fahren. Ein ICE sogar, aber mit einmal in Hannover umsteigen. Das schöne daran, ich muss jetzt irgendwo einen ICE-Zuschlag oder derartiges kaufen, mal schauen, ob das im Zug geht. Und ich muss irgendwie organisieren, dass ich in Hamburg den Schlüssel zu meiner Unterkunft bekomme, denn den sollte ich bis spätestens 18 Uhr abholen. Das würde knapp werden, wenn alles gut liefe, würde ich um 17:55 am Hauptbahnhof ankommen.

Der Schaffner kam dann auch an und ich schilderte ihm mein Problem. Er sagte: „Und über welche Verbindung möchten Sie dann fahren? Über Hannover?“ – „Ja, was wäre denn am Besten?“ antworte ich. „Na das frage ich Sie!“ herrschte er mich an.

Letztendlich verkaufte er mir aber eine ICE-Zuschlag, ich musste ihm nur noch meine Bahnkarte geben. „Punkte sammeln?“ fragte er. „Ja, wenn das geht?“ antwortete ich bescheiden. „Wäre ja doof, wenn ich fragen würde, ob sie Punkte sammeln wollen, wenn das nicht geht!“ belehrte er mich. Er hatte ja Recht, aber wann begegnet mir endlich mal ein netter Schaffner?

7 Euro kostete der Spaß, ich gab ihm 52, damit er mir besser raus geben konnte.

„Haben Sie das Kleiner?“
„Nein, leider nicht.“
„Schauen Sie nochmal nach!“
„Okay. Nein, hab ich leider nicht.“
„Das kann ich nicht wechseln.“
„Oh. Tja dann. Nehmen Sie EC-Karte?“
„Nein.“
„Und nun?“

Nun, keine Ahnung, was passiert wäre, wenn er wirklich nicht wechseln könnte, er murmelte irgendwas von Belegquittungsrechnungseinreichungsformular oder etwas ähnlichem oder komplett anderem, aber er nahm missmutig seine private Geldbörse, wo er massig Scheinchen zum Wechseln hatte.

„Vielen Dank.“ sagte ich.
„Was?“ sagte er.
„Nichts, schon okay.“

Einen Bahnhof später stiegen einige Leute zu und er musste seine Runde machen. „Noch zugestiegen?“ fragte er durch die Reihen. Auch bei mir machte er halt, er hatte vergessen, dass er gerade bei mir war. Einen Sitz hinter mir gab ihm ein indischer Business-Mann die Fahrkarte. „Da fahren sie aber nicht so die richtige Route“, sagte der Schaffner.

„Soddy?“ fragte, der Inder, der kein Deutsch sprach. Da der Schaffner aber weder der englischen noch der indischen Sprache mächtig war, überlegte er kurz, entschied sich dann einfach ohne weiteren Hinweis die Karte zu knipsen und sagte nur: „Schöne Reise noch.“

„Soddy?“ sagte der Inder.

In Hannover musste ich umsteigen und natürlich hatte er Zug, in den ich steigen sollte, Verspätung. In Hannover kommen die Bahnsteig-Ansagen von einer computergesteuerten Stimme. Als die Ansage, dass der Zug ein paar Minuten Verspätung haben würde, fertig war, fuhr der Zug ein.

Der war ziemlich voll, so dass ich Mühe hatte, mein Gepäck unterzubringen. Ansonsten war alles in Ordnung. Bis auf meinen Sitznachbarn. Der hatte ein Handy mit Touchscreen und einen kleinen Plastikstift, mit dem man auf das Display tippt. Eine ganze Stunde lang hat er Termine aus seinem Notizbuch übertragen. Dummerweise hat jede Berührung des Stiftes mit dem Bildschirm ein akustisches Signal, ein elektronisches „klack“ ausgelöst und das Ganze nicht einmal leise. Es hat mich in den Wahnsinn getrieben, letztendlich bin ich aber doch in Hamburg angekommen.

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Die Illuminaten fahren Bahn auf dem Weihnachtsmarkt

Und wieder hatte ich den Plan zum Chlodwigplatz zu gehen und mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof zu fahren. Nach dem letzten Dilemma des Wartens auf die 16 entschloss ich mich diesmal, einfach mit der gerade ankommenden 15 zum Barbarossaplatz zu fahren und dann dort eben umzusteigen. Einen Versuch war es wert.

Doch schon nach einer Station war Schluss. Ach was, vorher schon! An der Ampel der Kreuzung vor der Station Ulrepforte blieb der Wagen stehen. Völlig normal, vielleicht steht die Ampel ja auf rot. Doch nach 5 Minuten wurde mir dann etwas langweilig. Erst nach 10 Minuten bequemte sich der Fahrer, eine Durchsage zu machen:

„Sehr geehrte Fahrgäste, hier geht es jetzt nicht weiter. Da am Barbarossaplatz der RTH erwartet wird gibt es einen Rückstau der Bahnen. Ich werde jetzt auch die Türen öffnen und sie können aussteigen, allerdings auf eigene Gefahr!“

Natürlich sagte er nicht, wann es weitergehen würde. Natürlich wurde einem das auch nicht bereits am Chlodwigplatz gesagt, wo es schon feststand, dass die Züge von Ulrepforte bis Barbarossaplatz (immerhin 3 Stationen) feststecken. Natürlich hatte ich mir ausnahmsweise eine dieser saumäßig teuren Fahrkarten gekauft, nur so aus Nettigkeit dem KVB gegenüber, ab und an kann man das ja mal machen, anstatt gerechtfertigt schwarz zu fahren.

Ausgerechnet dann klappte nix. Aber ich hatte ja einen Zug am Hauptbahnhof zu erreichen. Also stieg ich aus. Was nun? Am Ulrepforte Gleis sah ich direkt vor der 15 die 16 stehen, ha, welch Ironie. Sollte ich also zum Barbarossaplatz laufen und von da aus sehen was geht? Oder die Straße Richtung Neumarkt laufen, weil da doch der Bus entlang fährt. Und von Neumarkt bis Hauptbahnhof ist ja nicht so weit.

Ein paar Meter weiter sah ich schon das Mediamarkt-Werbeplakat, ein untrügliches Zeichen dafür, dass da auch eine Bushaltestelle sein müsse. Kleine Bemerkung am Rande, ich glaube es gibt mehr Mediamarkt Werbung, als alle andere Werbung zusammen. Ach so, dann ist Geiz doch nicht geil? Ich lief also dahin, aber es entpuppte sich tatsächlich nur als Werbewand, keine Bushaltestelle in der Nähe. Ich lief also weiter, ich wollte den Zug ja irgendwie bekommen. Wenn ich lief sage, meine ich nicht Gehen, sondern tatsächlich Laufen.

Ich will kurz vorweg nehmen, ich habe den Zug erreicht. Der ICE auf der Hypergeschwindigkeitstrecke zwischen Köln und Frankfurt. Da wirken unglaubliche Fliehkräfte, die mich am Tippen hindern wollen und es wackelt alles wie verrückt. Warum? Ich dachte, Züge fahren auf Gleisen?

Wie dem auch sei, kam ich dank meiner Wanderung auf die Severinsstraße. Da ist auch eine U-Bahn zum Neumarkt. Wie die Sardinen waren die Leute darin eingequetscht, so dass ich dachte, dass vielleicht das ganze Netz zusammengebrochen ist und mich entschied, lieber weiter Richtung Hauptbahnhof zu laufen.

Schließlich gibt es ja den 133, der fährt zum Heumarkt, den könne ich ja nutzen, um ein paar Meter zu sparen. Da ist ja auch schon einer! Hundert … zweiunddreißig? Nanu, fährt der auch zum Neumarkt? Ich frage die Fahrgäste und springe noch schnell auf, als sie bejahen.

Zwei Stationen später, am Heumarkt, setze ich meine Wanderung Richtung Dom und Hauptbahnhof fort. Doch da sind ja die verdammten Weihnachtsmärkte dazwischen, die man ja eigentlich liebt, aber nicht, wenn man mit Rucksack und Koffer durch die besoffenen  Glühwein-trinkenden Vorstädter mit lustiger Nikolausmütze als Ausdruck gemeinsamer Individualität hindurch muss.

Na irgendwie hab ich es dann doch an den Hauptbahnhof geschafft. Hab dann noch kurz einen 132er Bus entdeckt und festgestellt, dass der vom Heumarkt weitergefahren wäre, direkt zum Hauptbahnhof. Warum hat mir das keiner gesagt? Na gut, ich hab ja auch keinen gefragt.

Am Hauptbahnhof selbst sehe ich die Anzeigetafel der U-Bahn. Ganz viele Züge der Linie 16 sind in der Zwischenzeit angekommen. Was auch immer der RTH ist und was er wollte, er war anscheinend viel schneller, als der U-Bahnfahrer vermittelte. Ich hätte also sitzen bleiben sollen.

Im Zug die Zugchefin spricht ihre Ansage wieder so nett auf englisch „wällkom änd senk ju foa träwweling wisse deutsche bahn … bla bla bla … weia Mannheim and Karlsruh. Mei Näijm is Mandy Sandig.“

Mandy Sandig? Böse Eltern das. Böse, böse.

Das schreiende Kind der Illuminati ist übrigens auch wieder im Waggon. Diesmal schreit es aber nicht nur, sondern rennt dabei durch die Gänge. Ist es in diesem Fall erlaubt, ein Bein zu stellen? Es weint und schreit „Mein Pferd, mein Pferd!“ Ja, mein Königreich für ein Pferd.

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Wie man kein Vorstellungsgespräch organisiert | Reisebericht Amsterdam – Köln Teil 3

Teil 1 gibt es hier, Teil 2 hier.

Aber ich will noch kurz auf den Utrechter Bahnhof zurückkommen. Ich habe ja schon oft über die Hässlichkeit deutscher Bahnhöfe gesprochen, wie sehr so manche architektonischen faux-pas und Einrichtungs-No-No’s schmerzen, doch das nehme ich alles wieder zurück. Im Vergleich zu diesem holländischen Bahnhof sind die Deutschen Bahnhöfe wahre Design-Wunder. Da steht ja alles quer in dieser wirklich hässlichen Ghetto-Wellblechhütte über den Gleisen.

Der Bahnhof ist außerdem besiedelt von radioaktiven Killerspatzen. Diese Mutanten sind mindestens doppelt, wenn nicht gar vier mal so groß wie ihre gemeinen deutschen Vertreter und haben stellenweise ein bläulich leuchtendes Fell. Mit ihrer Art sich kamikazeartig auf Krümel zu stürzen jagen sie sogar den dort ansässigen Tauben Angst und Schrecken ein und bringen ihnen Unterwürfigkeit bei. Sie verursachen dabei einen derartigen Zwitscher-Lärm wie diese absolut nutzlosen Kirmesverkäufer, die so komische Pfeifen, die man in den Mund nimmt um Vogelgeräusche zu imitieren. Dass diese Kirmesverkäufer dieselben Leute sind, die sich vor den Zug werfen, um mich um mein Bewerbungsgespräch zu bringen, halte ich für ein Gerücht.

In den Niederlanden sind allerdings die Zugbezeichnungen ehrlicher. Ein Bummelzug etwa wird nicht als Regional-Express hochgelobt, wie es die Marketingfachleute der deutschen Bahn versuchen, sondern heißt auf den Punkt gebracht: Stoptrain.

Das Vorstellungsgespräch –  darüber zu schreiben ist mir jetzt zu persönlich. Nur so viel, ich habe keine Absage, aber auch keine Zusage. Ich gehe davon aus, das ist eine Absage, aber sie waren zu feige, es mir persönlich zu sagen. Schließlich bin ich ja extra aus Amsterdam gekommen.

Am Abend nach der Vorstellung verabredete ich mich dann mit einem alten Kollegen, der mir telefonisch die Bar mitteilte in der er sei. Allerdings verstand ich kein Wort. Das „Kreatheater“, so viel verstand ich noch, aber der Straßenname war für mich unwiederholbar: „Kröjnaarechtelingkröchchenjekenskenstraat“ Was? Also hielt ich dem beflissenen Taxifahrer das Handy ans Ohr. Es ist wohl ein Fehler zu denken, dass ein holländischer Taxifahrer mehr holländisch versteht, als ein dummer deutscher Tourist. Das wurde mir klar, nachdem der Taxifahrer nach einer kurzen Fahrt, bei der das Taxameter allerdings wie die Millisekunden bei einer Stopp-Uhr auf 20 Euro ratterte, mich vor dem „Carré-Theater“ in einer komplett anderen Straße ablieferte.

Weil ich nicht nochmal 20 Euro ausgeben wollte, machte ich mich auf, die halbe Stadt zu durchqueren. Eine kleine Wanderung, um abzukühlen wäre gar nicht schlecht. Die 20 Euro gab ich dann für Auslands-Handy-Gebühren aus, da ich ständig meinen Kollegen anrufen musste, um erneut nach dem richtigen Weg zu fragen.

Die Nacht durch trank ich Bier.

Noch kurz zur Rückfahrt am nächsten Morgen. Am Amsterdamer Bahnhof war der ICE nach Hause selbstverständlich nicht da. Und wieder gab es eine Durchsage, dass der Zug an einem anderen Gleis stehe. Diese Durchsage, obwohl dreisprachig vorgetragen verpasste ich fast, weil ich mich über diese Kriminellen aufregte, die Getränkeautomaten falsch bestücken, so dass man eine Coca-Cola Zero bekommt, wenn man auf die Taste für eine normale Coca-Cola drückt. Anscheinend operieren diese Leute international. Hoffentlich werden sie mal Kirmesverkäufer.

Ich schaffte es also noch rechtzeitig zum anderen Gleis, doch da stand kein ICE, sondern irgendein alter ungeheizter Kasten. In den sollte ich trotzdem einsteigen, der ICE würde nicht ab Amsterdam fahren, sondern dieser Zug würde uns über Utrecht und Arnheim nach Emmerich bringen, wo der ICE auf uns wartete.

Bis ich also in Köln war hatte ich wieder mehr als eine halbe Stunde Verspätung, doch jetzt musste ich ja nur noch in die Linie 16 steigen und schnell nach Hause … was ist das denn? „Wegen mutwilliger Zerstörungen fällt die Linie 16 aus“? Wahrscheinlich waren das frustrierte Bahnkunden…

Auch schauen: Hier erfahrt ihr Alles über die Deutsche Bahn