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Gedanken vom Pferd

Sternstunden der deutschen Synchronisations-Geschichte

 

Gedanken vom Pferd 69 – Gastkolumne von Weidler

“Motherfucker” mit “Schweinebacke” zu übersetzen war – ganz ohne Ironie – eine der Sternstunden der deutschen Synchronisations-Geschichte.

Moderne Männer wie ich haben es schwer.
Zwar generell uninteressiert an Fußball, muss ich nun doch Interesse an Frauenfußball heucheln, um mich von konservativen Proleten abzugrenzen.


Eine elegant gekleidete stark parfümierte Frau Ende 40 bemängelte 15 Minuten lauthals die Zustände in einem nicht Sterne würdigen aber doch passablen Restaurant. Sie wiederholte sich darüber hinaus vielfach. Ihr sehr stiller Begleiter gab ab und an beschwichtigende Kommentare von sich – vergebens.

Als der sehr junge Kellner die Bestellung aufnehmen wollte, ließ sie ihrer Rage dann freien Lauf:
“Ich möchte die Rechnung. Ich wollte hier einen gemütlichen Abend verbringen, aber es ist kalt (Es war tatsächlich nicht warm, aber wir saßen auch im Wintergartenbereich, nicht im beheizten Restaurant), die Musik ist furchtbar laut (es lief Easy-Listening-Jazz auf Zimmerlautstärke), und es stinkt nach Bratfett (Es roch weniger nach Essen als nach ihrem aufdringlichen Parfum). Wir bekommen die Rechnung. Ziehen Sie bitte gleich ab!”

Der Kellner entschuldigte sich für all das und fragte, ob er eine Entschädigung anbieten könne, woraufhin sie tatsächlich noch pampiger wurde.

G.v.P.: “Wissen Sie, mir wäre es recht gewesen, die Musik wäre wesentlich lauter gewesen, dann hätte ich Ihr unerträgliches Gekeife nicht mit anhören müssen. Ich wollte nämlich auch einen gemütlichen Abend verbringen.”

Die Frau (zu ihrem Begleiter): “Beeil dich. Ich möchte hier weg. Die Gesellschaft ist ja auch nicht die beste.”
G.v.P.: “Sie wird zum Glück gleich wieder besser.”

Hihihi. Ich bin stolz auf mich.

Ich hab ne Runde vom Wirt spendiert bekommen, und Applaus vom Nachbartisch. Und bestimmt 10 Minuten leise gegluckst.

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Gedanken vom Pferd

Gegen eine Fruchtfliegenplage hilft am besten eine Marienkäferplage – Gedanken vom Pferd 68

 

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Als der Bordcomputer der Normandy SR2 mir erklärte, wie der auf dem EPR-Effekt beruhende Niedrigbandbreite-Kommunikator, der aus technischen Gründen ausschließlich mit dem Zwillings-Gerät in der Zentrale verbunden ist, funktioniert, liefen mir ein paar Freudentränen die Wangen runter.

Schön, wenn echte SciFi-Fans Spiele herstellen.

Ich habe heut erstmals den Fehler gemacht, in der faz Onlineausgabe Kommentare zu einem Artikel zu lesen. Es ging um die “Warnung vor dem Paradies“, sprich, vor erneuerbarer Energie. Der Artikel – selbst eher ein Kommentar – war etwas einseitig und spielte mit der Furcht vor teuren ineffizienten Windräder-Wäldern – bald auch vor deiner Tür – und dem Untergang der Wirtschaftsmacht Deutschland (wegen der Windräder). Nunja, Stefan Dietrich hat zumindest in so fern recht, dass dies ein vermeidenswertes Szenario ist.

Der Meinungstrend in den Reaktionen lässt ein empfindsames Gemüt jedoch schlicht erschauern. Beiträge wie dieser von Bertram von Steuben erhalten dort gute Bewertungen und offensichtlich viel Rückhalt der Leserschaft: “Die Öko-Faschisten haben uns mit ihrem Verhalten die letzten 30 Jahre gezeigt, wie man Meinungen manipuliert […] uns Befürwortern der Kernenergie steht ein harter, gewalttätiger Weg bevor.”

Gewalt ist immer ein guter Weg. Zahlt es ihnen heim, den Schweinen.

An anderer Stelle befürchtet Felix Höfling die negative Auswirkung der Windkraft auf den Wind selbst: “Ein Windpark, der eine ansehnliche Ausbeute bringen soll, muß so hoch und ausgedehnt sein, daß er die Luftströmungen sicherlich nachhaltig und dauerhaft verändert“.

Da ist natürlich was dran. Wer sowas übrigens auch macht: Ein Wald. Man sollte sie alle abholzen, die kulturbolschewistischen (Ich wollte das Wort nur auch mal nutzen) Wälder, die sie unseren guten deutschen Wind aufhalten. Von den Gebäuden gar nicht erst zu sprechen. Die verdammten Gebäude.

Und so geht es weiter. Jede gemäßigte Stimme der Vernunft wurde dagegen mit Massen an Negativstimmen bewertet.
Ein weiterer Kommentar, den ich leider nicht mehr finde, macht die Grünen derweil alleinverantwortlich für zwei Jahrzehnte stagnierender Nettolöhne.

Warum reden überhaupt so viele von “Ökodiktatur”, aber niemand von “Umweltschänderdiktatur” (Oder was auch immer das Gegenteil eines Ökos ist)? Wenn ich mir Waren- und Energiemärkte angucke, sehe ich da ehrlich gesagt keine fehlenden Wahlmöglichkeiten für Menschen, die den Weg hedonistischer Gleichgültigkeit bevorzugen. Von einer Diktatur kann also schwerlich die Rede sein. Aber “Demokratisch ökologische Entwicklung auf Grund zunehmender Aufklärung und Interesse” klingt auch kacke. Und nicht nur, weil es grammatikalisch falsch ist.


Der Entwicklungsstand von Kleinstraum-Lautsprechern hat in den letzten 10 Jahren einen beachtlichen Fortschritt gemacht.
Hightech Produkte von der Größe einer Getränkedose können bereits eine verblüffende Klangqualität erreichen.

SciFi-Regisseure und -Spielehersteller scheinen sich jedoch nicht von der liebgewordenen Vorstellung trennen zu können, dass Außerirdische, die wegen eines inkompatiblen Gas-Stoffwechsels Atemmasken mit integrierter Sprechanlage tragen, wie PC-Lautsprecher aus den 80ern klingen. An einem Grammophon.

Aber ich bin ehrlich: Ich will es ja auch.

Eine Diskussionsrunde mit Mahmud Ahmadinedschad, Muammar al-Gaddafi, Tom Cruise, Charlie Sheen und Lemmy.
Thema völlig frei, keine Moderation.
Wer das miterlebt hätte, könnte zufrieden sterben. Er hätte alles wichtige gehört und gesehen.

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Gelungenes Advertising in der Apotheke – Gedanken vom Pferd 67

 

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Gelungenes Advertising in der Apotheke.

Ich benötigte ein Gel-Kühlkissen für meinen Knöchel. Die Apothekerin verschwand im Lager und kam kurz darauf mit einer Auswahl an Artikeln zurück. Sie erklärte mir Vorzüge, Funktionsweisen und Unterschiede der einzelnen Produkte. Ich hörte ihr nicht richtig zu. Mir war klar, dass ich das mit den Pinguinen auf der Packung nehmen würde.

Bei der Außenbestuhlung des Nordsee-Imbisses spielte ein alter Mann Geige. Den Godfather Waltz. Immer und immer wieder. Er war der schlechteste Geiger in der Öffentlichkeit, den ich je gehört hatte.

Er war so schlecht, dass auch musikalisch völlig unbedarfte nicht umhin kamen, die Falschheit praktisch jedes einzelnen Tons zu bemerken.
Während ich gegen mein Gewissen ein Matjesbrötchen genoss, erfreute ich mich der leidenden Blicke der Imbiss-Besucher, der Leute auf den Bänken um den Fußgängerzonen-Brunnen und des Nordsee-Personals.

Bevor ich ging, warf ich ihm zwei Euro in den Geigenkasten, um ihn weiter zu ermutigen.


“Wir nehmen alle guten Ideen und entfernen das Gute daraus.”
(GEZ)

(Vom Autor frei erfundenes Zitat)

Ein Mann saß auf einer Parkbank und wollte sich eine Pfeife mit Streichhölzern anzünden. Das klappte nicht so richtig wegen des kräftigen Windes.
Eine stark übergewichtige Frau kam gerade des Weges, sah die Not und manövrierte ihren als Windschutz perfekt geeigneten Körper in die richtige Position, so dass die Befeuerung der Pfeife nun gelang.

Solche Gesten sind das reißfeste Material im Faden, an dem der Glaube an die Menschheit hängt.

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Laubbläser aus der Hölle – Gedanken vom Pferd 66

 

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Was ist nur aus dem guten alten Rechen geworden.
Laubbläser kommen direkt aus der Hölle.

Gegenüber hat ein bekannter saarländischer Fleischwarenhändler seinen Hauptsitz.
Eine mehrjährige empirische Analyse der in’s Büro strömenden Gerüche hat ergeben, dass alle Produkte aus lediglich drei Grund-Rohstoffen hergestellt werden:
Fleischkäse, Räucherforellen und fermentierter Mischkot.


Lokale Abtrennungsmentalitäten sind noch alberner als Bundeslandspatriotismus oder -bashing.
Franken sind auch einfach nur Bayern und Schwaben einfach nur Baden-Württemberger, und sie alle sind einfach nur Deutsche.

Wenn ihnen das nicht passt, sollen sie halt einen Bürgerkrieg anfangen, wie jede ethnische Minderheit, die was auf sich hält.

Wenn ich mal nen SciFi drehe, sind die Außerirdischen auf jeden Fall Wiederkäuer.

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Die Sommerzeit wäre ne super Idee gewesen, hätte man bei ihrem Einsatz die Winterzeit abgeschafft

 

Gedanken vom Pferd 65 – Gastkolumne von Weidler

Was, wenn uns in Deutschland Sirenen vor einer furchtbaren Katastrophe warnen sollen, und es ist Samstag und 12 Uhr mittags?

Aus einem Spiegel-Onlinefilmchen zum Thema schwarze Löcher: „…und entwickelt so enorme Anziehungskräfte, die sogar die Raumzeit krümmen.“ Man mag mich korrigieren, aber krümmt nicht auch ein – nur als Beispiel – Kuhhaufen die Raumzeit?


Aus rein beruflichen Gründen wurde ich – die letzte Bastion der unvernetzten Freiheit – genötigt, mir einen Facebook-Account anzulegen.
So weit sind wir nun schon. Als nächstes wird man von mir verlangen, mir eine Payback-Karte anzueignen.
Nach dem ersten großen Ärger mit der Anmeldung (“Optimus” wurde nicht als Vorname zugelassen) fragte Facebook als nächstes fröhlich nach meinem Email-Postfach-Kennwort.
Um meine Emails auf Freunde durchsuchen zu können.

Fassungslos starte ich den Bildschirm an und überlegte, ob das da wirklich steht, ob das wirklich passieren kann. Wie in Zeitlupe klickte ich auf “überspringen”.

Dann fiel mir ein, dass ich ein gmail-Postfach von google benutze.

Ich teile mir mit meinen Nachbarn im selben Haus den Garten. Das ist eine nötige Information, um der Geschichte folgen zu können:

Der Nachbarn vierjährige Enkeltochter spielte bei ihrer Oma im hinteren Bereich des Gartens. Nach einer längeren Salve unverständlichem Gebrabbel des Mädchens hörte ich klarer die Worte meiner Nachbarin “Ja, dann lauf schnell hoch zum Opa!”.
Die Enkeltochter stackste daraufhin x-beinig an mir vorbei, blieb dann aber stehen und wägte ab, ob ihr Anliegen relevant genug war, es mir mitzuteilen.
Sie entschied sich für “Ja”.

“Duuuuu?”
“Ja bitte?”
“Ich muss gaaaanz dringend kacken!!”
“Ja, dann lauf schnell hoch zum Opa!”.

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Inkubationszeiten sind die schönsten Zeiten – Gedanken vom Pferd 64

 

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

„Die Ansteckungsgefahr ist kaum größer als bei einer normalen Grippe – aber die Tödlichkeit kann weitaus höher sein. Das ist das Gefährliche.“

Von einem gewissen „Stefan Schubert“ von einer gewissen „Uniklinik Leipzig“.
Ich hab ja immer gedacht, Tödlichkeit wär was binäres.

Irgendwas ist immer dramatisch, katastrophal oder bricht dramatisch ein. Irgendwem droht ständig irgendwas dramatisches. Alles scheitert dramatisch, alle sind insolvent. Und Abstürze gibts auch immer. Vor allem dramatische.

Die Presse wird es nicht müde, allen einzureden, einzubläuen, in die Köpfe zu hämmern, wie schlimm die Zeiten sind.

Für jede hysterische Krisensuperlative im Aufmacher gibts eine gebrochene Nase in der Spiegel-Online-Redaktion. Das wär mal ne sinnvolle Initiative zur Krise.


Auf Salami zu verzichten und dafür Thunfischpizza zu essen ist ein falscher Ansatz, die Welt zu retten.

Fußgängerampeln sind hauptsächlich ein pädagogisches Mittel des Staates. Ideal, um Kindern beizubringen und Erwachsenen Tag für Tag vorzuhalten, dass staatliche Weisungen, und wenn sie von einer stupiden Zeitschaltuhr kommen, über der Vernunft des Individuums stehen.

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Schweinerocker kriegen Schweinegrippe – – Gedanken vom Pferd 63

 

Gedanken vom Pferd – Gastkolumne von Weidler

Online-Rollenspiele haben mich nie gereizt. Wenn ich schon mal am PC spielen und viel Zeit damit verbringen möchte, dann will ich auch der verdammte Held sein. Ein unterer Durchschnittstyp in einer Masse aus desintressierten Anonymen kann ich immer sein, dafür brauch ich keinen Computer.

In meinem Stammforum wurde neulich die Frage gestellt, wie die Mitglieder sich ihr Utopia vorstellen.
Nach meiner Schilderung einer supercomputer-geführten Öko-Diktatur kam ich später zu dem Schluss, dass es mir für mein Utopia vorerst reichen würde, wenn sämtliche käufliche Waren, ihre Herstellung und Herkunft absolut transparent sein müssten.
Und die fiese Wahrheit als Warnhinweise wie auf Zigarrettenpackungen auf jedem Artikel angebracht wäre.

Von wegen hier grinsendes Ringelschwanz-Schweinchen auf „Gut-und-Günstig“-Wurst Man stelle sich ein Supermarktregal vor. Auf etlichen Produkten prangen Siegel wie diese:

„Achtung! Dieses Produkt wurde unter unzumutbaren Arbeitsbedingen hergestellt. Auf die Arbeiter wurde enorme physische und psychische Gewalt ausgeübt. Sie sind nicht sozial abgesichert und unterernährt.“

„Achtung! Mit dem Kauf dieser Ware tragen sie zum Aussterben dieser Fischart und etlicher Beifangarten bei. Der Hersteller betreibt kein Engagement zur Nachhaltigkeit.“

„Achtung! Zur Herstellung und zum Transport dieser Ware ist ein unverhältnismäßig hoher Energieaufwand nötig. Bis zum Erreichen dieses Kühlregals benötigt dieses Produkt das Energieäquivalent von bis zu 2 Liter Erdöl pro kg.“

„Achtung! Zur Herstellung dieser Ware wurde Saatgut des Saatgutmonopolisten ****** eingesetzt, der mit mafiösen Methoden Konkurrenten und Kleinbauern in den Ruin treibt.“


Kann man eigentlich davon ausgehen, dass die Presse die Wirtschaftskrise genauso aufgebauscht hat, wie jetzt diese bescheuerte Schweinegrippe aufgebauscht wird?

Wenn ja, ist es ja alles nicht so schlimm.

Get a life, Journalistenpack.

Ich zitiere mich mal selbst mit einem Beitrag vom 7. Mai 2003:
„Seit der Entdeckung von SARS sind nun mittlerweile ca 400 Menschen daran gestorben.
Täglich sterben 7.500 Leute an Malaria.
An schlichter Dummheit wahrscheinlich noch viel mehr.“