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Keinohrhase getötet – Til Schweiger auf Rachefeldzug?

 

Im kleinen Zoo von Limbach-Oberfrohna gab es eine Sensation und kurz darauf eine Katastrophe. Tatsächlich kam ein Keinohrhase zur Welt, ein kleines süßes Ding, ohne Ohren. Und nachdem die Lieblinge der Tierwelt, Knut, Heidi und Paul alle tragischerweise verstorben sind, hatte das kleine Ding, genannt Til, alle Voraussetzungen ein neuer Star zu werden.

Selbstverständlich rückte gleich ein Filmteam an, um den kleinen Rammler zu filmen. Und da geschah das Unglück: Der Kameramann trat auf den Hasen und Til war sofort tot.

„Ich habe ihn nicht gesehen und er hat mich wohl nicht gehört“, sagte der Kameramann.

Geht auch schlecht, ohne Ohren. Der (blinde?) Kameramann trat auf den Hasen, als er rückwärts ging und wir wissen ja alle, hinten hat man keine Augen. Das haben nur Lehrer.

„Das kann jedem mal passieren, da kann der Kameramann nichts dafür, war halt ein Unglück“ meinte der Zoodirektor unter Tränen, weil er Millionen von Werbeeinnahmen davon schwimmen sah.

Der Kameramann hingegen ist selbst geschockt, nicht etwa weil der Hase tot ist, sondern weil jetzt Millionen von Frauen ihn hasen, äh, hassen. Die Frage ist, wie Til Schweiger reagiert. Schweigt er?

Okay, das war jetzt doof, aber ein Hase, der nichts hört, ein Kameramann, der nichts sieht – da passt doch ein Schauspieler, der nicht sprechen kann in die Reihe. Doch Til Schweiger wird der Keinohrhasen-Rächer sein, der Kameramann kann sich dick einmümmeln. Als er von dem neuen Fall erfuhr – immerhin wurde der Kameramann freigelassen und kann weitere Hasen umbringen – platzte ihm der Kragen. Sein Statement in der Sendung von Wetten Dass – Moderator Markus Lanz:

„Da müssen wir einführen, was in Amerika gang und gäbe ist, wir brauchen eine Meldepflicht für Kameramänner, ich weiß überhaupt nicht, was daran verwerflich ist! In Amerika, in Amerika kann ich im Internet nachgucken und sehe ’nen roten und so gefährliche Farben… in meiner Nachbarschaft wohnt in 300m Luftlinie ein vorbestrafter Kameramann. Das ist Punkt 1. Und das ich wei‘, und das ist wieder das deutsche Gutmenschentum, das ist gegen die Hasenwürde. Von welcher Würde reden wir? Also ich bin der Meinung, dass jemand der einen Hasen umbringt, der hat sein Recht in dieser Gesellschaft verwirkt. Es ist einfach so, die Leute, wenn jemand so was sagt, wie ich, dann ist das populistisch, ja, das wird jeder sagen Til Schweiger ist’n Populist, weil das ist einfach, sich für Hasen einzusetzen, ja, das ist, das ist, diese Leute, die sind dumm und naiv und die ham keine Phantasie! Das sind intellektuelle Menschen – ich verurteile jetzt nicht alle Intellektuelle, ich äh beachte mich selber als intellektuell, aber die ham keine Phantasie, die können sich nämlich nicht vorstellen, was vorhin gesagt worden ist, es passiert im Fernsehen, es passiert den andern, aber es passiert mir nicht. Und jeder, der sich einmal mit ein bisschen Phantasie in die Lage von Til hineinversetzt, der muss doch verzweifeln!“

Wir sind gespannt, wie sich der Rachefeldzug weiter entwickelt und hoffen, dass der Kameramann jetzt nicht noch irgendwelche Küken mit zwei Ohren zerstampft. Aber die können ja wenigstens hören, wenn er sich nähert.


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Hirnentleerte Raver fordern ihr Grundrecht auf Loveparade, finden Absage „das Letzte“

 

Gestern im Radio: 1live spielt den ganzen Tag Depri-Mucke und lässt Hörer anrufen, um ihre Gedanken zum Love-Parade Unglück auszudrücken. Mehrere Leute rufen an und berichten, wie sie die Katastrophe mitbekommen haben und einige – selbst welche, die im Gedränge steckten – kritisieren vor allem die Entscheidung des Veranstalters Rainer Schaller, keine Loveparades mehr durchzuführen.

Da geht mir doch die Hutschnur hoch. Und so etwas läuft dann unkommentiert übers Radio, als ob das eine Meinung sei, die zumindest vertretbar wäre. Boah, was für Ekelpakete müssen das sein?

Also erst mal abseits aller Tragödie: Wenn ein Veranstalter eine Veranstaltung in Zukunft nicht mehr durchführen möchte, ist das komplett seine Sache. Wenn ich zu meinem nächsten Geburtstag keine Party schmeiße, kann mich dafür niemand beschimpfen, niemand hat ein Recht darauf.

Aber in etwa zu sagen: „ich hab Mitleid mit den Opfern, es ist eine Riesentragödie, aber die Entscheidung, die Loveparade in Zukunft nicht mehr zu machen ist echt das Letzte“ oder eine „Unverschämtheit“, ist schon kriminell. Wer auch immer da angerufen hat und das gesagt hat:

Du dummes Huhn! Dir passt nicht, dass ein Veranstalter sich entscheidet, eine Veranstaltung nicht mehr durchzuführen und Du denkst tatsächlich, Du hättest ein Anrecht auf die Veranstaltung? Dann mach sie doch selbst, Du Spinner! Es hindert Dich ja sicherlich niemand dran, selbst eine Veranstaltung zu organisieren.

Ich flipp aus. Irgendwie finde ich es auch gar nicht verkehrt, dass es die Veranstaltung Love-Parade jetzt nicht mehr gibt, denn keiner von den Medienvertretern, die jetzt tagein tagaus darüber reden, kann den Namen richtig aussprechen, am allerwenigsten 1live Moderatoren und Reporter. Die eine Hälfte spricht von der „Loff-Parade“, die andere von der „Laugh-Parade“. Loff-Parade, ich kann es nicht mehr hören, da ist ja Lena Meyer-Landrut noch erträglicher!

Vorgestern, als noch nix Schlimmes passiert ist, hatte ich auch die Idee, als Gegenveranstaltung eine tatsächliche Laugh-Parade zu organisieren, wo auf einem stillgelegten Bahnhof Floats im Kreis fahren, auf denen Comedians stehen und ihre Witze erzählen. Den Gag kann ich jetzt auch vergessen.