Zum Kaffee in die Bahn

Vor ein paar Tagen musste ich morgens im ICE nach Berlin fahren. Da ich noch einen anstrengenden Tag vor mir hatte und unbedingt Koffein brauchte, machte ich mich auf den Weg zum Bordbistro.

Es war ein alter ICE, einer der ersten Generation und wer denkt die größten Design-Verbrechen seien mit dem 80er-Jahren abgegolten, der hat noch nicht das rosa/hellblaue 90er Jahre Design des Bistros gesehen. Könnt ihr Euch an Wolfgang Lippert erinnern? Wenn Wolfgang Lippert ein Zugwaggon wäre, würde er genau so aussehen.

Kaffee in den Zügen der deutschen Bahn ist aus unerfindlichen Gründen nicht genießbar, zumindest scheint niemand eine Initiative zu ergreifen, um wenigstens den Koffeintrunk zu verbessern, wo doch angeblich Michelin-Sterneköche den Speiseplan des Restaurantwaggons kreieren.

Immerhin gibt es jetzt Espresso – aber, große Schande: Den Espresso gibt es nur als Instant-Kaffee. Instant-Kaffee, das Zeug das man auf Campingplätzen trinken kann oder wenn man alleine durch das australische Outback wandert. Instant Kaffee – mit dem Duft der weiten Welt – genauso wie das Giraffenhaus im Zoo den Duft der weiten Welt besitzt.

Der Geschmack von Instant Coffee ist unter aller Sau, und wer sagt, er würde das Zeugs wegen des Geschmacks trinken, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Die Wirkung von Instantpulver-Kaffee ist allerdings noch viel schrecklicher. Es wirkt wie ein brauner Amazonasfluss, aus dem im Magen plötzlich klitzekleine Piranhas schießen, die sich in der Magenwand festbeißen und knabbern.

Also habe ich natürlich einen regulären Kaffee bestellt. Der schmeckt allerdings auch nicht besser, sondern eher wie wenn man sein ganzes Geschirr spült, das Spülwasser dann durch einen Filter kippt, der mit Karokaffee und – nun ja – Instantkaffee und gemahlenen Bahngleisschotter gefüllt ist. Dann wird das ganze aufgewärmt und mit etwas Motorenöl verfeinert und noch ein paar Schuhsohlen und Fingernägel von Schwarzfahrern beigemengt.

Ich habe den dann nur zur Hälfte getrunken.

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Verhaltensregeln in der Bahn: nett oder böse?

Ein Kampf zwischen Gut und Böse, ein Kampf zwischen Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter, ein Kampf zwischen Weltverbessern und Schadenfreude tobte im Speisewagen des ICE. Einen Tisch weiter als ich saß nämlich ein Businessmann, der in seinen Laptop vertieft war, während er auf sein Essen wartete. Sein Glas Rotwein hatte er etwas neben den Computer gestellt.

Nun ist es aber so, dass es eine Tischkante in der Mitte gab, es waren also zwei Tische zusammengestellt, und das Weinglas rückte durch die Vibration des Zuges unendlich langsam aber unaufhörlich immer näher an den Computer heran.

Ich beobachtete das eine Weile und mir wurde klar, dass der Herr nie und nimmer das Weinglas im Auge hatte. Und mir wurde auch klar, dass das Weinglas umkippen würde, wenn es die Kante erreicht hätte, und vor allem, dass es genau auf den Computer fallen würde und der Wein sich über die Tastatur ergießen könnte.

“Wie geil ist das denn?” dachte ich einerseits und ich wollte diesen Höhepunkt der Slapstick verursachenden Kettenreaktionen auf keinen Fall missen. Der Mann würde sich auch bestimmt sehr aufregen, denn schließlich wäre sein teurer Computer kaputt und er würde sich sehr ärgern und es macht immer Spaß zu sehen, wenn andere sich ärgern und nicht man sich selbst.

Das Weinglas war jetzt nur noch wenige Zentimeter von der Tischkante entfernt. Ich erwartete den Augenblick gespannt, doch so langsam meldete sich mein Gewissen. Und langsame Zweifel. Wie würde ich mich in der Situation fühlen? Ich wäre auch froh, wenn mich jemand warnen würde und meinen Computer retten würde, schließlich sind die Dinger nicht billig und an den Datenverlust wollte ich gar nicht erst denken.

Na gut, aber ich arbeite auch nicht im Restaurant mit einem Laptop. Und bin auch kein High Profile Manager, der noch viel mehr Gemeinheiten verdient hätte, als einen kleinen Computerschaden. Außerdem trinke ich keinen Rotwein beim Arbeiten.

Nur noch ein paar Millimeter… doch ich hielt es nicht mehr aus. “Entschuldigung, ihr Wein fällt gleich auf ihren Computer!” warnte ich ihn. Der Mann blickte auf, stellte das Weinglas etwas weiter weg und arbeitete weiter. Kein einziges Wort des Dankes. So ein Arsch. Ich hätte aufstehen sollen, den Wein nehmen und über seinen Computer kippen sollen: “Sehen Sie, das hätten sie auch ohne mich gehabt!” Undank ist der Welten Lohn.

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Vorurteile gegen Belgier

Diese Belgier. Ich bin denen auf die Schliche gekommen, als ich vor vielen Jahren mal da war. Wie immer wenn man sich Begrüßungs-Küsschen gibt links-rechts, dann sagen sie stolz: “In Belgien machen wir das drei mal!” und dann muss noch mal ein Kuss links kommen. Jetzt ist mir aber aufgefallen: Die sagen das nur aus patriotischen Gründen. So ein kleines Land, wenigstens dabei müssen sie sich mal bigger-better-faster-more fühlen.

Ich hab sie nämlich beobachtet. Untereinander küssen die Belgier sich nämlich nur einmal. Das mit dem dreimal hängt nur damit zusammen, dass sie glauben, dass der Kuss über die rechte Schulter den Kuss über die linke Schulter wieder aufhebt. Daher ein drittes Mal. Blöder esoterischer Quarkglaube. Verheerende Rechenkenntnisse. Wir Deutsche wissen, dass ein Kuss links plus ein Kuss rechts zwei Küsse ergibt! Und nicht null. Gott sei dank hab ich bei den Grundrechenarten aufgepasst. Ein Kuss, noch ein Kuss, macht zwei Kuss. Zwei Kuss ist mehr als ein Kuss. Ätsch. Sind wir doch besser. Und im Fußball gewinnen wir auch!

Die Frage ist allerdings, seit Corona: Werden die Belgier sich jemals wieder küssen? Werden wir uns jemals wieder die Hand geben? Nobody knows…

Deutschlands bester Witz – das kann nur schief gehen

In Sachen Humor hat Deutschland nicht gerade den besten Ruf, was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, welchen beiden Comedians es gelang das Berliner Olympiastadion zu füllen.

Das Magazin Reader’s Digest, dass ja in fast allen Ländern vertreten ist, die sich nicht von Staatswegen gegen die Seichtinvasion wehren konnten, forderte die Leser auf, Witze einzusenden. Von diesen Witzen wählten dann die Leser der nationalen Ausgaben jeweils ihren besten Witz und daraufhin ging es ins internationale Finale.

Hier ist Deutschlands bester Witz:

Kommt ein Mann zur Wahrsagerin und setzt sich vor die Kristallkugel. „Wie ich sehe, sind Sie Vater von zwei Kindern”, sagt die Wahrsagerin.

„Das glauben SIE!”, erwidert er. „Ich bin Vater von drei Kindern.”

Die Wahrsagerin lächelt und antwortet: „Das glauben SIE!”
(Quelle: welt.de)

Ha.

Wahnsinn.

Überraschenderweise landete Deutschland damit sogar auf Platz 11. Bei 12 Teilnehmern. Nur China war noch schlechter:

Meine Cousine “lieh” sich immer wieder Geld aus dem Sparschwein ihres älteren Bruders, der sich sehr darüber ärgerte. Eine Tages fand sie das Sparschwein im Kühlschrank und im Schwein einen Zettel, auf dem stand: “Liebe Schwester, ich hoffe, du verstehst, aber mein Kapital ist eingefroren worden.”

Wobei die Schweiz sich auch nicht sonderlich vom deutschen Niveau unterschied:

Ehefrau: „Liebling, hast du gesehen? Ich habe eine neue Toilettenbürste gekauft.”

Ehemann: „Ja, aber ich nehm’ doch lieber Papier.”

Ich habe weiter oben gelogen. Es gab bedeutend mehr als 12 Teilnehmer. Und ich glaube auch nicht, dass Deutschland keinen Humor hat. Zumindest nicht mehr oder weniger als die anderen Länder. Ich denke mal einfach, dass Reader’s Digest Leser nicht witzig sind, sondern ganz langweilige Leute. Sonst würden sie etwas anderes lesen.

Gut, die Engländer haben vielleicht tatsächlich mehr Humor. Den Witz verstehe ich nämlich nicht:

Etwa einen Monat bevor mein Großvater starb, schmierte meine Großmutter seinen Rücken mit Schweineschmalz ein. Danach ging alles ziemlich schnell bergab.

Kann mir den jemand erklären?

Hier geht’s zur Übersicht: Alle Witze – Witzekategorien – die besten Witze

Die Holländer schlagen ihre Frauen an Weihnachten!

Weihnachten in den Niederlanden – Sinterklaas

Ich muss mich sofort entschuldigen, das war blöd von mir. Natürlich stimmt die obige Schlagzeile so nicht, sie sollte nur Aufmerksamkeit erregen. Und dabei verteidige ich die Niederlande doch immer gegen diesen deutschen „gegen Holland“-Wahn. Denn das ist ja nur der Neid, der da spricht. Dennoch gibt es sehr komische Traditionen um Weihnacht herum, bzw. Sinterklaas, wollen wir uns mal anschauen, wie die Holländer Sinterklaas feiern und zum Frauen schlagen kommen wir auch noch:

Also, mit Sinterklaas ist Nikolaus von Myra gemeint, unser Nikolaus. Myra in der Türkei, etwa 100 km südwestlich von Antalya. Über den Typ ist wenig bekannt, was bedeutete, dass ihm viele Legenden zugeschrieben wurden. Da will so ein verarmter Typ seine 3 Töchter zu Prostituierten machen und Nikolaus schmeißt nachts Goldklumpen in jedes Fenster der Mädels. Was er danach mit den Töchtern angestellt hat, ist nicht überliefert. Außerdem hat er noch Seestürme beruhigt, Körner vermehrt, er rettet wie David Hasselhoff ertrunkene Söhne und bekehrt sogar einen Juden. Kein Wunder, dass er einer der populärsten katholischen Heiligen ist. Dummerweise hat er in jedem Land seinen gesetzlichen Feiertag verloren, sogar in den Niederlanden, wo das eigentlich versucht wacker gegen das US-Coca Cola-Klaus-Gedöns stand zu halten.

Also. Weil die Holländer allen anderen ein wenig voraus sind, feiern sie das Ganze nicht am 6., sondern am 5. Dezember. Der Sinterklaas reitet mit seinem Gaul über die Dächer, weil das Land nicht so groß ist, dass es einen Schlitten und Rentiere braucht, trotzdem kommt er mit seinem Gehilfen, dem Zwarte Piet (schwarzer Peter) durch den Schornstein. Piet wird dabei ganz schwarz, wie durch ein Wunder bleibt Klaas sauber.

Ach, jetzt kommt‘s. Der zwarte Piet ist nicht schwarz durch den Ruß, des Schornsteins, nein nein, das ist ein rassistisch überzeichneter „Neger“ mit dicken Lippen und krausem Haar, der ungebildet und nur einer einfachen Sprache mächtig war. Es gibt drei Theorien warum: 1. Sinterklaas wurde ursprünglich von Teufel begleitet, um die bösen Kinder zu bestrafen und die bösen Erwachsenen machten nicht so wirklich einen Unterschied zwischen Teufel und Mohren. 2. Sinterklaas kaufte einen Sklavenjungen von Petrus frei, der blieb dann bei ihm, aus Petrus wurde Piet oder 3. es sei tatsächlich ein Schornsteinfeger und zwar ein italienischer. Die Apologeten behauptet, das Haar sei durch den Ruß so kraus und die Lippen wegen der Hitze im Schornstein so rot. Ah ja.

Mit dem Schimmel über die Dächer zu reiten hat Sinterklaas übrigens von dem germanischen Gott Odin gelernt, der konnte das nämlich auch. Wie das jetzt zusammenpasst, man weiß es nicht. Auf jeden Fall kommt er auf dem Seewege, er reist per Schiff an und zwar aus … Spanien (wtf?), denn er kam ursprünglich aus der Türkei und seine Knochen werden in Sizilien aufgebahrt. Irgendwas läuft da so richtig durcheinander… und er kommt übrigens mit einem Dampfschiff, weil … ich jetzt am Ende meines Lateins bin.

Jetzt kommen aber noch die regionalen Unterschiede hinzu, denn im friesischen Dorf Grouw, wo wahrscheinlich Asterix und Obelix sehr willkommen sind, leistet man erbittert Widerstand und feiert erst am 21. Februar und zwar St. Piter und damit ist Petrus gemeint und der Talar ist weiß, statt rot. Ansonsten bleibt aber alles gleich.

Außer auf den friesischen Inseln, denn da feiert man stattdessen „Sunderklaas“ am 5. Dezember und nun kommen die Frauen ins Spiel, die müssen nämlich mit den Kindern zu Hause bleiben, während die Männer auf den Straßen rumlaufen und zwar maskiert. So Karneval, oder was. Wenn jetzt aber ein Mädchen oder eine Frau auf der Straße angetroffen wird, bekommt sie einen Schlag. Weil es so Tradition ist.

Wer jetzt denkt, „die spinnen die Holländer“ soll sich mal über das „Klaasohm“-Fest auf Borkum (= „Onkel Klaus“) informieren, und das sind Deutsche, also spinnen wir noch viel mehr.

Jetzt haken aber die Niederländer nach und feiern auf Texel eine Woche nach dem Sinterklaas den Sunderklaas. Hauptsache Feiern.

Denn im 20. Jahrhundert kommt so langsam noch „Santa Claus“. Der übrigens eigentlich Sinterklaas ist und mit den niederländischen Einwanderern in die USA kam und sich da gewandelt hat und dann wieder zurück kam und nun in Konkurrenz zu sich selbst steht. Erinnert mich irgendwie an Graham Chapman von Monty Python, der mal einen Ringkampf gegen sich selbst geführt hat. Er hat übrigens verloren.

Ach so, jetzt denkt ihr Sinterklaas käme am 5. Dezember, nicht wahr? Ganz falsch. Der kommt schon am Samstag nach dem Sankt Martins-Fest, denn schließlich will man ja nicht 3 Wochen feierlos durchs Leben gehen. Nee nee, da kommt er an und hängt dann rum, während die Kinder schon mal 3 Wochen die Stiefel vor die Tür stellen. Ausgerechnet im Winter, wo sie sie vielleicht brauchen. Aber außer ein paar Protestanten hat das niemanden gestört.

Kichern und Picheln – Hausfrauenvereine in der Bahn

Über die Bahn und ihren Service meckern ist ja mittlerweile so Mainstream. Spätestens seit dem Buch “Sänk you for träwelling…” macht es jeder, weil es ja so cool ist. Der Service der Bahn ist schlecht, keine Frage, aber wenn es schon Volkssport ist, dann macht es keinen Spaß mehr. Über die Bahn zu motzen war lustig, als sie noch eine grunddeutsche Institution war, jetzt will ich das nicht mehr. Vor allen Dingen, wenn sich die Bahnreisenden jetzt berufen fühlen, schon bei einer Verspätung von 5 Minuten herum zu motzen, weil die Bahn einfach Scheiße ist – was sie ja auch ist, aber meine Güte, 5 Minuten! Vor allen Dingen, wenn es sich um einen IC handelt, der eine zehnstündige Fahrt von, was weiß ich, Interlaken beginnt und sich nach Rostock heraufbahnt und dann 5 Minuten Verspätung hat, meine Güte, mach das mal mit dem Auto, 10 Stunden fahren und auf 5 Minuten genau sagen, wann man ankommt. Und bei Flugzeugen motzt niemand die Stewardessen bei Verspätungen an. Weil Leutehalt einen Trend folgen und der Trend ist, schimpfen ist okay. Und daher ist es jetzt nicht mehr cool.

Deswegen schimpfe ich jetzt viel lieber über Bahnfahrer, als über die Bahn selbst.

Was mich am meisten aufregt, sind diese kichernden und pichelnden Hausfrauengruppen, die an Wochenenden zum kollektiven Weihnachtsmarktbesuch oder zum kollektiven Wochenend-Trip nach Hamburg aufbrechen und das ganze Abteil mit ihrer nervigen Lautheit und Wichtigtuerei nerven. Schlimmer als 2 Amerikaner!

Die mal ohne ihre fetten schnauzbärtigen Männer ein spannendes Wochenende verbringen möchten und denken, es sei ne tolle Idee, mal an einem Samstag 5 Stunden hin, Sonntag 5 Stunden zurück nach Hamburg zu fahren, um da ein tolles Programm zu absolvieren, Scheißdrecks-Musical schauen (wahrscheinlich Cats oder “Ich war noch niemals in New York”), Hamburg Dungeon, wo Amateurschauspieler mit Kunstblut ein mickriges Gehalt bekommen um Touristen mit “Buh!” zu erschrecken und natürlich Reeperbahn, an Wochenenden nicht viel anders, als die Idiotenversammlung bei einer Kirmes am Autoscooter.

In heller Vorfreude auf ihr geiles Wochenende trinke sie schon um 10 Uhr morgens im Großraumabteil den lauwarmen Sekt aus Plastikbechern und rufen dabei fröhlich “Stößchen!”, weil das ein pseudolustiger debiler Animateur aus dem letzten Cluburlaub auf Rhodos auch ständig gesagt hat und allein damit bei der versammelten Mannschaft kollektive Verzückung auslöste. Und die Plastikbecher sind nicht irgendwelche Plastikbecher, nein es sind diese unsinnigerweise zusammenschraubbaren Zweiteiler. Boden und Kelch müssen aneinander gesteckt werden, obwohl das nicht mal wirklich Platz spart und auch nicht wirklich innovativ ist. Aber halt genauso geil wie “Stößchen!”. Und lustig, derbe lustig, wie ein Kinderüberraschungsspielzeug für einfach gestrickte. Und natürlich sind sie große Tupperware-Fans, denn was gibt es schöneres? Und sie sind so richtig fleißig und haben Knabberzeug mitgebracht, Chips und Minibrezeln, schön schon zu Hause aus den Tüten entfernt und in die Dosen umgefüllt, weil … äh … ja weil halt! Warum schraubt man Sektgläser zusammen?

“Meine Fresse, seid ihr hässlich!” entfuhr es mir. Worauf eine der Schreckschrauben entgegnete “Du bist awwer auch kää Bräd Pitt!”, worauf mir erst mal gar nichts einfiel, aber wer mir in die Comments den besten Comeback zu der Zeile schreibt, kriegt Freikarten für einen Auftritt nach Wahl von mir.

Verdammt, und dann spielen sie laut im Zugabteil Spiele. Im Stehen! Das Ding wo man einen Zettel an der Stirn mit einer berühmten Person hat und raten muss, wer man ist. Natürlich standen Brad Pitt, Johnny Depp und George Clooney auf den Stirnen. Und Angela Merkel. Später packen sie dann den selbstgemixten Wodka-O aus, weil sie sich mal wieder jugendlich fühlen wollen, wie Koma-Säufer. Ja, sie wollen sich jugendlich fühlen, weil die 50-jährigen Trullas seit 20 bis 30 Jahren einen langweiligen Mann zu Hause haben, einen schnauzbärtigen Hemd-in-die-Hose-Stecker, der Abends nur vor der Glotze hängt, wenn er nicht gerade mit seinem Kegelverein einen Saufen geht.

Oder aber die Damen trinken Pina-Colada-Fertigmix und sagen “Oh, lecker, schmeckt total nach Südsee!” – und eine sagt dann “aber des is doch net so salzig?”

Und dann kommt der Fahrkartenkontrolleur und sie kloppen Gags und Sprüche, als ob sie sich für 7 Tage, 7 Köpfe bewerben würden und sie versuchen alle auf einmal mit ihm zu schäkern und zu flirten, als ob sie ein Junggesellinnenabschied wären (was übrigens die zweitnervigste Frauengruppe ist, nach diesen Hausfrauenausflüglerinnen). Und sie flirten, was das Zeug hält, als ob ein 10 Jahre jüngerer Fahrkartenkontrolleur auch nur irgendetwas von der Hausfrauenbande wolle – außer eben ihre Fahrkarten. Und als ob auch nur irgendeine Frau auf Männer stehen würde, die Fahrkartenkontrolleure sind. Da ist doch arbeitslos attraktiver! Das geht nur wenn man um – mittlerweile – 11 Uhr morgens schon so hackedicht und stramm ist, wie Harald Juhnke in seinen besten Zeiten.

In Hamburg angekommen ist die Frauengruppe dann so besoffen, dass sie direkt ins Hotel gehen, direkt ins Bett und alles verpassen, nix ist mit Musical, keine Reeperbahn, kein Dungeon, gar nichts nur am nächsten Tag zurück in den Zug. Wo dann direkt weitergesoffen wird und sich bestätigt wird, dass der Ausflug trotzdem schön war. Schöner als ihre Männer zu Hause auf jeden Fall.

Auch schauen: Hier erfahrt ihr Alles über die Deutsche Bahn

Artikel-Bild von Gerhard Gellinger auf Pixabay

Tanzverbot! Der Gottesstaat NRW

karfreitag ostern

Sehr geehrte Damen und Herren,

fürchtet Euch nicht, wenn ihr katholisch seid. Wenn aber nicht, dann habt ihr in Nordrhein-Westfalen Pech gehabt. Denn dort herrscht heute tatsächlich Tanzverbot. Gut, dass Sonntags die Geschäfte zu haben, habe ich als Atheist schweren Herzens hinnehmen müssen, auch an den gesetzlichen Feiertagen, doch aus welchem Mittelalter die Regelung kommt, dass man tatsächlich heute nicht tanzen darf – mir verschlägt es die Sprache.

Und nicht nur die Discotheken haben heute geschlossen (und zwar schon seit Gründonnerstag 18 Uhr), auch der Theaterbetrieb darf nicht weiterlaufen. Was wie aus fundamentalistischen Kreisen klingt und man sich in Afghanistan, im Iran oder den USA vorstellen kann, ist bittere Realität in Köln.

Wer hier versucht heute am Karfreitag eine Theatervorstellung zu machen, wird hart bestraft. Nicht vom Gott, sondern von der Stadt. Mit bis zu 4000 Euro Strafe wird gedroht. 2010 war ich dafür, dass man einen dieser von mir ansonsten nur mit müder Langeweile bedachten Michael Jackson Flashmobs auf den Straßen Kölns starten sollte. Alle bitte tanzen bis zur Festnahme – egal wo. Mittlerweile wird das tatsächlich gemacht!

Tatsächlich sind bis Karsamstag, 6 Uhr keine öffentlichen Veranstaltungen erlaubt, Märkte, Pferderennen, Zirkus, Volksfeste tänzerische und artistische Darbietungen, Unterhaltungsdarbietungen in Gaststätten und Discotheken – alles verboten, genauso wie Autowaschanlagen und Videotheken. Ach so, Wohnungsumzüge sind ebenfalls verboten.

Kinos dürfen allerdings offen haben und Filme zeigen. Ich habe da ein paar Vorschläge:

1. Footloose

Der Film mit Kevin Bacon als Rockliebhaber, der in eine Kleinstadt zieht, in der Rockmusik, Alkohol und Tanzen verboten sind. Laut Wikipedia basiert der Film sogar auf einer wahren Begebenheit:

„In Elmore City, einer Kleinstadt in Oklahoma, herrschte seit dem Jahr 1861 ein Tanzverbot. Erst 1980 wagten es die Teenager der Stadt, öffentlich gegen dieses Gesetz aufzubegehren. Es war ein Kampf zwischen der Jugend und der konservativen Kirchengemeinde. Als dort nach 120 Jahren eine erste Tanzveranstaltung organisiert wurde, berichtete ganz Amerika darüber.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Footloose)

2. Happy Feet

Ein tanzender Pinguin ist seltsamer weise ein Außenseiter. Tanzen eigentlich Nonnen? Wie dem auch sei, am Ende setzt er sich steppenderweise durch und die Menschen hören daraufhin mit der Überfischung der Meere auf. Ähm.

3. Swing Kids

Gemeiner Vergleich, ich weiß.

Und natürlich

4. Dirty Dancing

Wem fallen noch mehr passende Filme ein? Bitte in die Kommentare.

Allerdings ist das Fernsehprogramm – zwar nicht in tänzerischer Absicht, aber dennoch – beachtlich. Auf RTL II läuft „der Exorzist“ und „Hellraiser 8 – Hellworld“. Frohe Ostern.