Schilda am Hamburger Hauptbahnhof

Am Hamburger Hauptbahnhof gibt es einen neuen Schildbürgerstreich der deutschen Bahn. Für den Ticketkauf musste man ja schon immer viel Zeit einplanen, denn die Schalter werden ja standardweise so besetzt, dass man immer erst nach gefühlten zwei Stunden bedient wird. Am Automaten geht es zwar etwas schneller, dennoch dauert es ewig, bis man geschätzte 56-mal auf den Touchscreen gedrückt hat, um das gewünschte Ticket zu erhalten.

Was am Automaten natürlich fehlt, ist die kompetente Beratung. Aber die fehlt am Schalter auch.

Am Hauptbahnhof jedenfalls wurde ein Haufen neuer Automaten aufgestellt – damit es endlich schneller geht? Mitnichten. Ich bekam zwar sofort einen freien Automaten zu schnappen und gab gewohnt gekonnt meine Fahrtinformationen ein. Als ich fertig war, spuckte der Automat einen Papierstreifen mit der Verbindung und einem Barcode aus.

Das war nicht die Fahrkarte, nein, mit diesem Barcode musste ich mich wieder an einen anderen Automaten anstellen (da war natürlich zunächst keiner frei), diesen den Barcode per Scanner einlesen lassen, dann die Fahrkarte zahlen und erst dann die Fahrkarte erhalten.

Dass der Barcode bei den meisten Fahrgästen erst beim dritten Mal erkannt wurde, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Dass er bei vielen gar nicht ging, sondern umständlich per Hand eingetippt werden musste, war ja von vornherein klar. Wer denkt sich so etwas eigentlich aus?

Flattr this!

Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von „ui. der blog.“, Außerdem „ui. der vlog.“ auf Youtube und diverse andere Projekte.

Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott.

G+

4 Gedanken zu „Schilda am Hamburger Hauptbahnhof

  1. Billige Automaten spucken die Barcode-Zettel aus, während teure, die die ganze Bezahlungsapparatur beinhalten, nicht mehr stundenlang von den Bedienern blockiert werden, um deine gefühlten 56 Tasten zu suchen.

    Ich find das verblüffend clever.
    Wenn es funktionieren würde.

  2. Hallo lieber bahngeplagter Manuel,

    also mir hat das Automatengehopse vor meiner Fahrt nach Rostock sehr viel Spaß gemacht. Und nur EIN Automat konnte den Barcode nicht lesen; dafür war daneben gleich ein anderer frei, da die meisten designierten Nutzer mit fragenden Blicken voyeuristisch herumstanden. Frohgemut, mit guten Erfahrungen im Sinn ging ich auch in Rostock an einen Automaten, der dann sinnigerweise bei den überhöhten Preisen der Bahn keine 50-Euro-Scheine annehmen konnte/wollte; bei der nächsten Kundin ging es dann. Ähm ja, und bei dem Automaten sollte die Fahrt 22,90 Euro kosten, während der Automat daneben, auf den ich auswich, und der nur Kartenzahlung akzeptierte, lediglich 21,20 Euro verlangte. Erstaunlich, was? Wenn morgen die Bahn mein Konto leergeräumt hat (was an sich schon ein ziemlich guter Witz ist), weiß ich, warum das so ist.
    Naja, ich muss die Bahn glücklicherweise nur 2-3x im Jahr nutzen.
    Schöner Sonnengruß, Anke

  3. Was habt ihr Steinzeitmenschen gegen Kartenzahlung?
    Dann habt ihr auch keine Probleme mit 50Euro-Scheinen.
    Und ich nehm an, dass es mit Karte vermutlich billiger ist als mit Bargeld, um die Kundschaft zum Umsteigen zu bewegen, weil Kartenleser etwa um den Faktor 1.000 billiger sind als Geldwechselautomaten.

    Ganz im ernst, manchmal kann ich die Bahn verstehn.

  4. Ich habe nichts gegen Kartenzahlung und keine Probleme mit 50-Euro-Scheinen. Einen hätte ich halt gern in den Automaten getan, weil’s praktisch ist, Geld, das man sowieso im Portemonnaie hat, auszugeben. Und Du hast recht, mit Karte zahlen, ist am Automaten (im Gegensatz zum Laden, Supermarkt etc., wenn man den potenziellen Mehreinkauf wegen nach oben verschobenen Zahllimits unberücksichtigt lässt) günstiger. Ich habe noch ein schönes Gedicht zum Thema Bahn gefunden:

    Der ICE hat eine Bremsstörung hinter Karlsruhe
    von Robert Gernhardt

    Lila umflammt der Flieder die Hütte.
    In Blumen versinkt die rostende Wanne.
    Staubtrocken der Weg. Es zerrt unablässig
    ein Wind an den Gräsern.

    Alles im Rausch: Die Schwalben, die Blüten
    Alles im Lot: Die Zäune, die Hecken
    Alles im Licht: Der Schotter, die Schwellen
    Alles im Arsch: Die Bremsen, der Zeitplan.

    Jaja, so habe ich mich auch in der mecklenburgischen Wallachei gefühlt…, und die Sonne brannte durch die ungetönten Fensterscheiben, und die Rollos waren von ungesundem Grün.

    Gruß, Anke

Kommentar verfassen