Schwertransport

Die Straße zu meiner Wohnung hat einen Bürgersteig, der so breit ist, wie eine mittlere Fußgängerzone. Über diesen schleppte ich meine gut 50 Kilo Gepäck verteilt auf einen großen Rucksack und 2 große Rolltaschen. Der Weg war eigentlich größtenteils frei, doch irgendwann tauchten vor mir 2 ältere Damen auf, die den gleichen Weg wie ich gingen. Sie schlenderten nebeneinander her, aber da sie ungefähr doppelt so breit wie hoch waren, war nicht mehr viel Platz auf dem Bürgersteig. Bei ihrem fortgeschrittenen Alter hatten sie allerdings Mühe, ihr hohes Gewicht auf den Beinen zu halten, so dass man bei jedem Schritt, wo das Gewicht auf eins der beiden kurzen Beinstummel gelegt wurde, Angst hatte, sie würden seitlich umkippen und die gesamte Breite des Bürgersteigs zu einer hässlichen Unfallstelle machen. Leider legten Sie aber auch kein gutes Tempo vor, es kam mir vor, wie diese Schwertransporte über die man immer aufregende Berichte auf Kabelsendern sieht, Lastwagen, die Windkraftwerke oder Boeingflugzeuge mit 0,5 km die Stunde über deutsche Autobahnen bewegen, bis sich ein Hindernis wie eine Bordsteinkante oder so was ähnliches in den Weg stellt. Oder aber der Transporter, der die Space Shuttle auf die Startrampe bringt. Das ist auch nur ein Weg von einem Kilometer, aber dafür brauchen die irgendwie drei Tage. Na jedenfalls waren die beiden Damen auch noch schwerhörig, so dass sie meine herannahenden Koffer und mein lautes Keuchen nicht hörten. Oder sie wollten es nicht hören. Ich drängelte mich also an der Seite vorbei und – war ja klar – die eine Frau fiel mir fast auf meinen Kofferberg. Entrüstet sagte sie: „Na so was kann ich ja echt leiden“. Und ich: „Na wenn ihr auch keinen Platz lasst!“. Und die höfliche Frau dann: „Ja, Arsch lecken!“. Wow.

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4 Gedanken zu „Schwertransport

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