aktualisiert: Nach Belgien mit der Bahn – eine Odyssee in 17 Akten


Da ich in Kürze nach Belgien muss (siehe hier), habe ich versucht, Fahrkarten bei der Bahn zu kaufen:

Akt 1: Ich gehe auf bahn.de, gebe in der Suchmaske meine gewünschten Reisedaten für die Hinreise Köln – Leuven ein. Ich erhalte die Hinweise „Gesamtpreis nicht ermittelbar“, aber gleichzeitig „zur Buchung“ und „Rückfahrt hinzufügen“. Stutzig drücke ich erst einmal auf „Rückfahrt hinzufügen“ und gebe die Daten der Rückfahrt ein.

bahn1

Akt 2: Ich erhalte 3 Fahrt-Alternativen zur Auswahl:
– „Gesamtpreis nicht ermittelbar / zur Buchung“
– „Unbekannter Auslandstarif / zur Buchung“
– „Preisauskunft nicht möglich / zur Buchung“

Mich beschleicht der Verdacht, die wollen mir ein Ticket verkaufen, ohne mir vorher den Preis zu nennen. Ist so etwas nicht illegal? Kommt da kein Verbraucherschutzverein in die Quere? Ich entscheide mich, mal „zur Buchung“ zu drücken, um zu sehen, was passiert.

Akt 3: Jetzt wollen die auch noch mein Alter wissen. Ich erhalte: „Bitte geben Sie hier das korrekte Alter der Reisenden ein – dies ist erforderlich für die Preisberechnung des Auslandstarifs (es gelten länderspezifische Altersgrenzen)“

So? Es gibt Länder, wo ein 35-jähriger günstiger reist, als ein 45-jähriger? Und wenn ich jetzt mein Alter eingebe, wird mir der Preis gesagt? Immerhin, einen Versuch ist es wert, vielleicht wird mir dann ja endlich der Fahrtpreis gesagt.

Akt 4: Ich habe mein korrektes Alter eingegeben und lande wieder bei Akt 2. ich erhalte noch einmal die Rückfahrtmöglichkeiten aufgelistet: „Gesamtpreis nicht ermittelbar“, „Unbekannter Auslandstarif“, „Preisauskunft nicht möglich“. Mit der Anzahl der Klicks bis jetzt, hätte ich bei amazon.de schon 5 Bücher bestellen können und hätte auch den Preis erfahren. Ich drücke dennoch „Buchung durchführen“.

Akt 5: Ich kann tatsächlich bestellen, ohne dass mir der Preis gesagt wird! Ich erhalte „Preisauskunft nicht möglich“, und kann mir trotdem das Ticket per Post schicken lassen. Immerhin erfahre ich, dass das zusätzliche € 3,50 kostet – was auch schon wieder Wucher ist, denn so einen Brief zu verschicken kostet höchstens 55 Cent. Also bekommt die Bahn noch einmal € 2,95 geschenkt, dafür dass ich was bei denen kaufe – verkehrte Welt. Über ein „Freitextfeld“ kann ich meine Wünsche an das Servicepersonal eintragen, außerdem bekomme ich den Hinweis: „Die Preisermittlung unter Einbezug aller Sparangebote kann erst im Servicecenter erfolgen.“

Akt 6: Mir ist das zu riskant, ich möchte zuerst wissen, was ich bezahlen muss und bin mir nicht sicher, ob die mich noch kontaktieren, wenn ich buche, oder mir dann einfach was sauteures buchen, schließlich gibt es ja Millionen Tarife zur Auswahl, dank der beliebigen Sitzplatzkontingente-Spielereien. Mir kommt fast vor, dass die Mafia ehrenwertere Herren sind. Ich konsultiere die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ um herauszufinden, ob ich mich zum Kauf verpflichte, wenn ich jetzt auf „weiter“ klicke: Bedeutet „weiter“, dass die Buchung damit abgeschlossen wird oder dass ich danach noch einmal (zum 4ten Mal?) bestätigen kann/muss/darf? Ich finde nichts, was darauf hinweist, dass ich die Karte nicht bezahlen muss, wenn mir vorher der Preis nicht genannt wird und beschließe, das Ticket erst mal nicht zu kaufen und mich an die Bahn direkt zu wenden.

Akt 7: Jetzt gibt es was zu lernen. Wenn man die Bahn über bahn.de kontaktieren will, fällt es ziemlich schwer. Man kann sich durch FAQs blättern, man kann hoffen, das richtige Kontaktformular zu finden, um irgendwem eine Nachricht zu hinterlassen, oder man kann eine kostenpflichtige Nummer anrufen, was genauso bescheuert ist, wie kostenpflichtige Einkaufswagen im Supermarkt. Wer ist denn hier der Kunde und wer will wem was verkaufen? Die Adresse, um einfach eine E-Mail zu verschicken, sucht man vergeblich, denn daran kann die Bahn ja nichts verdienen. Es gibt sie aber: fahrkartenservice@bahn.de und für so richtige Beschwerden kundendialog@bahn.de – Außerdem hatte ich bereits mit bahncard@bahn.de und bahncard-service@bahn.de zu tun.

Merkt Euch also, diese Adressen, damit kommt ihr wenigstens kostenlos ein wenig schneller ans Ziel, wenn ihr mal wieder Trouble mit der Bahn habt.

Akt 8: Ich schreibe also an die Adresse eine tierisch lange Hass-Tirade, frage nach: „Ich kann doch nicht blind dem zustimmen, ohne zu wissen, wie viel das Ticket kosten wird?“, beschwere mich über den Zeitaufwand und fordere, „dass sie schleunigst ihren Internetauftritt und die AGBs ändern, damit so eine Verwirrung nicht weiter stattfindet.“

Akt 9: Ich erhalte Antwort, unter anderem:

„Für Ihre Internetbestellung wird von uns selbstverständlich der günstigste Preis ermittelt. In der Bestellmaske können Sie zudem im Feld „Wünsche an das Servicecenter“ vermerken, dass Sie für die gewählte Verbindung zunächst eine unverbindliche Preisinformation haben möchten. Unser Service-Team wird Ihnen dann den entsprechenden Preis nennen und erst nach Ihrer ausdrücklichen Zustimmung die Fahrkarte ausstellen.

Um den Gesamtpreis Ihrer Reise ins Ausland vorab zu erfahren, können Sie auch unsere Kolleginnen und Kollegen beim DB Reise-Service über die Rufnummer 0180 5 99 66 33 (14 ct/Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk ggf. abweichend), unseren DB Reisezentren oder den DB-Agenturen kontaktieren.“

Da war sie wieder, die kostenpflichtige Rufnummer. Ich tue dennoch, was mir gesagt wurde, führe die Bestellung durch und vermerke in dem Feld, dass ich bitteschön den Fahrpreis erfahren möchte. Das war am 15.3.

PAUSE: Ich höre 7 Tage lang nichts, aber auch gar nichts von der Bahn

Akt 10: Am 22.3. logge ich mich auf bahn.de ein und schaue in die Buchungsrückschau. Dort entdecke ich meine Buchung und es wird der Status „unbearbeitet“ angezeigt. Ich schreibe wieder an den Fahrkartenservice, u.a.: „Macht das Reisezentrum gerade Urlaub oder was ist da los?“

Akt 11: Ich erhalte Antwort:

„Ihre Reise kostet 46 Euro. Der Thalysfahrschein gilt bis Leuven. Bitte setzen Sie sich mit unserem Servicecenter in Verbindung, das Sie täglich von 07:30 – 21:00 Uhr über die Rufnummer 0180 5 10 11 11 (14 ct/Min. aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk ggf. abweichend) erreichen.“

Moment mal. Den ganzen Stress da oben habe ich doch gemacht, um dem Anruf bei der kostenpflichtige Nummer zu entgehen? Ich begab mich auf eine mehrtägige Odyssee, um wieder am Anfang zu landen? ich schreibe zurück:

„Ja, das ist doch nett. Ist der Fahrschein nun bestellt oder nicht? wenn ja, wieso soll ich denn dann noch anrufen? Wenn nein, wieso habe ich dann auf „Buchung durchführen“ gedrückt? Eine telefonische Bestellung hätte ich auch ohne das Internet durchführen können. Genau um das zu umgehen, habe ich doch auf bahn.de bestellt. Was ist nun los?“

Akt 12: Weil ich keine Antwort erhalte, dafür aber langsam Panik bekomme, rufe ich doch im Service-Center an. Die dunkle Seite der Macht hat gewonnen. Ich frage, was „Ihre Reise kostet 46 Euro. Der Thalysfahrschein gilt bis Leuven.“ bedeutet. Ist das Ticket also bestellt? Ich werde informiert, dass es noch nicht bestellt sei und der Kollege mich gefragt hätte (in der Mail), ob ich es zu den Konditionen haben wolle. Ich lese der Frau am Telefon die Mail vor, um ihr klar zu machen, dass da keine Frage drin stand. Die Frau sagt mir, dass das das aber bedeute, auch wenn da was anderes stehe. Ich erkläre der Frau, dass wenn ich „Arschloch“ sage, es nicht „Arschloch“, sondern „Auf Wiedersehen“ bedeutet, und hänge auf.

Akt 13: Ich rufe noch einmal an, weil ich vergessen habe, zu sagen, dass ich das Ticket haben will. Die Frau sagt mir: „Das Ticket wird Ihnen nun zugeschickt“ und ich hoffe, dass das das auch bedeutet und nicht etwa „Arschloch“.

Akt 14: Einen Tag später erhalte ich das Ticket in der Post. Noch einen Tag später erhalte ich eine E-Mail vom Fahrkartenservice und zwar zwei Mal:

„Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

Ihre Mail befindet sich noch bei uns in Bearbeitung. Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung. Sie erhalten in Kürze eine Antwort von uns.

Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag.“

Akt 15: Ich informiere den Fahrkartenservice, dass ich das Ticket verdammt nochmal schon in den Händen halte, aber gleichzeitig:

„Allerdings ist das Ticket bis nach Liege ausgestellt, ich habe aber bis Leuven gebucht.“ und „Wann meine Rückfahrt in Leuven los geht, weiß ich auch nicht, denn das steht auf dem Ticket nicht drauf, da es ja nur ab Liege gebucht ist.“

Akt 16: Ich erhalte eine Antwort:

„Sehr geehrter Herr Wolff,

vielen Dank für Ihre Rückfrage.

Ihre Buchung wurde am 26.03.2009 bearbeitet und zum Postversand aufgegeben.

Es würde uns freuen, Sie auch weiterhin auf unseren Seiten und in unseren Zügen begrüßen zu dürfen.“

Ich zertrümmere Einrichtungsgegenstände und mache mir erst mal einen Kaffee.

Akt 17: Bahnchef Mehdorn tritt zurück

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Über ui.

Manuel Wolff ist der Autor von "ui. der blog.", Außerdem "ui. der vlog." auf Youtube und diverse andere Projekte. Hauptberuflich Stand Up Comedian und Musikkabarettist und Improgott. G+

20 Gedanken zu „aktualisiert: Nach Belgien mit der Bahn – eine Odyssee in 17 Akten

  1. „….und erst nach Ihrer ausdrücklichen Zustimmung die Fahrkarte ausstellen…“

    heisst das nicht, NACHDEM du bescheid gibst? also quasi wie eine frage?

  2. Mein Beileid, da hat sich scheints alles gegen dich verschworen.
    Auslandskarten werden nur zu bestimmten Tarifpunkten (größere Städte) ausgestellt, und wenn du zu nem anderen willst, müssen die das „per Hand“ im Servicecenter bearbeiten.
    Ich mach das immer so, daß ich ins Bemerkungsfeld schreibe, ich will maximal xx Euro zahlen und wenn nicht, sollen die’s stornieren.
    Das hat bisher immer geklappt.

  3. @devblogger: Das Ticket hat €46 Euro gekostet, eine Auto kostet viel mehr. Außerdem kann ich die Vorschläge „Auto“ ehrlich gesagt nicht mehr hören. Siehe die Diskussion mit dem Schweizer unter dem letzten Lied vom Freitag. Oder kannst Du z.B. ein Buch lesen, schlafen oder am Laptop arbeiten, während Du Autofährst? Und wo stellst du das Auto die Woche über hin?

    @experte: Was? Ich hab kein Wort verstanden, was Du sagen willst. Bitte noch mal von Borne

    @Georg: Vollkommener Blödsinn, dann stornieren die das und ich bekomme es nicht mit. Und wie soll ich denn ohne Ticket nach Belgien dann?

  4. Normalerweise bekommst du eine Nachricht, wenn es storniert wird.
    Und außerdem kannst du dich ja auch einloggen und nachschauen, ob die Buchung storniert wurde.
    Ich glaube, du kannst bei amazon nur so schnell 5 Bücher bestellen, weil du dich bei amazon gut auskennst. Wer sich bei der Bahn gut auskennt, schafft das dort genauso gut.

  5. Nein, ich schaffe das bei amazon.de so schnell, weil meine Daten da liegen und die mir glauben, dass ich wenn ich auf 1-click-„bestellen“ klicke, das Buch einfach haben möchte.

    Und ein Buch einen festen Preis hat und nicht tausende Preiskategorien für ein und dieselbe Reise. Und amazon de sich auch nicht dafür interessiert, wie alt ich bin und mein Alter keinen Einfluss auf den Preis hat.

    Und bei amazon ein Brief nicht 3,50 kostet.

    Außerdem kenne ich mich bei der Bahn viel besser aus, ich hab schon viel mehr Tickets bei der Bahn gekauft, als Bücher bei amazon.

    und ich soll selbst nachschauen, ob storniert wurde? Ist ja noch schöner! Die sollen das doch machen! Außerdem: Was bringt mir ein storniertes Ticket. Wie soll ich denn dann an den Ort kommen, an den ich fahren will? Vor allen Dingen, wann wird es storniert? Erst ist ja mal eine Woche lang gar nichts passiert…

  6. Pingback: ui « Dia-Blog
  7. ich zitierte ne zeile aus deinem text ( akt 9 )
    …Unser Service-Team wird Ihnen dann den entsprechenden Preis nennen und erst nach Ihrer ausdrücklichen Zustimmung die Fahrkarte ausstellen.

    das ist für mich die aussage, DU musst zustimmen, DANN stellen sie aus. zwar keine frage mit fragezeichen, aber ne aufforderung. DAVOR passiert nichts

  8. naja, so einfach ist amazon auch nicht. Beispiel: kaufe eine CD. Versandkosten 3,00 Euro ! Ein Buch: umsonst. Man kann aber auch Premiumversand wählen, dann kostet es 6 Euro… oder gleich prime, dann ist es noch anders. So, und über 20 Euro Bestellwert ist auch die CD im kostenlosen Versand… aber nicht vom marketplace… da muss man höllisch aufpassen, sonst hat man in seinem Warenkorb am Ende 4 Artikel von 4 verschiedenen Händlern und zahlt 4 mal Versand…
    Das mit dem Alter liegt am fehlenden Einigungswillen der bahnen, im jungendlichen und senioren-alter kann es tatsächlich unterschiedliche ergebnisse geben.
    schön ist trotzdem anders!

  9. Diesen Online HickHack, gerade bei Auslandsreisen per Bahn, habe ich aufgegeben. Fahre da lieber zum nächsten verwalteten Bahnhof, um mir dort ein unfreundliches Gesicht anschauen zu dürfen. Mir die Frage an den Kopf werfen zu lassen – warum ich es nicht online machen tät – um 30 min später meine Tickets in der Hand halten zu dürfen. Danke liebe Bahn.. Toll das es dich gibt.

    Ich glaub der Weg des geringsten Widerstands würde deinem Blog garnicht gut tun. 🙂
    Finds immer wieder toll deine Geschichten zu lesen. Mach weiter so.

  10. Kennst du den bahn blog? Ein inoffizieller Blog, bei dem man wirklich auch Tränen lachen kann und in dem dein Beitrag sehr passend wäre. Die 17 Akte sind einfach nur genial und entsprechen vor allem der Realität, passender hätte es kaum sein können. Da ist Fliegen eindeutig leichter und ich nutze für den Urlaub sowieso nur noch Flugzeug und vereinzelt die Bahn-zu schlecht sind auch meine Erfahrungen.

  11. Jahre später: habe gerade versucht, online den Preis für ein Ticket nach Paris zu erfahren: Pustekuchen!
    Es hat überhaupt nichts genützt, dass Mehdorn deinetwegen gehen musste…

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