Sonne, Wäsche und die Deutsche Bahn von 1938 – Teil 1

Vor einigen Tagen war es so sonnig, dass ich gleich drei Wäscheladungen wusch und diese auf dem Balkon zum Trocknen aufhängte. Nichts Böses denkend ließ ich sie über Nacht da hängen und wachte am nächsten Morgen auf, nur um festzustellen, dass es über Nacht geregnet hatte. Große Panik – muss ich jetzt alles noch mal Waschen? Kurz mal die Mutter angerufen, die so was wissen muss, schließlich hat sie ja zwei riesige Balkons. Zum Glück gab es Entwarnung, nein, ich müsse die Wäsche nicht noch mal Waschen, Regen sei doch auch nur Wasser, dass trockne doch wieder. Auf meinen Einwand hin, dass der Regen doch sauer sein könnte, reagierte sie gekonnt mit „Aber doch nicht auf Dich, lieber Junge.“ Irgendwelche Chemikalien und Umweltgifte seien nicht zu befürchten, höchstens Blütenpollen können die Klamotten komisch färben. Aber das hat ja schon meine thailändische Fischerhose getan, daher ließ ich alles zum nochmaligen Trocknen hängen und machte mich dann nachmittags bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zum Kölner Bahnhof, wo ich einen Zug zu meinem Auftritt in Krefeld nehmen wollte.

Am Bahnhof verteilten uniformierte Angestellte einer Firma die Zigarillo mit Filter herstellt kostenlose Probepäckchen an Alle, die an Ihnen vorbeigingen. Kinder, Bettler, Rentner, Reisende, Großfamilien – Alle? Fast Alle. Ich ging dreimal langsam und mit großen Gesten an denen vorbei, aber ich bekam kein Geschenk ab. Ich habe diese Eigenschaft bei solchen Aktionen immer unsichtbar zu sein. Man könnte meinen, dass sei auch manchmal von Vorteil, aber leider klappt der Trick nur, wenn etwas verschenkt wird. Bei Unterschriftenaktionen und Mitgliedswerbung von zwielichtigen Tierschutzvereinen, rechtsradikalen Videoringen oder Marktforschungsinstituten mit jährlichem Mitgliedsbeitrag klappt das leider nicht. Die sprechen mich immer an. Fernsehteams, die mir die Chance geben würden meine unglaubliche Intelligenz, meinen Charme und meinen Witz zu tagesaktuellen politischen Umfragen zu präsentieren ignorieren mich hingegen immer.

Als ich dann im Zug nach Krefeld saß, und die Regentropfen an das Abteilfenster prasselten fiel mir ein, dass ich etwas vergessen hatte. Die Wäsche vorsorglich vom Balkon zu nehmen.

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

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