Ich verkaufe auch eine CD mit Datensätzen


Ich verstehe wieder nur Bahnhof. Guten Morgen, erst einmal, ich weiß, es ist noch früh, aber ich habe gerade spOn aufgeschlagen und verstehe erst mal gar nichts mehr. Da ist also ein Informant, der irgendwie Datensätze von Steuersündern hat, bietet diese der Bundesregierung für 2,5 Millionen Euro an und da wird jetzt in Berlin ernsthaft debattiert, ob auf das Angebot eingegangen werden soll?

Hallo? Was für Weicheier sind das denn? Zack, verhaften, weg mit dem und dann trotzdem in die Daten schauen. So geht das. Als ein kleiner Hacker StudiVZ Datensätze von gehackten SchülerVZ-Konten anbot und StudiVZ ihn einluden, wurde nicht lange gefackelt – sie ließen ihn verhaften und er brachte sich um. Dass m anderen Fall die Regierung große Verbrecher mit Millionenbeiträgen unterstützt, scheint allerdings vollkommen okay, so lange man dadurch noch mehr Geld sparen kann.

Ich verstehe es nicht, wieso ist da überhapt die Frage, machen wir das eine oder das andere?

Sollen wir in Haiti helfen oder deren Kinder klauen? Ein christliche Hilfsorganisation machte der Bundesregierung vor, dass im Zweifelsfall auch „beides“ geht. Na gut, wahrscheinlich war das ganze nur ein Mißverständnis, aber immerhin lenkt es die AUfmerksamkeit auf Haiti, damit wir es nicht vergessen. 75% der Hauptstadt sind zerstört, 10 Milliarden Euro braucht Haiti für den Wiederaufbau. Das klingt nach einer Mange. Mitte Novemeber 2008 hat die Hypo Real Estate einfach mal so € 50 Milliarden als Finanzspritze bekommen, das Rettungspaket ür die Bankenkrise war insgesamt € 470 Milliarden Euro, da dürfte die Rettung Haitis eigentlich ein Klacks sein.

Wo wir gerade bei Geld sind, kommen wir zu den Tränenlisten. Wie z.B. in Wuppertal, Bochum und Duisburg Theater ums Überlegen bangen, Schulen zusammengelegt werden sollen, Bibliotheken geschlossen und an Kultur und Bildung kaputt gespart wird – trotzdem kann sich Duisburg, die € 840.000 Euro Eigenanteil für die dort stattfindende Loveparade ohne Hilfe des Landes nicht leisten. Auf die Idee, die Versammlung der Idioten abzublasen und mit den € 840.000 Kultur zu förden – darauf kommt niemand. Mus RTL eigentlich von den Gewinnen, die sie bei „Wer wird Millionär? raushauen, etwas abführen, so wie die Lottogesellschaften?

Ach so, die Datensätze. Ja, ich verkaufe eine CD. Sind alle Zahlen von 1 bis 1000 drauf. Sogar in der richtigen Reihenfolge. Wer bietet mehr?

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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15 Gedanken zu „Ich verkaufe auch eine CD mit Datensätzen

  1. Sehr schön geschrieben,
    so denke ich auch oft wenn ich die Zeitung mal lese.

    Die moralie Wertvorstellung scheint immer mehr verzerrt zu sein, je höher der Verdienst ist.

  2. Das Problem ist, wenn man sich die Bankenkrise genau ansieht, dann wird man merken, dass diese extrem hohen Sonderzahlungen tatsächlich nötig sind.

    Denn wenn das Bankengefüge zusammenbricht, DANN wird es richtig teuer.

  3. Als ich am Samstag das erste mal was von der Sache gehört habe, dachte ich „Nee nee… sowas trauen die sich nicht“.
    Die Fragen sind jetzt: eher: Ist das nicht eine Form der Erpressung? Und wer steht als Nächster vor der Tür?

    So. Ich bin dagegen.

  4. Du hast vollkommen recht.

    Ich musste sofort an die Szene aus „Burn after reading“ denken, wo diese Idioten versuchen, den Russen Daten zu verkaufen.

  5. Wie stellst Du Dir denn das Vorgehen gegen den „Dealer“ vor? Sollen wir die Polizei oder die Bundeswehr nach Liechtenstein oder in die Schweiz schicken?

    Außerdem wird der Informant wohl schon irgendwie seine Idee verschleiern.

  6. Ich glaube Liechtenstein und die Schweiz haben auch eine Polizei. Und wenn die Schweiz, die Bundesregierung vor dem Kauf warnt, dass das Geschäfte mit Kriminellen seien, dann hat sie bestimmt nicht nur was gegen den Kauf, sondern auch den Verkauf.

    Demnächst raube ich eine Bank in Liechtenstein aus, und sobald ich zurück in Deutschland bin, bin ich vor der Strafverfolgung sicher, denn die Leichtensteiner Polizei darf ja hier nicht hin?

  7. Klar, die Schweiz hat natürlich ein großes Interesse dran, den ehemaligen HSBC-Mitarbeiter dranzukriegen. Das könnten wir natürlich unterstützen, nur mit dem trotzdem in die Daten schauen wirds dann eher nichts, denn daran hat die Schweiz nun – verständlicherweise – weniger Interesse.

    Bin da auch ein bisschen gespalten, was die Sache angeht, aber fände es schon konsequent die CD zu kaufen, denn die Liechtensteiner Daten hat man ja auch erworben.

  8. Als jemande aus der Region Wuppertal kotzt mich letztangesprochenes krass an.
    Weil kein Geld mehr da ist schließt man Schwimmbäder und andere öffentliche Einrichtungen, spart an den dringend nötigen Straßenreparaturen, aber Mc Donald’s, Mc Paper und Konsorten gehen immer klar.
    Und 65 Millionen um den (wirklich hässlichen) Hauptbahnhof umzubauen sind auch drin, aber Geld um weltberühmte Kulturinstitution wie die Wuppertaler Bühnen und das Schauspielhaus aufrechtzuerhalten nicht. Also schließen den Laden. Pina Bausch ist ja eh tot, wer soll da noch was dagegen sagen..
    Ich kann das garnicht in Worte fassen wie schrecklich ich das finde. Die Stadt ruiniert sich selbst und alle stehen dabei und klatschen Applaus.
    Ein weiterer Grund dafür dass ich froh bin da weg zu sein. Aber irgendwie hofft man dann doch dass es wieder aufwärts geht und ein klein wenig Kultur Fuss fasst.
    Und am Ende ist man wieder enttäuscht..

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